Leumi-Strafe zeigt: ZKB und Julius Bär werden bluten

Nach US-Tarif droht beiden je 1 Milliarde – Bär-Collardi hat null und nix zurückgestellt, dafür gibt er sich Superbonus – braucht ZKB Kapital?

Boris Collardi ist ein Hochseiltänzer. Er gelobt vieles, um wenig später das Gegenteil zu verkünden. Doch nun kommt der Payday. Und was für einer.

Die USA werden sich wohl bald Collardis Julius Bär vorknöpfen. Den Tarif im Steuerkrieg haben die Amis soeben durchgegeben. Die israelische Leumi-Bank muss 400 Millionen Dollar zahlen.

Das lässt für die Zürcher Privatbank und ihren Überlebenskünstler an der Spitze das Schlimmste befürchten. Die Israelis werden vor allem bestraft, weil sie in der heissen Phase ab 2008 US-Schwarzgelder der UBS und anderer Banken übernommen hatten.

400 Millionen Dollar solcher Vermögen landeten gemäss Deal mit den USA bei der Leumi. Mit anderen Worten. Alles, was die Leumi akquiriert hatte, nachdem das Offshore-Steuermodell aufgeflogen war, geht in Form einer Busse zurück über den Teich.

Umgelegt auf die nächsten Banken, die im Visier der USA stehen, würde das horrende Bussenzahlen bedeuten.

Die Julius Bär war in der Phase, nachdem die UBS im Frühling 2008 von der US-Justiz hart angepackt wurde, sehr aggressiv im Akquirieren von US-Schwarzgeldkunden. Sie zahlte den externen Vermögensverwaltern die höchsten Finder’s Fees, sprich Vermittlungsprovisionen.

Bär hatte eine lange Tradition mit US-Kunden. Ihre Familiengründer verbrachten zum Teil ihr Leben in Übersee, es gab tiefe Beziehungen zu reichen amerikanischen Clans.

Die Folge waren hohe Vermögen aus Amerika, die wohl grösstenteils nicht versteuert waren. Es könnte sich um ein Volumen von rund 8 Milliarden handeln. Bär-Chef Collardi sprach einst von einer maximal einstelligen Milliardenzahl.

Die Julius Bär liegt damit hinter der UBS, die mit 20 Milliarden Dollar US-Schwarzgeld einsame Spitze war, zusammen mit der CS auf Platz 2.

Das macht die Lage für Collardi gefährlich. Die CS musste im Mai fast 3 Milliarden Dollar Busse in den USA zahlen, um den Kopf aus der Schwarzgeld-Schlinge zu ziehen.

Je nach Berechnung der US-Justiz dürfte für Collardi und seine Bär-Bank eine Busse von einer Milliarde Dollar nicht überraschen.

Aus dem Umfeld von Collardi heisst es stets, das US-Problem sei bald gelöst und die Busse würde moderat ausfallen. Es wird das Bild einer wenig gravierenden Altlast gezeichnet.

Entsprechend hat Bär bisher keine Rückstellungen für ihr US-Problem getätigt. Die Bank stellt sich dabei auf den Standpunkt, dass nach Buchhaltungsstandard IFRS erst dann Geld zur Seite gelegt werden könne, wenn konkrete Anhaltspunkte für die Höhe eines Abschreibers vorlägen.

Das sehen andere Betroffene komplett anders. Die CS hatte bereits 2011, also 3 Jahre vor der effektiven Zahlung, rund 300 Millionen Dollar abgebucht.

Auch die kleine Basler Kantonalbank hat schon lange 100 Millionen Dollar für die vermutete US-Busse zurückgestellt. Damit trage man der laufenden Entwicklung Rechnung, begründeten die Basler.

Boris Collardi hingegen, der ständig von neuen Übernahmen redet, gleichzeitig seine riesige Informatik-Modernisierung vor sich herschiebt, hat null-komma-nichts für das US-Desaster bereit gestellt. Er rast splitternackt durch die Landschaft.

Für das Hier und Jetzt macht sich seine Strategie bezahlt. 2014 wird für den CEO, der von vielen als herausragender Banker der heutigen Generation betrachtet wird, zum nächsten Superbonus-Jahrgang.

Unbelastet von der drohenden Busse aus Übersee kann Collardi eine weitere Millionenausschüttung erwarten. Rechnet man sein bisher übliches Totaleinkommen von rund 6 Millionen bei gut 5’000 Mitarbeitern hoch, dann ergäbe dies im Fall einer Grossbank über 50 Millionen – einsamer Weltrekord.

Was soll ich mich um morgen kümmern, wenn es heute so schön ist, dürfte sich Collardi sagen. Er kann hoffen, dass die US-Busse statt einer Milliarde „nur“ 500 Millionen betragen wird. Dann stünde er als Sieger da.

Die gleiche Taktik wendet Martin Scholl an. Der Chef der ZKB gibt derzeit das Geld des Steuerzahlers mit vollen Händen aus.

Für rund drei Viertel Milliarden hat der oberste Kantonalbanken-Chef soeben die Assetmanagerin Swisscanto übernommen. Die vielen Millionen nimmt die ZKB aus der eigenen Schatulle.

Der Zeitpunkt ist heikel. Die ZKB könnte wie die Julius Bär eine der höchsten Bussen im US-Steuerfall bezahlen müssen.

Die Staatsbank war ab Frühling 2008 ebenfalls überdurchschnittlich aktiv beim Aufsaugen von flüchtigem US-Schwarzgeld von der UBS. Innert weniger Monate schwellte ihr Bestand an amerikanischen Guthaben auf rund 1,8 Milliarden Dollar an.

Hier liegt der Kern der Geschichte. Die Leumi akquirierte gemäss US-Deal „zusätzliches  Vermögen von 401 Mio. $“ zu einer Zeit, als „eine Reihe Schweizer Banken bereits damit aufzuhören“ begannen.

Bei der ZKB waren es rund vier Mal mehr. Was bedeutet das für die Busse? Eine Milliarde Dollar Ablass wäre unter dieser Betrachtung nicht einmal mehr besonders viel.

Aus der „weltweit bestkapitalisierten“ Bank, wie CEO Scholl seine ZKB unlängst betitelte, könnte über Nacht ein Staatsinstitut werden, das erneut mit dem Hut in der Hand bei der Politik die Runde machen muss.

Kommentare

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  1. Also, ich habe nicht gern Collardi und alle die Paradeplatz Banksters. Etwas muss ich aber sagen, wann werden wir Schweizer und Europäer endlich die Amis auch mit Bussen bestrafen???

  2. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser hochbegabte Banker an die Spitze der CS gehört. Dort wird ja händeringend eine vertrauenwürdige Person gesucht. Pam könnte dann seine Nachfolge antreten, und Brady würde in den VR der CS (Criminals of Switzerland) wechseln, um weiterhin die Plünderung der CS zu überwachen. Damit die Boni in die richtigen Taschen fliessen.

  3. Kommt Zeit, kommt Rat. Wir werden sehen. Und vielleicht heisst es ja dann „auf Wiedersehen, Boris“. – Und ein neuer „Boris“ wird an die Spitze gespült.

    • Könnte ja durchaus sein: Kometen verglühen in Erdnähe öfters.
      Also schaut zum Himmel, der Komet verkündet aber diesmal nicht den Erlöser.