Vier Jahre Notenstein, und kein Schritt weiter

Wegelin-Erbe zerschlagen, Stillstand bei den Kunden – neuer Schweiz-Chef setzt Ticino-Mann ab – Tummelplatz für Karrieristen.

Am 27. Januar 2012 platzte die Bombe. Die Bauern- und Retailbank Raiffeisen kaufte die alt-ehrwürdige Privatbank Wegelin und machte sie unter Notenstein zu ihrer neuen Speerspitze.

Vier Jahre später herrscht Ernüchterung. Die Notenstein Privatbank stagniert, hat nichts mehr mit der alten Wegelin zu tun und wird von Karrieristen gelenkt, die am Stuhl ihrer Chefs sägen.

Die Folgen sind verheerend. Die verwalteten Vermögen können nicht einmal gehalten werden; und dies, obwohl die Notenstein Zukäufe tätigt.

Die Bank schafft sich eigene Widersacher, indem sie gestandene Leute hinaus drückt, die dann Konkurrenz-Institute eröffnen.

Und sie baut eine Struktur auf, die erneut Risiken schafft. Statt rigoros mit Good old Swiss Banking aufzuräumen, herrscht wieder Hochkonjunktur bei intransparenten Strukturen.

Vom selbst gesteckten Ziel ist die Raiffeisen-Privatbankentochter, die den Genossenschafts-Riesen endlich auch als Vermögensberaterin für Gutsituierte positionieren sollte, meilenweit weg.

Dritte Kraft nicht nur im klassischen Geschäft mit KMUs, Sparern und Häuserbesitzer, sondern auch im Schweizer Privatebanking – das muss sich die Notenstein Privatbank abschminken.

Vielmehr geht das Durchwursteln weiter. Vier Jahre und kein Ende, lautet das Fazit.

Das Problem sind wie immer die Leute.

Notenstein-Chef Adrian Künzi steht zuoberst. Er war ein von den Altlasten unverbrauchter Wegelin-Partner und erhielt den Auftrag, mit Notenstein die Raiffeisen auf die Privatebanking-Landkarte zu setzen.

Künzi gab sogleich ein grosses Ziel vor. Zu den drei besten Privatbanken der Schweiz sollte sein Institut gehören.

Dafür konnte Künzi klotzen. Die Mutter Raiffeisen hatte unendlich Geld und Geduld mit ihm. Er konnte schalten und walten, teure Chefs mit ihren Teams verpflichten, Übernahmen tätigen.

Kurz: Aus dem Vollen schöpfen.

Doch Künzi ist ein Intellektueller, kein Manager. Einer, der nie laut wird.

Dafür hat er seine Buddies. Und die nützen den Freiraum auf eine Art, die zum grossen Stillstand bei Notenstein geführt hat.

An vorderster Front steht ein Manager namens Silvan Schriber. Der Banker war vor ein paar Jahren von der UBS zur Notenstein gestossen und übernahm den wichtigen Markt Zürich.

Sozialisiert in der Grossbankenwelt, tat Schriber, was er sich gewohnt war. Er baute ein kleines Königreich für sich.

Mehrere UBS-Berater gingen mit Schriber zur Notenstein. Die Kultur, die von der alten Wegelin her patronal war, änderte sich von Grund auf.

Sie wurde hierarchisch – und politisch.

Es ging um die eigene Positionierung, die eigene Karriere. Um sich selbst.

Schriber sägte von Beginn weg am Stuhl seines Vorgesetzten, heisst es aus Notenstein-Kreisen.

Mit Folgen: Sein Chef Martin Schenk, ein gestandener Wegelin-Mann, verliess die Notenstein und gründete mit der Berner Zähringer Bank eine ernsthafte Konkurrenz.

Doch auch in Zürich kam es zu einer Abgangswelle. Im 2014 verliess ein Topteam mit Wegelin-Senioren die Notenstein und ging mit der eigenen Tell & Partner Vermögensverwaltung an den Start.

Letzten Sommer schliesslich sprangen drei Jungtürken von Bord, welche die Notenstein modernisieren wollten.

Silvan Schriber liess dies nicht zu. Er will allein das Sagen haben.

Künzi lässt ihm freie Hand. Und holte mit einem Manager von Schroder & Co. einen neuen Schweiz-Chef.

Martin Liebi muss nun die Wegelin in der Schweiz endlich zum Wachsen bringen. Dafür macht er das, was seine Vorgänger schon versucht haben.

Er installiert neue Köpfe. Diese Woche wird kommuniziert, dass der Chef für die Region Tessin ausgewechselt würde.

Der neue Mann kommt von Konkurrentin Safra Sarasin. Der Alte hat seinen Dienst getan.

Wie gut frische Besen kehren werden, muss sich weisen. Allein mit solchen Auswechslungen dürfte sich nicht viel zum Besseren wenden.

Vielmehr droht Notenstein zu einem Flickenteppich zu werden. Statt die Chance einer von Altlasten befreiten Privatbank zu nutzen, schafft die Notenstein gefährliche neue Strukturen.

In Basel geniesst die letztes Jahr übernommene La Roche ein Eigenleben. Die Privatbank, die ein paar Milliarden Kundengelder zur Notenstein brachte, wird nicht richtig integriert.

Sondern als eigenständiger Bereich Basel unter die bestehende Struktur angehängt.

Für die alte LaRoche-Crew würden selbstverständlich die gleichen zentralen Kontrollmechanismen gelten wie für den Rest der Bank, heisst es aus Notenstein-Kreisen.

Warum aber die erworbene La Roche freischwebend bleibt, leuchtet nicht ein.

Ausser, dass unter Künzis Führung die regionalen Fürsten ihre Macht behalten und ausdehnen können. In Zürich, in Basel, und vielleicht bald auch im Tessin.

In der Mutterbank Raiffeisen sieht man offenbar keinen Handlungsbedarf. Die Notenstein bleibt an der langen Leine und kann weiterwursteln.

Dafür reagieren die Kunden. Die verwalteten Vermögen sinken. Ein Insider spricht von beschleunigten Kundenabgängen zum Start des Jahres.

Trotz La Roche, trotz der früheren Akquisition des Schweizer Geschäfts der Baden-Württemberg-Landesbank tritt die Notenstein bei rund 20 Milliarden Kundenassets an Ort.

Das weiss auch Chef Künzi. Deshalb hat er 2016 zum Jahr des Wachstums aus eigener Kraft gekürt.

Doch davon war schon früher die Rede.

Weitere 4 Jahre bleiben ihm kaum.

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22 Kommentare zu “Vier Jahre Notenstein, und kein Schritt weiter

  1. Das ganze Konstrukt ist doch nur aus Nebel gebaut:
    Mega Übernahme der Baslerjungs von der Sarasin – die brachten es leider auch nicht weiter, ausser sich unter den Dachassets der TCMG zu verstecken – mit rieseigen Kosten und Null Erträgen. Dann Ausgliederung zur Vescore. Tatsächlich wurde in der Freien Strasse nicht viel geliefert ausser viel Papier, Politik und ständig wechselnde Strukturen, die genau den fehlenden Erfolg verschleiern sollen. Mein Bedauern gilt der La Roche -Truppe, die nun auch amputiert wurde und auch auf ihren Tod langsam warten darf.
    Fragt sich nur, was Vincenz davon hat(te).

  2. Wenn bereits im Titel Fehler gemacht werden („kein“ statt „keinen“), diskreditiert sich Lukas als hässiger Schreiberling gleich selbst. Martin Liebi, Leiter Notstenstein Schweiz, ist eindeutig am Aufräumen und Streamlinen. Darunter fällt auch die Personalie im Tessin. Silvan Schreiber wiederum mag bezüglich Habitus und Erstwahrnehmung nicht everybody’s darling sein, bringt jedoch die Zahlen und ist obendrein auch analytisch-konzeptionell kompetent sowie für Projektmanagement-Aufgaben geeignet, die er parallel zu seiner Linienaufgabe wahrnimmt. Wahrlich Talente, die wenige Kaderpositionsinhaber im Private Banking besitzen … Notenstein ist insgesamt auf gutem Weg!

    • @Argus: Sie sind aber auch kein guter Schreiberling… Silvan S. heisst Schriber (und nicht Schreiber)! -;)

  3. Diesen Artikel interessiert dermassen niemanden, dass es nicht mal mehr als 10 Kommentare gibt. Jeder normale Mensch mit ein wenig Kenntnis in der Finanzbranche weiss, dass dieser Artikel völlig falsch ist und jeglicher Tatsachen entfremdet. Yvonne hat dies richtig erkannt, Notenstein mit 21 Milliarden Assets und Vescore mit rund 15 Milliarden Assets müssen addiert werden, da Vescore aus der ehemaligen Notenstein Asset Management ausgegliedert wurde (TCMG und Co.). So schwierig scheint die Addition nicht zu sein, hier nochmals für die Anfänger: Vorher Notenstein inkl. Asset Management 20 Milliarden Heute Notenstein inkl. Asset Management rund 35 Milliarden.

  4. Ein Finanzinstitut ist klinisch tot, wenn selbst hier nur mickrige fünf Kommentare, zwei davon von lovely Yvonne, gepostet werden. Sorry, Notenstein, aber das wird definitiv nix mehr mit Euch. Das hat glaub ich auch der Raiffeisen-Gisel kapiert.

  5. Weiss Herr Hässig auch, dass 10 Milliarden in der Vescore drin sind!? Fast ein wenig peinlich von sinkenden Volumen zu sprechen, wenn diese fast 50% höher sind (vor allem durch Übernahmen). Tja…

    • und ……… wieso sich Rohner so lange halten kann. „wen hat er in der Hand“?