Postfinance-Hypo-Eintritt gibt Blutbad bei Kantonalbanken

Eine Beratungsfirma hat für die Postfinance eine Analyse erstellt, was passiert, wenn die Staatsbank neu Hypotheken und andere Kredite sprechen darf. Dies will der Bundesrat; die Banken, allen voran die Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken, sind dagegen. Ihnen drohen die Felle davonzuschwimmen: die fetten Margen im Hypo-Geschäft dürften erodieren.

Der Ursprungstext der Beratungsfirma wurde von den Verantwortlichen des Unternehmens laut dem Zusender zur Unkenntlichkeit abgeschwächt – offenbar aus Angst vor Nachteilen beim Kunden Postfinance. Hier erscheint der Beitrag in der Originalversion:

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Über die letzten Jahre hinweg ist das Volumen des Hypothekarmarktes in der Schweiz stetig gestiegen und erreicht mittlerweile ein Marktvolumen von rund 1’000 Milliarden Franken (Quelle: Schweizerische Nationalbank). Dieses Wachstum wurde insbesondere angetrieben von historisch niedrigen Hypothekenzinsen, welche unter anderem auf real existierende Strafzinsen auf Sichteinlagen bei der SNB zurückzuführen sind.

Somit war und ist es besonders für Banken deutlich attraktiver, Hypotheken zu vergeben, anstatt Gelder bei der SNB zu parken. Vor allem die Raiffeisen- (Compound Annual Growth Rate CAGR, durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beim Marktanteil 2011 bis 2017: +2.67 Prozent; Marktanteil Juni 2018: 18.23 Prozent) und Kantonalbanken (CAGR Marktanteil 2011 bis 2017: +0.78 Prozent; Marktanteil Juni 2018: 40.68 Prozent) haben über die letzten Jahre hinweg ihr Engagement im Hypothekarmarkt deutlich ausgebaut und intensiviert (Quelle: SNB).

Dieses Wachstum ging zu Lasten der Grossbanken (CAGR Marktanteil 2011-2017: -2.26 Prozent; Marktanteil Juni 2018: 31.22 Prozent), welche dennoch, auf absoluter Basis gesehen, das eigene Hypothekenvolumen erhöhen konnten (2018 versus 2011: +16.11 Milliarden Franken oder +5.38 Prozent (Quelle: SNB).

Eine einschneidende Veränderung für den Interbankenwettbewerb im Hypothekarbereich dürfte jedoch der Entscheid des Bundesrats vom 5. September 2018 darstellen, der Postfinance die Vergabe von Hypotheken zu erlauben. Laut Geschäftsbericht 2017 verwaltet die Postfinance für 2.9 Millionen Kunden Kundengelder in Höhe von durchschnittlich 109.8 Milliarden (Quelle: Postfinance Geschäftsbericht 2017).

Die Postfinance steht hierbei vor dem Dilemma diese gewinnbringend anlegen zu müssen, ohne bisher die Möglichkeit gehabt zu haben, im Kredit- und Hypothekarbereich tätig sein zu dürfen – ein immer schwierigeres Unterfangen insbesondere hinsichtlich des fortwährend erodierenden Zinsgeschäfts. Davon zeugt auch, dass laut Finanzchef Kurt Fuchs heute 35 Milliarden nicht gewinnbringend angelegt werden können (Quelle: Postfinance Geschäftsbericht 2017).

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Bundesratsentscheids versuchte Postfinance-CEO Hansruedi Köng, Bedenken zu zerstreuen mit der Aussage, dass die Postfinance nur „einen prozentual tiefen, einstelligen Marktanteil anstrebe (…) ohne, dass ein ruinöser Preiskampf ausgelöst“ würde. Ob sich davon die anderen Marktteilnehmer beruhigen lassen?

Es lohnt sich ein genauerer Blick: Die durchschnittliche Laufzeit einer Hypothek in der Schweiz beträgt 7.71 Jahre (Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf NZZ-Artikel), was bedeutet, dass bei einer Marktgrösse von 1’000 Milliarden alljährlich 130 Milliarden abgelöst und deswegen durch Mitbewerber konkurrenziert werden können.

Unter Berücksichtigung eines Postfinance-Markteintritts über zwei Jahre hinweg würde dies auf einen Marktanteil am jährlich zu erneuerndem Volumen von 9 Prozent im ersten respektive 18 Prozent im zweiten Jahr herauslaufen – effektiv jedoch „nur“ 3.5 Prozent Marktanteil am gesamten Schweizer Hypothekenmarkt darstellen und somit Köngs Aussage nicht widersprechen.

Wenn nun bedacht wird, dass wichtige Kriterien bei der Wahl der Hypothekenbank a) die persönliche Bindung zur Bank und b) der Zins der Hypothek sind, ist zu erwarten, dass die Postfinance innert kürzester Zeit eine starke Marktposition einnehmen könnte.

2.9 Millionen Kunden zählt die Postfinance bereits, und sie wird wohl äusserst kompetitive Hypothekarzinsen offerieren, da selbst tiefe, positive Zinsen dem Negativzins der SNB vorzuziehen sein dürften. Diese starke Position dürfte wohl vor allem zu Lasten der Raiffeisen- und Kantonalbanken gehen, da diese zwar regional verankert sind, jedoch bereits heute zu den eher teureren Anbietern gehören. Deswegen ist davon auszugehen, dass sich der Druck auf die Margen im Hypothekenmarkt mit dem Einstieg der Postfinance weiter erhöht.

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10 Kommentare zu “Postfinance-Hypo-Eintritt gibt Blutbad bei Kantonalbanken

  1. PostFinance muss zwingend zurückgebunden werden! Es kann und darf nicht sein, dass ein Bundesbetrieb die regionalen kleinen Banken und Sparkassen konkurrenzieren darf. Das Unternehmen führt sich ohnehin wie ein Privatbetrieb auf, z.B. werden Sabbaticals geboten. Bundesbetriebe werben der Privatwirtschaft immer wieder qualifizierte Leute ab. Es werden sehr gut bezahlte Angebote gemacht, die besten Pensionskassen und wesentlich mehr Ferien und zusätzliche Freitage locken.

    • Und wo genau liegt nun Ihr Problem? Dann wechseln Sie doch zum Bund. Währen Sie nicht der Erste der sich hier empören täte, wenn der Bund nur Nieten und Blindgänger anstellen täte? Es reicht, dass diese Typen im Parlament sitzen. Und ehrlich gesagt: mir gehen diese Abzocker Banken dermassen auf den Sack, dass es mir egal ist, wenn die eine oder andere ihre Pforten schliessen muss. Vor allem sollten Banken die den Titel „Systemrelevant“ tragen, zuerst von diesem Titel befreit werden (sprich verkleinern), bevor man der PostFinance das Hypo Geschäft nicht gestattet.
      Was mich bei der PostFinance noch wunder nimmt: mit Brief wurde ich über die neue Gebührenstruktur der PostFinance informiert. Begründet wird die Verteuerung unter Anderem damit, dass die PostFinance keine Hypotheken vergeben kann. Hoffentlich kriege ich dann auch einen Brief über Gebührensenkungen wenn sie dann Hypos vergeben darf……

    • @Peter Jost:
      Was genau spricht gegen eine faire Entlöhnung, adäquate PK und ein paar Ferientage mehr? Möchten Sie Ihr Leben lang schuften und auf dem Zahnfleisch laufen, damit sich andere davon ein schönes Leben gestalten können? Ich finde das ist eine äusserst soziale Einstellung von Ihnen…

      In meinen Augen ist der Zahlungsverkehr der PF die einzige Finanzorganisation, die überhaupt das Prädikat „too big to fail“ verdient. Die Privatwirtschaft zockt nur ab, und wenn’s schief läuft lässt man sich vom Bund auf Kosten der Allgemeinheit einfach retten! Eigentlich sind somit all die grossen Privaten Finanzinstitutionen genauso geschlossene Werkstätten, sie werden uns einfach marketingtechnisch „geschickter“ verkauft und die Masse glaubt den Scheiss…

  2. Tja, ein freiheitlicher Markt wird vom System eben nur da gewünscht, wo man die abhängigen Konsumenten so richtig schröpfen kann: Krankenkasse, Elektrizität, Telekommunikation, etc. In Bereichen, wo keine zwingende, systemische Abhängigkeit besteht – wie beispielsweise bei einer Eigenheimfinanzierung, darf der Wettbewerb natürlich nicht oder nur verzerrt spielen, damit den etablierten, mächtigen Institutionen, mit grossem Lobby-Einfluss in Bundesbern die Felle nicht davon schwimmen…!

    Die PostFinance ist in heutiger Gestalt eine kastrierte Bank, die die ureigenen Geschäfte, die eigentlich eine Bank überhaupt ausmachen, nicht, resp. nur indirekt betreiben darf. Und welcher CH-Häuslebauer möchte schon einen Kredit bei einer vom Markt und Standort weit entfernten Münchner Hypo oder ähnlichem Geldinstitut aufnehmen?

    • @Visionär stimmt genau. Denn nur um das geht es. Der Markt darf nicht spielen. Schliesslich könnte für einmal der Kunde gewinnen. Hast du den Kommentar von @Peter Jost und @Tobias Seger gelesen? Hihi. Wir müssen unsere Gott gegebenen Pfründe abgeben? Geht gar nicht! hihi. Denen geht der Arsch echt auf Grundeis. Inside Paradeplatz, bitte weiter am Ball bleiben. Wieder ein heisses Eisen getroffen!

    • Ein freiheitlicher Markt würde es den Pensionskassenbesitzern erlauben, statt PK Prämien direkt die Hypothek zu amortisieren. Sprich: statt die eigenen Beiträge in die PK zu versenken, eine Hypothek amortisieren, die sich aus der rechnerischen Höhe der zu erwartenden PK Summe (Eigenanteil) errechnet. Erstens hätte man im Alter ein Eigenheim, welches einem auch gehört. Das heisst: billig Wohnen. Zweitens würden der Finanzindustrie massiv Gelder entzogen und wieder dem zugeführt, dem es auch gehört: dem Einzahler. Die Beiträge der Arbeitgeber könnten ja nach wie vor in die PK fliessen. Somit hätte man halt eine kleinere Rente, dafür bezahlbaren Wohnraum. Das wäre doch mal eine Idee. Wäre schön, wenn sich unsere Volkslobbisten mal sowas durch den Kopf gehen lassen würden. Das würde man Visionär nennen. Aber leider sind wir zu sehr mit Ausländerhass, Burka- und Minarettverbote, Selbstbestimmung und anderem Unsinn beschäftigt. Und wenn ich schon dabei bin: eine weitere Vision für unsere „Politiker“ wäre doch, eine Art von AHV-Abgabe auf Scanner, Roboter und Computer zu erheben. Warum nicht? Es spricht nur eines dagegen: das sogenannte Shareholderdenken. Auch genannt Rendite. Und ich halte keine der Lobbistenparteien für fähig, Visionen zu Gunsten der Bevölkerung zu haben. Einfach mal zum nachdenken.

  3. Dummschwätzer@Paradeplatz! PostFinance ist bereits heute eine Mitbewerberin im Hypothekenmarkt, auch ohne selbständige Kreditvergabe. Der Begriff Blutbad ist in diesem Kontext völlig deplatziert. Polemischer Artikel ohne sachlichen Mehrwert.

  4. Wettbewerb bereichert das Geschäft. Lasst Postfinance endlich Hypotheken und Kredite anbieten. In einem freiheitlichen Markt kann es doch nicht sein, dass Teilnehmer ausgeschlossen und andere, notabene auch Staatsbanken mit kantonalen Fallschirmen, Staatsprotektionismus geniessen. Die Disruption des Finanzmarktes nimmt ihren Lauf. Und wenn sich heute die Kantonal- und Raiffeisenbanker nicht dem Wettbewerb stellen, dann wehe wenn mal die Google- oder WeChat-Hypothek vor der Türe stehen. Verlasst Eure geschützten Werkstätten! Subito!

    • Doch es war aber schon immer so, die staatsapparatr hinken jedem Trend so dermassen träge hinterher. Es gibt ein gutes altes Sprichwort. „Dann wenn selbst die konservativsten trägsten Staatssysteme den Braten riechen, sollte man sich ernsthaft Gedanken über eine bald platzende Blase machen“.

      Wer weiss vielleicht ist es ja dann die PostFinance die allen Zahlungsunfähigen bei einer neuen Systemblase einen (zinslich unattraktive) Sozialhypothek gewährt.
      Sodass die Hypothekarnehmer ihre Schulden gegenüber der durch die Everything-Blase entstehende Bankrottbanken begleichen können und diese so wieder aus der Scheisse des Kapitalismus ziehen.
      Ein nettes Staatssanierungs- und Bankenrettrungs Modell, chappeau!