Credit Suisse im Türken-Fieber

Schweizer empfahlen letzten Herbst Investments in Türkei – Dann krachte Währung – Eigene Niederlassung in Istanbul.

Die Türkei-Krise weitet sich aus. Die Börsen in Asien gaben heute früh um gegen 2 Prozent nach. Die grosse Frage ist, ob das türkische Regime seine Währung, die Türken-Lira, stabilisieren kann.

Wenn nicht, droht ein Zahlungsausfall der türkischen Wirtschaft. Das träfe dann Europas Banken. Betroffen wären auch die Schweizer Geldinstitute, dort vor allem die Credit Suisse.

Die hat einen Ableger in Istanbul. Dessen Bilanz ist in den Jahren von 2010 bis 2017 förmlich explodiert, von unter 100 Millionen Türken-Lira auf über 900 Millionen im Sommer 2017.

Damals erreichten die Aktiven der CS Türkei ihren Zenit. Seither stand die Bank auf die Bremse. Heute ist die Bilanz noch etwa halb so gross.

Umgekehrt zum eigenen Schrumpfen empfahl die CS ihren Investoren, auf die Türkei zu setzen. Im Oktober 2017 schrieb ein deutsches Medium mit Bezug auf CS-Analysten, Anleger sollten ihr Erspartes „jetzt“ im Land am Bosporus anlegen.

CS raus, Anleger rein: So könnte man das heute interpretieren. Für sich selbst dürfte sich der schnelle Abbau der Risiken im Türkei-Ableger gelohnt haben. Die Risiken in einem Risiko-Land wurden kleiner.

Nicht so für die Kunden. Wer dem Rat der Schweizer Bank gefolgt ist, dürfte in den letzten Monaten grosse Verluste erlitten haben.

Seit Januar 2018 hat die Türkei-Währung 40 Prozent ihres Werts verloren. Letzte Woche ging die Lira sogar in freien Fall über.

Die Inflation schiesst hoch, die Zentralbank müsste sofort die Zinsen erhöhen. Das will die Regierung nicht, da dies Wählerstimmen kosten könnte.

Das Ventil ist die Währung. Die sackt ab. Es drohen Kapitalverkehrskontrollen, sprich: Das Ende des freien Devisenmarkts.

Die scharfe Krise begann schon vor 2 Jahren, als die Regierung von Präsident Erdogan einen Putsch abwehrte. Seither hat sich die Lira gegenüber dem Dollar mehr als halbiert.

Die CS versucht in diesen Tagen zu beruhigen. Ihre offenen Türkei-Kredite zählen im Vergleich zu anderen „heissen“ Märkten nicht zu den grössten.

Das Gleiche gilt auch für die die UBS. Die grösste Schweizer Bank weist gut 500 Millionen Franken offene Türkei-Kredite aus. Tendenz war zuletzt steigend.

Das ist vergleichsweise wenig. Die Italien-Ausstände der beiden Schweizer Grossbanken betragen ein Vielfaches der Türkei-Kredite.

Trotzdem reagieren die Aktien der beiden helvetischen Finanzmultis einschneidend auf die Türkei-Krise. Sie sind mitten in den Börsen-Strudel geraten.

Am Freitag gaben beide Titel nach. Vor allem jener der CS. Deren Aktie verlor fast zweieinhalb Prozent.

Heute könnte die Talfahrt an den Märkten weitergehen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die CS unter ihrem seit 3 Jahren wirkenden CEO Tidjane Thiam in nächster Zeit auf einen grünen Zweig kommt.

Zumindest, was die eigene Aktie angeht. Bei Thiams Start am 1. Juli 2015 kostete der CS-Titel noch deutlich mehr als 25 Franken. Derzeit sind es etwas mehr als 15 Franken.

Kommentare

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  1. Hallo Lukas

    Ich bin Abonnent und lese sehr gerne Eure Artikel.
    In diesem Artikel sind propagandistische, dogmatisch-feindliche und sarkastische Ausdrücke dabei. Vom TR-Präsidenten bin auch ich nicht überzeugt aber seit sensibler bei der Wortwahl über eine legitime Regierung eines (fast) souveränen Staates.

    türkische Regime: Du weisst genau wie dies interpretiert wird, negativ

    Türken-Lira: Ob Du Pro/Contra bist, es ist die türkische Lira

    …Die grosse Frage ist, ob das türkische Regime seine Währung, die Türken-Lira, stabilisieren kann….

    Brauche keine Rückmeldung aber ich bitte Dich trotz Deines Freigeistes Dich hierfür zu sensibilisieren, egal über welche Nation Du abschätzend schreiben willst. Es gibt immer Fakten aber die Türken sind keine Feinde. Bestimmt weisst Du ja auch welcher Machenschaft wir Schweizer historisch unseren Wohlstand zu verdanken haben.

    Trotzdem werde ich die Inside Paradeplatz weiterlesen und mich Deiner Kolumnen erfreuen.

    Beste Grüsse

    • Erdogan, der Demokrat.

      Ein Demokrat der :

      – die säkulare Türkei (Kemal Atatürk) in einen islamischen Gottesstaat verwandelt hat
      – der die Meinungs- und Pressefreiheit mit Füssen tritt : 1.000 Journalisten, Schriftsteller, sogar Korrespondenten ausländischer Medien inhaftiert
      – der einen US amerikanischen Geistlichen ohne Gerichtsverfahren als Geisel hält
      – dessen Sohn mit von islamistischen Organisationen gestohlenem Öl in Syrien in Milliardenhöhe handelt
      – der nach Gutdünken 10.000e Beamte, Richter, Staatsanwälte, Lehrer, Universitätsprofessoren mit Berufsverboten belegt hat, weil sie zu weltlich und nicht islamisch genug waren
      – der die Türken im Ausland bespitzeln lässt und sie bei Opposition an der Rückreise hindert (unter Ihnen 8 Schweizer Doppelbürger)
      – der im August 2015 die europäischen Regierungen mit 1,3 Millionen Flüchtlingen des Syrien-Konfliktes zu Milliardenzahlungen genötigt hat
      – der das kemalistische (weltliche) Offizierscorps und die Admiralität mit dem Vorwand eines vermutlich selbstinzenierten Militärcoups auf brutale Art und Weise durch entfesselte Islamisten entmachtet hat
      – der NATO Allierten wie Deutschland den Zutritt zu den eigenen dort stationierten Soldaten (Incirlik) verweigert
      – der eine unbequeme Minderheit (Kurden) bekämpft
      – der für sich selbst, einen neuen 1.000 Zimmer Palast für über 500 Mio. USD hat bauen lassen

      …was quasseln Sie da von sarkastischen Ausdrücken, etc. ??

      Der Türkei kann man nur wünschen, dass sie dieses Regime so schnell wie möglich los wird.

  2. Sorry, aber wie kann man bei der politischen Entwicklung noch im Herbst 2017 Türkei empfehlen? Wohl nur, wenn man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, oder?!? Wer darauf reingefallen ist, dem kann man nicht helfen.

  3. Würde jemand sein sauer erspartes Geld einem Recep Tayyip Erdogan ausleihen ??

    Die Empfehlung der CS ist geradezu stossend,
    wohlwissend das in türkischen Gefängnissen über 1.000 Journalisten unter menschenunwürdigen Umständen inhaftiert sind, weil sie über die Geschäfte der Familie Erdogan mit den Terrorislamisten von ISIS berichtet haben.

    Mondo cane.

  4. Weltweit sind Zentralbanken, Staaten untereinander und Bankensysteme mit gegenseitigen Krediten derart verwoben, dass nur mal ein Land in wirkliche Schwierigkeiten geraten müsste um das ganze System zum Kippen zu bringen.

    Wenn’s dazu kommt haben sich gewisse Eliten aber bereits gesund gestossen. Das Volk trüge dann unweigerlich diesen
    GAU.

  5. Wären da nicht all die CS Skandale wäre diese Bank nur noch eine Lachnummer. Wer der CS und Ihren Beratern traut
    ist wirklich selber Schuld.

  6. Was kann man von irgendwelchen Analysten und Investment-Strategen erwarten, die kein Skin in the Game haben… Die würden wahrscheinlich nicht mal 5% von ihrem Portfolio in ihre eigenen Recommendations investieren und nehme auch mal schwer an der Rohner und Thiam verlassen sich nicht auf des interne „Know-how“, sondern bevorzugen Cash

  7. Kurs nach BREXIT 2016: CHF 9.70.-
    Kauf bei Kap.-erhöhung 2017: CHF 10.80.-
    Zumindest „schlaue“ Investoren haben gut verdient. Langfristig läuft da nix.
    Was rechtfertigt derart hohe Saläre (Boni sind eh Lug & Betrug)?
    Der Leistungsausweis ist ja dokumentiert.

  8. Handelszeitung: „CS-Chef Thiam auf der Erfolgsspur.“ Sein Wirken führte die Aktie von Fr. 25.– auf Fr. 15.–. Carl Fürstenberg seinerzeit: Aktionäre sind dumm und frech.“ Sie haben offensichtlich dazugelernt und verlassen das sinkende Schiff. Hofjournalisten (NZZ, Handelszeitung) sind verm. nicht dumm, aber in hohem Masse käuflich.

  9. Irgendwann einmal
    ist die Türkei
    wieder eine große Chance,
    demnächst wohl aber nicht.

    • machen sie sich einmal bei der erg (serv) über die jeweiligen türkei-konkurs-zyklen kundig. hilft ihrer planung sicher!

    • @ Industrie Heini:

      Sehr freundlich, hätten Sie den Link?

      Vielfach bedankt!

  10. Mosambik, es ist „Other People’s Money“, das Thiam & friends verzocken, nämlich jenes der Aktionäre und Anlagekunden.
    Hauptsache, die private Schatulle der Teppich-Etage profitiert.

  11. Thiam wird als gescheitert in die Geschichtsbücher eingehen. Na ja, vielleicht nicht ganz: mit einer fabrizierten Heldenlegende vor seinem Antritt und seinem arrogant-elitären Habitus konnte er seine lächerlich exzessiven „Vergütungs“- respektive eher Schatzansprüche schon mehr als 3 Jahre problemlos umsetzen. Hier ging seine Strategie sofort brillant auf.
    Wie geht es eigentlich dem dauerverwirrten Örs?

    • Der galoppiert auch weiterhin in seiner weissen Weste über jegliche operativen, politischen, regulatorischen und moralischen Hürden hinweg!

      Bis jetzt hat’s ja geklappt, uns auch da hielt es kaum einer für möglich; also wieso die Glückssträhne reissen lassen, solange von unten nur impotente Luschen nachstossen?

      CS = Credibility Sucks

    • Wenn Du den Thiam vor ne Gruppe Pfadis stellst, dann lachen sich diese kaputt.

  12. Ach, so schnell ist der schöne Nullzinsgeldaufschwung auch schon wieder vorbei.

    In zwei bis drei Jahren wird man sagen, das seit 2009 ungewöhnlich niedrige Zinsniveau in den Ländern der westlichen Welt führte zu temporär niedrigen Kreditausfällen und Insolvenzen, weil diese nur aufgeschoben wurden.

    Vergleichbar verloren ab 2000 und 2008 Investoren von Anlagen in Entwicklungs- und Schwellenländern für nur 100 oder 200 Basispunkte Mehrrendite.

    Siehe in Deutschland aktuell den Gewa-Tower oder Prora, wo spektakuläre Bauvorhaben trotz Niedrigzinsen und hoher Verkaufspreise scheitern.

  13. Das Vorgehen ist immer gleich: Die Risiken der Bank werden auf die Bank abgeschoben.
    Warum echt hat im April 2001 die Kantonalbank meiner damals 75-jährigen Grossmutter die „Sicheren Swissair-Obligationen“ angedreht? Weil die noch einen Eigenbestand hatten, natürlich! Nur weisen sie das mal nach.
    Wen wundert es, dass nun die ganze Familie nur noch mit ETFs arbeitet und versucht, den Rat der Banken zu meiden wo es nur geht?

    • Die miesen Kröten werden immer dem einfachen Pöbel untergejubelt von dieser Bank.

      Dazuhin wird all der schief gelaufene Schrott aus dem „private banking“ in den hauseigenen Anlagefunds „parkiert“.

      Unbedingt unabhängig werden von dieser Verkäuferkaste. Diese geschulten Charmeure mit ihrem adretten Auftritt sind verdammt dazu, Dir alles ÜBEL der Welt anzudrehen. Glaubwürdigkeit sieht definitiv anders aus.

      Es lebe die Indexprodukte!

    • Ja diese Bankster würden Dir anfangs Jahr z.B. eine „Aryzta Namen“ als turn around- Idee anpreisen. Jetzt ist diese mit Datum von heute bei einer performance von minus 78% angelangt …………………

      „Plays“ wie diese, werden von den dreisten Banken in ihren meist grottenschlechten Anlagefunds versteckt. Auf diese üble Art entsorgen diese ihren Schadenposten aus dem Private banking, wie Rory richtig bemerkt.
      Also lieber einen ETF ohne Klumpenrisiko. Billiger dazu und besser fürs Nervenkostüm.