Raiffeisen-Kapitän: Knallabgang an Uni Luzern

Franco Taisch ist seit 2008 im VR der Genossenschaftsbank, in Luzern hat er Professur – Dort räumt er Feld – Finanz-Untersuchung.

Franco Taisch ist das, was man einen Insider nennt. Bei Raiffeisen gehört er zu jenem Filz, der seit einem Jahrzehnt alles abnickt.

Die Folge ist die grösste Krise der Genossenschaftsbank. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren der Finma.

Nun hat Taisch auch an seinem anderen Einsatzort Stress. In Luzern räumt der Universitäts-Professor in der Rechtsfakultät gerade das Feld.

Ein Sprecher der Uni Luzern versuchte gestern auf Anfrage, die Trennung als einvernehmliches Auseinandergehen darzustellen.

„Zwischen Herrn Taisch und der Universität bestanden unterschiedliche Ansichten in Bezug auf die Leitung des Instituts für Unternehmensrecht.

„Es zeigte sich, dass es zwischen Herrn Taisch und der Universität Differenzen gibt, für die sie keine beiderseits befriedigende Lösung finden konnten.

„Es bestanden unterschiedliche gegenseitige Forderungen. Über diese wurde eine einvernehmliche Lösung erzielt.“

Laut einem Insider geht es um mehr als Peanuts. Taisch sei letzten Freitag per sofort von all seinen Aufgaben dispensiert worden. Er verliere den Titel eines Ordinarius.

Der Grund hinter der Trennung seien Forschungsgelder und Abrechnungen über Leistungen, die umstritten seien.

Wo landeten die Forschungsgelder? Was für Leistungen wurden in Rechnung gestellt? Wer hat das Geld einkassiert? Haben Firmen bezahlt, bei denen Taisch eine Rolle spielt?

Der Sprecher der Luzern-Uni wollte dazu nichts sagen. Er wiederholt lediglich, dass es finanzielle Forderungen gegeben habe, über die man sich „einvernehmlich“ geeinigt hätte.

Taisch selbst wollte gestern auf Anfrage keine Antworten auf Fragen geben. Per SMS-Antwort hielt er fest:

„In Bezug auf Gerüchte um meine Pensumreduktion in meiner nebenamtlichen akademischen Tätigkeit ist es sodann am zielführendsten, wenn Sie sich für eine rasche und objektive Klarstellung direkt an die Universitätsleitung wenden.“

Taisch zählt zu jenen Verwaltungsräten, die bei der Raiffeisen entscheidend dafür waren, dass Ex-Chef Pierin Vincenz weitgehend tun und lassen konnte, was er wollte.

Das hat die Finma auf den Plan gerufen. Sie zwingt die Raiffeisen, ihre Führungsstruktur anzupassen.

Der Grund: Der Verwaltungsrat der Raiffeisen hatte die Privatgeschäfte ihres CEOs bewilligt. Dabei ging es um Vorab-Investments und Bewertungen.

Taisch sitzt im Audit-Komitee der Raiffeisen und ist damit mitverantwortlich für die Prüfung der Bücher der Raiffeisen.

Für den Job erhielt Taisch viel Geld. Der 10-köpfige VR der Raiffeisen kassierte 2016 insgesamt 1,7 Millionen Franken. Davon entfiel eine knappe halbe Million auf den Präsidenten.

Der Rest von rund 1,2 Millionen auf die übrig bleibenden 9 Verwaltungsräte ergab über 130’000 Franken pro Mitglied des Obergremiums.

Hinzu kamen Sozialleistungen für alle 10 Verwaltungsräte über die Summe von knapp 400’000 Franken. Umgelegt macht das nochmals rund 40’000 pro VR-Mitglied.

Taisch könnte somit rund 170’000 bis 180’000 Franken einkassiert haben; dies für eine Anzahl Sitzungen.

Viel Geld für die gezeigte Leistung.

Jede neue Untersuchung zeigt, dass Pierin Vincenz, seine Frau und Rechtschefin Nadja Ceregato und Vincenz‘ Nachfolger als CEO Patrik Gisel beim VR fast alles durchbrachten.

Harte Fragen? Strenge Rückweisungen? Unabhängige Untersuchungen? Fehlanzeige.

Der VR der Raiffeisen steht seit 2011 unter dem Kommando von Johannes Rüegg-Stürm. Auch er ist ein Professor, und zwar an der HSG.

2008 war Rüegg-Stürm zusammen mit Franco Taisch und weiteren in einer grossen Gesamterneuerung ins Gremium gestossen.

Die „Finanz und Wirtschaft“ schrieb anlässlich Rüegg-Stürms Wahl unter dem Titel „Ein Professor für die Raiffeisen“ einen Einstieg, der viel über den Kapitän des taumelnden Genossenschafts-Riesen aussagt.

Rüegg-Stürm, ein Theoretiker. Franco Taisch, ein Professor. Rita Fuhrer, eine Ex-SVP-Politikerin. Ein weiterer Politiker aus Lugano. Ein Spitzenbauer. Und so weiter.

Wenn Vincenz und Gisel von ihren VRs eine Weichenstellung wollten, waren diese zur Stelle. Sie haben gern geplaudert, geschwiegen oder waren überfordert.

Nun zahlen die Raiffeisen, ihre 250 Banken überall im Land und die 10’000 Mitarbeiter den Preis.

Der alte Raiffeisengedanke mit viel Vertrauen ist zerstört.

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9 Kommentare zu “Raiffeisen-Kapitän: Knallabgang an Uni Luzern

  1. Finmaaaa! Aufwachen! Da gibt es möglicherweise wieder mal einen Faaall!
    Zumindest ein paar Fragen über die Hintergründe dieser Personalie in Luzern wären angebracht. Vor allem bei einem Mitglied im Audit Kommittee einer systemrelevanten Bank.

  2. Wunderschön in dem Zusammenhang scheint mir auch das Interview von Herr Taisch im Tagi vom 4.1.2016 zur Thematik ‚Firmenkultur und warum es trotz Corporate Governance Regeln zu Firmenskandalen kommt‘

  3. Es ist höchste Zeit, die ganzen „Nebentätigkeiten“ von Uni-Angestellten einmal genauer anzuschauen. Wieviel VR-Mandate und Unternehmensgründungen im Dunstkreis der Uni gibt es und wie und wo fliessen die Geldströme. Achja und nicht zu vergessen die ganzen Gutachten, die von den Assistenten geschrieben werden, aber das Geld dafür landet wo? – bei der Uni oder in der Tasche des Prof?

  4. Solche Untersuchungen ziehen immer Kreise und führen erstunlicherweise oft zu „unerwarteten, völlig unabhängigen“ Ereignissen (Bildungsurlaube, Frühpensionierungen, Abgänge aus gesundheitlichen/privaten Gründen, berufliche Neuorientierungen usw.).

    Man sollte auch mal alle Verwaltungsräte bei Helvetia genau durchleuchten. Es ist doch erstaunlich, warum die Vincenz noch nicht in die Wüste geschickt oder zumindest suspendiert haben.

  5. WCC: White Collar Criminals

    Was IP in den letzten zwei Jahren an Gaunereien ans Tages-Licht schleppte geht auf keine Kuhhaut. Ohne IP würden ordinierte Wühlmäuse und halbstarke Banditos bedenkenlos weiter ‚kamerad-schaftliche Begünstigungen und Uebervorteilungen‘ begehen:
    Tango Corruptia!

    Lasst IP den „goldenen Investigations-Oscar“ für seine wertvolle Durchleuchtung des CH-Finanz-Dschungels überreichen! Lukas Hässig dran bleiben.

    • Nun mal halblang. Nichts gegen investigativen Journalismus, aber was hier immer wieder auf Basis von Vermutungen, Interpretationen oder Infos von „Insidern“ suggestiv geschrieben oder einfach aus den Fingern gesogen wird, hat mit seriöser Arbeit nichts zu tun. Warum nicht mal ein bisschen mehr Gelassenheit, statt ständig die Reflexe Ihres Finanzplatz-Wutbürgerpublikums zu bedienen, Herr Hässig?

    • Gibt es auch nur EIN EINZIGES Beispiel der letzten Monate, wo Hässig nicht recht hatte?
      Stimmt an diesem Artikel irgendetwas nicht? Dann erzähl mal schön…
      Ich schlage Hässig für jeden Journalistenpreis in der Schweiz vor. Der mit grossem Abstand beste Wirtschaftsjournalist der Schweiz.
      Mühe mit Hässig habe naturgemäss die Korrupten, die Betrüger, die Versager, die Gschäftlimacher – keinerlei Mitleid mit denen.