Das traurige Ende von Jan Schoch

Er sass auf 200 Millionen Franken – Nun hat der Gründer der Leonteq und Serial Entrepreneur noch max. 50 – Schluss mit Flynt.

Jan Schoch hat das erlebt, was man in den USA liebt. Er flog in jungen Jahren hoch hinauf zu den Sternen, sonnte sich in deren Glanz. Um dann jäh abzustürzen.

Heute ist Schoch aufgeprallt. Hart, tief, allein.

Seine Flynt Bank, die mit Pauken und Fanfaren ein neues Zeitalter im Private Banking angekündigt hatte, gibt ihre Lizenz zurück. Dies teilte Schochs letzte Verbündete soeben mit.

Schochs Flynt Bank hatte gerade mal wenige Monate zuvor und vielen Irrungen und Wirrungen die Starterlaubnis erhalten. Nun ist Lichterlöschen, bevor es richtig losgegangen ist.

Jan Schoch hat damit auch sein letztes grosses Engagement verloren. Er, der die Leonteq ab 2007 aufgebaut und ab 2012 zu einem stolzen Börsenplayer gemacht hatte, besitzt nun noch ein Hotel und ein paar Häuser.

Alles andere ist verloren. Die Ehe: zu Ende. Die Kinder: am Wochenende. Die eigene Firma: gehört anderen. Die neue Bank: ein Elend von A bis Z.

Und das grosse Geld? Es bleibt nicht mehr viel übrig. Jedenfalls für einen, der noch vor 2 Jahren von der Reichsten-Bilanz auf gegen 200 Millionen geschätzt worden war.

Nun dürfte der Appenzeller wohl noch ein paar Millionen sein Eigen nennen. Vielleicht sind es 30, vielleicht ein paar mehr. Über 50 werden es aber kaum sein.

Für Normalsterbliche immer noch ein schöner Batzen. Für einen wie Schoch eine Tragödie.

Wie konnte das passieren? Ganz einfach: Schoch hat sich überschätzt. Das passiert. Und ist in seinem Fall doch spektakulär.

Die Leonteq war ein schwieriges Unterfangen. Zusammen mit seinen Mitstreitern hatte es Schoch geschafft, sie zu einer Konkurrentin für die führende Zürcher Vontobel zu machen.

Auf dem Höhepunkt wies die Leonteq einen Marktwert von 2 Milliarden Franken aus. Das war damals so viel wie die traditionsreiche Familienbank.

Hier die Leonteq, die Wetten in Finanzprodukte verwandelte. Da die Vontobel, die 150 Milliarden Kundenassets hatte und ein weltweites Geschäft seit über 75 Jahren betrieb.

Und beide wurden von den Investoren als gleichwertig eingestuft.

Rückblickend ein Wahnsinn. Das konnte nicht gutgehen. Und ging nicht gut. Die ersten Risse zeigten sich 2015. 2016 wurde dann zum Annus horribilis.

Die Leonteq-Aktie fiel und fiel. Und ging gar in freien Fall über, als das Unternehmen im Dezember einen Gewinneinbruch vermelden musste.

Ohne zuvor irgendwelche gravierenden Probleme skizziert zu haben. Das war der Anfang vom Ende. Schoch hatte sein Image eines zuverlässigen Geschäftspartners verspielt.

Von da an gings rasant bergab. Mit Rainer Marc Frey riss sich im Frühling ein potenter Financier die Leonteq unter den Nagel.

Im Herbst drängte der einstige Verbündete von Schoch, Lukas Ruflin, den angezählten CEO dann ganz aus dem Unternehmen.

Schliesslich kam der Notverkauf dessen Aktienanteils. Schoch musste akute Geldsorgen haben, als er vor kurzem seine Leonteq-Titel quasi über Nacht an seine Feinde und an weitere Investoren abstiess.

Die Dramatik war nur Insidern klar. Schoch hatte zu wenig Cash. Der Mann, der noch vor kurzem fast eine Viertel Milliarde schwer war: Er brauchte Flüssiges.

Dringend. Jetzt. Sofort.

Ein Finale wie in einem Krimi. Schoch hatte sein letztes grosses Asset, seinen Anteil an der Leonteq, hergeben müssen.

Um die Löcher bei der Flynt zu stopfen, die sich als desaströses Cash-Abflussrohr entpuppt hatte.

Unternehmer Schoch hatte sich verspekuliert. Er war wieder unten.

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33 Kommentare zu “Das traurige Ende von Jan Schoch

  1. Sorry Herr Hässig – bei allem Respekt vor der Notwendigkeit eines „investigativen“ Journalismus… Für mich überschreiten Sie leider immer wieder die Grauzone und Grenze des guten Geschmacks…
    Wissen Sie… Menschen denunzieren, die etwas wagen… Und dabei selber wahrscheinlich noch keine 1MCHF selber verdient haben… Das schmeckt mir nicht…
    Auch wenn ich Herrn Schoch nicht persönlich kenne…. 200 MCHF muss man sich erst einmal erarbeiten… Da habe ich Respekt davor… Und jetzt sind es halt noch 50MCH… So kann es einem als Unternehmer gehen… Für mich immer noch eine grosse Leistung…

  2. Nun, der Aufbau von Leonteq war sicher eine ganz grosse Leistung von Herrn Schoch. Heute scheint dieser noch um die 50 Millionen zu besitzen, neben 200 Millionen natürlich ein Pappenstiel. Aber immer noch genug für ein schönes Leben auf Jahrzehnte hinaus. Und vielleicht startet J. Schoch ja mit etwas Neuem ? Dann viel Glück !

  3. Der Jan hat doch schlussendlich was bewegt und duzende gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen! Bravo …. an alle Neider und Besserwisser sei gesagt ; feel free make it better..

    • Nun ja ohne Raiffeisen Götti wäre der Jan heute auch nur ein kleiner Informatiker der sein nächstes Incident Ticket abarbeiten müsste…

  4. Mit 50 Kisten lässte es sich in Saus und Braus bis zum Ende leben. Die allermeisten haben nicht einmal 1 Kiste zusammengespart, leben einfacher, aber zufrieden(er).

  5. Was ist der Schreiber dieses Artikels für ein armseliger Wicht (ich hätte das letzte Wort auch anders schreiben können).

    Jan Schoch hat Grossartiges geleistet, hart gearbeitet, etwas Wichtiges aufgebaut, sehr viel erreicht, was die meisten nie erreichen werden und was der giftige Schreiberlingszwerg nie geschafft hat. Die Investoren haben dann übertrieben, der Firma einen irrwitzigen Wert zugemessen, der für Jan Schoch immer nur ein Papierwert war. Natürlich hat man dann bei Leonteq übertrieben, aber Jan Schoch war ja nicht allein, da war auch noch ein Verantwortungsrat, mit ein paar Koryphäen wie Forstmoser und Vincenz. Wer da wen geschubst hat, so unvorsichtig zu expandieren mit Personal und Infrastruktur, wissen wir nicht.

    Jedenfalls wurde die Firma stabilisiert, Lukas Ruflin bleibt bei der Firma, Jean Marc Frey sieht offensichtlich Potential. Jan Schoch jedoch entschied sich, einen klaren Schnitt zu machen, obschon er als Berater weiter hätte dabei bleiben dürfen. Vielleicht aus Not um ein anderes Loch zu stopfen, vielleicht für seine Familie. Flynt kann ja niemals soviel gekostet haben. Vielleicht hat er bar auch neue Ideen? Hoffentlich! Vielleicht hat er mit seinem Geld Bitcoins gekauft bei 8’000 und verkauft sie jetzt bei 11’600? Vielleicht hat er aber schon 2010 für 10’000 Franken 100’000 BTC gekauft, dann nämlich hätte er jetzt nämlich über 1,1 Milliarden, ja, 1’100’000’000. Und würde damit LEON zurückkaufen. Oder ein paar Strukis kaufen. Was weiss der Schreiberling davon, was weiss die Bilanz davon, was weiss das Steueramt davon, wie würde das Steueramt dies überhaupt bewerten?

    Nur die allergeHässigsten treten noch nach, wenn einer mal etwas unten durch muss. Und zieht sogar noch die Familie mit rein. Wir alle anderen aber haben allergrösstes Interesse, dass es dem Jan Schoch gut geht, dass er wieder aufsteht, dass er wieder etwas Grossartiges, Neues unternimmt, dass daraus wieder etwas Sensationelles wird. Ich bin sehr gespannt darauf.

    Dazu wünsche ich ihm das wirklich Allerbeste, Leute wie Jan Schoch braucht das Land. Go, Jan, Go Go Go. GeHässige Schreiberlinge braucht das Land nicht wirklich.

    Pfui, LH, unterste Schublade, schämen Sie sich.

  6. Der hat wenigstens etwas gemacht und riskiert und sich nicht nur grossspurig irgendwo reingesetzt und dann mit oberster Priorität mit Hilfe von willfährig-abhängigen Consultants und den Mitspielern im VR-Syndikat seine Total-Compensation maximiert/manipuliert wie TT, Boris, Ulf-Mark Schneider und wie die hochgehypten Ober-Rödler alle heissen, die alleine keinen Kiosk aufbauen könnten. – Viele von denen gesehen und persönlich aus nächster Nähe erlebt.

  7. „Ein grosses Vermögen kann man nicht versaufen, nicht verhuren, nicht
    verfressen; man kann es nur verdummen.“ – Johannes von Thurn und Taxis

  8. „Wenn du dir bewusst bist und alles urteilsfrei beobachtet, wenn du wahrnimmst, ohne zu interpretieren, dann wirst du selbst merken, dass du überhaupt nicht mehr träumst, weil du alles verstanden hast, noch während es passiert.“
    Eure Krishnamurti

    • Also, wenn das nur die Aktiven sind und es gibt noch Hypothekarschulden von 51 Mio, was machezi denn, hä ?

  9. In der gloriösen Fin-Tech-Digital-Digi-Pigi-Welt gibt’s nur Nullen (0) und Einsen (1) …. Top … oder Flopp:
    Die echten, wahren Werte (oder sogar WERTSchöpfung) finden sich da oft nicht oder werden „virtualisiert“ herbeigezaubert: Und am Schluss sind’s dann mehr Nullen – als Einsen. 0000 0100 ….

  10. Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid kriegst du geschenkt.

    Unternehmer stehen immer wieder auf und in ein paar Jahren hören wir dann wieder „hätten wir doch auch“, von all denen die noch etwas gewagt haben.

    Good luck Jan !

  11. Der hat wenigstens etwas gemacht und eigenes Geld riskiert. Davor Hut ab!
    Was ich verachte sind irgendwelche Sesselfurzer und Grossdummschwätzer, die irgendwie in Toppositionen kommen, meist ohne echte eigene Leistung dafür mit viel Arschkriechen und viel Glück, im rechten Moment am richtigen Ort zu sein und die richtigen Leute zu kennen und zu beschmeicheln. Das sind dann die Leute, die Millionen für ihre angebliche Verantwortung kassieren, die sie nie tragen wollen und müssen, die nie eigenes Geld riskieren, sondern immer dasjenige anderer, die Boni als Menschenrecht auch bei lausigem Geschäftsgang verstehen und bei den eigenen Spesen keine Hemmungen kennen. Und wird es mal eng/schwierig oder lockt ein besser bezahlter Sessel, dann sind sie dann jeweils rasch weg wie feige Marjonetten-Generäle, welche ihre Truppen verantwortungslos in die Schlacht werfen, um dann selbst die Flucht in die bequeme Sicherheit zu ergreifen. Solche Figuren sollte man anprangern und so schnell als möglich von den Höfen jagen.

  12. Nur noch 50 Millionen? In der Tat, ein trauriges „Ende“. Ganz unten – der Sozialhilfeantrag wurde vom Schoch’s Anwalt bereits gestellt…
    Habt ihr eigentlich alle in Zürich einen Knacks?

    • @Max: Es geht um das VERHÄLTNIS. Mir wurde eine Tasche mit CHF 1,500 auf dem Zürcher Flohmarkt geklaut, DAS tat MIR weh. Wenn aber einer von MRD auf MIO runtergeht, dann tut DAS ihm WEH. Das versteht auch ein Landei und nicht nur wir Zürcher

  13. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Schicksal des Herrn Schochs den Autoren und Kommentatoren mehr oder minder fasziniert / erfreut. Das ist wirklich erbärmlich.. Vermutlich wölbt sich die Hose des ein oder anderen, wenn ein Mitbürger aus einem Uhrenladen auf der Bahnhofsstraße schreitet und dabei in einen Haufen Hundekot tritt, selbst wenn’s „nur“ der „Doorman“ ist.

    • Das Beispiel wird den Hundebesitzern nicht gerecht – aber die Kernaussage ist klar: die Neider nehmen zu! Und es geht gegen alles, was der Neider sich selber nicht zutraut.

  14. Wer übermäßig viel will, der scheitert umso heftiger; Wer zu viel erwartet, wird umso bitterer enttäuscht; Wer in der Hierarchie besonders hoch aufsteigt, kann auch wieder besonders stark herabgestuft werden; Hochmut kommt vor dem Fall; etc, etc, etc,…

  15. Er hat etwas gewagt, viel gesehen, viel angestellt & verändert und hat jetzt (m.E.) noch viel.

    Ein Enterpreneur steht wieder auf.

  16. Traumtänzer Spiele

    Wer das Spiel mit Übermut beginnt,
    weil ihm gleich scheint, wer dabei gewinnt,
    weiss von sich, aus der Erfahrung her:
    Das Verlieren übt sich doppelt schwer.

    Wer gewinnen muss um jeden Preis,
    weil er nichts von sich und Spielen weiss,
    wer besessen nach Erfolgen giert,
    ahnt, dass er als Sieger noch verliert.

    Jedes Spiel, mit wahrer Lust gespielt,
    wird zum Ernst, den man als Spieler fühlt,
    wenn das Spiel sich seinem Ende neigt,
    sich Gewinner und Verlierer zeigt.

  17. Die sFr 200 Mio. vor 2 Jahren waren aufgepumpter Börsenwert.

    Die sFr 50 Mio. heute sind cash.

    Nach der nächsten Rezession marktbreit (ETF) im Aktienmarkt investiert, hat er sie nach ein bis zwei Krisen wieder (200 – Tage – Linie, Nyse Margin Debt).

    Auf jeden Fall besser als das Klumpenrisiko inhabergeführtes Unternehmen in einer problematischen Branche mit hoher Konkurrenz, Kosten- und Effizienzdruck sowie Unternehmensteilhabern mit anderen Ansichten.