Vontobel-Chef Zeno Staub ohne „Balls“

Statt im Private Banking kauft CEO im Assetmanagement – Ende der Ambitionen in Beratung – Deutscher Blender als Sieger.

Die Deutschen prägen die Geschichte der Zürcher Traditionsbank Vontobel. Von Hoeness über Präsident Scheidt bis hin zum aktuellen Coup.

Der sieht gemäss der Internetseite Finews den Kauf der Meriten Investment vor, eines grossen deutschen Assetmanagers mit über 20 Milliarden Vermögen und Tochter der bekannten Bank of New York Mellon.

Es wäre das Werk des zuständigen Chefs bei Vontobel Axel Schwarzer. Schwarzer, auch er aus Deutschland, wäre Sieger, umgekehrt stünde Private-Banking-Chef Georg Schubiger im Regen.

Kommt der Deal – die Bank Vontobel publizierte heute morgen husch-husch eine halbpatzige Ankündigung –, dann ist das eine weit reichende Weichenstellung.

Das heutige Übergewicht des Assetmanagements wird zementiert.

Umgekehrt würden die Zürcher ihre Ambitionen im Private Banking begraben. All die jüngsten Einstellungen bekannter Figuren und teurer Teams wären für die Katz gewesen.

Die letzte Ur-Zürcher Privatbank mit Gewicht und Ambitionen will ausgerechnet jenes Geschäft aufgeben, das sie sich auf die Fahnen geschrieben hat.

Dies, nachdem sie bei Deals immer Zweite gemacht hatte. Nie hatte die Vontobel-Spitze den Mumm gehabt zuzugreifen, wenn in jüngerer Zeit eine Privatbank eine neue Heimat suchte.

Der Grund heisst Zeno Staub. Der Mann mit dem dick gefüllten akademischen Schulsack liebt die Welt der Analyse, der Zahlen.

Dealmaking hingegen ist nicht Staubs Ding. Statt am WEF neue Kontakte zu knüpfen, steht der Vontobel-Chef am Abend lieber zuhause am Herd.

Bezeichnend war das Zerwürfnis mit Pierin Vincenz. Statt den Raiffeisen-Chef mit einem neuen Kooperations-Angebot zu gewinnen, endete der Streit der zwei als Scherbenhaufen.

Die grosse Bühne überlässt Staub seinem Chef, Vontobel-Präsident Herbert Scheidt. Scheidt und Schwarzer, die beiden Deutschen ganz oben bei den Zürchern, haben Oberwasser.

Heute wird klar: Staub konnte der Bank nicht den Stempel aufdrücken. Es rächt sich, dass der Vontobel-Chef sich vor seiner Berufung nie mit einem mutigen Deal beweisen musste.

Diese stammten von anderen – und entpuppten sich als Rohrkrepierer.

Scheidt, der Vorgänger von Staub auf dem CEO-Stuhl, kaufte den Schweizer Ableger der Commerzbank. Die Übernahme brachte wenig, sie gilt heute als Flop.

Im Assetmanagement kam Vontobel unter Axel Schwarzer ebenfalls nicht auf Touren. Dessen Multiasset-Class-Strategie mit dem Boutiquen-Modell entwickelte sich langsam und zäh.

Damit blieb Schwarzers grösste Sorge der Inder-Star Rajiv Jain. Von New York aus beherrscht Jain mit seiner Performance das ganze Assetmanagement der Vontobel.

Jain brachte Milliarden an Frischgeld, erzielte gute Resultate für die Kunden und seine Arbeitgeberin. Dank Jain wurde das Assetmanagement zum Turbolader der Bank.

Zum einzigen. Der Rest darbte. Und Jain war der Star – und das grösste Risiko. Sein Absprung hätte die Vontobel in die Tiefe gezogen.

Entsprechend stieg die Abhängigkeit von Axel Schwarzer als Leiter der Division von seinem wichtigsten Mitarbeiter.

Weil Schwarzers Boutiquen-Strategie das Problem Jain bisher nicht entschärfen konnte, zündete der Deutsche Stufe 2 seiner „Rakete“.

Eine grosse Übernahme. Damit gewinnt Schwarzer Zeit. Die nächsten zwei bis drei Jahre ist Vontobel mit der Integration der gekauften Firma und dem weiteren Ausbau der Division absorbiert.

Ein weiterer Hosenlupf, diesmal im Private Banking, ist unwahrscheinlich. Das würde Mittel und Ressourcen der Vontobel übersteigen.

Damit ist das Rennen gelaufen. Vontobel wird zum grossen Assetmanager mit angehängter Produktefabrik in Zürich und einer lahmen Vermögensverwaltung.

Ist es die richtige Strategie für die Bank mit ihren 1’300 Angestellten?

Sicher ist, dass Zeno Staub sich für seinen eloquenten und eleganten Assetmanagement-Chef Axel Schwarzer und gegen seinen Private-Banking-Leiter Georg Schubiger entschieden hat.

Eine Wahl für den Blender und gegen den stillen Schaffer.

Wie beim Fall Vincenz zeigt sich auch hier: Staub fehlt das Feeling.

Kommentare

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  1. Strategisch scheint mir diese Akquisition völlig richtig. Im Asset Management spielt die Musik. Was überhaupt gäbe es denn im Private Banking heute noch zum Akquirieren? Hauptsächlich doch nur unversteuerte Kundenvermögen und problematische Märkte/RMs.

    • Die Frage ob eine AM- oder PB-Akquisition richtiger ist, stellt sich meines Erachtens so nicht. Beide Wege sind legitim, sofern sie in eine stringente Strategie eingebunden sind. Der Versuch von Vontobel, im PB organisch, auch über die Neuanstellung von RMs, zu wachsen und gleichzeitig das Key Man Risk in der Person im AM in der Person von Rajiv Jain über Zukäufe zu kompensieren, erscheint leider aber unkoordiniert, zufällig und aus der Not heraus aus dem Hut gezaubert.

  2. Liebe Leser,
    schon immer war das Motto „Never throw good money after bad money“. VT macht das genau richtig, warum noch Geld in den sterbenden Schwan investieren, wenn die Zukunft im Asset Management liegt? Kollege Schubiger war und ist kein Private Banker und wird es auch nie werden.

    • Die Kritik an Schubiger ist nicht zielführend und unangebracht, hat er das PB von Vontobel doch fit für akquisitorisches Wachstum gemacht, welches ihm jetzt leider verwehrt wird. Es bleibt abzuwarten, ob er daraus die richtigen Schlüsse zieht.

  3. Staub wird seinem Vorgänger Scheidt immer ähnlicher. Er mag ja ein gescheiter Kopf sein. Charisma und unternehmerisches Geschick gehen ihm aber völlig ab. Man darf sich fragen, wie lange sich der glücklose CEO noch im Sattel hält.

  4. PB-Chef Schubiger sollte den Bettel eigentlich hinschmeissen. Zuerst muss er das kränkelnde Privatkundengeschäft von Vontobel sanieren. Und dann lässt ihn CEO Staub im Regen stehen. Integrität und Verlässlichkeit sehen anders aus.

  5. Eine unklare Strategie kombiniert mit einer grossen Portion Dilettantismus und Selbstüberschätzung. So wird das nichts, Herr Staub.

  6. Die ’neuen‘ AM-Kollegen in Düsseldorf freuen sich sicher auf Axel. Die Kolleginnen möglicherweise etwas weniger. Zieht Euch warm an, Mädels.

    • Schwarzer scheint im Gegensatz zu seinem Chef wenigstens Eier zu haben, die er auch einzusetzen weiss.

  7. IP bringt oftmals Müll. Die heutige Analyse bringt es aber auf den Punkt. Vontobel verliert sich in übergrossen Ambitionen und setzt falsche Prioritäten. Scheidt und Staub packen es einfach nicht. Time for change, bevor die beiden die Bank ganz gegen die Wand fahren.

  8. Soll noch einer die Strategie von CEO Staub verstehen. Das Private Banking hat sich damit wohl erürbrigt. Der Anfang vom Ende. Rette sich wer kann.

    • Wir IP-Leser. Wenn halt bei „Paradeplatz – Tag & Nacht“ sonst nichts passiert.