Saudi-Alarm an Bahnhof-Strasse: Bank Bär zittert

Können Bär-Berater noch nach Saudi-Arabien reisen? Herrscher will Milliarden von Widersachern – Bärs Compliance im Fokus.

Die Julius Bär könnte nach Fifa, Petrobras, Remo Stoffel, Pierin Vincenz und vielen weiteren nun auch in der Saudi-Affäre besonders herausgefordert sein.

Ihr Middle-East-Chef Rémy Bersier soll früher oft nach Saudi-Arabien gereist sein. Um welche Kunden es dabei ging, ist nicht bekannt.

Sicher ist, dass seit einer Story der Financial Times von Anfang Woche auf dem Schweizer Finanzplatz Alarmstufe rot herrscht.

Die Banken könnten Gelder in Milliardenhöhe von reichen Saudi-Kunden den Behörden in Bern melden müssen, seit diese Kunden in ihrer Heimat in Ungnade gefallen sind.

Dort hat der junge Thron-Nachfolger Hunderte von Widersachern in der Saudi-Hauptstadt im Hotel Ritz „inhaftiert“. Erste haben sich freigekauft, einer darunter mit einer Milliarde Dollar.

Laut einer Quelle ist die Julius Bär besonders herausgefordert von der neuen Lage, die noch unübersichtlich ist.

Muss die Bank nun ihre reiche Saudi-Kundschaft den Behörden melden, weil diese möglicherweise nicht sauber ist?

Gehörten diese Kunden lange zum Regime und waren damit an der Zürcher Bahnhofstrasse gern gesehene Vermögende, sind sie mit dem Coup des Saudischen Kronprinzen über Nacht zu möglichen Korrupten geworden.

Laut einem Insider würden die Bär-Kundenberater derzeit nicht mehr nach Saudi-Arabien reisen. Es gebe eine entsprechende interne Weisung.

Dies dementierte gestern eine Bär-Sprecherin.

„Julius Bär verfolgt die Situation in Saudi Arabien sehr aufmerksam und sieht sich momentan nicht dazu veranlasst, Veränderungen im üblichen Tagesgeschäft vorzunehmen, des Weiteren auch kein Reiseverbot für Mitarbeiter zu verhängen“, meinte sie.

Die Ausführlichkeit der Antwort überrascht. Die CS meinte auf Anfrage lediglich, sie würde keinen Kommentar abgeben. Gleich wie die UBS, dort zeigte sich ein Sprecher „entspannt“ bezüglich dem Thema.

Bei der Bär könnte die Aufregung gross sein, weil die Bank die Finma im Haus hat wegen ihrer Compliance-Probleme.

Die Zürcher Privatbank steht in der Fifa-Korruptionsaffäre unter den Geldinstituten weit oben. Auch bei vielen weiteren „Krimis“ haben die Bären wichtige Kunden bei sich gebucht.

Deshalb haben ihre Chefs vor Jahresfrist ein neues Compliance-Projekt lanciert. Dieses lautet auf den Namen „Atlas“ und soll gemäss Bär-Angaben einen neuen Massstab in der Industrie setzen.

Doch nun wird Kritik laut an der Firma, welche die Bär-Bank für ihr „Atlas“ ausgewählt hat. Es handelt sich um das Unternehmen Appway.

„Appway ist nicht geeignet für dieses Grossprojekt“, sagt ein Bär-Insider. Die Berater würden die dafür nötige Expertise nicht mitbringen.

Tatsächlich liegt bei „Atlas“ vieles im Argen. Dies offenbarte eine Intervention der Finanzaufsicht Finma nach den Sommerferien.

Die Aufsicht hatte von der Bär-Bank verlangt, dass sie ihre Kundenunterlagen – allgemein bekannt unter dem Schlagwort Know Your Client – bis Ende Jahr zu 40 Prozent in Ordnung bringen würde.

Im Sommer lag diese Quote bei … 4 Prozent. Ein Zehntel des bis Ende 2017 abgemachten Solls hatten die Bär-Verantwortlichen bis dahin erreicht.

Ein Rückstand auf die Marschtabelle, der niemals mehr aufzuholen war. Entsprechend reagierte die Finma. Sie sprach bei der Bär Tacheles.

Wenige Wochen nach diesem Vorfall kam es bei der Bär zum grossen Knall. Chef Boris Collardi reichte per sofort die Kündigung ein und machte sich auf und davon zur Genfer Pictet.

Zurück blieb eine verdatterte Spitze. In der Not kürte der Verwaltungsrat Bernhard Hodler zu Collardis Nachfolger als CEO.

Ausgerechnet. Hodler war jahrelang für Compliance der Julius Bär zuständig.

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31 Kommentare zu “Saudi-Alarm an Bahnhof-Strasse: Bank Bär zittert

  1. Salemalaykum. Es ist jeweils nur eine Frage der Zeit, bis sich in boomenden Private-Banking-Märkten, die nicht nur undemokratische Länder aus 1001 Nacht abdecken, Skandale bilden, die dann gefährlich werden können für die Banken und die Mitarbeiter. Über Nacht fallen dann Kunden in Ungnade und verwandeln sich von angesehenen, hofierten, hochwillkommenen KSA Topclients zu stinkendem Unrat. Jeder Profi im Private Banking weiss das. Und BC ist ein VollProfi. Gut gemacht BC, das Unheil frühzeitig kommen sehen und sich rechtzeitig aus dem Staub machen, so geht das! Alf mabrook! Die Zurückbleibenden, Anlageberäterli, Juristen und nicht so weitsichtiggen Käderli werden dann schon aufräumen.

    • Alaykum salam. Tja, vielleicht wird sich BC dann doch noch mal verantworten müssen. Für nachhaltige Geschäftsführung UND Verantwortung wurde er ja auch wahnsinnigst mit Gold überschüttet, nicht wahr?

  2. Während der «Tough Cop» Mark Branson den «Falschparkierer» A. Waespi zu drei Jahren verknurrte, zieht Collardi, der Kunden wie Lars Windhorst, FIFA- und Petrobras-Figuren, den verurteilten Remo Stoffel («1,7 Mia Vermögen») etc. sammelte, unter den Augen der Finma einfach zum nächsten Spielplatz in Genf weiter.

    Dass die Bank Bär bzw. Collardi offensichtlich von KYC noch nie etwas gehört hat bzw. darauf pfeift, macht die Sache nicht besser.

    Man darf gespannt sein, wie sich Mark Branson bei anderen Fragen (Mosambik-Kredite der CS; getürkter Münchner UH-Prozess u.ä.) aus der Affäre ziehen wird.

    https://www.finews.ch/news/banken/24322-bruno-manser-fonds-stiftung-charity-leonard-dicaprio-boris-collardi-julius-baer-regenwald-1mdb-malaysia

  3. Da wird die Abteilung GCC international von einem Mann geleitet, bei dem sich die ganze Bank über dessen schleierhaften Aufstieg mit diesen qualifikationen wundert. Herr mit Iranischen Wurzeln der eine Abteilung leitet, welche den namen des persischen golfs verleugnet- wahnsinn

    • The Iranian you are talking about is as good abs the one which is trying to become the CEO of the Dubai branch, both are Iranians, both have very shady clients and both did never hear anything from KYC nor sanctionned countries. Let’s hope that they’ve will catch the right guys this time and not some middle or low management employee.

    • i m sure FINMA sets an eye on them. would be interesting to know moew about their Clients but also the personal qualifications of These „heads“. what rises fast Comes down fast. All JB is doing with this mess for years now is hiring temporary compliance officers, kyc guys for 6months, some poor students with temporary contracts and then kick them out – check Jobs.ch….

  4. Der Wechsel von Tee-Boris zu Pictet ist für Pictet der Anfang vom Ende eines während langer Zeit tadellosen Rufes.
    Es entspricht wohl dem Zeitgeist, dass sich Pictet dem auch nicht entziehen kann, eine Ratte verlässt ein sinkendes Schiff und heuert auf einem neuen Dampfer an bis auch der bald in Grund und Boden gewirtschaftet ist, good bye Pictet.

    • Schenken Sie doch so Blödsinn wie diesen Listen nicht so viel Aufmerksamkeit.

      Wo ist denn z.B. Irland und Luxembourg auf diesen „Papieren“?

    • Nein Herr Zbinden, die EU hat nicht recht, denn in der Schweiz geht es nicht anders zu und her als in anderen (EU-) Ländern. Ganz im Gegenteil, in gewissen Ländern wird Schindluderei betrieben. Die Schweiz verhält sich vorbildlich hinsichtlich Finanzmarkt-Compliance Nur frage ich mich, ob die Compliance-Angestellten in anderen Ländern auch so unprofessional sind wie in vielen Schweizer Banken.

  5. Die „Compliance“ der Bank Bär ist zurecht im Fokus! So wie dort gearbeitet wird, hätte man den Laden schon lange schließen sollen.

    Ganz besonders stoßend ist das Vorgehen bei High Risk-Kunden (wo weniger strenge Kriterien beim Onboarding gelten als bei Standardkunden). Dort werden beide Augen zugedrückt. Selbst auf die Abbildung eines nachvollziehbaren KYC wird oftmals verzichtet. Nachweise für die Herkunft der Gelder werden in sehr vielen Fällen nicht einverlangt. Und wenn ein Compliance Officer dennoch auf die Idee kommt, die internen Weisungen zu befolgen und einhergehend damit von einem Kundenberater verlangt, ein vollständiges KYC zu erstellen und die benötigten Nachweisdokumente zu liefern, dann wird er von seinen Vorgesetzen zurechtgewiesen.

    Beachtlich ist ja in diesem Zusammenhang, dass die Bank Bär von der FINMA beauftragt wurde, die Kunden besser zu dokumentieren. (Projekt Atlas) Im Verlaufe des Projekts wurde bekanntlich der Projektverantwortliche abgesetzt. Inside Paradeplatz hat in diesem Zusammenhang bereits berichtet, https://insideparadeplatz.ch/2017/09/22/finma-heizt-baer-collardi-ein-der-holt-ubs-star/.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang der Abgang von Boris Collardi. Hat er den Braten gerochen? Reitet nun die Saudi-Welle weiter nach Genf?

    Quo Vadis Bank Bär?

    • Bei kleineren Banken gibt es Berufsverbote wegen Bagatellen.
      Durch sein Zusehen bei grösseren Instituten bestätigt Mark Branson den Marionetten-Verdacht praktisch wöchentlich.

    • Sie bringen es auf den Punkt, vielen Dank!
      (Einzig im 1. Abschnitt wäre «sollen» durch «müssen» zu ersetzen.)

      Man muss sich hinsichtlich der FINMA schon lange fragen, worauf deren selektive Wahrnehmung bzw. Mass-Prinzip der «verschiedenen Ellen» zurückzuführen ist.

      Liegt die Antwort in der Vergangenheit bzw. den beruflichen Erfahrungen des «obersten Aufsehers»?

  6. Wegen ihren jüdischen Wurzeln ist Bär bei Arabern nicht erste Wahl. Saudis/Araber sind/waren Clients bei anderen Banken. Mit ihren vielen Geldmarktanlagen sind Araber von
    Manipulationen von Libor besonders betroffen. Viele zogen
    Gelder ab.

    • forschen Sie mal den Hintergrund der Familie Saud nach….

      die Sache stellt sich anders dar

      Dazu fragen Sie sich mal ob die Engländer das Land wirklich einfach so in die Unabhängigkeit entlassen haben…

  7. Ja, Collardi hat wie Vincenz vermeintlich „rechtzeitig“ den Notausgang genommen… (Bei Vincenz kommt es schon noch ans Tageslicht – wie lange ist der noch bei Helvetia?)

  8. Vermutlich hat dies und vieles mehr zum Abgang von Boris Collardi geführt! Die Bank hat sich Risiken zu Gunsten „Net New Money“ ausgesetzt! Eine Strategie die sich im derzeitigen regulatorischen Umfeld nicht mehr auszahlt! Good luck Pictets!

  9. Wer jetzt noch als Berater nach KSA reist, der scheint ahnungslos zu sein! Sicher nicht! So dumm kann doch niemand sein? Unverantwortlich von einer GL einer Bank, hier nicht eine klare Reisesperre auszusprechen.

  10. Und was ist mit der „Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung“ bei der Bank Bär?
    Niemand tangiert? Alle unschuldig, wie immer?

  11. Und inmitten all dessen geht der – nach Vincenz – zweite Sonnengott der Schweizer Finanzbranche einfach so mal eben weg von der Bär.

    Ich sage ja, das Timing von BC könnte kaum besser sein. Über Bär brechen nach und nach alle Skandale ein an denen BC gearbeitet hat. Aber verzieht sich aufs Trockene.

    • Genau so ist es! Da hat sich Pictet den meistgehypten „Oberknaller“ der Branche angelacht. Spricht gar nicht für die Partner bei Pictet und deren Expertise und Verständnis. Die erscheinen wirklich kindlich naiv zu sein.

    • Hier hätte die FINMA eingreifen sollen. Libor-Bronson möchte dies nicht! Einfach allem seinen Lauf lassen, da das Schlechte nach unten – zu den MA – fällt.

    • @Zinsli
      Sowohl bei exorbitanten Gewinnen als auch bei Verdoppelung von verwalteten Vermögen ist immer Vorsicht geboten und nicht alles ganz Kosher. Logisch kommt auch bei Bär die Zeit wo die Scheisse den WC Deckel von selbst anhebt. Die Vergangenheit hat uns das mehrmals gelehrt. (CS, UBS, Falcon usw.)

      Die bei Pictet die sind nicht kindlich naiv sondern blind und gnadenlos gierig.

    • PIctet

      Wer solch grelle Typen pickt;
      tut es reichlich ungeschickt.
      Es folgt die Gefahren-Lage:
      Der Mann erweist sich zur Plage!

      In einer solchen Partner-Runde;
      die Mähr geht von Mund zu Munde.
      Das war vielleicht ein Poker-Ass?
      Im Nu verglüht der heisse Spass!

      🙂

    • Aber bei Pictet sind doch die gleichen Scheichs Kunden wie bei Bär. Hallo? Nehme an, die anderen Teilhaber werden um Collardi eine hohen Zaun gezogen haben auch vertraglich, die sind ja nicht blöd. Und wenn BC dann unterm und überm Hag durchfrisst, ist schnell finito.