Unsere Exporteure sind die neuen Bauern. Statt deren Milch ist ihr Euro garantiert

Wie hoch würde der Euro gegenüber dem Schweizerfranken notieren ohne die Interventionen unserer Schweizerischen Nationalbank (SNB)? Das ist eine hypothetische Frage, die wissenschaftlich nicht exakt beantwortet werden kann. In der Nationalökonomie können wir ja keine Versuche im Labor durchführen.

Trotzdem müssen wir irgendeine Vorstellung haben, was die Interventionen der SNB am Devisenmarkt überhaupt bringen. Diese kosteten uns ja in den vergangenen Wochen immerhin rund 5 Milliarden pro Woche oder rund 1 Milliarde pro Tag.

Glühende Befürworter der SNB-Interventionen aus Kreisen der Exporteure oder der Tourismusbranche würden wahrscheinlich behaupten: Ohne Interventionen der SNB wäre der Euro/Franken-Kurs möglicherweise 15 oder gar 20 Prozent tiefer.

Skeptiker der SNB-Interventionen würden dem wahrscheinlich entgegenhalten und behaupten: Ohne Interventionen der SNB wäre der Euro/Franken-Kurs möglicherweise 5 Prozent tiefer.

Bildet man einen Schnitt aus diesen beiden unterschiedlichen Beurteilungen, so kommt man zum Resultat, dass ohne Interventionen der SNB der Euro/Franken-Kurs schätzungsweise rund 10 Prozent tiefer notieren würde.

Vergleicht man das Interventionsvolumen der SNB mit den täglich gehandelten Devisen an den weltweiten Devisenmärkten, so kommt man zum Schluss, dass die Interventionen der SNB langfristig gar keinen Effekt haben können.

Die über Jahre akkumulierten 700 Milliarden Franken Devisen der SNB können das weltweit gehandelte Volumen von umgerechnet über 4 Billionen Dollar pro Tag nie und nimmer beeinflussen. Das ist reine Logik.

Man muss sich im Klaren darüber sein, dass der Wechselkurs Euro/Franken über die sogenannten Crossrates (Währungsgeflecht) auch von Wechselkursen wie Dollar/Franken, Dollar/Euro abhängt.

Ein Blick auf die Entwicklung des Wechselkurses Euro/Franken zeigt denn auch Folgendes. Im langfristigen Vergleich tendiert der Euro kontinuierlich schwächer. Genauso, wie der Dollar seit Freigabe der Wechselkurse im Jahre 1973 von über 4.30 zum Franken auf nunmehr unter Parität fiel, genauso fällt der Euro gegenüber dem Franken kontinuierlich.

Der Dollar verzeichnete seit Freigabe der Wechselkurse ein Minus von grob gerechnet 2 Prozent pro Jahr. Demgegenüber ist der Euro seit seiner Einführung vor etwas über 17 Jahren per Saldo auch um ziemlich genau 2 Prozent pro Jahr gefallen.

In dieser Zeit oszillierte der Wechselkurs Dollar/Euro um den ehemaligen Emissionskurs des Euro zum Dollar bei 1.10. Ein Euro kostet umgerechnet immer noch rund 1.1 Dollar wie damals bei der Lancierung des Euro.

Im langfristigen Vergleich ist und bleibt der Franken also eine starke Währung. Das war auch in Relation zu den Vorgänger-Währungen des Euro bereits der Fall: Sowohl Lira, alter und neuer französischer Franc, Peseta, Drachme, Escudo, Schilling, irisches Pfund, DM undsoweiter undsofort – sie alle schwächten sich gegenüber dem Franken über die Jahre und Jahrzehnte kontinuierlich ab. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber alle werteten sich ab.

In dieser ganzen Zeit war die Schweizer Wirtschaft stark. Man kann mit Fug und Recht argumentieren, dass der starke Franken das Resultat der starken Schweizer Wirtschaft ist.

Und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht: Die Schweizer Exporte eilen von Rekord zu Rekord. Im vergangenen Jahr verzeichnete unser Land einen Exportüberschuss von sage und schreibe über 37 Milliarden Franken.

Die Devisen, welche die Schweizer Exporteure lösen, wechseln sie in Franken, wobei ihnen die SNB einen Mindestpreis garantiert – ob offiziell (Mindestkurs 1.20) oder inoffiziell (heute bei rund 1.08).

Die SNB begeht also genau den gleichen Fehler wie der Bundesrat vor einiger Zeit mit dem garantierten Mindestpreis für Milch an die Bauern.

Nur: Damals bei der Milch ging es um einen maximal dreistelligen Millionenbetrag. Bei den Devisen der SNB geht es um dreistellige Milliardenbeträge – also um das Tausendfache. Und die SNB wird genauso scheitern wie damals der Bundesrat.

Der Schaden wird aber um das Tausendfache grösser sein.

Als Folge der garantierten Devisenverkäufe der Exporteure steigt die Nachfrage nach Franken, es steigt der Frankenkurs. Auch das ist reine Logik. Wollen wir nun eine schwache Schweizer Wirtschaft, nur damit der Franken fällt? Wohl kaum – nur die SNB will das.

Die SNB beteuert immer wieder, der Franken sei überbewertet. Aber das behauptete sie schon beim Kurs von 1.45 zum Euro und kaufte damals kurzerhand innerhalb weniger Wochen für rund 200 Milliarden Franken Euro ein.

Die SNB beruft sich immer wieder auf die Theorie der sogenannten Kaufkraft-Parität. Gemäss dieser Theorie bedeuten hohe Preise eine überbewertete Währung. Das Gegenteil trifft zu: Eine schwache Währung führt zu steigenden Preisen, nicht eine starke. Der Franken ist somit unterbewertet.

Ich fasse zusammen. Der Franken befindet sich weiterhin in seinem Jahrzehnte andauernden Aufwärtstrend. Dieser Aufwärtstrend ist realwirtschaftlich begründet in der starken Wirtschaft und somit erwünscht.

Es ist keine Trendumkehr in Sicht und auch nicht erwünscht. Wir wollen ja eine starke Wirtschaft und nicht eine schwache – nicht wahr?

Es gibt keinen Grund, weshalb sich der durchschnittliche Aufwärtstrend des Frankens der letzten Jahrzehnte gegenüber allen wichtigen Währungen in einen Abwärtstrend umkehren sollte. Der Franken bleibt weiterhin unterbewertet. Er wird weiterhin steigen.

Die SNB kann diesen langfristigen Aufwärtstrend des Frankens, den wir wollen, auch nicht umkehren, wenn sie pro Tag eine Milliarde dagegen aufwirft, aus dem Fenster wirft. Dieser Betrag ist gigantisch für die Schweiz aber zu klein im weltweiten Währungsgefüge.

Die SNB kann wohl auf kurzfristige Sicht den Euro künstlich hoch halten und den Franken schwächen. Der 15. Januar 2015 hat deutlich bewiesen, dass die Korrektur durch den Markt früher oder später aber dennoch zuschlägt.

Wir können abschätzen, dass die SNB den Wechselkurs des Frankens knapp 5 Jahre konstant halten kann, und dass dieser dann schlagartig um 10 Prozent nach unten korrigiert. So war das in etwa beim Scheitern des Mindestkurses der Fall.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir also abschätzen, dass der Franken ohne Interventionen der SNB knapp 5 Prozent höher notieren würde. Daraus folgt, dass die Devisen im Portefeuille der SNB gegenwärtig schätzungsweise 5 Prozent überbewertet sind.

Die Folgen davon sind, dass die SNB-Devisenbestände von rund 700 Milliarden gegenwärtig um rund 35 Milliarden zu hoch bewertet sind. Das heisst, anstatt einen künstlichen Buchgewinn von 24 Milliarden sollte die SNB viel eher einen Verlust von rund 11 Milliarden Franken ausweisen.

Die SNB besitzt nicht „stille Reserven“ – sie besitzt „stille negative Reserven“, man kann sagen: „stille Verluste“.

Ginge man davon aus, dass die SNB Stützungskäufe den Euro statt nur um 5 um 10 oder sogar um 20 Prozent unterstützen, was SNB-Befürworter und der SNB-Aktivismus suggerieren, so würde das bedeuten, dass die SNB „versteckte Verluste“ von 70 bis 140 Milliarden in ihrer Bilanz hätte.

Das Eigenkapital der SNB ist in diesem Fall weg. Ein Sturz der Eigenkapitalquote von über 50 Prozent auf praktisch null innert weniger Jahre. Die SNB – ein Sanierungsfall.

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56 Kommentare zu “Unsere Exporteure sind die neuen Bauern. Statt deren Milch ist ihr Euro garantiert

  1. Lieber Dr. Meyer

    Mit grossem Interesse habe ich ihre Artikel und die entsprechenden Kommentare gelesen.

    Ich bin weder ein Ökonom geschweige denn Buchhalter.
    Jedoch interessiert mich die Thematik unseres Geldwesens als „Normalo“ sehr.

    Daher hätte ich folgende Frage zur SNB resp. dem EK Problem bei Währungsveränderungen:

    Theoretisches Bsp:

    Die SNB verfügt über ein EK von z.B. 90 und auf „Devisenreserven“ von 700. Über Nacht verlieren all diese „Aktiven“ 20% ggü CHF. Somit wäre die SNB mit 50 überschuldet.

    Gemäss den diversen Kommentaren müsste also die SNB die Bilanz deponieren oder die Geschäftsbanken die Giro-Guthaben korrigieren.
    Eher zweites sehe ich als gegeben, so dass der Staat die Banken rekapitalisieren müsste um diese nicht Bankrott gehen zu lassen.
    Entsprechend müsste sich der Staat sehr hoch verschulden, was m.E. grossen Druck auf den CHF ausüben würde.

    Da die SNB die Währungsverluste nicht realisieren würde, handelt es sich „lediglich“ um einen Buchverlust.
    Da der CHF sich ggü. den Fremdwährungen abwerten würde, entstände demgegenüber wiederum ein Buchgewinn resp. mindestens Neutralität zur ursprünglichen Lage. Dieser Buchgewinn könnte nun realisiert werden, da im weltweiten Devisenhandel solche Beträge „Peanuts“ wären und wie in den Kommentaren gelesen nicht einen riesigen Einfluss auf die Kurse hätte. Der realisierte Buchgewinn könnte somit dem Staat überwiesen werden um die neu entstandenen Schulden umgehend wieder zurückbezahlen zu können.

    (Unerlaubte Staatsfinanzierung ausser Acht gelassen, da der Teufel in der Not Fliegen frisst.)

    Die Überschuldung der SNB wäre somit vom Tisch und die Bilanz deutlich verkleinert worden.

    Unter dem Strich: Thema erledigt resp. nur vorübergehendes Phänomen.

    Da ich nicht glaube, als „nur“ Interessierter die Lösung zu sehen, wäre ich sehr froh, mir meinen Denkfehler kurz aufzuzeigen.

    Vielen Dank.

    • @Roschi

      Danke für Ihren Kommentar

      Buchverluste sind genauso Verluste wie realisierte Verluste. Die SNB muss ihre Aktiven bewerten. Und wenn diese tiefer sind als die Passiven, so bedeutet das eine Überschuldung der SNB. In diesem Fall muss auch die SNB ihre Bilanz deponieren.

      Das gefährliche an nicht realisierten Verlusten ist, dass die Positionen noch offen sind und weitere Verluste verursachen können. Deshalb ist es wichtig, dass ein Unternehmen – auch die SNB – die Bilanz deponiert und die Verluste gestoppt werden können.

      SNB-Chef Thomas Jordan hat gesagt, die SNB würde die Bilanz in diesem Fall nicht deponieren. Seine Argumentation war, die SNB könne durch Geld drucken ihre Schulden bezahlen bzw. Eigenkapital wieder aufbauen.

      Seine Argumentation basiert aber mit auf einem Irrtum. Deshalb ist auch Jordans Argumentation nicht stichhaltig. Folglich muss auch die SNB ihre Bilanz deponieren bei negativem Eigenkapital.

      Bezüglich Ihres 2. Argumentes, dass bei Negativem EK der SNB der Franken an Wert verlieren würde und damit die Verluste der SNB wieder kompensiert, erlaube ich mir, einen Kommentar hier zu kopieren, den ich diesbezüglich an Herrn Rico Meier weiter unten schon geschrieben habe.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

      Kopierter Kommentar:

      @Rico Meier

      Danke nochmals für Ihren interessanten Hinweis auf ein Argumentarium, das von den Befürwortern der Devisenkäufe der SNB immer wieder vorgetragen wird. Dieses lautet:

      Sollte der Franken fallen und das Eigenkapital der SNB negativ werden, so würde dadurch der Wert des Notenbankgeldes bzw. des Frankens fallen, was das Eigenkapital der SNB wieder aufbaut.

      Konklusion: Das Eigenkapital der SNB kann gar nicht negativ werden.

      Dazu gibt es folgendes zu sagen:

      Erstens:

      In den vergangenen Jahrzehnten hat die SNB auf ihren Devisenanlagen per Saldo einen hohen zwei- wenn nicht gar dreistelligen Milliardenbetrag verloren (der Dollar kommt von 4.30 und der Euro von 1.6).

      In dieser Zeit ist der Franken trotz den Kursverlusten der SNB nicht gefallen, sondern eben weiter gestiegen. Die Argumentation, dass bei Währungsverlusten der SNB der Aussenwert des Frankens falle ist ein Widerspruch in sich selbst, ein Zirkelschluss. Das geht gar nicht. Die Wechselkurse müssten immer stabil bleiben.

      Zweitens:

      Wenn nun aufgrund des steigenden Frankens bzw. der fallenden Devisenkurse im Portefeuille der SNB der Wert von Notenbankgeld fällt, so bedeutet das nicht, dass der Aussenwert des Frankens analog fällt. Warum nicht?

      Ich möchte ein vergleichendes Beispiel geben: Angenommen, eine Grossbank, z.B. die CS, ginge Konkurs. Damit fällt der Wert der Giroguthaben von Kunden bei der CS.

      Ein Kunde, der nominal, sagen wir, ein Million Franken bei der CS besass erhält vielleicht noch die Hälfte – wenn überhaupt. Er muss sein Guthaben bei der CS entsprechend wertberichtigen, obwohl dieses einen Nominalwert von 100 Prozent bzw. eine Million hat.

      Sein Guthaben bei der CS gehört zur Geldmenge M1. Diese ausstehende Geldmenge M1 der CS muss also wertberichtigt werden.

      Daraus folgt aber nicht, dass der Aussenwert des Frankens auch um 50 Prozent fällt. Die CS stellt ja nur einen Teil der Gesamtgeldmenge M1 zur Verfügung.

      Der Aussenwert des Frankens hängt aber nicht allein von der Geldmenge M1 ab – schon gar nicht allein vom Anteil der CS.

      Der Aussenwert des Frankens hängt von der gesamten Volkswirtschaft ab – wie Sie auch schreiben. Da stellt die CS nur ein Bruchteil dar.

      Ähnlich verhält es sich mit der Notenbankgeldmenge der SNB:

      Obwohl nun bereits mehrere hundert Milliarden stark, stelle diese dennoch nicht das ausschliessliche Vermögen der Schweiz dar. Fällt also das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich, so wird dadurch der Wert des Notenbankgeldes verringert.

      Banken, welche Guthaben bei der SNB halten, müssen diese entsprechend wertberichtigen – analog den Kunden im Beispiel der CS.

      Notenbankgeld wird also an Wert verlieren in Relation zu anderen Wertanlagen und in Relation zur restlichen Geldmenge M1 – M3.

      Daraus folgt aber noch lange nicht, dass der Aussenwert des Frankens analog zum negativen Eigenkapital der SNB fällt, so dass dieses wieder steigen würde.

      Es ist vorstellbar, dass der Aussenwert des Frankens möglicherweise einen Bruchteil des Ausmasses des Wertverlustes von Notenbankgeld fällt und do den Verlust der SNB einen Bruchteil auffängt – nicht mehr.

      Ich hoffe, ich habe hier etwas Klarheit schaffen können. Ich hoffe auch, dass dieses Argument, negatives Eigenkapital der SNB würden den Franken so stark schwächen, dass das Eigenkapital der SNB automatisch wieder positiv wird, endgültig verschwindet.

      Nochmals Danke und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  2. Nachtrag: Auszug aus meiner Antwort im Kommentar nebenan zur Vollgeld-Initiative

    @Hardy, der Student

    Danke

    Erstens:

    SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan hat in seinem Referat „Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?“ folgendes behauptet:

    Zitate Jordan:

    „Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann. (S.5)


    „Zweitens hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass eine Zentralbank „Geld drucken“ kann. Dank dieser autonomen Geldschöpfungsmöglichkeit, dem Notenmonopol, gerät die SNB nie in Liquiditätsengpässe.“ (S.6)

    „Da ein Liquiditätsengpass in eigener Währung unmöglich ist, stellt sogar eine Situation, in der eine Zentralbank negatives Eigenkapital ausweist, für ihre Geschäftspartner kein Problem dar. Denn im Unterschied zu anderen Unternehmen und Banken könnte sie auch in diesem Fall den künftigen Forderungen in eigener Währung immer nachkommen. Die Gegenparteien einer Zentralbank mit vorübergehend negativem Eigenkapital sind demzufolge nicht schlechter gestellt als solche einer Zentralbank mit einem grossen Eigenkapitalpolster.“ (S.6)


    „Die Fähigkeit einer Zentralbank, ihre Verbindlichkeiten fortwährend zu bedienen, hat weitreichende Konsequenzen: Zum einen bleibt die SNB handlungsfähig, auch wenn sie vorübergehend ein negatives Eigenkapital ausweisen muss.“ (S. 7)


    „Insbesondere reichen in einem solchen Umfeld die Zinserträge und Dividenden auf den Fremdwährungsanlagen bei weitem nicht aus, um die Wechselkursverluste zu kompensieren“ (S.10)


    „Erstens kann eine Zentralbank auch bei vorübergehend negativem Eigenkapital nicht in eine Situation geraten, in der sie nicht mehr imstande ist, ihre Schulden vollumfänglich zu begleichen.“ (S.11)


    „Dauerhaft strukturelle Bilanzprobleme erscheinen widersprüchlich, da wir doch immer in der Lage sind, eigenes Geld zu schaffen. „(S.12)


    „Im Extremfall kann sogar ein struktureller Aufwandüberschuss entstehen. Bleibt dieser Zustand negativer Seigniorage dauerhaft bestehen, wird eine Zentralbank gezwungen, Geld zu schöpfen, um die laufenden Kosten zu decken. „ (S. 12)


    „Eine Zentralbank bleibt trotz vorübergehend negativen Eigenkapitals uneingeschränkt handlungsfähig, weil sie nicht illiquid werden kann. „ (S. 13)


    „Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen.“ (S.13)

    Ende Zitate

    Alle diese Zitate von SNB-Chef Jordan belegen, dass Jordan davon ausgeht, dass die SNB bei der sogenannten Geldschöpfung „Liquidität“ – also ein Aktivum der SNB – schaffe. Zudem schaffe die SNB dieses Aktivum „aus dem Nichts“.

    Wenn die SNB ein Aktivum schaffen kann aus dem Nichts – also ohne Schulden – so bedeutet das, dass bei der Geldschöpfung Eigenkapital der SNB entstehe.

    Anders formuliert: Kann die SNB aufgrund von Geldschöpfung ihre Schulden „aus dem Nichts abbauen“, so folgt daraus konsequenterweise, dass dabei das Eigenkapital der SNB zunimmt, da Fremdkapital und Eigenkapital zusammen 100 Prozent ergeben.

    Könnte die SNB also durch Geldschöpfung aus dem Nichts das Fremdkapital beispielsweise um 10 Prozent abbauen, so ginge daraus logischerweise hervor, dass das Eigenkapital um 10 Prozent steigen würde.

    Man kann es drehen und wenden wie man will: Jordan behauptet x-mal, dass durch Geldschöpfung das Eigenkapital der SNB entsprechend zunehme.

    Dieses Argument nehmen nun die Vollgeld-Initianten. Sie behaupten, dass auch die Geschäftsbanken bei der Geldschöpfung einen Ertrag erzielen. Und diesen angeblichen Ertrag wollen sie von den Geschäftsbanken auf die SNB übertragen.

    Die Vollgeld-Initianten sind also im gleichen Spital krank wie Herr Jordan.

    Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      vielen Dank für diese schöne Zusammenstellung von Aussagen des Herrn Prof. Dr. Thomas Jordan.

      Oftmals kritisieren Sie Jordan, aber diese Kritik muss noch „vom Kopf auf die Füße gestellt werden“.

      Sie zitieren Jordan:
      „„Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann. (S.5)“

      Schwerer Irrtum vom Jordan, eine Zentralbank kann keine Liquidität selber schaffen.
      Die Liquidität wird vom Staat geschaffen, eine Zentralbank darf lediglich per Kredit auf diese Liquidität zugreifen.
      Deshalb ist eine Zentralbank den Banken gegenüber immer zahlungsfähig. Bei einer solchen Zahlung handelt sich eine Zentralbank aber gleichzeitig Schulden beim Staat ein.
      DIESE Schulden beim Staat kann eine Zentralbank natürlich nicht begleichen, indem sie sich beim Staat verschuldet.

      Sie zitieren Jordan:
      „„Zweitens hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass eine Zentralbank „Geld drucken“ kann. Dank dieser autonomen Geldschöpfungsmöglichkeit, dem Notenmonopol, gerät die SNB nie in Liquiditätsengpässe.“ (S.6)“

      Schwerer Irrtum vom Jordan.
      Unter der falsch bezeichneten Bilanzposition „Notenumlauf“ zeigt uns die SNB ausstehende Forderungen, denn hinter einer Schuldenposition stehen immer ausstehende Forderungen.

      Ganz offensichtlich begreift Jordan überhaupt nicht, was er (bzw. die SNB) tut. Die SNB kann Franken für sich NICHT selber „schöpfen“. Könnte sie das, dann würden ihr ja dabei keine Schulden entstehen.
      Jordan selber sieht den „Notenumlauf“ aber als Schuldenposition, denn sonst würde er ein anderes Eigenkapital in der SNB-Bilanz ausweisen.
      Es gilt:
      Eigenkapital = Vermögen minus Schulden.

      Welcher Gläubiger sich hinter der Bilanzposition „Notenumlauf“ verbirgt, das scheint Jordan nicht zu interessieren.
      Wir können Jordan aufklären: Es ist der Staat.

      Sie zitieren Jordan:
      „„Da ein Liquiditätsengpass in eigener Währung unmöglich ist, stellt sogar eine Situation, in der eine Zentralbank negatives Eigenkapital ausweist, für ihre Geschäftspartner kein Problem dar. Denn im Unterschied zu anderen Unternehmen und Banken könnte sie auch in diesem Fall den künftigen Forderungen in eigener Währung immer nachkommen. Die Gegenparteien einer Zentralbank mit vorübergehend negativem Eigenkapital sind demzufolge nicht schlechter gestellt als solche einer Zentralbank mit einem grossen Eigenkapitalpolster.“ (S.6)“

      Sehen Sie, Herr Dr. Meyer, nun sind wir u.a. bei der Frage, ob die Banken ihre Forderungen (Giroguthaben) wertberichtigen müssen, wenn die SNB ein negatives Eigenkapital haben sollte.
      Klare Antwort: Nein.

      Den Banken gegenüber ist die SNB immer zahlungsfähig in Franken, eine Wertberichtigung ist deshalb nicht nötig für die Banken; wenn sie möchten, erhalten sie eine Geldzahlung in voller Höhe ihres Giroguthabens.

      Jetzt aber wieder zum schier unglaublichen Irrtum von Jordan, er sagt:
      „Die Gegenparteien einer Zentralbank mit vorübergehend negativem Eigenkapital sind demzufolge nicht schlechter gestellt als solche einer Zentralbank mit einem grossen Eigenkapitalpolster.“

      Die GEGENPARTEIEN…
      Das ist der entscheidende Punkt.
      Die Gegenparteien sind im Falle von Giroverbindlichkeiten die Banken.
      Unproblematisch, denn die SNB kann jederzeit Auszahlungen tätigen.

      Da gibt es aber noch eine Gegenpartei, nämlich die, die sich hinter „Notenumlauf“ verbirgt, diese Gegenpartei ist niemand anderes als der Staat.

      Und diese Gegenpartei kann eben sehr wohl geschädigt werden, zwar nicht bei einem vorübergehenden negativen Eigenkapital, sehr wohl aber bei massiven, bleibenden Verlusten der SNB.

      Genau der Staat ist es nämlich, der seine Forderungen an die SNB wertberichtigen müsste, sollte die SNB massiv überschuldet sein.

      Eine Zentralbank hantiert mit Staatsvermögen, wenn sie Staatspapiergeld auszahlt. Eine überschuldete Zentralbank kann diese Schulden beim Staat nicht mehr vollständig begleichen. Nur die Forderungen eines einzigen Gläubigers stehen im Feuer, die Forderungen des Staates.

      Ich verdeutliche den Zusammenhang an einem einfachen Extrembeispiel.
      Die SNB kauft für 500 Milliarden Franken Devisenanlagen und die Verkäufer haben sich Franken auszahlen lassen.

      Bilanz der SNB:
      Aktiv: Devisenanlagen 500
      Passiv: „Notenumlauf“ 500
      Hinweis: „Notenumlauf“ sind in Wahrheit Schulden beim Staat.

      Nun fallen die Devisenanlagen auf 200 Milliarden Franken.

      Neue SNB Bilanz:
      Aktiv: Devisenanlagen 200
      Verlust: 300
      Passiv: „Notenumlauf“ 500

      „Notenumlauf“ sind in Wahrheit Schulden beim Staat, also ist der Staat derjenige, der „in Gefahr“ ist.
      Die SNB hätte in diesem Fall Staatsvermögen in Höhe von 300 Milliarden Franken „verjubelt“.

      Man hat den Eindruck, dass Jordan diesen Zusammenhang überhaupt nicht sieht.
      Er scheint zu denken: „Hurra, uns bei der SNB geht es gut, wir können Geld schöpfen.“

      Nein, die SNB kann kein Geld schöpfen, sie kann sich lediglich per Kredit vom Staat für null Prozent Zinsen finanzieren lassen. Es bleibt aber ein Kredit, auch wenn er sich irgendwie angenehm anfühlt.

      Ich hoffe, der WAHRE Irrtum beim Jordan ist deutlich geworden:
      Jordan begreift nicht, was wirklich hinter der Schuldenposition „Notenumlauf“ steckt.

      Abschließend noch ein letztes Zitat, Sie zitieren Jorden:
      „„Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen.“ (S.13)“

      Eigenkapital kann sich die SNB also nicht aufstocken, das deckt sich auch mit den veröffentlichten Bilanzen.

      Die SNB kann aber kein Geld für sich „schöpfen“.
      Offensichtlich merkt Jordan auch nicht, welchen eklatanten logischen Widerspruch er hier vorträgt:
      Könnte die SNB für sich Geld „schöpfen“, dann könnte sich die SNB natürlich auch ihr Eigenkapital aufstocken.

      Nein, die SNB zahlt Staatspapiergeld aus.
      Die SNB bedient sich beim Staatsvermögen.
      Staatsvermögen = Volksvermögen

      Eine Zentralbank, die überschuldet ist, hat Volksvermögen verjubelt, verjuxt.
      (Hinweis: Bestehen noch Giroverbindlichkeiten, dann ist das Volksvermögen „potentiell“ verjubelt, weil die SNB auf Verlangen der Banken das Staatsgeld noch auszahlen muss.)

      So, Herr Dr. Meyer, jetzt steht die Kritik an Jordan auf festen Füßen.

      Die Lösung liefert das
      Staatsschatzkammer-Zentralbank-Modell.

      Freundliche Grüße!

      PS: Hinweis für andere Leser, der Ausgangspunkt kam von hier:
      https://insideparadeplatz.ch/2017/04/03/snb-jordan-verschenkt-1-milliarde-an-schweizer-buerger-der-vollgeld-fake-zum-1-april-ist-bitterer-ernst/#comment-168327

    • @Hardy der Student

      Nein lieber Hardy: Banknoten und Giroguthaben der Banken bei der SNB verbriefen nicht eine Schuld der SNB gegenüber dem Staat, sondern gegenüber den Inhabern von Banknoten und gegenüber den Banken.

      MfG

  3. @Oberhänsli-Oberdurchschnitt

    Danke

    Einverstanden. Ich habe hier schon mehrmals geschrieben, dass die Exportindustrie der Schweiz nur existieren kann, wenn sie qualitativ überdurchschnittliche Produkte produziert.

    Im Fachjargon müssen diese Preis-unelastisch sein. D.h. ein Anstieg des Preisniveaus darf nur zu einem unterdurchschnittlichen Rückgang der Menge führen.

    Deshalb müssen wir gute Schulen und Ausbildungen haben. Das ist der Schlüssel.

    Wenn die SNB aber Euros und Dollars kauft, so ist das ein Giesskannenprinzip – erst noch im Ausland anstatt in der Schweiz.

    Die SNB will damit die Volkswirtschaften im Dollar und Euroraum ankurbeln, damit diese wohlhabender werden und der Wert ihrer Währungen steigt und auf diese Art mehr Güter in der Schweiz gekauft werden.

    Davon profitieren auf sehr grossem Umweg und mit einem enormen Kaufkraftverlust verbunden indirekt die Unternehmen in der Schweiz – und damit auch jene Unternehmen, welche qualitativ unterdurchschnittliche Ware mit einer hohen Preiselastizität herstellen..

    Die SNB subventioniert damit auf umständlichem, teurem und inneffizienten Weg den Verkauf von Waren, welche der Markt eliminieren sollte.

    mfG

    Marc Meyer

  4. Lieber Marc Meyer, setzen Sie ein Team „Marktfähigkeit“ auf und schlendern Sie damit durch die CH-Werkhallen. Bei 50% der einheimischen Produktionshäuser werden Sie Produkte finden, welche problemlos mit dem globalen Durchschnitt mithalten – aber eben gut schweizerische Herstellungs- und Lohnkosten haben. Die SNB subventioniert so „die austauschbaren Durchschnittprodukte der Schweiz“ und deren Hersteller / Exporteure. Wer sagt diesen 50%-Firmen und deren MA dass ihr austauschbares Produkt und Spiel vorbei sei? Beispiel: die AFG Tochter EgoKiefer kann problemlos im EU-Gebiet Durchschnitts-Serien-Fenster fertigen, von den niedrigen Kosten profitieren und im „SNB-Heimatschutzmarkt“ sogar ein Preispremium reinhauen…
    SNB forciert also einen Teil eines „nicht-mehr-marktkonformes Ballenberg“ in Produktion und Export. NB: Wichtig – Echte Spezialitäten gehen immer!

  5. Lieber Herr Dr. Meyer

    Der Franken ist nicht überbewertet sondern unterbewertet, das sehe ich gleich wie Sie. Eine Volkswirtschaft, die dermassen Leistungsbilanzüberschüsse produziert, kann grundsätzlich nur eine unterbewertete Währung haben. Eben daher kommt der starke Aufwertungsdruck auf den Franken. Aber woher genau kommen diese Leistungsbilanzüberschüsse? Die Zahlungsbilanzdaten der SNB zeigen, dass ein gewichtiger Anteil aus dem Transithandel stammt (über 20Mrd). Dort hängen aber nur wenige Arbeitsplätze dran. Das fatale ist, dass in währungssensitiven Branchen wie im Tourismus und in der Maschinenindustrie viele Arbeitsplätze dranhängen, während beispielsweise im Rohstoffhandel und in der Pharmaindustrie der starke Franken wenig Einfluss auf das Geschäft hat. Rohstoffhandelsfirmen schneiden also aufgrund ihrer hohen Leistungsbilanzüberschüssen unseren KMUs und dem Tourismus letztlich die Luft ab. Aus meiner Sicht ist das grundsätzlich eine falsche Wirtschaftspolitik. Schlimm ist zudem, dass das Parlament mit der zum Glück vom Volk versenkten USRIII genau in diese falsche Richtung weiter gehen wollte.

    Aus dieser Perspektive kann man ein gewisses Verständnis für die Geldpolitik der SNB aufbringen, obwohl ich natürlich mit Ihnen Einverstanden bin, dass das nicht nachhaltig sein kann.

    Beste Grüsse

    • @M.Stadelmann

      Vielen Dank für Ihre konstruktiven Zeilen.

      Frage: Wenn Sie ein Haus an guter Lage besitzen und alle wollen es kaufen, so dass dessen Preis steigt; sind Sie froh oder nicht?

      Wenn Sie eine Aktie besitzen, die alle kaufen wollen und deren Preis steigt: Sind Sie froh oder nicht?

      Genauso sollten wir froh sein, wenn alle den Franken wollen und dessen Kurs steigt.

      Den Franken zu schwächen, wie das die SNB tut ist Schildbuerger Geldpolitik der SNB. Damit schadet sie der Schweiz.

      Sie isr vergleichbar mit einem Hausbesitzer, der sich sagt: Der Preis meines Hauses ist zu hoch. Ich beschaedige es, damit dessen Preis faellt und ich es besser verkaufen kann.

      Oder die SNB-Direktion ist vergleichbar mit der Geschaeftsleitung eines Unternehmens, die sich sagt:

      Der Kurs unserer Aktie ist zu hoch im Vergleich zur Konkurrenz. Wir wollen die Aktien unserer Konkurrenz kaufen, welche fallen anstatt unser Kerngeschaeft zu betreiben.

      Das wird dazu fuehren, dass unsere Aktie faellt. Dann werden unsere Aktien vermehrt gekauft werden.

      Genau so unsinnig ist, was unsere SNB tut mit der Schwächung des Frankens.

      Freundliche Gruesse

      Marc Meyer

    • @ Stadelmann
      Eine kleine Randbemerkung

      Ein ganz wichtiger Punkt, Rohstoffhandel erfolgt hauptsächlich in USD. Bilanziert wird aber bei den in der Schweiz ansässigen Rohstoffhandels- Unternehmen in CHF.

      Daraus folgt der Rohstoffhandel führt zu einem Leistungsbilanzüberschuss. Aber in dem Fall des Rohstoffhandels findet kein Umtausch von USD in CHF statt. Und daher beeinflusst der Rohstoffhandel das Währungspaar trotz Leistungsbilanzüberschuss nicht.

  6. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

    nicht, daß Sie das alles falsch verstehen, wir schätzen Ihr Engagement für die buchstabengetreue Anwendung innerschweizerischer national-ökonomischer Grundregeln.

    Heutzutage ist jedoch die Ökonomie eines Landes nur noch im Kontext seiner multi-lateralen Beziehungen vollständig und entwicklungsorientiert darstellbar.

    Eine Perspektive zu entwickeln, allein beruhend auf nationalen Befindlichkeiten, wird hier auch auf mittlere Frist gesehen nicht zum Erfolg führen.

    Ein Beispiel:
    Tesla hat heute den Konkurrenten Ford im Börsenwert überholt, produziert aber nur 25.000 Fahrzeuge pro Quartal. Da Ford im selben Zeitraum 671.000 Fahrzeuge hergestellt hat, wissen wir, was uns beiden bei unseren Betrachtungen heute so gravierend abgeht: die geniale Zukunftssicht und unfehlbare Prognose-Fähigkeit einiger US-Investoren, die die Welt von morgen entworfen haben.

    So sollten Sie auch die SNB sehen: in ihrer Kristallkugel entstehen Börsenszenarien, die wir uns nicht einmal in den kühnsten Träumen ausmalen könnten.

    Und das tollste daran: die SNB handelt auch nach diesen Prophezeihungen, mit 23 Mrd Bilanzgewinn im letzten Quartal !

    Das muss ihr erst mal einer nach machen !

    Ihr
    Marcel DuPont

    PPS: Ihr seid nichts, die SNB ist alles !
    auch immer wieder gern auf Facebook.

    • @Marcel Dupont

      Danke

      Die SNB hat immer noch nicht erklärt, wie sie mit Investitionen in US Aktien den Tourismus in der Schweiz ankurbelt.

      Bei korrekter Bewertung ihrer Devisen hätte die SNB einen Verlust von mind. 10 Milliarden.

      MfG

      Marc Meyer

    • Grüezi Marcel Du Pont,

      Globales Wirtschaften wird politisch gestaltet und unterliegt damit den vorherrschenden Ideologien und Dogmen. Mit Kristallkugeln hat dies nichts zu tun, sondern sie wird durch zielstrebige Politik bewusst herbeigeführt. Vertrag für Vertrag, Gesetz für Gesetz, Beschluss für Beschluss (Mindestkurs) sind es immer Zentralbanken, Regierungen und Parlamente, die mit ihren Beschlüssen diese Fehlentwicklungen verursachen. Die Banken brauchten 2008 Geld, also bekamen sie es vom Staat. Der hatte aber selbst kein Geld, also lieh er es sich von den Banken. Aus einer Finanzkrise wurde eine Bankenkrise, und aus einer Bankenkrise wurde eine Staatsschuldenkrise. Die Menschen verstehen das nicht, weil die Begriffe (bewusst) nicht klar definiert werden.

      Herzliche Grüsse

    • In den letzten 30 Jahren folgten Phasen, wo „phantastische“ Theorien zu erklären versuchten, dass sich das Wirtschaftsrad nun runder und schneller drehen soll, postwendend von entsprechenden Korrekturen (gemeinhin Crashes) quittiert. Genau dann wenn „alles anders ist“, dürfte der Zeitpunkt um auszusteigen, nicht unbedingt der dümmste sein.
      Ich schreibe sicher nicht so eloqent, wie MDP, habe aber trotzdem eine eigene Meinung 🙂

    • @Supermario

      Das einzige was es braucht ist gesunder Menschenverstand und den Mut, dazu zu stehen.

      Geld aus dem Nichts, wie es die SNB predigt hat nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun.

      Und wie Toni Brunner meint, sind die Anpasser die Winner in der Schweiz – also jene, die nicht den Mut haben, zu ihrem eigenen gesunden Menschenversrand zu stehen und der SNB zu widersprechen.

      Und so kommt es, dass die SNB ueber Jahrzehnte hinweg ihre kranke Irrlehre verbreiten und auch durchsetzen kann – sehr zum Schaden unseres Landes.

      MfG

      Marc Meyer

  7. Man muss überhaupt nicht in die Finanztechnischen Details steigen, um zu erkennen, dass mit der versuchten CHF-Abschwächung der SNB nur der eigenen Volkswirtschaft geschadetet wird.
    – Der CHF ist nicht die ultimativ starke Währung, sie ist lediglich diejenige Währung, die gegenüber dem Gold am wenigsten verloren hat in den vergangenen 50 Jahren. Alle Währungen haben in diesem Zeitraum über 95 % ihres Wertes eingebüsst! Gründe dafür sind beim globalen Schuldgeld-/Fiatmoney-System und Zinseszinssystem zu suchen. Wenn sich Geld ohne Gegenwert vermehrt, verteilt sich einfach mehr Geld auf den nicht mitgewachsenen Gegenwert, also wird die Kaufkraft entsprechend kleiner
    – Die SNB wirft hunderte milliarden CHF „aus dem Fenster raus“, um ein paar wenig milliarden CHF Export- und Tourismus-Umsatz zu stützen. Ob dies auch wirklich hilft, darf man sicherlich hinterfragen. Dies bewirkt eine permanente, künstliche Reduktion unserer Kaufkraft, für die (Nicht-Export-) Wirtschaft und die Haushalte in zig milliarden Höhe! Wäre es nicht massiv günstiger und ohne Risiko, bspw. der ganzen Bevölkerung Übernachtungsgutscheine für CH-Hotels zu verteilen, und damit mit ein paar Millionen CHF die Tourismusbranche zu stützen? Drucken kann die SNB ja…
    – Die weltweiten Schulden-Volumina haben ein Ausmass erreicht, dass ein nachhaltiger Währungsanstieg von US$ und EUR praktisch ausgeschlossen werden kann. Die bei der SNB gehorteten Devisen werden also von Jahr zu Jahr an Wert einbüssen. Die SNB würde damit am besten wieder die Goldreserven aufstocken, nur darf sie das schätzungsweise nicht; sie musste sich ja von einem Grossteil der Goldreserven trennen vor ein paar Jahren – als Bedingung für die Mitgliedschaft beim IWF! …gibt’s noch Leser hier die an die freie Marktwirtschaft glauben?
    – Eine grössere Zinsanhebung würde die Schuldenberge zum explodieren bringen, das kann sich selbst die FED nicht leisten – es sei denn, man möchte den Zusammenbruch schön ge-timed herbeiführen, denn vermeiden lässt er sich sowieso nicht mehr

    So oder so, was die SNB macht schadet unserer Wirtschaft und unserer Volkswirtschaft und wird noch ein böses Ende nehmen. Wie im Artikel erwähnt, ist der Hebel der SNB ein paar Faktoren unterdimensioniert, um bei den grossen Währungen nachhaltig Einfluss nehmen zu können, und trotzdem mehrere Schuhnummern zu gross für die CH. Wenn die Währungsverluste das Eigenkapital der SNB weg erodiert haben, sind wir einer Hyperinflation schon ziemlich nahe.

    Weshalb sind wir nicht einfach stolz auf eine starke Währung & Wirtschaft? Früher hat eine starke Währung mal was bedeutet, in der heutigen Zeit wird dies jedoch als Hindernis in der globalen Wirtschaftstätigkeit angesehen. Man steht ja in Konkurrenz zu Allem! Ist das nicht krank?

    • @Visionaer

      Danke

      Es wäre wesentlich günstiger und effizienter für den Tourismus in der Schweiz, Uebernachtungsgutscheine an die Bevölkerung auszuteilen in zweistelliger Millionenhöhe als dreistellige Milliardenbeträge im Ausland zu investieren.

      MfG

  8. Sehr geehrter Herr Meyer,

    Sie haben sich so dezidiert auf ein Krisenszenario eingeschossen, daß kaum Raum für positive Deutungen oder Prognosen für die SNB-Politik bleibt.

    Komplex A
    Euro
    Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Euroschwäche ursächlich ist für die Devisenausgaben der SNB. Es ist eben schwierig, eine starke Währung künstlich so stark abzuwerten wie eine schwache Währung (die sich natürlich entwertet), wenn man das Verhältnis der beiden Währungen aus wirtschaftspolitischen Gründen einigermassen stabil halten will.
    Kehrt sich jedoch die Euroschwäche um, wird sich der Franken entlang einer USD-Schwäche gegenüber dem Euro auf natürliche Weise abwerten, allein schon wegen des günstigeren Zinsgefälles.
    Wie oft wurde beim EUR/USD schon die Parität vorhergesagt, und sie ist bislang nicht eingetreten. Fährt dieser Zug in die andere Richtung, z.B. auf EUR/USD 1,20, so geht der EUR/CHF sicher bis auf 1,10 mit, und dann sprudeln 15 Mrd. Devisengewinne in der SNB Kasse.

    Komplex B
    US-equities
    Was war so falsch, den Dow Jones Index und bestimmte US-tech Aktien im Portfolio der SNB überzugewichten ? Hier ist die SNB bereits bei einem Indexstand von 12.000 eingestiegen, und jetzt stehen wir über 20.000.

    Komplex C
    Zinsgefälle
    Alles was wir von der FED hören, sind 2-3 Zinserhöhungen in diesem Jahr. Sollten diese eintreten, so kann der negativ verzinste Franken peu à peu abgegeben werden und damit die Dollar-Reserven ohne Verlust abgebaut werden.

    Wer redet in einem solchen Szenario dann noch von neg. Eigenkapital oder einer fehlerhaften Betrachtung der SNB-Aktiva ?

    Es besteht, so oder so, mindestens genauso berechtigt eine Aussicht auf ein positives Endszenario für die SNB-Geschäfte wie für Ihre -mit Sicherheit fundierten- Einwände gegen die SNB-Politik.

    In einer Welt, in der Zentralbanken koordiniert handeln, wird mit Sicherheit auf die SNB-Belange Rücksicht genommen werden, somit ist eine weitere Aufwertung des Frankens sicherlich bereits Chefsache, nicht nur in Zürich oder Bern, sondern auch in Frankfurt und Washington.

    • @Tyler Durden

      Danke

      Sie klammern sich an die Hoffnung, dass der Euro wieder auf 1.10 steige und dann „sprudeln Gewinne von 15 Milliarden“.

      Sie blenden aus, dass die SNB für 200 Milliarden Franken bei 1.45 eingekauft hat und dann kontinuierlich zukaufte bis heute. Der Einstandspreis der Euro der SNB dürfte im Schnitt gegen 1.30 liegen. Auf dem Euro hat sie bisher über 50 Milliarden verloren.

      Sie argumentieren genauso wie unsere Medien: Wenn die SNB einen Verlust erzielt, so ist das ein Buchverlust der heruntergespielt wird („wie bereits bekannt…“ usw.). Sie sehen nur echte Gewinne – sogar bevor diese eingetreten sind.

      Sie übersehen auch, dass die Euro und Dollar in der Bilanz der SNB überbewertet sind, da sie von der SNB manipuliert und gestützt sind. Diese Tatsache blenden Sie aus.

      Sie übersehen zudem, dass der Franken über die Jahrzehnte gegen Dollar und europäische Währungen kontinuierlich fest tendiert. Grund: Die Starke Schweizer Wirtschaft. Diese ist weiterhin stark und deshalb ist weiterhin mit einem starken Franken zu rechnen.

      Und wir sollen eine starke Wirtschaft – also auch einen starken Franken.

      Es kann nie und nimmer die Aufgabe der SNB sein, in den USA auf Aktiengewinne zu spekulieren – ist einfach nicht ihr Auftrag. Punkt. Schon gar nicht mit unseren Staatsschulden finanziert. Nochmals Punkt.

      Gut, dass Sie wenigstens eingesehen haben, dass nicht fallende, sondern steigende Zinsen eine Gefahr für die SNB bedeuten. Was Sie aber offenbar noch nicht eingesehen haben ist, dass Zinserhöhungen zu fallenden Kursen bei den Obligationen führen und damit ein gewaltiges Verlustpotential für die SNB darstellen.

      Eben. Es redet niemand von negativem Eigenkapital der SNB. Alle meinen, Euro und Dollar werden steigen, die Zinsen fallen und die Aktienmärkte steigen. Ein anderes Szenario gibt es für die SNB nicht.

      Und falls das Eigenkapital der SNB doch negativ werden sollte: Dafür hat Herr Jordan ja ein Mittel: Er druckt einfach Banknoten und zahlt damit die Schulden der SNB. Naiver geht’s nicht mehr. Von Buchhaltung hat unser SNB-Chef Herr Jordan nicht die geringste Ahnung. Da hilft offenbar auch sein Studium an der Havard nicht weiter.

      Bei den Währungen liegt die SNB seit Jahrzehnten falsch. Dass die SNB Aktien kaufen soll, habe ich vor über 20 Jahren schon gefordert – aber nicht so. Nicht mit Schulden im Ausland, sondern mit Eigenkapital im Inland.

      Und dass die Zinsen fallen – das haben wir den Produktivitätsfortschritten weltweit zu verdanken – nicht den Zentralbanken mit ihren gewaltigen Schulden; allen voran die SNB.

      Und wenn Sie meinen, die Gegenparteien der SNB-Spekulationen in Dollar und Euro würden Rücksicht auf die SNB nehmen und diese vor Verlusten bewahren, so denke ich, liegen Sie gleich nochmals falsch. Eher ist damit zu rechnen, dass die Schweiz auf eine Schwarze Liste von Währungsmanipulatoren gesetzt wird.

      Lesen Sie weiter unten gute Kommentare diesbezüglich.

      Die Gegenparteien der SNB werden sich im Gegenteil an ihren hohen Gewinnen – zulasten der SNB – freuen. Oder würden Sie auf ihre Gewinne bei einer Optionenspekulation verzichten aus Mitleid für die Gegenpartei?

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Grüezi@Tyler Durden,

      Herr Prof. Jordan argumentiert, dass Bargeld ja erst dann entsteht, wenn sich die SNB von einer Geldschuld befreit und damit das ultimative Schuldentilgungsmittel überhaupt erst das Licht der Welt erblickt. Dann wird aus der Verpflichtung zur Lieferung von Bargeld auf einmal eine Bargeldmenge, die weder Forderung noch Verbindlichkeit ist – und bei der SNB bleibt nur noch die Erinnerung daran zurück, dass damit ein bestimmtes Volumen an Banknoten emittiert wurde.

      Es ist als würde ich einen Topf mit Gold finden und dafür kreditlos Zentralbankgeld empfangen, dadurch komme ich an Waren heran, ohne dass ich mich zu irgendetwas verpflichtet habe. Oder anders ausgedrückt: Die kreditlose Hereinnahme von EURO oder Materiellen Objekten egal welcher Art, erscheint mir irgendwie suspekt. Die Buchhaltung suggeriert was anders.
      Herzliche Grüsse

  9. Sehr geehrter Hr. Dr. Meyer

    Es besteht immer noch weitherum die Meinung, die SNB sei auch bei negativem EK noch voll handlungsfähig. Dass dies nicht der Fall ist, ist mir klar genauso wie die die Tatsache, dass die Fremdkapitalgeber der SNB ihre Giroguthaben bei der SNB entsprechend wertberichtigen müssen. Alles andere ist unlogisch und widerspräche gültigem Rechnungslegungsrecht. Da kann die SNB noch so oft das Gegenteil behaupten.
    Mir ist soweit auch klar, dass die Höhe und Werterelation der Devisenanlagen zum Fremkapital in der SNB Bilanz nicht die bestimmende Relation für den Aussenwert des CHF ist. Dieser ist primär abhängig von der relativen Effizienz der CH-Wirtschaft, pol. Stabilität etc. im Verhältnis zu den anderen Währungsräumen.
    Falls die Devisenanlagen weiter an Wert verlieren (was wahrscheinlich ist) und das EK tatsächlich negativ wird, besteht jedoch landläufig die Meinung (oder Hoffnung), der Franken würde dann automatisch abwerten und so das EK bei der SNB wieder aufgebaut. Also auch aus dieser Sicht alles „no problem“. Den Marktteilnehmern wird negatives EK bei der SNB nicht verborgen bleiben. Aufgrund der schieren Höhe des SNB Devisenengagements und der hohen FK-Verschuldung der SNB kann ich mir schon vorstellen, dass dies den CHF in seinem Aussenwert schwächen so wieder EK aufgebaut würde.
    Mir kommt dies allerdings so vor, als würde man ein neues Auto kaufen wollen und den Verkäufer zuerst bitten doch ein paar Beulen ins Auto zu schlagen, um es dann günstiger kaufen zu können.
    Sie haben vereinzelt auf Konsequenzen hingewiesen, eine Art „zusammengefasste“ Beurteilung würde mich sehr interessieren. Der Fatalismus dieses „Scheinkonzeptes“ ist m.E. immer wieder Quell von Missverständnissen.

    Besten Dank und freundliche Grüsse Rico Meier

    • @Rico Meier

      Sehr geehrter Herr Meier

      Besten Dank für Ihren Beitrag.

      Es ist mir auch vollkommen unverständlich, dass es immer noch Leute gibt, welche behaupten, bei negativem Eigenkapital der SNB sei diese immer noch voll handlungsfähig, da sie selber Geld drucken könne.

      Gut. Herr Jordan hat dies behauptet und es immer noch nicht für nötig befunden, seinen Irrtum zuzugeben.

      Ihr Punkt, dass zwischen dem Wert von Notenbankgeld und dem Aussenwert des Frankens zu unterscheiden ist, ist von grösster Bedeutung, um das von Ihnen angesprochene Missverständnis klarzustellen.

      Ich habe mir schon viel Gedanken darüber gemacht, wie ich das am Besten erklären kann.

      Bitte geben SIe mir etwas Zeit. Heute komme ich aufgrund von Arbeitsüberlastung kaum dazu. Ich hoffe aber, Ihnen so bald wie möglich eine Antwort geben zu können.

      Bis dann freundliche Grüsse und nochmals besten Dank.

      Marc Meyer

    • @Rico Meier

      Danke nochmals für Ihren interessanten Hinweis auf ein Argumentarium, das von den Befürwortern der Devisenkäufe der SNB immer wieder vorgetragen wird. Dieses lautet:

      Sollte der Franken fallen und das Eigenkapital der SNB negativ werden, so würde dadurch der Wert des Notenbankgeldes bzw. des Frankens fallen, was das Eigenkapital der SNB wieder aufbaut. Konklusion: Das Eigenkapital der SNB kann gar nicht negativ werden.

      Dazu gibt es folgendes zu sagen:

      Erstens:

      In den vergangenen Jahrzehnten hat die SNB auf ihren Devisenanlagen per Saldo einen hohen zwei- wenn nicht gar dreistelligen Milliardenbetrag verloren (der Dollar kommt von 4.30 und der Euro von 1.6). In dieser Zeit ist der Franken trotz den Kursverlusten der SNB nicht gefallen, sondern eben weiter gestiegen. Die Argumentation, dass bei Währungsverlusten der SNB der Aussenwert des Frankens falle ist ein Widerspruch in sich selbst, ein Zirkelschluss. Das geht gar nicht. Die Wechselkurse müssten immer stabil bleiben.

      Zweitens:
      Wenn nun aufgrund des steigenden Frankens bzw. der fallenden Devisenkurse im Portefeuille der SNB der Wert von Notenbankgeld fällt, so bedeutet das nicht, dass der Aussenwert des Frankens analog fällt. Warum nicht?

      Ich möchte ein vergleichendes Beispiel geben: Angenommen, eine Grossbank, z.B. die CS, ginge Konkurs. Damit fällt der Wert der Giroguthaben von Kunden bei der CS. Ein Kunde, der nominal, sagen wir, ein Million Franken bei der CS besass erhält vielleicht noch die Hälfte – wenn überhaupt. Er muss sein Guthaben bei der CS entsprechend wertberichtigen, obwohl dieses einen Nominalwert von 100 Prozent bzw. eine Million hat.

      Sein Guthaben bei der CS gehört zur Geldmenge M1. Diese ausstehende Geldmenge M1 der CS muss also wertberichtigt werden. Daraus folgt aber nicht, dass der Aussenwert des Frankens auch um 50 Prozent fällt. Die CS stellt ja nur einen Teil der Gesamtgeldmenge M1 zur Verfügung.

      Der Aussenwert des Frankens hängt aber nicht allein von der Geldmenge M1 ab – schon gar nicht allein vom Anteil der CS. Der Aussenwert des Frankens hängt von der gesamten Volkswirtschaft ab – wie Sie auch schreiben. Da stellt die CS nur ein Bruchteil dar.

      Ähnlich verhält es sich mit der Notenbankgeldmenge der SNB: Obwohl nun bereits mehrere hundert Milliarden stark, stelle diese dennoch nicht das ausschliessliche Vermögen der Schweiz dar. Fällt also das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich, so wird dadurch der Wert des Notenbankgeldes verringert.

      Banken, welche Guthaben bei der SNB halten, müssen diese entsprechend wertberichtigen – analog den Kunden im Beispiel der CS. Notenbankgeld wird also an Wert verlieren in Relation zu anderen Wertanlagen und in Relation zur restlichen Geldmenge M1 – M3.

      Daraus folgt aber noch lange nicht, dass der Aussenwert des Frankens analog zum negativen Eigenkapital der SNB fällt, so dass dieses wieder steigen würde. Es ist vorstellbar, dass der Aussenwert des Frankens möglicherweise einen Bruchteil des Ausmasses des Wertverlustes von Notenbankgeld fällt und do den Verlust der SNB einen Bruchteil auffängt – nicht mehr.

      Ich hoffe, ich habe hier etwas Klarheit schaffen können. Ich hoffe auch, dass dieses Argument, negatives Eigenkapital der SNB würden den Franken so stark schwächen, dass das Eigenkapital der SNB automatisch wieder positiv wird, endgültig verschwindet.

      Nochmals Danke und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Sehr geehrter Hr. Dr. Meyer

      Besten Dank für Ihre ergänzenden Erläuterungen und Ihr Engagement.
      Ich schätze Ihre klaren Ausführungen sehr und kann diese auch als Nicht-Buchhalter und Nicht-Volkswirtschafter nachvollziehen.

      Freundliche Grüsse und geben Sie nicht auf Rico Meier

    • @Rico Meier

      Vielen Dank für Ihre ermutigenden Zeilen. Sie kommen im richtigen Moment.

      Eigentlich habe ich mir heute nachmittag vorgenommen, hier nicht mehr zu schreiben. Die SNB ist unbelehrbar und zu gross ist der Wall von Ja-Sagern rund um die SNB.

      Aufgrund Ihrer Ermutigung hier bin ich bereit, möglicherweise nochmals auf meinen Entscheid zurückzukommen.

      Danke und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • @stiller Beobachter

      Danke

      Der grösste Schaden der SNB-Devisenanlagen ist der, dass die gesamte Wertschöpfung dieser Investitionen dem Ausland zugutekommen anstatt der Schweiz.

      Hinzu kommen dann noch die horrenden Wechselkursrisken und bereits eingetretenen
      Wechselkursvelruste.

      mfg

      Marc Meyer

  10. @Tyler Durden

    Danke für Ihren Kommentar.

    Darf ich Sie daran erinnern:

    Am 14. Januar 2015, also 1 Tag vor der Aufhebung des Mindestkurses schrieb ich hier auf Inside Paradeplatz einen Artikel unter dem Titel „Unseriöser Schenkkreis SNB“. Darin zeigte ich, dass die Gewinne der SNB nur möglich seien, weil sie die zugrunde liegenden Devisenkurse manipuliert.

    Logisch: Wenn die SNB den Euro stützt, so kann sie auf ihren Euro-Beständen keine Kursverluste erleiden, kassiert aber die höheren Zinsen. Das ist das System „Schenkkreis“. In diesem System gibt es Gewinne – aber nur solange Neugeld zufliesst.

    Mögen Sie sich erinnern? Am Tag darauf hat die SNB ihren Mindestkurs aufgegeben. Falls sie es nicht glauben, kopiere ich Ihnen hier nochmals den letzten Abschnitt meines damaligen Textes.

    „Ich kann der SNB nur nochmals den Rat geben, nun sofort aus ihrem Schenkkreis-Geschäft auszusteigen. Auf keinen Fall soll sie uns noch tiefer ins Schlamassel ziehen mit Doppelmindestkursen und dergleichen. Die SNB soll auf jegliche Art von Mindestkursen verzichten.“

    Am Tag darauf gab die SNB ihren Mindestkurs auf.

    Und nun kommen sie daher und behaupten, ich läge immer falsch. Bitte bleiben Sie bei der Wahrheit.

    Im Jahre 1996 stand ich vor die GV der SNB und sagte, die SNB solle vermehrt im Inland investieren und weniger im Ausland. Begründung: Erstens: Die Auslandinvestitionen der SNB kurbeln die US-Wirtschaft an auf Kosten der Schweiz und zweitens seien die Devisenanlagen der SNB höchst riskant.

    Damals notierte der Dollar noch über 1.60. Seither hat die SNB auf ihren Dollaranlagen zweistellige Milliardenbeträge verloren. Und nun kommen Sie daher und behaupten die SNB habe immer Recht gehabt und ich sei immer falsch gelegen.

    Nochmals: Bleiben sie bei der Wahrheit.

    Damals vor der GV 1996 empfahl ich der SNB auch, in Aktien zu investieren. Das war damals noch ketzerisch. Aber ich bekam Recht.

    Nochmals: Bleiben sie bei der Wahrheit.

    Ich sagte damals auch, die SNB müsse endlich ihre Geldmenge angemessen verzinsen. (sie zahlte damals pro Jahr 5 Millionen an die Kantone). Ich forderte über ein Milliarde – und bekam auch da Recht.

    Ich wiederhole: Bleiben sie bei der Wahrheit.

    Ich schreib hier mehrmals, als der Euro noch über 1.40 lag, die SNB solle ihre Euros verkaufen. Seither verlor Sie auf den Euro allein über 50 Milliarden. Und Sie kommen daher und behaupten ich sei falsch gelegen?

    Ihre Zeilen strotzen vor Arroganz – aber das passt zur SNB und deren Umfeld.

    Zudem: Es geht hier nicht um Bilanzbewertungsformeln – es geht um die korrekte – marktgerechte Bewertung des SNB-Portefeuilles.

    Geht man davon aus, dass die SNB den Frankenkurs momentan um 10 Prozent nach unten drückt, so bedeutet das, dass in der Bilanz der SNB versteckte Verluste von 70 Milliarden schlummern. Das bedeutet, dass die SNB nahe ihrem Konkurs ist.

    Daraus folgt: Der Bankrat macht sich strafbar, wenn er die Bilanz der SNB nicht umgehend deponiert.

    Andernfalls ist mit dem Konkurs von Banken zu rechnen.

    Sie behaupten, der Markt könne sich nicht gegen eine Zentralbank durchsetzen – punktum.

    Haben Sie den 15. Januar 2015 schon vergessen?

    Sie argumentieren genau so naiv wie unser SNB-Chef Herr Jordan.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    P.S. Eigenartig, wie gut und fehlerfrei Sie mit Ihrem englischen Namen Deutsch können…

    Eigenartig auch, wie intensiv man aus Kreisen der SNB versucht, mich als Verlierer darzustellen…

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      es geht uns nicht darum, Gewinner und Verlierer zu ermitteln.
      Jedoch müssen auch Sie einmal zugeben
      – daß die US-Blue-Chips im Portfolio der SNB seit Jahren im Wert gestiegen sind (auch währungsbereinigt gerechnet)
      – daß die SNB vier Jahre lang berechenbare Wirtschaftsbedingungen
      geschaffen hat, indem Sie EUR/CHF bei 1,20 gehalten hat.
      – daß eine unkontrollierte Aufwärtsbewegung des schweizer Frankens
      die Exportwirtschaft massiv geschädigt hätte.
      Sollte sich der Euro erholen, wird die SNB Ihre diesbezügliche Position nach und nach abbauen, und dabei bilanziell Gewinne erzielen.
      Generell sind alle Zentralbanken momentan dabei, die Bilanzvolumina nicht weiter ausufern zu lassen.
      Ihr Gesamtmodell von einer insolvenzbedrohten SNB und den skizzierten Folgen für die innerschweizerischen Kreditinstitute ist nur bei ganz bestimmten Marktbewegungen vorstellbar, etwa bei einem Absturz des Dow Jones Index, bei einer anhaltenden und nachhaltigen Dollarschwäche, bei weiter rückläufigen Zinsniveaus.
      Hätte die SNB nicht gehandelt, wären wir heute in der Schweiz womöglich in einer Rezession, und hätten 8% Arbeitslosigkeit und eine verminderte Exportquote mit allen Folgen für den Standort Schweiz.

    • @Tyler Durden

      Danke für Ihren Beitrag

      Sie schrieben vorher:

      Zitat:

      „…sind Sie ein ewiger Mahner, und die schweizer Zentralbank ein ewiger Gewinner.“

      Zitat Ende

      Jetzt schreiben Sie:

      Zitat:

      „…es geht uns nicht darum, Gewinner und Verlierer zu ermitteln.“

      Zitat Ende

      Sorry – Sie haben offensichtlich schon vergessen, was Sie kurz zuvor geschrieben haben. Hauptsache, das SNB-Debakel wird schöngeredet.

      Ich habe im Jahre 1996 an der GV der SNB und in einem Artikel in der FuW („Wie ein SNB-Musterportefeuille aussehen sollte“) gefordert, die SNB solle in Aktien investieren. Dabei ging es mir darum, die Performance der SNB zu verbessern; aber noch viel mehr ging es mir darum, mit Inlandinvestitionen die Schweizer Wirtschaft anzukurbeln – nicht die US-Wirtschaft.

      Ich ging also davon aus, dass die SNB mit Eigenkapital die eigene Wirtschaft unterstützt. Aber was tut die SNB heute? Sie unterstützt mit Fremdkapital die US-Wirtschaft.

      Die SNB hat nie und nimmer den Auftrag, mit Schulden die US-Wirtschaft zu unterstützen. Die SNB soll sich endlich einmal an ihre Aufgabe gemäss Bundesverfassung halten.

      Ich habe bereits 1996 gefordert, die SNB solle in Aktien in investieren. Das war vor über 20 Jahren und ketzerisch. SNB-Chef Roth sagte damals am Radio; „Wir sind doch keine Portfoliomanager“.

      15 Jahre später kommt die SNB nun wie die alte Fasnacht. Die jüngste Boomphase ist bald 8 Jahre alt und eine Korrektur überfällig. Zudem investiert die SNB in einem Markt den sie nicht betrifft – der nicht in ihr Pflichtenheft gehört.

      Sie verhält sich wie ein Vater, der Nachbars Kinder unterstützt anstatt die eigenen.

      Sie nennen das „berechenbare“ Wirtschaftsbedingungen, wenn die SNB den Euro innerhalb weniger Sekunden um 10 Prozent abstürzen lässt? Bitte überlegen Sie hier, bevor Sie schreiben.

      Die starke Exportwirtschaft ist der Grund für den starken Franken. Seit Jahrzehnten ist die Schweizer Wirtschaft stark und damit auch der Franken. Wollen Sie die Schweizer Wirtschaft schwächen, nur damit der Franken schwach wird?

      Das ist Schildbürger-Geldpolitik der SNB.

      Sie schreiben: „…sollte sich der Euro erholen…wird die SNB Gewinne erzielen“. Ja wenn er sich erholt. Aber sie SNB hat schon bei 1.45 behauptet, der Euro sei zu schwach und erhole sich. Und wo stehen wir heute?

      Seit Jahrzehnten tendiert der Franken stark. Also was soll hier Ihr Aussage, „…wenn sich der Euro erholt…“ Seien Sie korrekt und schreiben Sie auch, was passiert, wenn er sich nicht erholt. Und davon ist realistischerweise auszugehen. Dass der Euro sinken könnte, das blenden Sie einfach aus – wie die SNB auch.

      Bei einem Einsatz von 700 Milliarden sind solche Behauptungen, wie Sie und die SNB sie vorbringen, nur dilettantisch.

      Die SNB investiert pro Tag rund eine Milliarde und sie behaupten, die Zentralbanken wollen ihre Bilanzen nicht ausufern lassen. Was die SNB tut ist im Gegenteil eine grenzenlose Ausuferung.

      Sie behaupten, die SNB sei nur „insolvenzbedroht bei einem Absturz des Dollars, …bei ganz bestimmten Marktbewegungen …, etwa bei einem Absturz des Dow Jones Index, bei einer anhaltenden und nachhaltigen Dollarschwäche, bei weiter rückläufigen Zinsniveaus.“

      Der Dollar kommt von 4.30 und seine Tiefst lagen schon bei 70 Rappen. Jetzt sind wir bei Parität. Die Chance ist als sehr gross, dass der Dollar seine Tiefst testet.

      Dass der Dow Jones eine Korrektur erleidet ist nicht unabwegig. Die SNB hat aber auch in andere Aktienmärkt investiert. Nach einer 8-jährigen Boomphase muss jederzeit mit einer Korrektur gerechnet werden.

      Sie übersehen jedoch, dass die SNB mit ihren masslosen und kopflosen Devisenkäufen eine Staatsschuld von über 700 Milliarden Franken aufgebaut hat und keine Aussicht drauf besteht, dass sie diese wieder einmal abbauen kann ohne horrende Verluste.

      Und zuguter Letzt behaupten Sie noch, weiter rückläufige Zinsen sei die SNB insolvenzbedroht.

      Damit schiessen Sie den Vogel vollends ab: Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass nicht tiefere, sondern höhere Zinsen eine enorme Gefahr für die SNB darstellen, weil dann die Obligationenkurse absacken.

      Wenn nur die Devisen und Obligationen und Aktienkurse je um 10 Prozent korrigieren, so ist die SNB bereits Konkurs. Das kann jederzeit geschehen.

      Ein Fortschritt ist jedoch, dass Sie akzeptieren, dass die SNB Insolvenz werden kann. Das ist bereits ein grosser Fortschritt – denn die SNB behauptet ja, sie könne nicht Konkurs gehen.

      So substanzlos sind meine Beträge hier offenbar doch nicht. Sie scheinen wenigstens etwas gelernt zu haben – die SNB hat noch nicht einmal das gelernt.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  11. Merkwürdig, Herr Dr. Meyer, Ihre Prognosen treten nur dann ein, wenn die SNB an den Marktgegebenheiten scheitert.
    Sie scheitert sicherlich nicht an Bilanzbewertungsformeln.
    Sehen Sie an Ihrem eigenen Beispiel nicht, wieviel Wert die Realität Ihrem eigenen Bewertungsmaßstab zumisst ?
    Sollte die SNB in Ihrer Markteinschätzung Recht behalten, sind Sie ein ewiger Mahner, und die schweizer Zentralbank ein ewiger Gewinner.
    Bei steigenden US-Bluechips, steigenden US-Renditen, einigermassen stabilen Eurokurs, niedrigem EUR/CHF Zinsniveau sind Sie wie der Rufer in der Wüste – ohne Substanz.
    Die SNB-Bilanz wird positiv sein, egal was Sie vorbringen.
    Der Markt kann sich nicht gegen eine Zentralbank durchsetzen – punktum.

  12. @Daniel Müller

    Danke für Ihren Kommentar

    Bitte richten Sie dem Toni Brunner folgendes aus:

    Lieber ein unangepasster Looser als ein angepasster Winner.

    Da liegt genau das Kernproblem der SNB: In und im Umfeld der SNB haben wir es nur mit Anpassern zu tun. Das gilt vor allem für den SNB-Bankrat. Keiner, der es wagen würde, die SNB zu hinterfragen.

    Das SNB-Direktorium erträgt nur Anpasser. Und so kommt es, dass das SNB-Direktorium die unglaublichsten Märchen erzählen kann: „Geld aus dem Nichts“ oder „mit Geld drucken Eigenkapital der SNB vergrössern“ und dergleichen Unsinn.

    Und weil alle Anpasser sind, werden solche Märchen unbedarft und endlos kolportiert. Die Schäden aufgrund solcher Märchen werden verschwiegen und vertuscht.

    Richtig: Wenn man es wagen sollte, der SNB zu widersprechen, so hat man mit Repressionen seitens der SNB und deren Anpasser zu rechnen. Toni Brunner mag das als Looser bezeichnen. Soll er.

    Das SNB-Direktorium verdient über einen Million pro Person und Jahr. Die wollen sie weiterhin und so scharen sie nur Angepasste um sich. Sind das Winner?

    Wie heisst es doch so schön: „Die Ersten werden die Letzten sein.“

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  13. Es geht in dem Fall nicht um Richtigkeit. Die SNB wird auch erkannt haben, dass sie sich aus reiner Dummheit und unter Druck von unfähigen und meist schlicht korrupten Politikern in eine ausweglose Lage manöveriert. Man lese die Erlebnisse der Gebrüder Hunt (Silber-Cornering). Aber die Verantwortlichen können nun nicht mehr ohne totalen Gesichtsverlust und ohne Konkurs raus – darum versucht man, so lange wie möglich durchzuhalten in der Hoffnung auf ein Wunder.
    Meine Vermutung: Die USA wird die Schweiz (völlig zu recht) als Währungsmanipulatorin brandmarken und mit Strafsteuern drohen. Dann wird man aussteigen und die Politiker können dann zusammen mit den überforderten SNB-Managern in der Systempresse gemeinsam über die „Bösen Amis“ herziehen.

  14. Verehrter Herr Dr. Meyer,

    in dem Moment, in dem Herr Jordan bei einer Pressekonferenz von „versteckten Verlustpotentialen aufgrund interner Wechselkurseinschätzungen“ sprechen würde, wäre der Markt sofort positioniert und der Euro gegenüber dem Franken schwächer.
    Es sollte klar sein, daß der Markt erst einmal davon ausgeht, daß Jordans Sicht mindestens so relevant ist wie die Betrachtung der vierzigjährigen Wechselkursentwicklung EUR/CHF.
    Gerade aus diesem Zwiespalt zwischen Jordan-Prognose („Franken derzeit stark überbewertet“) und der Marktmeinung („Franken als sicherer Hafen“) hat sich dieser „natürliche“ Kurs von 1.07 derzeit eingependelt.
    Verluste in der Bilanz der SNB treten nur dann auf, wenn
    a) Jordan seine eigene Wechselkurseinschätzung ändert (z.B. „Franken nur leicht überbewertet“)
    b) der Markt Gründe hat, den Franken aufgrund Marktturbulenzen oder Dollarschwäche anders einzuschätzen
    c) sich relevante Außenwirtschaftsdaten der Schweiz signifikant ändern.
    Auch buchhalterisch sind die 200 Mrd Dollar im Portfolio rund 200 Mrd. Franken, schon seit längerer Zeit, also keine Verlustanzeige durch dieses Währungspaar.
    Sollte EUR/USD steigen, so werden die 420 Mrd. Euro im Porfolio der SNB ebenso im Wert steigen und Gewinne produzieren.
    Insbesondere die US-Aktien der SNB steigen permanent seit Jahren im Wert an, auch währungsbereinigt gerechnet.
    Damit es hierzulande zu einem SNB-Offenbarungseid kommt, sind also Marktereignisse notwendig, wie z.B. Aktiencrash, Dollarschwäche, Platzen der Bondblase.
    Wenn die SNB also die Meinung vertritt, daß es zu diesen negativen Marktereignissen nicht kommt, und falls diese tatsächlich nicht eintreten sollten, sind die Quartalsergebnisse unserer Nationalbank weiterhin positiv und werden es auch bleiben.
    In der Begegnung „Zentralbanksteuerung contra natürliche Marktentwicklung“ liegt die SNB momentan klar vorne, meint
    Konrad Tönz

    • @Konrad Tönz

      Danke für Ihren Kommentar.

      Dass der Markt davon ausgeht, dass Jordan’s Sicht ebenso relevant sei wie die reale
      Bewertung des Dollar / Franken-Kurses über die vergangenen Jahrzehnte, scheint mir eine unrealistische Einschätzung.

      Jordan hat schon bei 1.45 zum Euro behauptet, der Franken sei überbewertet. Jordan liegt mit seiner Behauptung, der Franken sei überbewertet, seit vielen Jahren falsch. Das hat die Schweiz nun schon über 50 Milliarden Franken Währungsverluste gekostet.

      Was der Markt von Jordans Wechselkurseinschätzung hält, haben wir am 15. Januar 2015 deutlich gesehen – nämlich nichts. Marktturbulenzen im Dollar und Euro können jederzeit geschehen und der SNB schwere Verluste zufügen.

      Die starke Schweizer Wirtschaft wird den Franken weiter stärken – auch wenn das SNB-Chef Jordan nicht haben will; und die Schweizer Wirtschaft schwächen, nur um den Franken zu schwächen – das macht wirklich keinen Sinn. Das sollte sich die SNB einmal überlegen.

      Die SNB besitzt Dollars, seit dieser bei 4.30 notierte und Sie behaupten, die SNB habe auf diesen Dollars keine Verluste erlitten. Im Gegenteil: Auf ihren Dollarbeständen hat die SNB schon sehr hohe Milliardenbeträge verloren. Hinzu kommt die verlorene Wertschöpfung der SNB-Investitionen an das Ausland.

      Sie träumen wie die SNB von einem steigenden Euro und damit steigenden SNB-Gewinnen. Sie haben wie die SNB offenbar noch nicht erkannt, dass der Franken kontinuierlich steigt, weil die Schweizer Wirtschaft stark ist. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht und auch nicht gewollt.

      Eine Dollarschwäche kann eintreten, wie auch eine Euroschwäche. Auch eine Korrektur an den Aktienmärkten kann jederzeit eintreten und insbesondere auch eine Korrektur bei den Zinsen. All das sind hohe ungesicherte und unnötige Risiken für die SNB, die letztlich wir Steuerzahler tragen.

      Sie behaupten: „In der Begegnung „Zentralbanksteuerung contra natürliche Marktentwicklung“ liegt die SNB momentan klar vorne…“

      Wie erklären Sie sich dann, dass die SNB bei 1.45 behauptete, der Franken sie überbewertet und für 200 Milliarden Franken Euros gekauft hat und heute notiert dieser bei 1.07?

      Herr Tönz, Sie sehen, die Fakten widersprechen Ihren Behauptungen.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  15. Ich begreife die Sache mit dem „Gewinn“ bei der SNB grundsätzlich nicht. Die SNB spricht die ganze Zeit von Gewinn und die Kantone beanspruchen eine Gewinnausschüttung. Gemäss Medien resultiert der Gewinn der SNB aus gestiegenen Kursen auf ihren Aktienbeständen, womit es sich nach meinem bescheidenen Verständnis um einen blossen Buchgewinn handelt. Dieser Gewinn existiert somit nur auf dem Papier. Erst wenn die Aktie/Gegenstand etc. verkauft wird, wird der eigentliche Gewinn realisiert, vorausgesetzt es findet sich ein Käufer, der bereit ist den Preis zu bezahlen. Aber indem die SNB den fiktiven Buchgewinn an die Kantone mit harter Währung ausschüttet tut sie so als ob sie den tatsächlichen Gewinn bereits in der Tasche hat. Die SNB fungiert nach meinem Verständnis somit als Gauklerin mit Luftschlössern. Oder liege ich falsch?
    Kann mir, als nicht in der Finanzbranche tätiger Normalbürger, diese Sache mit dem „Gewinn“ bitte jemand verständlich erläutern. Besten Dank im Voraus.

    • @Nicht verstanden

      Danke

      Ein Buchgewinn oder Buchverlust ist genauso ein Gewinn oder Verlust.

      Nur: Was auffält ist, dass die SNB und die Medien bei Gewinnen der SNB von Gewinnen reden, bei Verlusten aber von „Buchverlusten“.

      Damit will die SNB ihre Verluste begatellisieren. Das ist irreführend.

      Im Gegenteil: Ein Buchverlust ist noch schwerweigender einzustufen als ein realiserter Verlust, weil die entsprechende Positionen noch offen ist und weiter Verluste bescheren kann.

      Gerade bei den immensen Devisenbeständen der SNB ist das brandgefährlich:

      Die SNB bilanziert den Euro beispielsweise bei 1.08. Verkauft sie aber ihre hunderte Milliarden Euros, so ist mit einen grossen Wertverlust des Euros zu rechnen.

      Die Verluste der SNB bei einem Verkauf ihrer Devisen kann somit sehr gross werden.

      Es wäre schön, die SNB hätte auf den Devisenbeständen bereits realiserte Gewinne – das würde nämlich bedeuten, dass die Devisen verkauft sind.

      Dem ist aber leider nicht so und die zu erwartenden grossen Verluste auf den Devisenbeständen der SNB haben wir noch vor uns.

      Deshalb ist die SNB viel näher bei ihrem Konkurs, als man das bisher wahrnimmt.

      mfG

      Marc Meyer

  16. Nun muss der liebe Nationaökonom noch folgendes berücksichtigen:

    Die Schweiz ist auch ein Werkplatz. Mit zunehmender Disparität der Währungen wandern alle Arbeitsplätze aus. Die Schweiz wird deindustrialisiert.

    Mit der Deindustrialisierung verarmen die Leute, und viele Wohnungen bleiben permanent leer. Notfalls wohnt man gepfercht um Geld zu sparen. 90% der Schweiz wird zu einem Ghetto. Die Ausländer kann man rausschmeissen.

    Vielleicht gehen auch Schweizer weg, und arbeiten im Ausland zu EU-Löhnen.

    Da es aber noch die Demokratie gibt, wird immer radikaler gewählt.

    Innovation soll retten? Falsches Land! Als die Grossbanken Giganten waren, war Amazon ein kleiner Versandhändler und im Minus. Heutzutage ist Amazon in der IT gross, und Bezos der zweitreichste Mensch der Welt.

    Unsere Banken sind ein nichts geworden. Nur weil man keine IT-Bude sein wollte.

    Das ist die Realität.

    • @Daniel Müller

      Danke für Ihren Beitrag.

      Der Franken ist stark, weil die Schweizer Exportindustrie stark ist. Wollen wir die Exporte schwächen, damit der Franken schwach wird?

      Wenn die SNB die Schweizer Wirtschaft stärken will, so muss sie in der Schweiz investieren – nicht im Ausland. Mit Ihren Auslandinvestitionen stärkt die SNB die direkte Konkurrenz der Schweizer Exporteure.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  17. Das Gejammere über die „Risiken“ der SNB-Bilanz gehen ziemlich auf den Wecker. Was passiert, wenn das Eigenkapital der SNB vernichtet wird durch eine Aufwertung? Na? Genau! Nichts. NICHTS. Sollten ein paar Hasenfüsse in dem Moment aus dem Franken flüchten, würde der Kurs auf 1.5 oder 2 zum Euro schiessen. Was wäre dann mit dem Eigenkapital? Alles wieder da, denn die Euro-Anlagen der SNB würden aufwerten etc. Also geniessen wir doch endlich, dass das Ausland uns sein Kapital gegen ein paar lumpige Scheine oder Bytes überlässt.

    • @C.Asch

      Danke

      Im Falle von negativem Eigenkapital der SNB müssten die Banken ihre Investitionen bei der SNB entsprechend wertberichtigen und können somit selber Konkurs gehen, je nachdem, wie hoch ihre Wertberichtigungen bei der SNB sind.

      Dass dann der Franken automatisch wieder steigt und das Eigenkapital von selber zurückkommt ist eine grosse Illusion.

      Erst wenn die Gegenparteien der SNB ihre Gewinne realisert haben (die Verluste der SNB) wird es eine Gegenbewegung geben.

      Zudem dürfen Sie den Wert von Notenbankgeld und Aussenwert des Frankens nicht einander gleichsetzen.

      Wenn der Wert von Notenbankgeld fällt, so bedeutet das nicht gleichzeitig, dass der Aussenwert des Frankens analog fällt.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Absolut einverstanden. Herr Meyer übersieht offensichtlich, dass die SNB auch mit negativem Eigenkapital quietschfidel wäre. Es gäbe auch keinen Grund für die Geschäftsbanken, irgendwelche Abschreibungen vorzunehmen, weil deren Forderungen jederzeit durch neue Franken gedeckt werden könnten. Mit diesen Franken könnten sie losziehen und gegen „richtige“ Assets (falls ihnen die Forderungen an die SNB nicht gut genug erschienen) tauschen.

      Das wahre Problem der SNB besteht, wie in den Kommentaren weiter unten angemerkt, darin, dass sie im Dschungel ihrer eigenen „Spezialwahrheiten“ gefangen ist: überbewerteter Franken? gefährlich grosse Bilanz (wo ist die Grenze)? Ausserdem glaubt sie scheinbar, einen Mindestkurs bei Bedarf wieder einführen zu können und vergisst, dass das dream team um Jordan auf dem fx-Parkett seit dem 15.1.2015 nur noch ein Lachnummer ist.

      Leider verbietet es eine falsche political correctness, die Schwächen der SNB-Führung öffentlich anzusprechen.

    • @Theo Urs Müller

      Danke für Ihren Beitrag.

      Sie scheinen von der fx-Abteilung zu kommen.

      Schade dass man dort immer noch nicht verstanden hat, dass die SNB nicht einfach neue Franken drucken und damit ihre Schulden bezahlen kann.

      Sie und Ihre Kollegen interpretieren gedruckte Franken fälschlicherweise als Aktivum der SNB – als „Liquidität“ der SNB. Sie begehen damit denselben Irrtum wie SNB-Chef Jordan.

      Herr Jordan meint auch, die SNB könne im Falle von negativem Eigenkapital einfach Banknoten drucken und so negatives Eigenkapital beseitigen. Das ist falsch – und brandgefährlich.

      Warum? Weil Notenbankgeld ein Passivum der SNB darstellt – eine Schuld der SNB. Und mit zusätzlichen Schulden kann man die Gesamtschulden nicht abbauen.

      Konklusion: Bei negativem Eigenkapital der SNB müssen die Kreditgeber der SNB, die Geschäftsbanken, entsprechende Wertberichtigungen vornehmen.

      Das kann zum Konkurs von Geschäftsbanken führen.

      Sie arbeiten womöglich bei einer solchen Geschäftsbank. Da sollte es Sie interessieren, dass Notenbankgeld für die SNB selber kein Zahlungsmittel sein kann.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  18. Exporteur:
    Ja ich arbeite in der Exportindustrie
    Ja die CH-Exporteure stärken mit jedem Export den CHF.
    Ja eine starke Währung darf den Exporteur nicht stören.

    Das grosse ABER für den Exporteur ist die GESCHWINDIGKEIT. Unser Unternehmen brauchte in etwa 5 Jahre um bei einem Kurs von 1.20 ähnlich hohe Gewinne zu schreiben wie bei dem damaligen Kurs von 1.50. Das heisst das Unternehmen hat viel unternommen und wurde richtig fit und stark. Am 15. Januar 2015 erstarkte jedoch der Franken bis zu 20% und dies innerhalb einer Sekunde. Aber ein produzierendes Unternehmen kann dies nicht innerhalb einer Sekunde kompensieren. Es bedingt hartes Training und ein erneuter zusätzlicher Muskelaufbau des Unternehmens. Dies ist alles möglich in der Schweiz und wir haben die besten Voraussetzungen hierfür, aber jedes Training braucht seine Zeit.

    Daher sollte die SNB eigentlich ein Wahrungsziel wie folgt haben
    2017: 1.08
    2018: 1.07
    2019: 1.06
    2020: 1.05 usw.

    • Gemäss SVP-Toni Brunner sind sie ein unangepasster Looser. ?

      Wobei Toni Brunner ein garantiertes Einkommen dank Landwirtschaftssubventionen hat, und ohne diese seine Lieblingsziege glatt verhungern würde. Er sogar vor ihr.

      Kolega Stalder sollte ihm mal Wirtschaft und Export erklären.

      Und Sie, lieber Expoteuer, packen lieber rechtzeitig die Koffer, und natürluch die Maschinen, Richtung Euro-Raum. Sie reden bei der SNB mit einer Wand.

    • @Vive la France

      Danke.

      Genau. Es war unverantwortlich von der SNB, den Euro drei Jahre lang konstant zu halten und dann am 15. Januar 2015 innerhalb einer Sekunde um 20 Prozent absacken zu lassen.

      Es wäre viel besser für die Exporteure, die SNB würde den Franken natürlich aufwerten lassen – nicht künstlich manipulieren und dann innerhalb einer Sekunde alles freigeben.

      Es wäre auch viel klüger gewesen, anstatt eine Mindestgrenze festzulegen, eine Bandbreite zu deklarieren, innerhalb derer man auf beide Seiten bei Übertreibungen eingreifen würde.

      In diesem Fall könnte die SNB auch Euros verkaufen, ohne unglaubwürdig zu sein.

      Die SNB wollte oder will aber überhaupt keine Euro-Abwertung. Der Grund dafür ist einfach zu erkennen: Bei einer Abwertung erleidet die SNB grosse Verluste auf ihren Devisenanlagen.

      Und um die Verhinderung dieser Verluste geht es in erster Linie – nicht um die Exporteure.

      mfG

      Marc Meyer

    • @Daniel Müller

      Danke für Ihren Kommentar

      Bitte richten Sie dem Toni Brunner folgendes aus:

      Lieber ein unangepasster Looser als ein angepasster Winner.

      Da liegt genau das Kernproblem der SNB: In und im Umfeld der SNB haben wir es nur mit Anpassern zu tun. Das gilt vor allem für den SNB-Bankrat. Keiner, der es wagen würde, die SNB zu hinterfragen.

      Das SNB-Direktorium erträgt nur Anpasser. Und so kommt es, dass das SNB-Direktorium die unglaublichsten Märchen erzählen kann: „Geld aus dem Nichts“ oder „mit Geld drucken Eigenkapital der SNB vergrössern“ und dergleichen Unsinn.

      Und weil alle Anpasser sind, werden solche Märchen unbedarft und endlos kolportiert. Die Schäden aufgrund solcher Märchen werden verschwiegen und vertuscht.

      Richtig: Wenn man es wagen sollte, der SNB zu widersprechen, so hat man mit Repressionen seitens der SNB und deren Anpasser zu rechnen. Toni Brunner mag das als Looser bezeichnen. Soll er.

      Das SNB-Direktorium verdient über einen Million pro Person und Jahr. Die wollen sie weiterhin und so scharen sie nur Angepasste um sich. Sind das Winner?

      Wie heisst es doch so schön: „Die Ersten werden die Letzten sein.“

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  19. Wie immer finde ich Ihre Überlegungen interessant und grundsätzlich auch logisch.
    Mein kleiner Einwand geht in die Richtung, dass die EUR-Anlagen, welche sich ja wohl deutlich mehr als 50% der gesamten FW-Investitionen belaufen, in etwa mit Sicherheit bereits auch einen „halben Euro“ pro ausgegebenen Schweizer Franken implizieren. Damit sollte eigentlich grundsätzlich die kursmässige Sensitivität gegenüber dem EUR deutlich kleiner ausfallen, als ohne diesbezüglich Anlagen. Damit müsste eigentlich, zusammen mit der immer noch vorhandenen Diversifikation mit anderen Währungen das Gesamtverlustpotenzial schon etwas geringer als die von Ihnen angeführten 140 Mrd. sein.
    Aber wie eingangs erwähnt ist allein die schiere Grösse der mittlerweile aufgelaufenen Spekulation wirklich ein Grund zur Sorge. Ob Jordan wirklich nichts von Buchhaltung versteht, ist schon zu hinterfragen. Wenn er allerdings wirklich seinen Notengeldumlauf als Vermögen anpreisen sollte, ist das zumindest medial ein Schuss mit der Panzerfaust in den eigenen Ofen.

    • @Supermario

      Danke

      Doch – es ist tatsächlich so:

      In seinem Grundsatzreferat „Braucht die Nationalbank Eigenkapital“ argumentierte Jordan mehrmals, die SNB könne Liquidität, also Vermögen, schaffen, und damit sämtlichen Forderungen der SNB jederzeit nachkommen.

      Ich zitiere hier einige Beispiele aus seinem Referat:

      „Zum einen können Zentralbanken nämlich nicht illiquid werden.“

      „Zum anderen hat eine Zentralbank aufgrund des Notenmonopols gegenüber normalen Unternehmen einen Finanzierungsvorteil und kann nach Verlusten langfristig immer wieder Eigenkapital aufbauen.“

      Gleich anschliessend argumentiert Jordan:

      Die SNB habe einen „Finanzierungsvorteil aufgrund des Notenmonopols“ und könne somit „immer wieder Eigenkapital aufbauen.“

      „Da ein Liquiditätsengpass in eigener Währung unmöglich ist, stellt sogar eine Situation, in der eine Zentralbank negatives Eigenkapital ausweist, für ihre Geschäftspartner kein Problem dar.“

      „Denn im Unterschied zu anderen Unternehmen und Banken könnte sie auch in diesem Fall den künftigen Forderungen in eigener Währung immer nachkommen.“

      „Die Gegenparteien einer Zentralbank mit vorübergehend negativem Eigenkapital sind demzufolge nicht schlechter gestellt als solche einer Zentralbank mit einem grossen Eigenkapitalpolster.“

      „Die Fähigkeit einer Zentralbank, ihre Verbindlichkeiten fortwährend zu bedienen, hat weitreichende Konsequenzen:

      Zum einen bleibt die SNB handlungsfähig, auch wenn sie vorübergehend ein negatives Eigenkapital ausweisen muss….“

      „ Zum anderen besteht bei negativem Eigenkapital kein rechtlicher Zwang zur Sanierung, geschweige denn zur Liquidation, wie ihn in der Schweiz das Obligationenrecht in Verbindung mit den Schuldbetreibungs- und Konkursrecht (SchKG) für solche Situationen bei privatrechtlich organisierten Gesellschaften gewöhnlich vorschreibt.“

      Die gesamte Begründung Jordans, weshalb die SNB im Falle von negativem Eigenkapital ihre Bilanz nicht deponieren muss und keine Sanierungsmassnahmen eingeleitet werden müssen, basiert auf seinem Irrtum, bei Notenbankgeld handle es sich um ein Aktivum („Liquidität“, „liquide Mittel“) der SNB.

      Aufgrund seines Irrtums meint Jordan, die SNB könne Notenbankgeld in Form von „Liquidität“ bzw. „liquide Mittel“ der SNB schöpfen (erschaffen) und damit sämtlichen Verbindlichkeiten der SNB nachkommen.

      Jordan meint, die SNB habe „einen Finanzierungsvorteil“ und könne aufgrund des Notenmonopols „immer wieder Eigenkapital aufbauen“.

      Die ganze Argumentation Jordans, weshalb die SNB ihre Bilanz nicht deponieren und sanieren muss im Falle von negativem Eigenkapital, basiert somit auf einem buchhalterischen Irrtum von Jordan.

      In der Zusammenfassung seines Referats wiederholt Jordan wörtlich, die SNB könne durch Geld drucken ihr Eigenkapital wieder aufbauen.

      Man kann es drehen und wenden wie man will:

      SNB-Chef Jordan betrachtet Notenbankgeld als „Liquidität“ der SNB; d.h. also er betrachtet dieses als Vermögen der SNB, womit die SNB sämtliche Forderungen bezahlen könne.

      Sogar der Bundesrat begeht denselben Irrtum und schwatzt der SNB deren Irrtümer nach. Er behaupteet in seiner Antwort auf die Motion eines Nationalrats, die SNB könne aufgrund des Notenmonopols „nicht illiquide werden in Franken“.

      Und das Parlament ist auf diesen Irrtum hereingefallen.

      Es steht wirklich übel um unsere SNB, welche Ihre Schuldenseite mit ihrer Vermögenseite verwechselt – und das alles zulasten der Schweizer Volkswirtschaft und womöglich der politischen Unabhängigkeit der Schweiz (drohender EU-Beitritt im Falle von massiven SNB-Verluste).

      Herr Jordan will seinen Irrtum zu Tode schweigen.

      Wenn Sie davon ausgehen, dass die SNB den Euro um mindestens 20 Prozent stützt, so bedeutet das, dass die SNB zurzeit Verluste von 140 Milliarden in ihrer Bilanz versteckt.

      Die SNB hätte also bereits jetzt ein negatives Eigenkapital von weit über 50 Milliarden.

      Das würde bedeuten, dass die SNB ihre Bilanz dringend sanieren und beim Richter deponieren muss – schon jetzt.

      mfG

      Marc Meyer

  20. Nachtrag I

    Die steht auf der Kippe und sollte ihre bald Bilanz deponieren

    Kurz zusammengefasst:

    Erstens:

    Unser Bundesrat versuchte damals, ein Bergseelein von Milch auszutrinken, um den Bauern einen Mindestpreis für deren Milch zu garantieren. Das gelang nicht und kam die Steuerzahler sehr teuer.

    Die SNB versucht heute, einen Ozean von Devisen auszutrinken, um den Exporteuren einen Mindestpreis für deren Euro und Dollar zu garantieren. Auch das ist bereits misslungen (beim Mindestkurs von Euro 1.20) und wird weiter misslingen (Euro 1.08 usw.).

    Bei den heutigen Devisenmarktinterventionen der SNB enstehen jedoch Schäden in der tausendfachen Höhe der damaligen Milchinterventionen des Bundesrates.

    Zweitens:

    Geht man davon aus, dass es der SNB momentan gelingt, den Euro aufgrund der Interventionen um rund 5 Prozent zu stützen, so bedeutet das. dass die Devisen im Portefeuille der SNB rund 35 Milliarden Franken zu hoch bewertet wind.

    Die SNB sollte somit nicht einen Gewinn von 24 Milliarden ausweisen, sondern einen Verlust von 11 Milliarden.

    Geht man davon aus, dass es der SNB gelingt, den Euro 10 oder gar 20 Prozent zu stützen, so bedeutet das, dass versteckte Verluste von 70 – 140 Milliarden Franken in der Bilanz der SNB schlummern.

    Die SNB wäre damit bereits heute überschuldet und ein Sanierungsfall.

    Der SNB-Bankrat steht in der Pflicht, die Bilanz der SNB beim Richter zu deponieren.

  21. Grüezi Herr Dr. Meyer,

    was mir nicht so klar ist bei gewissen Aussagen von Prof. Jordan ist:

    Bilanziert letzenendes die SNB ein Kassenbestand? Ja oder Nein!

    Stichwort: Mindestkurs. Hätte man das nicht auch eleganter und vorallem effizienter lösen können? Ich weise darauf hin, dass in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Beschäftigen in der Exportwirtschaft konstant rückläufig ist.

    Können die Gründe der Frankenanbindung nicht wonders zu finden sein?

    Kann es sein das die SNB befürchtete, dass einer Aufwertung der Währung zu einer übermässigen Zentralbanknotenausgabe hätte führen können?.

    In diesem Zusammenhang, sei die Rolle des Gesetzgeber erwähnt: Dieser hat in den Letzten 2 Jahrzehnten Vorschriften erlassen, die auf die Begrenzung des Zentralbanknotenumlaufs zielen.

    Herzliche Grüsse

    • @Arbeitgeber KMU, AHV-Rentner

      Guten Morgen und Danke für Ihren Kommentar.

      Es ist korrekt: Die Aussagen von SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan sind in sich widersprüchlich und manchmal nicht klar.

      Klar hingegen ist, dass unser SNB-Chef die Schulden der SNB fälschlicherweise als Vermögen der SNB deklariert. (Notenbankgeld sei „Liquidität“ und damit Vermögen der SNB, womit die SNB unbeschränkt Fremdkapital abbauen bzw. Eigenkapital aufbauen könne – so die Irrlehre von Herr Jordan).

      Dieser Kapitalfehler im wahrsten Sinne des Wortes wird uns noch ein Vermögen kosten und möglicherweise sogar den Beitritt der Schweiz zur EU unumgänglich machen. Die SNB sitzt in der Falle und wir mit ihr.

      Irreführend ist auch, wenn Jordan für das vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 24 Milliarden deklariert und die schlummernden stillen Verluste 35 Milliarden oder noch mehr verschweigt.

      Bezüglich Kassabestand ist es so, dass die SNB mit Sicherheit intern ein kleines Kassakonto (oder Liquiditätskonto) führt, da sie ja auch einen geringen Teil an Bargeld als Aktivum für sich halten muss. Im Geschäftsbericht ist dieser aber in der Jahresrechnung nicht ersichtlich.

      Wenn Herr Jordan oder ein Direktionsmitglied eine Spesenrechnung hat, die bar zu bezahlen ist (und wenn es nur ein Kaffee im Intercity ist) muss ein aktives Kassakonto oder Liquiditätskont (Bankkarte / Kreditkarte) vorhanden sein.

      Ein solches Kassa / Liquiditätskonto darf aber in keiner Weise verwechselt werden mit dem gewaltigen Konto „Notenumlauf“ auf der Passivseite von 78 Milliarden Franken. Das sind zwei ganz verschiedene Konti. Das eine zeigt Vermögensfranken der SNB – das andere Schuldfranken der SNB.

      Die Schuldfranken der SNB sind umgekehrt die Vermögensfranken der Bürgerinnen und Bürger.

      M.E. haben folgende Gründe zum Mindestkurs geführt: Bei 1.45 hatte der Euro über Jahre eine gute Unterstützung. In der Hoffnung, der Euro steige wieder, hat das SNB-Direktorium bei 1.45 für 200 Milliarden Franken Euros gekauft.

      Das war eine Fehlspekulation der Herren Hildebrand und Jordan. Herr Hildebrand hatte ja vor seiner Wahl zum SNB-Chef bereits hochspekulative currency carry trades für die SNB propagiert.

      Der Euro fiel und fiel. In der Not wurde der Mindestkurs eingeführt, in der Hoffnung, die Abwertung der Devisenbestände der SNB und damit hohe Verluste der SNB zu verhindern. Das gelang 3 Jahre lang bis am 15. Januar 2015. Dann brach der ein und die SNB versucht immer noch verzweifelt, ihre Fehlspekulation zu drehen.

      Zudem ist es nicht Aufgabe der SNB, Strukturpolitik zu betreiben. Hätte die SNB seit 1907 erfolgreich Strukturpolitik betreiben, so wären wir heute immer noch ein bettelarmes Bauernvolk.

      Herr Jordan will ja im Falle von negativem Eigenkapital die Schulden der SNB mit Banknoten begleichen. Da kann er die Banknoten vorher kaum abschaffen, obwohl er so die Negativzinsen besser durchsetzen könnte wie er das bei deren Einführung angekündigt hat.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Grüezi Herr Dr. Meyer,

      Besten Dank für die relevanten Hintergrundinformationen.

      Herr Prof. Jordan Argumentationskette basiert auf die Ausblendung der Tatsache, dass der Buchungssatz:

      – Gold an Notenumlauf –

      keinerlei Bedeutung mehr hat, da die Goldwährung längst zur Geschichte gehört. Das ist nämlich der Inhalt einer Banknote die eine Schuld darstellt, weil mit einer derartigen Banknote eine Sache gefordert werden kann, die – natürlich – aus dem Aktivabestand der SNB entnommen werden muss.

      Sie, Herr Dr. Meyer behaupten, auf der Grundlage der Buchhaltung, dass Banknoten ein Recht auf die Herausgabe einer bestimmten (vertretbaren) Sache, verbriefen.

      Fazit:
      Das Gold war final schuldbefreiend, die Geldnote eine Verbindlichkeit der SNB zur Auszahlung von Gold. Heute hat das Bargeld selbst diesen Status inne…..die Art der Bilanzierung ist geblieben.

      Selbst wenn das so wäre, – was für mich nicht ist – woher hatte die SNB das verfassungsmässige Recht die Investitionen – die sie getätigt hat – nahezu ausschliesslich ins Ausland zu lenken?

      Ich frage mich als Bürger dieses Landes, wie viele Widersprüche unsere Gesellschaft noch ertragen kann? Klar, selbst von einem mündigen Bürger kann nicht erwartet werden sich mit Geldtheorie zu befassen.

      Herzliche Grüsse

    • @Arbeitgeber KMU, AHV-Rentner

      Danke für Ihren Beitrag.

      Wie Sie wissen bringt die SNB Notenbankgeld (Banknoten und Giroguthaben der Banken bei der SNB) durch sogenannte Offenmarktpolitik in den Umlauf.

      Wie funktioniert diese?

      Um Notenbankgeld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen kauft die SNB Gold oder Wertschriften oder Devisen am offenen Markt.

      Da die SNB nicht über genügend eigene Mittel verfügt, nimmt sie bei den Banken einen Kredit auf, indem sie ihr Konto bei den Banken überzieht.

      Die SNB besitzt jetzt Gold oder Wertschriften oder Devisen und hat eine entsprechende Schuld bei den Banken. Diese Schuld stellt Notenbankgeld dar.

      Will die SNB die ausstehende Notenbankgeldmenge wieder verringern, so muss sie das Gegenteil tun:

      Sie muss Gold oder Wertschriften oder Devisen verkaufen und so ihre Schulden bei den Banken in Franken wieder abbauen.

      Die Aufhebung des Goldstandards bedeutet nur, dass Privatpersonen bei der SNB nicht mehr selber direkt eine Banknote in Gold umtauschen können.

      Die Aufhebung des Goldstandards bedeutet nie und nimmer, dass die SNB keine Schuld mehr hätte.

      Die SNB muss den Banken Gold oder Wertschriften oder Devisen liefern, sofern die ausstehende Notenbankgeldmenge (Schulden der SNB) verringert werden soll.

      Eine Verringerung der Passivseite (Notenbankgeld) kann nur erfolgen, wenn die SNB auf ihrer Aktivseite entsprechende Aktiven verkauft (Gold oder Wertschriften oder Devisen).

      Die Behauptung von SNB-Chef Jordan, die SNB müsse keine aktiven Vermögenswerte liefern, sondern Notenbankgeld sei nur gegen Notenbankgeld eintauschbar ist eben ein weiterer Irrtum von Herr Jordan.

      Gut: Der Irrtum stammt nicht von Jordan selber – aber Jordan behauptet einfach etwas, das er gehört hat und in den Lehrbüchern so behauptet wird – aber es ist falsch.

      Ihre Frage, woher die SNB das Recht habe, fast ausschliesslich im Ausland zu investieren, kann ich gut nachvollziehen.

      Hier liegt der grosse Fehler der SNB: Will sie unsere Wirtschaft ankurbeln, so muss sie hierzulande investieren und nicht im Ausland.

      Das habe ich der SNB schon 1996 an der GV in Bern gesagt – aber leider vergeblich.

      MfG

      Marc Meyer