Outsourcing ist nicht ungefährlich

Müssten Manager ab und zu wie normale Bürger in Mietwohnungen und Siedlungen leben, würden sie die Auswirkungen und Folgen von Outsourcing ganz natürlich erkennen und um einiges dosierter empfehlen und einsetzen, wie heute üblich.

Ich wohne seit 15 Jahren in einer Siedlung im Blickfeld vom Uetlihof. 8 Jahre davon mit einem in der Siedlung wohnenden Hauswart, also intern gehaltenem Gebäudeservice, und 7 Jahre mit einem im Aargau domizilierten, also outgesourcten Facility Management.

Ich kann den Unterschied in Dezibel angeben.

Zum einen sind heute mit dem Outsourcing 5 Gerätetypen – wohlgemerkt immer nacheinander – im Einsatz: Da ist der klassische Rasenmäher mit einem geradezu beruhigend gleichmässigen Lärm, dann um einiges aggressiver, auch weil unregelmässig aufheulend, die Motorensense für die Ränder, weiter die Heckenschere (auch unregelmässig) für die Sträucher, nun der Gasbrenner, der nicht übermässig laut, eher unheimlich, weil an ein Krematorium erinnernd, ans Ohr dringt, und zu guter Letzt das tragbare Gebläse (unregelmässig), das alle Überreste vom Teer verschwinden lässt.

Zum Zweiten wird das oben beschriebene Ritual, das sich über zwei Tage hinzieht, jede Woche wiederholt. Und noch zu erwähnen: Jedes Gerät wird von einem anderen Spezialisten bedient. Wachsen oder gedeihen kann in dieser Atmosphäre nichts mehr; oder positiver formuliert, der Rasen von Wimbledon bekommt weniger Pflege.

Die harte Knochenarbeit bei brütender Hitze erledigen deprimierend aussehende, weil schlecht bezahlte Hilfsarbeiter, derweil das Management der Service AG im nahe gelegenen, luxuriösen Büro auf dem schattigen Vorplatz die Radkappen ihrer Geländewagen mit kühlem Wasser bei Laune hält.

Der Lärm ist sinnbildlich und Credo der zunehmend so organisierten Arbeitswelt: Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Der Servicevertrag mit der entlasteten Human Ressource Abteilung des Arbeitgebers wird so lauthals unter Beweis gestellt und die 6-mal teurer gewordene Hauswartungsleistung beiderseitig von einem streng ökonomisch denkenden Management der Dauerüberprüfung unterzogen.

Dem Lärm zuliebe bleibt gesunder Menschenverstand hinter verschlossenen Türen.

Auch das Versicherungsgeschäft floriert rund um die modernen Gerätschaften. Unlängst beim Nachhausekommen sah ich eine wild gestikulierende Truppe vor dem im Parterre befindlichen Büro. Wie sich herausstellte, konnte der Inhaber gerade noch verhindern, dass der Bunsenbrenner seine Firma abfackelte.

Outsourcing ist nicht ungefährlich, entglitt es mir, und ich verschwand in meiner wohlig warmen Wohnung im 1. Stock.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

3 Kommentare zu “Outsourcing ist nicht ungefährlich

  1. Der Artikel trifft ins Schwarze. Bei uns genau das gleiche wöchentliche Ritual mit Rasenmähern, motorisierten Sensen und Heckenscheren sowie Laubgebläsen.

    Wie kann man sich da wehren ? Gibt es dafür keine Lärmschutzvorschriften ?

    • Untertags während der Arbeitsstunden kann man glaube ich wenig dagegen ausrichten. Bloss über Mittag gibt es eine Ruhevorschrift. An diesen Tagen gehe ich nun jeweils in die Bibliothek.

  2. Das interessiert doch keinen Manager. Es wird outgesourct, koste es was es wolle. Oder kassiert was nur geht. Den es steht in deren Zielen. Die anderen (Menschen, Staat) sind dabei doch nur störend. Man definiert sich nur über Geld und macht dafür wirklich alles. Zwei Todesfälle bei uns in diesen Spähern; bei ihresgleichen zählen die im Nachhinein doch nur als Schwächlinge, da bin ich mir sicher. Die Gemeinschaft ist der grösste Verlierer, von sehr vielen Verlierern. Schlussendlich werden wir alle verlieren.