Avaloq: Waterloo in Deutschland mit BHF-Bank

Grosskundin und Schweizer Vorzeige-Informatiker liegen sich in den Haaren – Auch Julius Bär unzufrieden – Avaloq gescheitert?

Die Nummer 1 im Schweizer Bankensoftware-Business steht vor einem Rechtsfight mit einem ihrer wichtigsten Kunden.

Die BHF-Bank mit Sitz in Frankfurt ist ungehalten über die Leistungen des Schweizer Informatik-Primus, der unter seinem Gründer und Chef Francisco Fernandez von Börsengang träumt.

Nachdem Avaloq letzte Woche auf Anfrage noch dementierte, dass es rechtliche Probleme mit der BHF-Bank geben würde, so gibt sie nun zu, dass das Vorzeigeprojekt auf Eis gelegt wurde.

„Aufgrund unterschiedlicher Vertragsauslegungen wurde die Implementation der Avaloq Banking Suite bei der BHF-Bank vorübergehend ausgesetzt, bis die offenen Punkte geklärt sind“, bestätigt Avaloq in einer E-Mail-Antwort von gestern.

Das „Senior Management der Bank“ würde mit den Schweizern „in engem Kontakt“ stehen.

Eine Sprecherin der BHF-Bank wollte gestern nichts sagen auf die Frage, ob bereits eine Klage gegen die Avaloq eingereicht worden sei.

„No comment“, meinte sie lediglich.

Die BHF-Bank gehört der Oddo, einer bekannten französischen Vermögensverwalterin, die der Zürcher Vontobel vor Jahresfrist eine wichtige Übernahme vor der Nase weggeschnappt hatte.

Die Oddo Privatbank ist ein gefährlicher Gegenspieler für die Avaloq. Die Franzosen können in der Auseinandersetzung grosse Finanzkraft in die Waagschale werfen.

Für Avaloq, die nach 20 Jahren Software mittels strategischer Weichenstellung ein globales Backoffice für die Banken werden will, ist der Streit mit der deutschen Privatbank und ihrem gewichtigen Eigentümer entsprechend riskant.

Neben Geld, um das es bei solchen Disputen immer geht, steht auch die Eroberung eines zentralen Marktes auf dem Spiel: die Schlacht um Deutschland.

Die Firma kämpft in ihrem grossen Business Process Center in Berlin, wo sie die ganze Produktion für ihre Kunden – das sind die Bankhäuser mit Sitz im EU-Raum – abwickelt, seit Beginn mit riesigen Problemen.

Avaloq Sourcing, wie dieser Teil des Geschäfts heisst – der andere ist die klassische Software-Entwicklung – wollte von der deutschen Hauptstadt aus den den ganzen Kontinent erobern. Und später den Rest des Globus.

Doch dann kam alles anders. Nichts klappte, dafür holte Ober-Chef Fernandez einen neuen Mann von der Falcon Bank für die Führung des Bereichs Sourcing Schweiz.

Nun könnte Berlin zum Waterloo für den einst einzigartigen Vorzeige-Unternehmer Fernandez werden, der Grösse um alles in der Welt liebt.

Eine zweite zentrale Kundin im Markt Deutschland klagt nämlich ebenfalls seit langem über anhaltende Schwierigkeiten.

Es ist die Julius Bär Deutschland, die dringend auf eine funktionierende Abwicklung im wichtigsten Markt Europas angewiesen ist.

Vor Jahresfrist wurden Stimmen laut, die besagten, dass das Berliner Avaloq-Center die Prozesse für die Julius Bär Deutschland nicht in der verlangten Geschwindigkeit und Qualität ausführen könne.

Bis zum Jahreswechsel 2015/2016 gelang dann der Avaloq Sourcing mit einem riesigen Kraftakt, ihre „Maschine“ in Berlin zum Laufen zu bringen.

Doch die Abstürze und Mängel waren damit nicht behoben. Laut einer Bär-Quelle aus dem innersten Zirkel lief zwar die Produktion, allerdings nur mühsam und mit ständigen Fehlern.

Entsprechend könnte auch Julius Bär abspringen. Die Bank hat in Luxemburg die kleine Commerzbank erworben, mit dem vordringlichen Zweck, eine funktionierende IT-Plattform zu erwerben.

Geht die Bär-Bank, dann würde für Avaloq das Schreckensszenario Realität. Also gibt die Firma aus ihrer Zentrale in Zürich-Leimbach vorsorglich Durchhalteparolen durch.

„Julius Bär Europe AG ist in einem ungekündigten Verhältnis mit uns“, betonte die Avaloq gestern Abend. Zu Gerüchten würde man „grundsätzlich keine Stellung“ nehmen.

Noch „diese Woche“ würde man zudem „den Gewinn einer weiteren, namhaften Bank im deutschen Markt kommunizieren“.

„Von einem gescheiterten Markteintritt in Deutschland“ könne somit „nicht die Rede sein.“

Die Worte klingen verbindlich. Gleich wie letzte Woche.

„Es ist bei Avaloq keine Klage der BHF-Bank eingegangen“, hiess es damals zu einer ersten Anfrage nach Problemen mit der BHF-Bank. „Aus meiner Sicht also keine News, hoffentlich sind wir uns da einig.“

Die Halbwertszeit dieser Stellungnahme erwies sich als äusserst kurz.

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40 Kommentare zu “Avaloq: Waterloo in Deutschland mit BHF-Bank

  1. Da sind Avaloq-Teilprojektleiter, die von Meeting zu Meeting rennen und von der eigentlichen Projektarbeit keine Ahnung haben. Da gibt es externe Mitarbeiter, die ein bestimmtes Gebiet zugewiesen bekommen, von dieser Materie aber nach eigenen Aussagen keine Ahnung haben. Da werden externe Fachleute ins Boot geholt, aber bei der Arbeit bewusst gehindert. Vielleicht sollte Avaloq die teilweise unfähigen Teilprojektleiter, die alles besser wissen, austauschen. Dann klappt es auch mit der BHF-Bank.

  2. Schweizer Informatik-Primus….
    Da muss ich lachen, es gibt kaum einen braucharen Informatiker in diesem Land. Entweder sind es die Leute zu einer Zeit, zu der sie ansonsten arbeitslos geworden wären, oder sie kommen von einer guten Schule wie die ETH, sind aber verdammt arrogant. Eben im Stil von Fernandel…

    • Einverstanden. Aber statt auf diesen hoffnungslosen Fall herumzureiten schlage ich vor: An alle die noch an qualitative CH Software glauben, wollt ihr eine neue Lösung erarbeiten?

      Bin dankbar für jeden Mitstreiter.

    • @Revolution. Bin dabei, das wäre mal ein interessantes Projekt. Aber wo findet man einen Inkubator/Sponsor ?

    • Auf welcher Grundlage basiert ihre pauschale Aussage über InformatikerInnen in der Schweiz?
      Ich finde diese sehr anmassend und frage mich, ob sie überhaupt eine Ahnung von IT haben resp. InformatikerInnen beruflich kennen , um diese beurteilen zu können.

  3. Avaloq kann man derzeit beim LUKB-Performance-Schlammasel kritisieren.

    Aber aus dem Text lese ich nur Fehlleistungen der Filiale in Deutschland heraus, die am Ende behoben zu sein scheinen.

    Mich würde interessieren, weshalb es zu Probleme kam.

    • Die Gründe sind immer die gleichen: Im Verkauf wird mit grossen Versprechungen das blaue vom Himmel versprochen, eine Villa mit allem drum und dran. In der Realität kriegt man dann aber ein Häuschen ohne Fenstern und ohne funktionierende Heizung. Es geht, ist dann halt einfach scheisse…

    • Nach meiner Zählung sind das 75 Banken (Liste). Offiziell heisst es immer 150 oder gar 450 (inkl. allen 300 Raiffeisen Genossenschaften !).

      Was stimmt jetzt ?

    • BSI würde ich langsam runter nehmen von der Referenzliste – macht sich einfach nicht mehr so gut. Andrerseits verständlich, dass avaloq bei diesem Tempo nicht mehr mitkommt, denn der Lizenzentzug wurde ja erst vor gut 4 Monaten durch die Finma bekannt gegeben. Sleep tight and don’t make the bed bugs bite.

    • Das Problem ist, das BSI der MIT ABSTAND grösste Kunde von Avaloq Sourcing Switzerland & Liechtenstein (ex B-Source) ist !

  4. Avaloq holt sich weiteren Outsourcing-Kunden

    Avaloq hat einen Outsourcing-Vertrag mit eine Schweizer Privatbank abgeschlossen. Deren Muttergesellschaft ist bereits Kundin.

    Der Bankensoftwarespezialist Avaloq hat mit der Axion Swiss Bank einen weiteren Kunden für seine Business-Process-Outsourcing-Dienstleistungen (BPO) gewonnen. Axion werde seine Prozesse und Back-Office-Dienstleistungen bis Anfang 2017 migrieren, teilte Avaloq am Dienstag mit.

    Axion Swiss Bank gehört seit 2014 zur Banca dello Stato del Cantone Ticino und ist eine hundertprozentige Private-Banking-Tochter der Kantonalbank. Diese nutzt die Avaloq Banking Suite, auch welche die Axion nun das BPO-Setup migriert.

    Das sind doch einmal News…

    • Diese Bank hat laut Wikipedia 34 Mitarbeiter (Stand 2011, mittlerweile wahrscheinlich ein paar weniger). Avaloq / B-Source haben schätzungsweise ein Back Office von 8 Leuten übernommen.

      Grossartiger Erfolg…

    • @Giuseppe Flury

      Ich verstehe Sie nicht. Ein Deal mit 8 Personen (ca 1 Mio / Jahr) ist ein Erfolg! Da hat jemand dafür gearbeitet und den Verkauf unter Dach & Fach gebracht. Haben Sie schon mal was verkauft?

    • Genau!
      Zuerst mal selber eine solche Leistung erbringen. Dass nicht jedes Geschäft rund läuft ist normal, sonst könnts ja jeder machen. Die ewigen kleinkarierten Motzer kriegen ja meist gar nix auf die Reihe oder probierens erst gar nicht. Das über die Firma regelmässig Berichtet wird, ist Beweis genug für deren Grösse.

    • Alao in Basel ist auch nicht alles Gold was glänzt. Ausser FCB, Fasnacht, Muba, ein paar Museen und Pharma ist da nicht viel zu holen. Ein toter Finanzplatz – eine wirre rotgrüne Politik – kein See – keine Berge – keine S-Bahn – kein eigener Flugplatz – keine schönen Damen – Grenzgänger die nur Geld verdienen und keins ausgeben – und und und..
      Gute Nacht Bebbi

    • Vielleicht ist eben das ihre Erfolgsstrategie? Aktie hat sich allein in den letzten 12 Monaten verdoppelt, ein Invest 2004 hätte jeden kleinen IP-Leser zum Millionär gemacht …

  5. Und genau davon habe ich gesprochen, als ich letztes Mal über den Erfolgszwerg Francisco Fernandez geschrieben habe. Auch wenn die Story rührend ist:
    Aufstieg vom Klobürstenbesitzer der es versteht, jedes Klo in eine saubere Toilette zu verwandeln, zum Bankensoftware Besitzer, der es versteht jede Bank Informatik in eine saubere Toilette zu verwandeln. Damit hat er nun ein paar Millionen eingesackt, sich gleich damit einen Überraschungstüten Ferrari gekauft und gedacht er müsse sich an unseren Partys vom Mile Stratos Club zeigen.

    „Fernandel“ nennen ihn die französisch sprechenden bei uns, ich nenne ihn Higgins. Schon hier (https://insideparadeplatz.ch/2016/09/15/avaloq-crasht-mit-ihrer-digital-loesung/) habe ich erklärt, wie er uns hier oben ein Dorn im Hühnerauge ist. Ja, er war bei ein paar Galas dabei, doch das kann auch das Stück WC Papier von sich sagen, das unter seinem Schuh klebte und ihn durch den Abend begleitete.

    Dass seine Abzock Vision einfach uninspiriert und zu linear ist habe ich ja bereits erklärt. Die Leute im Mile Stratos Club haben es nicht hier hoch geschafft, indem sie einfach Banken angepinselte Robidog Säcklein als Software verkauften, nein, wir alle haben kreative, komplexe Abzockmaschen durchgezogen und sind deshalb auch nicht bloss peinliche Millionäre, sondern haben echtes Geld. Eine kurze Weile sah es aus, als ob er auch zu uns gehören könnte, als er seine absoluten Fantasie-Preise für seine glorifizierte Terminalsoftware zusammen mit einem Upgrade Zwang einführte. Doch danach war fertig. Keine originellen Abzockideen mehr… bloss noch die Kühe melken und den Virus verbreiten.

    Wie gefährlich sowas ist, zeigt nun was Herr Hässig fälschlicherweise „Waterloo“ nennt. Herr Hässig sollte mal über die Geschichtsbücher. Zwar hat Francisco „Higgins“ Fernandez die physische Grösse von Napoleon, leider aber auch den taktischen IQ eines Bajonetts: Eine Armee die nur aus Scouts besteht. Deshalb findet er ununterbrochen Expansioinsmöglichkeiten und bläst auch sofort zum Angriff. Die paar wenigen Soldaten warnen, dass man so viel Land zwar überrennen, danach aber nicht halten könne. Egal wie schnell man code produziert. Natürlich hat er diese Warnungen seit Jahren ignoriert, und nun kommt die Rechnung.

    Wenn die BHF ihre Karten richtig spielt, und vielleicht noch ein paar Schweizer Opfer an Board holt, dann müssen wir im Stratos Mile Club vielleicht endlich nicht mehr die Lichter löschen und uns verstecken, wenn wir Higgins in seinem Ferrari Peino daherrasseln hören.

    Marcel Du Pont, Mitgründer von Europas Exklusivsten Herrenclub, König des Vorspiels, Weiberrespektierer.

    PS: Gestern fand die Debatte zwischen Trump und Hillary statt. Kurze Zusammenfassung: Ihr seid NICHTS.

    • @Marcel Dupont
      Danke für den tollen Artikel. Selten so gelacht!
      Der Tag ist gerettet. Wann kommt das erste Buch von Ihnen heraus?

    • Wie lange geht es noch, bis Monsieur Du Pont seinen eigenen Blog hat? Der wird mehr Hits haben als IP…!!
      Carry on!

    • Langweiliges Wortgeschwülst eines unbegabten pubertierenden Schreiberlings mit wenig Knowhow.

      Schreibtipp Nr. 1: In der Kürze liegt die Würze.

    • Ja Ruhe ganz in Frieden. Der EWIGE (wieviele Jahre schon?) Börsenkandidat hat dies doch bestimmt verdient.

  6. Wann schon wieder sind Kernbankensysteme nur noch Datenhaltung (Tresorerie, Transaktionen) – und alles, was der Berater braucht, wird angehängt und Firmen-eigenem CI angestrichen?

    Steinzeit! Wer investiert heute noch in solche Dinosaurier, die alles tun, um ein Kolibri zu werden..

    • Zeigen die mir diese Software bitte, die genau dies alles richtig rechnen bewerten (risk) und visuell in Kunden- wie auch Nostroportfolios zeigen kann. Und alles realtime. Und alles individuell pro Bank zusammenstellbar.
      Danke für ihr Feedback

    • @Trader

      Könnte ich – mit zwei Sätzen umschreiben. Aber da ich nicht hier bin um Werbung zu machen, lass ich es sein.