Postenschacher eines Ex-Vontobel-Spitzenbankers

Peter Fanconi scheiterte in Zürich, reüssierte in Chur – Nun noch Vize bei Deutsche Bank Schweiz – Interessenkonflikt? Iwo.

Peter Fanconi wurde richtig reich, als er seine Assetmanagement-Boutique namens Harcourt der Zürcher Bank Vontobel verkaufen konnte. Das war vor 12 Jahren, und Vontobel überzahlte massiv.

Fanconi wollte dann später noch CEO der Vontobel werden, doch da hatte er keine Chance gegen Zeno Staub. Dafür glückte ihm der Sprung auf den Präsidentenstuhl bei der Bündner Kantonalbank.

Dreieinhalb Jahre sind seither vergangen. Nun ist es Fanconi im beschaulichen Chur offenbar langweilig geworden. Jedenfalls wurde er vor Wochenfrist Vizepräsident bei der Deutsche Bank Schweiz.

Die Kür erstaunt. Als Kapitän der Graubündner Staatsbank muss Fanconi vermögende Kunden in St. Moritz gewinnen. Als Vize von Deutsche Bank Schweiz hat er die gleiche Nobel-Klientel im Visier.

Ein Interessenkonflikt, wie er im Bilderbuch steht. Würde man meinen. Doch Fanconi winkt ab. Der Banker sieht nicht einmal den Anschein für sich im Wege stehende Aufgaben.

„Die zwei Banken verfügen über völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle und agieren zudem in anderen Zielmärkten“, meinte er via SMS-Antwort.

Der Frage möglicher Interessenkonflikte sei „entsprechend auch Bedeutung zugemessen“, man habe sie „abgeklärt“. Und: „Operativ bin ich zudem nicht mehr tätig.“

Auf Nachhaken schiebt Fanconi nach: „In all meinen Aufgaben lege ich grossen Stellenwert auf das Vermeiden von Interessenskonflikte, da können Sie beruhigt sein.“

Locker vom Hocker wischt Fanconi also mögliche Widersprüche vom Tisch.

Als ob es ein Ding der Unmöglichkeit wäre, dass seine Bündner Kantonalbank und die Deutsche Bank den gleichen Kunden beraten würde.

Oder um diesen buhlen würde; mit Krediten für einen Hauskauf im Bündnerland beispielsweise.

Everything goes im Schweizer Banking. So das neue Motto in den Spitzenetagen, jedenfalls bei Instituten des helvetischen Finanzplatzes, die nicht im medialen Rampenlicht stehen.

Fanconi ist kein Einzelfall. Eine andere Ex-Vontobel-Bankerin machte es ihm vor.

Sie heisst Susanne Brandenberger und nahm zunächst Einsitz im Spitzengremium der EFG Privatbank. Danach wurde sei zusätzlich noch in den Verwaltungsrat der Thurgauer Kantonalbank gewählt.

Zuerst Vermögensverwaltung, dann Staatsbank – so der Weg von Brandenberger. First KB, dann Private Banking, lautet die vergleichbare Ämtli-Häufung bei Fanconi.

Die Bankenaufsicht Finma winkt dies locker durch. Hauptsache, die Leute stehen auf keiner schwarzen Liste oder fallen sonst durch die Maschen.

Kommentare

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  1. Fanconi sollte es nicht übertreiben. Bis jetzt ist ihm die Gratwanderung zwischen Interessenkonflikt und legitimem Beziehungsmanagement gut gelungen. Mit einer zunehmenden Ämterkumulierung wird das allerdings nicht einfacher. Wollen wir hoffen, dass er nicht über seine eigenen Ambitionen stolpert. Er wäre nicht der Erste.

  2. Wer mit goldenen Flügeln
    zu nah sich zu Sonne emporschwingt
    bringt sie zum Schmelzen
    und macht sein eigenes Glück zuschanden.

    William Shakespeare
    26. April 1564 † 23. April 1616

    • Kein Weiser jammert um Verlust,
      Er sucht mit freud’gem Mut ihn zu ersetzen.

      William Shakespeare
      26. April 1564 † 23. April 1616

  3. Die Harcourt-Masche hat System: der nächste Coup wird wohl Blue Orchad heissen und zu einem massiv überteuerten Preis an die Bündner oder eben jetzt an die Deutschen gehen. Möge der bessere gewinnen, auch wenn der Sieger schon fest steht. Er heisst Peter Fanconi. Well done.

  4. Nicht zu vergessen ist Fanconis VRP-Rolle beim Impact Investor BlueOrchad, wo er unter anderen mit Boris Collardi die Welt ein bisschen besser macht. Jetzt dürfte nebst den Kunden der BKB auch die DB-Klientel ihre Vermögen endlich verantwortungsvoll anlegen. Schlau eingefädelt vom Nicht-operativen Herr Fanconi.

  5. Warum ist jemand Wohlhabendes so verrückt, in einer niedergehenden Branche mit entsprechendem Konkurrenzdruck noch Spitzenämter anzustreben anstatt die vielen wirtschaftlichen Krisen der letzten 10 Jahre zur Vervielfachung seines Vermögens zu nutzen?

    Beispielsweise hat sich der chinesische CSI 300 – Index seither- buy-and-hold, wohlgemerkt – vervierfacht, der Nasdaq – Index verdreifacht, der Dow-Jones-Index immerhin verdoppelt.