UBS wollte Superkundin Fifa rausschmeissen

Nach KPMG-Exit: Auch langjährige Hausbank plante Kündigung – Fifa-Präsident bekniete seinen UBS-Banker – mit Erfolg.

Der Finanzmulti UBS, unter dem Duo Ermotti-Weber ein Saulus-Paulus-Konvertierter, wollte einen seiner schwierigsten Kunden auf die Strasse stellen.

Die Fifa. Der Weltfussballverband steckt seit anderthalb Jahren in Korruptionsverfahren, wird gejagt vom allmächtigen US-Sheriff und der Berner Oberstrafbehörde.

Die UBS, einst für viele Schandtaten zu haben, kriegte darob mehr und mehr kalte Füsse. Immerhin war der Supertanker des Finanzplatzes seit Jahr und Tag die Hausbank des globalen Fussballriesen.

Das birgt Risiken, vor allem fürs angestrebte Image als Zero Tolerance Bank. Die lange hochwillkommene Fifa war plötzlich toxisch geworden.

Denn nun sassen deren Funktionäre im Gefängnis, waren geständig oder hielten sich im Untergrund versteckt.

Unliebsames drohte, zum Vorschein zu kommen. Ein Ex-Fifa-Banker der Julius Bär stellte sich den USA und packt in Übersee wohl sämtliche Geheimnisse aus.

Nach Ausbruch des Skandals schaute die UBS zunächst zu. Man gab sich cool, habe nichts zu befürchten, meinten UBS-Chefs hinter vorgehaltener Hand.

Die Gelassenheit war offenbar nur vorgetäuscht. Denn plötzlich war alles anders. Nun plante die Bank den harten Schnitt: Kündigung der Kundenbeziehung, Rausschmiss der Fifa.

Das sagt eine Quelle mit Insiderwissen. Die Spitze der Grossbank habe offenbar die Gefahr eines Grossschadens bei der eigenen Reputation als zu gefährlich erachtet.

Auslöser sei vermutlich der Rückzieher der Revisionsgesellschaft KPMG gewesen. Die bekannte Prüferin legte vor ein paar Wochen ihr Fifa-Mandat nieder.

Jetzt also auch die Hausbank: Auch sie wollte abspringen, die Brücke zum Weltverband mit seinen nicht so honorigen Funktionären abbrechen und die Fussballtruppe ihrem Schicksal überlassen.

So jedenfalls sah es der Plan für diesen Sommer vor. Doch dann passierte anderes.

Gianni Infantino, der frische Präsident der Fifa und Nachfolger des legendären und gejagten Joseph Blatter, bat seinen UBS-Banker zum Tête-à-tête.

Ins Restaurant Sonnenberg, hoch über Zürich, im oberen Stock. Dort hat die Fifa ihren „Club“, ein Extra-Zimmer mit grossem Porträt von Joseph Blatter, gezeichnet von Karikaturist Nico.

Infantino redete dem UBS-Kadermann ins Gewissen. Er bat ihn, die Fifa als Hauptkundin zu behalten, bekniete den Manager, den Exit-Entscheid zu überdenken.

Infantino, ein Kämpfer und Strippenzieher, hatte Erfolg. Die UBS brach ein.

Statt die Beziehungen zur Fifa zu beenden und damit ein Zeichen zu setzen, sich von vermuteter Korruption ein- für allemal zu distanzieren, tönte es von der Brücke, weiterzufahren wie bisher.

Keine Desavouierung der Fifa, kein Verzicht auf die hohen Gebühren für die UBS.

Gestern Nachmittag wollte ein Sprecher der Grossbank keine Stellung nehmen zum Fall. Man kommentiere allfällige Kundenbeziehungen nie öffentlich.

Für Infantino ist das Zurückkrebsen der UBS wichtig. Der Fifa-Präsident geriet bereits nach kurzer Zeit im Amt unter massiven Druck.

Teure Privatflüge und Sonderbehandlungen von Sponsoren wurden ihm vorgeworfen, die Ethiker der Fifa untersuchten, Medien verkündeten bereits seinen erzwungenen Rücktritt.

Doch Infantino konnte seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Es war der letzte Schritt eines Coups von oben, mit dem er das Rad zurückgedreht hat zur Autokratie.

In der Fifa regiert nur einer: Infantino.

Die Machtdemonstration provozierte Abgänge wichtiger Kontrolleure in der Weltfussball-Zentrale. Als dann auch noch die KPMG den Bettel hinschmiss, war Infantino geschwächt.

Danke UBS, danke Sergio, dürfte Infantino deshalb den Chefs seiner Hausbank zurufen, weil ihm diese die Stange halten.

In einem neuen Video hat die UBS soeben sich als kompromisslose Werte-Bank präsentiert. Libor- und Devisen-Betrügereien, das war mal. Heute sind wir der Musterknabe der Branche.

Wie der Fifa-Entscheid dazu passt, bleibt das Geheimnis der UBS-Chefs.

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42 Kommentare zu “UBS wollte Superkundin Fifa rausschmeissen

  1. an viele Kommentatoren:
    auch wenn es naheliegend scheint hier Länderspezifisch zu denken, letztlich ist das Spiel global.

    Wem gehört denn die Nestle, UBS etc.?
    Sind das nicht dieselben Eigentümer wie bei Unilever, Kraft, Citigroup und Barclays?

    Keine Frage, man muss je nach politischer Grosswetterlage und langfristiger Agenda jeweils etwas länderspezifisch umstellen, doch bei den wirklich wichtigen Fragen bleibt man auf Kurs.

    Wirklich geopfert wird eine Firma / Land nur wenn für die Eigentümer ein entsprechend guter Ertrag auf anderer Seite entsteht…

  2. das wort fifa ist sowas von gebrandet mit allem negativen korrupten den alte herren im anzug vor lauter geld- und machtgier verzapfen können, da ist dringend ein namenswechsel geboten
    bzw. auflösen den laden
    bei den geldhäusern die vor lauter profitgier erst mistspielen und sich dann reinwaschen wollen ist ebenfalls auflösen angesagt
    der mensch ist sowas von eine fehlkonstruktion, das kann die natur nicht alleine verzapft haben

    • Kann mich hier anschließen. Seit Monaten beklagen sich unsere Vorgesetzten das die Bank sparen muss und Sergio kassiert schnell 14 Millionen für ein jährchen Arbeit..Schöne neue Welt. Mich erstaunt hier überhaupt nichts mehr?

  3. …wobei ich glaube, dass die UBS in vielen Dingen masslos übertreibt.

    So darf ein Kunde von UBS ZH keine Vergütung an einen Kunden der UBS in Miami machen (an eine andere Bank schon). Als Grund wird angegeben: Richtlinien seit April

    Und als meine Tochter US$ 5000.– in CHF wechseln wollte fragte die Schalterbeamtin (Dorf mit 5200 Einwohnern) von 5300 Einwohnern woher sie das Geld habe…

    Und dort wo die Bank den Kunden helfen könnte (z.B. Fall Madoff) verkriecht sie sich aus Angst wie ein feiger Hund in einer Ecke….

    Die Bank hat kein Selbstvertrauen und folgt blindlings den Behörden anderer Länd obwohl diese nicht selten mit ihren Gesetzen und Vorlagen die eigene Verfassung mit Füssen treten usw… Aber das interessiert nicht.

    Ja ja das ist UBS von heute, eine Bank die meines Erachtens von der Schweiz definitiv nicht mehr gebraucht wird und ihre Türen jederzeit schliessen kann.

    • Das Compliance Department der Bank ist offenbar ein Saftladen und hats nicht mehr im Griff. Anders kann man das gar nicht sagen!

  4. Olympia / Russland
    UBS / FIFA

    Ethische Grundsätze sind nur Makulatur. Und leider wissen Sie ganz genau was sie tun.

    Neutrales Verhalten ist bei diese Vorkommnissen opportunistisches Akzeptieren.

  5. Da an der Spitze der Fifa bisher durchwegs nur hochbetagte Senioren tätig sind bzw. waren haben diese die vor 40 bis 50 Jahren alltäglichen und normalen Geschäftspraktiken bis ins hier und jetzt weiterbetrieben.

    Unabhängig vom gesellschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Wandel seither.

    Vor 30 Jahren war es für die Kassenwarte der deutsche Regierungspartei CDU ebenfalls normal, Teile des Parteivermögens in der Schweiz anzulegen. Wahrscheinlich in der Art und Weise, wie es jene als Angehörige der rechts- und steuerberatenden Berufe aus ihrem beruflichen Alltag gewohnt waren.

    Klar daß jetzt als Folge des Wegsterbens vieler der einst Mächtigen und im Rahmen der bisherigen Skandale niemand mehr mit damit etwas zu tun haben will, da es nichts mehr zu verdienen gibt, die Rechtskosten hoch sind und ein bleibender Rufschaden droht.

  6. Mir geht das so auf den Sack! Müssen wir uns den immer diesem US-Justizterror beugen? Hat den keiner mehr die Eier sich mal quer zu stellen? Mit der Fifa hält es sich wie mit den meisten Regierungen dieser Welt. Es herrscht Korruption. Das ist seit Jahrtausenden so. So ist der Mensch halt nun mal. In den USA ist das überhaupt nicht anders. Also was soll dieses Drangsaslierei? Nestle bekommt seine Wasserrechte in Afrika auch von korrupten Beamte.
    Jeder der in einem Verein ist, weiss nur zu gut, dass man da einander Aufträge zuschiebt. Und viele dieser Schreiberlinge hier halten das auch nicht anders. Was soll also diese Heuchelei? Korruption wird von vielen angeschwärzt, die auch gerne mal was in den eigenen Sack stecken möchten.

    • Nun ja ganz einfach:
      Nestlé ist keine amerikanische Firma … sondern steht in Konkurrenz zu den grossen US-Food Firmen wie Heinz, Cargill, Mondelez usw.
      DESHALB ist es ein Problem wenn Nestlé dasselbe tut, wie es diese Firmen machen. Denn diese US-Firmen unterstützen amerikanische Politiker mit massenhaft Geld und nicht Nestlé!
      Wirtschaftskrieg sagt man dem auch.
      So einfach ist die Welt manchmal.

    • Lieber David, wenn wir nicht in der Lage sind unseren eigenen Saustall zu misten müssen es andere tun!

  7. Im Bericht wird vom „allmächtigen“ US Sheriff gesprochen. Soll mir doch bitte mal einer erklären, warum die seit Jahren auf die Schweizer Banken losgehen (der Anfang war die Holocaust Story) und dabei diese Geldsäcke genau das gleiche Business Modell in ihrer „Homebase“ Delaware anbieten? Die Bösen sind ja immer die anderen sprich der Rest der Welt, und diese „Konkurrenz“ wurde Ja nun ausgeschaltet…

    • „Soll mir doch bitte mal einer erklären, ….“
      Das mache ich natürlich gerne: Weil sie es koennen

    • Die boesen sind immer die Schwachen du Vollpfosten.

      History is written by the victor.

      Die Frage ist nicht ob dies korrekt ist, sondern was die Schweiz daran aendern kann. Antwort: nichts. Schnauze tief und einfach unser eigenes Ding durchziehen, sollen die Amis ihre eigenen Angelegenheiten so regeln wie es fuer sie am besten ist.

      Wir muessen mit den Konsequenzen einfach besser auskommen als die anderen.

      Don’t need to outrun the lion, just the slowest gazelle.

  8. Das ist halt der Unterschied. Bei der KPMG mit ihrem Partnersystem sind die Interessen viel breiter gelagert. Bei der UBS schaut das Top-Mgmt auf ihre überrissenen Saläre und die Aktionäre schauen untätig zu und laufen von einem Skandal in den nächsten mit der Bank.
    Wäre eine Gelegenheit gewesen für Ermotti mal Eier zu zeigen, Onkel Boris hätte Halbgott Gianni sicher mit offenen Armen empfangen bis Mark Libor Branson aus dem Tiefschlaf aufgewacht wäre.

    • Sergio Ermotti HAT Eier bewiesen, indem er die FIFA nicht rausschmeisst! Sich gegen das US Diktat zu stemmen stünde manch anderem Schweizer gut an!

    • @Nicht-UBS-Fan
      Er hätte sie ja auch aus Compliance Gründen rausschmeissen sollen, wegen dem Reputationsrisiko, nicht wegen dem US-Diktat.

  9. Das die FIFA das Privileg der Steuerbefreiung geniesst,
    beweist doch, dass sie im Grunde sauber und grundehrlich ist. So ein Paar schwarzen Fliegenschisse auf der weissen Weste vermögen den grossbankenähnlichen Marmor-Mahagoni-Vollglas-Auftritt doch nicht zu trüben, odddr.

  10. Ausdrücke wie „US-Sheriff“ gehören zum Blick und zu frustrierten Steuerhinterziehern; wer den Ausdruck „Berner Oberstrafbehörde“ verwendet beweist, dass er nicht ausreichend dokumentiert ist und sich auch keine Mühe gemacht hat, den Sachverhalt korrekt abzuklären – keine offizielle Behörde heisst so.

    • Genau wegen solchen Bankern wie Sie haben wir in der Schweiz bald eine veritable Finanzkrise. Klein beigeben gegenüber Staaten, welche die einträglichen Geschäftsmodelle bei sich haben wollen. Steueroptimierung ist nichts Verwerfliches! Wollen Sie nur noch Retail Banken in der CH haben? Wenn schon die Politik versagt, wie soll es dann weitergehen wenn es bereits in unseren eigenen Reihen Leute gibt, die denken wie Sie???

  11. Sowieso es überrascht mich nicht, dass die Skandäle oft sie werden von Deutschschweizer gemacht. Mit mehr Mitarbeiter aus die Romandie es würde weniger Cochonnerie bei die Banken geben. In die Romandie liegt der Potential!

  12. Und wieder haben es die HERREN der Schöpfung irgendwie verpeilt. Männer gehören meiner Meinung nach einfach nicht in Führungspositionen in der Bankenbranche!

    • ach vreni, nicht alle sind so hübsch wie sie und machen so einfach karriere, wie sie bei den banken – mit wenig sachkenntnissen.

    • Aber Vreni, diese Männer kann man ja sonst für nichts brauchen. Und besser die Tummeln sich an ihrem geschützten Arbeitsplatz als das die als ausgesteuerte Arbeitslose uns allen auf den Sack fallen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob Frauen in diesen Positionen besser wären. Bekanntlich gehören Frauen auch zu der Gattung Mensch. Und gewisse Charakterzüge sind bei Männlein und Weiblein gleich: Gier, Macht, Lügen, Abzocken und Verantwortungslosigkeit, nur um einige zu nennen.

    • Husch husch zurück an den Kochherd bevor man hier derart bescheuerte Kommentate abgibt

    • Vreni, wie sollen es denn Frauen in die Chefetage einer Bank schaffen , wenn die Leine nur von der Küche bis ins Wohnzimmer reicht?

    • Liebe Vreni
      eine Verbesserung der conditio humana habe
      ich mir bereits erhofft, als die schweizerischen
      Frauen dass Stimm-und Wahlrecht erhielten.

      Der durchschlagende Erfolg ist aber leider
      ausgeblieben, obwohl die Ehegattinnen ihre
      Stimmzettel seither sogar selbst ausfüllen dürfen.

    • es finden sich leider bei allen Bemühungen kaum Frauen die diesen Job machen wollen. Willkommen in der Realität!

    • Ui ui Vreneli … hesch per Zuefall s’Passwort vom Laptop vo dim Maa usegfunde und bisch heimlich us de Chuchi gschliche, zum es Kommentärli abgeh ?

    • Liebe Vreni, nach meinen beschränkten biologischen Erkenntnissen wurden diese Männer von Frauen in die Welt gesetzt und wahrscheinlich mehrheitlich auch von Frauen erzogen, was ist da falsch gelaufen?