Krimi: UBS verschwor sich mit deutschen Agenten

In der Spionage-Affäre rückt die Grossbank immer unrühmlicher ins Zentrum – Spionierte zusammen mit luschen Deutschen.

Die Grossbank UBS gerät immer tiefer in den Spionage-Thriller der Schweiz und Deutschland. Ihre eigenen Geheim-“Polizisten“ taten sich mit undurchsichtigen deutschen Agenten-Legenden zusammen.

Das geht aus einem grossen Artikel im heutigen Tages-Anzeiger hervor. Der Tagi schildert unter dem Schlagwort „Operation Eiswürfel“ minutiös den Ablauf der ganzen Affäre.

Eine Passage ist für die UBS besonders brisant. Es ist jene, wo ein Deutscher namens Werner Mauss auftaucht.

Mauss ist 77 und in Deutschland laut Kommentatoren deutscher Journalisten ein „legendärer Privatermittler“ und „Special-Agent“.

Mauss sei „jahrzehntelang für Staaten und Konzerne im Einsatz“ gewesen, hielt ein deutscher Journalist schon vor 10 Monaten fest, als er den Thriller zum Teil bereits ausgeleuchtet hatte.

Laut Tages-Anzeiger ist Werner Mauss eine entscheidende Figur im Spionage-Krimi mit dem Ex-UBS-Sicherheitsmann Daniel M. im Zentrum, der seit 2 Wochen in einem deutschen Gefängnis sitzt.

„Kaum im Spiel, ergreift Mauss die Initiative“, schreibt die Zeitung heute. Mauss „meldet sich bei der UBS, der er als Kunde schon lange verbunden ist. Im September 2014 trifft er sich am Flughafen Frankfurt mit Bank-Vertretern, darunter Spitzenjurist Oliver Bartholet.“

Bartholet ist das Scharnier zwischen der scheinbar honorigen Bank und der undurchsichtigen Welt der offiziellen und inoffiziellen Geheimdienste.

Agenten-Legende Mauss schildert UBS-Spezial-Jurist Bartholet seinen Verdacht rund um Daniel M., welcher von Mauss und einem seiner Gehilfen gefilmt worden war.

Es handle sich um ein „kriminelles Netzwerk“, das in das „internationale Zahlungssystem Swift“ sich einschleusen können und dort „an Bankdaten“ herankomme.

UBS-Mann Bartholet habe dann die Polizei eingeschaltet, schreibt der Tagi mit Bezug auf die Unterlagen,welche der Zeitung vorliegen.

Da taucht die erste Frage auf rund um die UBS und ihren internen Spezialisten-Trupp, die Sicherheitsabteilung mit hohen Ex-Polizisten an der Spitze.

Wieso ging die deutsche Spionage-Legende Mauss zur UBS mit seinen Informationen?

Warum setzt sich ein ranghoher Direktor der UBS, Oliver Bartholet, bekannt und geschätzt in der ganzen Juristenszene des Finanzplatzes, mit einer trüben, undurchsichtigen Figur wie Mauss zusammen?

Der UBS-Direktor, der direkt dem wichtigsten Juristen des ganzen Finanzmultis, Konzernanwalt Markus Diethelm, rapportiert, hätte den deutschen Privat-Agenten an die Behörden verweisen können.

Er tat es nicht. Statt dessen spannte Bartholet mit Mauss zusammen. Die beiden verschworen sich, um gegen Daniel M., diesen Ex-Kollegen von Bartholet und Ex-Sicherheitsmann der UBS, gemeinsam vorzugehen und ihn zur Strecke zu bringen.

Wie sehr die UBS in der Person von Bartholet, der seinerseits wiederum nur für die Hintermänner in der UBS mit den obersten Sicherheitsleuten und Konzernanwalt Diethelm sich ins Zeug legte, sich mit dem deutschen Privatermittler Mauss zusammen tat, geht aus der nächsten Passage im Tagi hervor.

„Mauss und die UBS entscheiden, die Sache weiter zu beobachten“, steht da. Und dann: „Oliver Bartholet schaltet die Bundesanwaltschaft ein. Carlo Bulletti, Leiter Staatsschutz, hört aufmerksam zu.“

Bulletti, das ist der Mann der Bundesanwaltschaft, der ein paar Monate nach den soeben geschilderten Ereignissen, den inzwischen zum Schweizer Geheim-Spion hochstilisierten Daniel M. in flagranti vor dem Hotel Savoy beim Zürcher Paradeplatz verhaften sollte.

Doch noch ist es nicht soweit. Dafür benötigt Bulletti mehr Material. Und wer liefert dem Bundesermittler dieses?

Die UBS. Oliver Bartholet.

Dessen Kooperation mit dem Deutschen namens Mauss wird jetzt richtig intensiv und eng. Mauss versorgt in der Zeit von Herbst bis Ende 2014 den UBS-Direktor mit immer mehr Daten, Belegen, Beweisen – alle gegen Daniel M., der nichts ahnt.

Der Tages-Anzeiger fasst die Konspiration zwischen der UBS und der deutschen Geheimdienst-Legende – und als etwas Anderes als Konspiration kann man die Zusammenarbeit nicht bezeichnen – in einem lapidaren Satz zusammen.

„Via Mauss gelangt das Dossier zur Bank, die auch Bulletti auf dem Laufenden hält.“

So war also die Chain of Command im grossen Schweizer Spionage-Thriller. An der Front mit dem Fallenstellen gegen Daniel M. der deutsche Mauss, im Hinterzimmer der Berner Beamte Bulletti.

Und als Bindeglied – als Spinne im Netz – UBS-Direktor Bartholet. Respektive dessen interne Auftraggeber bei der Grossbank.

Thomas Ruhmöller, der deutsche Journalist, der am Anfang dieses Artikels erwähnt ist, schrieb im Frühsommer des letzten Jahres unter dem Titel „Der Deal der Geheimagenten“ als Fazit seiner Recherchen, die schon damals sehr präzis gewesen waren:

„Wenn das wahr ist, was Dietl (AdR: der Gehilfe von Mauss) sagt – und seine Version hat eine gewisse Logik –, dann bedeutet das: Schweizer Banken und Behörden wussten, dass im grossen Stil Kontodaten geklaut werden. Sie haben Privatermittler engagiert, sie liessen die geklauten Kontodaten über Mauss/Dietl zurückkaufen, für 130’000 Euro, und bekamen auf diese Weise den Hintermann des kriminellen Daten-Diebstahls geliefert.“

Die „Infos des ganzen Kriminalfalls“ seien „am Ende“ alle bei der UBS zusammengeflossen. Auf seine Anfrage hin habe die damalige Konzernsprecherin der Bank gesagt, dies sei alles „reiner Zufall“.

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6 Kommentare zu “Krimi: UBS verschwor sich mit deutschen Agenten

  1. Lieber Martin Suter, bitte bleiben Sie bei Ihrem Metier, dem Romanschreiben und verschonen Sie uns, die Medien und die Nachrichtenöffentlichkeit mit einer Montechristo Schweizer Hochfinanz Spionage-Geschichte, die sich wie ein Suter Roman liest, nur als Serienroman in den Nachrichtenportalen und nicht bei Diogenes.

  2. Vertrag für einen UBS „Sicherheitsberater“ in Frankfurt, Tagessatz € 12.000. Die in der Presse genannten Beträge erscheinen mir läppisch.

  3. …und am Wochenende fliegt Ermotti nach Cannes und holt sich dort die Instruktionen vom oberdiskreten „M“. 😉

  4. Eine Spezialität der Bank: Hexenjagt mit teilweise getürkten Beweisen. Da verbündet man sich gerne auch mal mit dem sonstigen Feind.