CEO der Aargauischen KB gerät in Postauto-Sturm

Pascal Koradi war in heisser Betrugs-Phase CFO beim Gelben Riesen – Wurde schon 2013 gewarnt – Machte Gewinn-Vorgabe.

Pascal Koradi, jung, umgänglich, telegen, gerät in einen wüsten Sturm. Der Name des CEOs der Aargauischen Kantonalbank taucht auf im Skandal um erschlichene Steuergelder für die Postautos.

Der Blick publiziert heute ein E-Mail vom Sommer 2013, mit dem die damalige Post-Spitze von der internen Revision laut und deutlich gewarnt wurde. Empfänger war neben Post-Chefin Susanne Ruoff auch Post-Finanzchef Koradi.

Die Post-Prüfer sprachen von „Quersubventionierungen zu Lasten des öffentlich finanzierten Geschäftes“. Will heissen: Der Steuerzahler kommt zum Handkuss zugunsten von Postauto, eine 100-Prozent-Tochter der Post.

Die Rede war schon damals von stolzen Summen, wie das E-Mail zeigt, das der Blick abdruckt. 2011 waren es 11 Millionen Extragewinn aus der Kasse des Bürgers, 2012 sogar 19 Millionen.

Die Revisoren redeten bereits damals Klartext, worin das Problem aus interner Sicht bestand. Aufgrund der „für PostAuto definierten Gewinnziele“ gebe es „zur Zeit keine andere Möglichkeit“, als so zu handeln.

Betrug ohne Alternative – jedenfalls so lange, wie die harten Finanz-Vorgaben nicht geändert würden. Am Ende ihres Schreibens halten die Revisoren dann noch fest, dass es für die Empfänger des Mails keinen Handlungsbedarf gebe. „Diese Aktennotiz dient der Information“, heisst es.

Pascal Koradi war ab März 2012 Finanzchef des Gelben Riesen. Er war von der Neuen Aargauer Bank (NAB), einer CS-Tochter, gekommen und hatte sein neues Chef-Büro in der Zentrale der Post in Bern.

Dort machte er sich rasch ans Werk. Koradi erstellte als oberster Finanzmann Gewinnziele für die Spitzen der jeweiligen Sparten der Post.

Eine dieser Sparten ist die Postauto AG. Deren Chefs mussten neu stolze Gewinne erzielen, um die Vorgaben von Post-CFO Koradi zu erfüllen.

Sie taten dies, indem sie tricksten und betrogen. Sie verschoben Einnahmen und Gewinne durch irrwitzige interne Umbuchungen aus dem Kerngeschäft Postautoverkehr in die Schublade des übrigen Geschäfts.

Der Gag: Die Kernsparte wird vom Bundesamt für Verkehr subventioniert. Und von wo stammt dieses Subventionsgeld? Vom Steuerzahler selbstverständlich.

Steuergelder für Karrieren und Gehälter der Post-Beamten, so das Fazit.

Und Pascal Koradi mitten drin im Konstrukt. Er war der Herr der Zahlen, er machte die Gewinn-Vorgaben, er war spätestens ab Sommer 2013 gewarnt.

Zwei Jahre später beschloss Koradi, zurück ins Banking zu gehen. Die Aargauer Politiker und Bankräte der dortigen Kantonalbank hatten sich für ihn als neuen CEO der Aargauischen Kantonalbank (AKB) entschieden.

Seit 2016 leitet Koradi nun die AKB. Er markierte den unkomplizierten, bodenständigen Typ, der mit dem neuen Maximalsalär von 600’000 Franken kein Problem bekunden würde.

In Videos joggte er zusammen mit einer Dame durch Aargauer Dörfchen. Wir sind wie Sie, einfach, zuverlässig und hier verankert – so die Botschaft von Koradi.

Da war die Welt noch heil. Nun, zwei Jahre nach dem Start von Koradi im Aargau, ist ein Sturm über den Post-Chefs im benachbarten Bern ausgebrochen. Und es fragt sich, wie stark der Ex-Finanzchef der Post, der heute erst 45 Jahre alt ist und damals an zentraler Stelle dabei war, von diesem Sturm ebenfalls erfasst wird.

Die Medienstelle der AKB versuchte gestern, möglichst nichts zu sagen. „Die Aargauische Kantonalbank und/oder Pascal Koradi sind in die gemäss Medienberichten laufenden Abklärungen nicht involviert. Demzufolge können wir hierzu keine Auskünfte geben.“

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27 Kommentare zu “CEO der Aargauischen KB gerät in Postauto-Sturm

  1. Lukas Hässig, bleiben Sie da bitte unbedingt dran!
    Was sagt der Regierungsrat des Kantons Aargau zu der Sache? Was der VRP?
    Koradi ist in denn skandal als CFO eigentlich die Hauptperson, noch vor Ruoff. So etwas begreifen natürlich die Blick-Journalisten nicht.

  2. Kommt dazu, dass die Herren und Damen in Frankreich mit den gleichen Postautos auch noch einen Prozess am Hals haben! Sie haben dort konstant die Konkurrenz unterboten! Wahrscheinlich mit den Geld der Schweizer Steuerzahler! Gute Reklame für die Schweizer Ehrlichkeit!!

  3. Es ist schade, dass Frauen in Spitzenpositionen sich nicht anders verhalten wie ihre unethischen und unmoralischen männlichen Kollegen. Dazu kommt ganz offensichtlich auch noch Inkompetenz (genau wie bei den Männern auch). Frau Ruoff soll nun endlich die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

  4. Diese Medienstelle kann man nicht ernst nehmen. Ist nicht involviert? Als Gruppen-CFO? Dessen Name noch im Dokument genannt wird? Ein echter Schenkelklopfer!
    Und was tut eigentlich die Staatsanwaltschaft bei diesem Multimillionenbetrug? Sitzen schon Leute in U-Haft (Verdunkelungsgefahr)?

  5. Ich bleibe dabei:
    je grösser ein Konzern ist, und je mehr prozentualer Anteil des Erlöses in Marketing und Werbung investiert wird, desto umfangreicher sind die Bemühungen, von tatsächlichen, unsauberen Geschäftstätigkeiten abzulenken und die Öffentlichkeit wie auch Aktionäre, institutionelle Anleger und ganz normale Steuerzahler abzuzocken und zu täuschen.

    Man könnte also sagen, je höher das Marketingbudget eines Unternehmens, desto eher sollte man seine Finger davon lassen (als Investor, als Mitarbeiter oder als Konsument deren Produkte!). Ich setzte diese Haltung selber persönlich seit einigen Jahren um – wo immer auch möglich – und werde immer und immer wieder mit genau solchen Meldungen wie diese, auf’s Neue darin bestätigt und bestärkt…

  6. Toll recherchiert LH – Kompliment.
    Koradi von der Post-Staatsstelle via CS (NAB) zurück zur AKB-Staatsstelle (=SNB).
    Mit vollem Betrugsrucksack.
    FINMA?
    Anklage Postführung?
    Bei VW versuchte die oberste Führung, den Abgasskandal zu vertuschen – in vollem Kenntnis von diesem.
    What the hell!

  7. Postauto „TaxCenter Inkasso“ operiert ebenso mit allenfalls betrügerischem Vorgehen und versucht systematisch die Kunden zu übervorteilen:

    – Null-Kulanz, am 1. Tag nach Ablauf Zahlungsfrist wird die 1. Mahnung gedruckt.
    – Wohlgemerkt, nur „gedruckt“, die Mahnung wird grundsätzlich mit grosser zeitlicher Verzögerung versandt und erreicht den Empfänger rund 14 Tage oder mehr nach angeblichem Mahndatum, mit entsprechend verkürzter Reaktionsfrist.
    – Erste Mahnung bereits mit sagenhaften CHF 40 Mahngebühren (das gibt es sonst nirgends!) und ist mit der netten Drohgebärde von „strafrechtlicher Verfolgung“ nicht nur bezüglich Tonalität völlig daneben.
    – Eine zweite Mahnung mit weiteren CHF 40 Mahngebühren wird schon gedruckt/datiert, bevor die Zahlungsfrist der 1. ungerechtfertigten Mahnung überhaupt abgelaufen ist – dilettantischer geht es nicht mehr, oder wo steckt wieviel Absicht dahinter? Der Versand erfolgt dann natürlich wieder mit grösster zeitlicher Verzögerung…
    – IT Fehler oder bewusstes Vorgehen?
    – Schlecht ausgebildetes und überfordertes Personal, welches solche Vorgänge nicht einmal zu erkennen geschweige denn zu korrigieren vermag.
    – Offensichtliche Fehler dieser Firma werden erst nach mehrmaliger Intervention und unter Androhung von rechtlichen Schritten richtiggestellt. Zuerst wird noch auf impertinente Art und Weise versucht, wenigstens die eine nicht gerechtfertigte Mahngebühr einzuziehen.
    – Wieviele merken das nicht oder können sich nicht entsprechend wehren und bezahlen zu Unrecht eingeforderte Mahngebühren?

    Es muss leider angenommen werden, dass auch hier bonusgetrieben Umsatzzahlen vorgegeben sind und mittels erwähnter Machenschaften systemisch und gewollt/bewusst zulasten der Steuerzahler operiert wird. Andere Rückschlüsse lassen zumindest die Reaktionen dieser Firma, mehrfach auf obige Missstände angesprochen, nicht zu.

  8. Was die Post – und allen voran Postauto – da „geleistet“ haben ist mafiöser Betrug am Volk, dem Steurzahler und der Politik!

    Es gibt da nur eine Lösung: ALLE verantwortlichen Damen und Herren in diesem Betrugsfall müssen aus Amt, Würde und Wirtschaft eliminiert werden. Die ausbezahlten Boni und Gewinnmitnahmen aller involvierten Manager sind einzuklagen und zurückzuzahlen.

  9. „Koradi erstellte als oberster Finanzmann Gewinnziele für die Spitzen der jeweiligen Sparten der Post.“ Wollen die uns heute allen Ernstes mitteilen, dass sie nicht mal wussten, dass der Regionalverkehr zufolge Subventionierung keinen Gewinn erwirtschaften darf! Wie blöd ist das denn alles!

  10. Mich nimmt wunder ob die Post Tante Ruoff auch „Verantwortung“ über nimmt!!! Und dann noch wie, ob mit ab schleichen und Goldenem Fallschirm oder beweist sie
    uns das sie Sitzleder hat und sich ihren Bonus erhöht da sie jetzt eine schwere Zeit durchmacht.

  11. Hallo
    Bitte Herr Dr. Pascal Koradi und nicht „nur“ Herr Pascal Koradi!
    Er war bei der NAB (eine CS-Tochter) ein guter Chef.

  12. Wie jetzt der Fall Post (u.a. Koradi/Aargauische Kantonalbank) oder gestern Swisscom: nur wenige haben sich für ihre willentliche Gleichgültigkeit oder gemachten Betrügereien zu verantworten. Warum?Die Öffentlichkeit und Kunden etc. ärgern sich, mehr jedoch nicht. Keine Änderung der Haltung beispielsweise mit konsequenter Kündigung der Geschäftsbeziehung. Bequemlichkeit und ja nicht aus der Deckung kommen. Genau dieses (Kunden-)Verhalten wissen Politiker und Verantwortliche von (halb-)staatlichen Unternehmen geschickt auszunutzen.

    Oder anders gesagt, wie der Kunde so das Unternehmen bzw. gleich und gleich gesellt sich gern.

  13. Der damals designierte AKB-CEO Andreas Waespi «stolperte» über eine Kursglättungsaktion (Coop-Aktie), die niemandem finanziellen Schaden zufügte. Er sitzt ein mehrjähriges Berufsverbot ab dank dem energischen Durchgreifen von «Tough Cop» (Originalton ‚Bilanz‘) Mark Branson.
    Was passiert nun mit Pascal Koradi, Herr Branson?
    Und was haben Sie für den «Mosambik»- bzw. «Sumatra»- bzw. «US-Steuer»- bzw. «etc.»-Spezialisten Urs Rohner vorgesehen (wenn man schon von Verhältnismässigkeiten redet)?

  14. Wenn ein Kopf rollen sollte, dann der von S. Ruoff. Unglaublich, männliche CEOs wären schon lange abgesägt worden. Aber Quoten-Beamten-Managerinnen à la Ribar und Ruoff können schalten und walten wie sie wollen. Eine Faust ins Gesicht für alle fähigen Managerinnen, welche sich ihren Status hart erarbeitet haben.

    • Sehe ich genau so. Gibt da noch ein paar andere Quoten-Frauen, die sich unglaublich gut finden…, es aber wirklich nicht bringen.

    • Wie ist die gendergerechte Formulierung, nach Handbuch?
      „Von den Managerinnen sind nur 20 % Frauen“ … Ja, und nach Ribar haben wir wieder eine CEO (CEöse?), die genau gleich unvorsichtig war wie gewisse Herren in den Banken…

    • @Female Leader:
      Koradi und Ruoff sollten gleich zusammen gehen. Dann habe sie genug Zeit für die zu erwartenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und der hoffentlich eingesetzten PUK zu „unterstützen“. Die Strategie, ein paar arme Schweine als Bauernopfer zu präsentieren, scheint ja bis jetzt nicht wirklich zu funktionieren – das klappt nur noch bei den Grossbanken…

  15. Freundlichste Interpretation: Während der Zeit hat er halt seine Dissertation geschrieben. Da blieb halt für solche „Details“ ( wie 200’000 Fehlbuchungen) keine Zeit.
    Was macht eigentlich nun die Finma?

    • Aargauer, zu Ihrer Frage: Die FINMA schaut schon bei den Banken und Versicherungen weg. Sie hat keine Kapazitäten, auch noch bei der Post wegzusehen.

    • War da nicht irgendwas mit einer Gewähr?
      Bietet ein Ex-CFO und heutiger CEO der offenbar tief in einen Skandal, in welchem offenbar bereits die Bundesanwaltschaft ermittelt, verstrickt ist, denn noch Gewähr?
      Die Finma müsste allein wegen diesem Bericht eigentlich sofort ein Enforcementverfahren starten, um die Sachlage zu klären.

  16. In den Finanzabteilungen der Konzerne macht auch noch die grösste Pfaume schnell mal Karriere. Man ist ja tatsächlich kaum einmal „an der Front“…

  17. zeit zurückzutreten. herr koradi und die dame ruoff auch. oder gelten für die damen andere regel?
    einfach ein paar bauern verheizen und die sache ist ausgestanden. so nicht!
    verantwortung muss man übernehmen, wenn man sch.. gebaut hat.
    das müssen wir alle auch.