Swisscom und ihre IT-Bankenstars: Alle weg

Mit Promis aufgepeppte IT Services still&leise ins Mutterhaus integriert – Cisullo und CS-Cracks überflüssig – Kunden weg.

Mit Getöse lancierte die staatliche Telefongesellschaft Swisscom vor ein paar Jahren mit ihrer IT Services eine Tochter, um im Banken-Informatik-Markt eine Grossoffensive zu starten.

Nun verliert der Staatsmonopolist massiv an Terrain. Die Basler Kantonalbank, die Bank Coop und die Valartis Bank – überall haben die Swisscom und ihre Tochter bereits Grossaufträge verloren.

Kürzlich meldete die Neue Luzerner Zeitung auch noch den Abzug der Clientis-Bankengruppe. Die Regionalbanken verlagern ihren Betrieb aus dem nebligen Swisscom-Mittelland ins alpine Graubünden zu einer Anbieterin namens Inventx.

Der Massenexodus hat System. Die Swisscom als Outsourcing-Generalisten verliert gegen Banking-Spezialisten wie B-Source oder Inventx immer mehr an Attraktivität.

Die Inventx hatte schon zuvor die Migros Bank, die ostschweizerischen Regionalbanken Graubündner KB, St. Galler KB und Thurgauer KB und weitere für sich gewonnen.

Mit dem Clientis-Coup hat sich das nur in Fachkreisen bekannte Unternehmen in der Szene endgültig zur ernsthaften Konkurrenz gemausert.

Umgekehrt wird die Lage für die Swisscom brenzlig, was das Outsourcing im Bankenumfeld betrifft.

Am Unternehmen mit Sitz im Berner Vorort Ittigen hält die Eidgenossenschaft mit 51 Prozent die Mehrheit, was in Berner Amtsstuben zunehmend zum Thema wird.

Zwar ist der Moloch, dessen Kern auf die alte Telefonie-Ära zurückgeht, derzeit noch gut im Bankengeschäft verankert. Allerdings just in jenen Bereichen, in denen es nicht mehr viel zu holen gibt und wo die Margen sinken.

Telefonie, Netzwerk, Scanning und Outputmanagement, Wartung und Betrieb von „Blech“ (Server, Storage, PC) sowie IT-Support – alles Auslaufdienste.

Kommt hinzu, dass der Service nicht stimmt.

Jedenfalls klagen diverse Bankenkunden über mangelndes Business-Verständnis, umständliche Abläufe und überrissene Preise für Dienstleistungen, die anderswo automatisiert oder in Billigländern ausgelagert sind.

Die Lage mutet grotesk an, weil die Swisscom in den letzten Jahren einen geschassten IT-Bankenchef nach dem anderen bei sich willkommen hiess und sich so einen exklusiveren Zugang zur Geschäftsleitungsetage wichtiger Schweizer Banken erhoffte.

Im Gegensatz zur Raiffeisen-Gruppe, wo CEO Patrik Gisel sich Macher und Experten aus seinem früheren Umfeld zur Rettung seines gefährdeten Avaloq-Mammutprojektes suchte, vertraute Swisscom auf die Wirkungskraft klingender Namen.

Sie konnten in der Hierarchie nicht hoch genug sein; und es ging gleich in den Verwaltungsrat der Swisscom IT Services, wo alle Fäden zusammenliefen.

Einsitz im illustren Kreis nahmen insbesondere Vertreter der UBS und Credit Suisse.

Allen voran Claudio Cisullo, Herr der Industrialisierung bei der UBS. Dass Cisullo selbst Unternehmer im Outsourcing-Bereich war, störte offenbar nicht.

Noch wesentlich intensiver wurde die Credit Suisse umworben.

Von dort schafften es mit Karl Landert und seinem Vorgänger Bruno Bonati gleich beide Ex-CS-Chefinformatiker in den VR der Swisscom IT Services.

Und somit auf die Payroll der Swisscom; ganz nach dem Motto: „Doppelt hält besser“.

In der offiziellen Version im Swisscom-Comuniqué hiess dies so:

„Landert soll mit seinen profunden Fachkenntnissen sowie seiner ausgezeichneten Vernetzung den Verwaltungsrat in idealer Weise ergänzen und Swisscom IT Services dabei unterstützen, neue Märkte zu erschliessen und das Kundenwachstum weiter voranzutreiben.“

Landert selbst konnte die Swisscom schon immer gut leiden. In seiner Zeit als oberster CS-Informatiker verlieh er der Telekommunikationsanbieterin den „Credit Suisse IT Supplier Award 2008“.

Urs Schaeppi, damaliger Leiter Grossunternehmen bei Swisscom und nun CEO des Telekom-Konzerns, bedankte sich artig und betonte: „Die Credit Suisse hat sich zu einem unserer grössten und innovativsten Kunden entwickelt.“

Nun, einige Jahre später, zeigt sich: Mag auch die CS die innovativste Kundin der Swisscom sein, für so manche Regional- und Kantonalbank scheint die IT-Tochter des Staatsbetriebs nicht gut genug zu sein.

Zur Entfremdung zwischen den Regionalbanken und der Swisscom beigetragen hat wohl die Eingliederung der zuvor weitgehend autonom geführten Swisscom IT Services in die „Swisscom Enterprise Solution“.

Die Swisscom IT Services hatte damit ihren Dienst getan. Kommuniziert worden ist das nie richtig.

Kein Wort war von den Verantwortlichen, die zuvor laut die Werbetrommel gerührt hatten, zu hören, dass das Unternehmen faktisch aufgehört hat zu existieren, da es nur noch eine Division des Mutterhauses war.

Schweigen auch zur Verabschiedung der einst stolz präsentierten, illustren VR-Truppe mit den Banken-Topshots Landert, Cisullo & Co.

Ins Bild passt, dass sich die Swisscom immer noch so darstellt, als ob nichts passiert wäre. Das alte Organigramm der Swisscom IT Services mit den Namen aller VR-Mitglieder und dem alten Logo findet sich weiterhin.

Der Druck auf den „Staatsbetrieb“ Swisscom und dessen Chef Schaeppi steigt – durch die Wettbewerbsbehörden rund um die geplante Zusammenarbeit mit Ringier und dem Staats-Fernsehen.

Mehr noch wegen der Kritik, der Konzern sei „überall dabei“, vom Budget-Handy bis zum Finnova- und Avaloq-Integrator. Es fragt sich: Wofür steht Swisscom?

Zudem halten es gute Leute offenbar nur kurz beim Ex-Monopolisten aus, wie das Beispiel von Ruedi Wipf nahelegt.

Der frühere CEO der Adnovum, eine bekannte Softwarefirma, heuerte 2012 bei der Swisscom an. Nun geht er bereits wieder eigene Wege.

Sein Vorgänger, Adnovum-Firmengründer Stefan Arn, hat nicht die Swisscom als Arbeitgeberin gewählt. Aber einen anderen Grosskonzern, die UBS.

Zumindest ihm scheint es dort zu gefallen. 2007 war Arn überraschend zum Finanzmulti gesprungen. Fast ein Jahrzehnt später ist er immer noch dort.

Könnte vielleicht Arn als Bankenkenner und Informatiker den Schweizer Riesen Swisscom als IT-Outsourcer fit trimmen?

Kommentare

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  1. Naja dieser Bericht ist ja sehr einseitig, da gab es auch andere Stimmen von weiteren Newsportalen die das doch etwas differenzierter sehen…

  2. Scheint offenbar dem Januarloch geschuldet: verstehe die Kernaussage gar nicht, zumal es Swisscom IT Services schon seit mehr als 1 Jahr gar nicht mehr gibt – und ES so oder so nicht. Zudem funktioniert der Link nicht… Vielleicht sind auch hier die guten Leute verreist! Es gibt immer Verbesserungspotenzial, aber mit der Telefongesellschaft hat Swisscom gem. meinen Erfahrungen nicht mehr viel zu tun. Schade, dass die Konkurrenz nicht vorher aktiv geworden ist, das würde uns Kunden viel besser behagen. Aber niemand wollte sich investieren. Siehe auch Details im Swiss Banking Handout von Active Sourcing.

  3. Bonati war top (auch menschlich).
    Sanzone fachlich eher schwach auf der Brust.
    Landerts CMMI geriet etwas aus dem Ruder, dafür gab’s Architektur (auch im Business!) und eine klare Stossrichtung.
    Roth/Mathers als de-facto CIO klar überfordert von der Komplexität.

  4. Ich kann mich noch erinnern, dass das sogenannte Outsourcing Center jedes Jahr Zahlen vorlegte, um zu beweisen, dass Outsourcing effizient und Kostensparend ist. Die Angaben waren auf 2 Nachkommastellen genau. Ich bezweifle, ob das so genau geht. Aber die MultimediaInszenierungen waren genial. In den Filmchen, die man ansehen durfte, war immer viel Platz, ein sehr gepflegtes Ambiente und das wichtigste, es gab viel gutaussehende Frauen zu sehen.
    Superbe!

  5. Landert und innovativ? Aehm?

    War es nicht eben dieser Herr Landert, der alles verhinderte, was auch nur Ansatzweise innovativ aussah, immer mit dem Hinweis dass sei jn der Bankenwelt nicht möglich da zu risikoreich? Den Statusquo hat er mit verbürokratisierten Prozessen (CMMI) zementiert, gut funktionierende Teams auseinandergerissen und sie über Durchlauferhitzer aka. Requirementsengineer und Qualitymanager dann wieder „verbunden“. Telefonspielchen auf hohem Niveau. Das Business hat jeweils A bestellt und Y erhalten…

    PS: Die Manager-Mittelschicht hat allerdings willfährig mitgespielt und dabei die eigene Belegschaft mehrmals verraten…

    • Nicht zu vergessen, die ´enormen Kosteneinsparungen´ durch die überwiegend grenzwärtig beschäftigten und ausgebeuteten Inder

  6. Zur letzten Frage: bringt sich da der Arn schon wieder selbst ins Spiel, wie vor ein paar Wochen bei der Raiffeisen? Versagte bei der UBS bezüglich vermeintliche Einsparungen, wenn man denn tatsächliche Resultate/Kosten/Schädigung Humankapital/Qualität etwas genauer unter die Lupe nimmt – aber Hauptsache irgendwie im Gespräch bleiben…?

    • der Hammer ist ja, dass S. Arn an internen Mitarbeiterveranstaltungen Sätze fallen lässt wie: „die IT müsse lernen sich selbst besser zu verkaufen“ weil sonst quasi die bösen Manager alle noch outsourcen.

      Wessen Aufgabe in der IT Organisation wäre es nun die IT zu verkaufen? Vielleicht hat Stefan da eine Selbstreflektion vorgenommen, angekommen ist das aber anders…….

      dies Trümmer IT Shops bringen ja hüben wie drüben nichts mehr auf den Boden. Siehe UBS /CS IT, siehe aber auch eine Avaloq die teilweise über die eigene Grösse stolpert, siehe nun auch Swisscom.

      Da sag ich mir: klein aber fein. Keine Verzettelung, kein riesiger Shop, dafür eine anständige & nachhaltige Rendite.

  7. Karl L, showman ohne viel Inhalt. Als er gerade angefangen hatte crashte die TEV, und Monsieur war an einer Konferenz, als echter Seminarhengst. Kein banking Mann. Bonati ist besser. Kontrolle und Kostenbeherrschung. War bei Landert nie wichtig.

    • Landert landet immer und überall – aber viel mehr als Landen tut und kann er nicht. Ein Grossschwätzer der sich gut in Szene setzt und wenns für ihn brenzlig wird, sichert er sich mit Mediainszenierungen für ein Weilchen ab, bevor er eine Türe weiter zieht.
      Ausser Untergebene hat das aber noch niemand geschnallt.