Lachappelle hat Gisel-Nachfolger schon bestimmt

Nach Raiffeisen-Wahl am Samstag gehts ruck-zuck: Neuer CEO bereits klar – Operation „Reform 21“: No Revolution.

Guy Lachappelle hat mit ASE, der Swiss Version von Madoff, Schlagseite. Lachappelle machte als damalige Nr. 2 der Basler KB viel zu wenig, um den Betrügern auf die Schliche zu kommen.

Trotzdem dürfte der Basler am Samstag von den 164 Raiffeisen-Delegierten zum neuen Kapitän gewählt werden und gut 700’000 Franken im Jahr fürs Amt erhalten – weit mehr als die Vorgänger.

Lachappalle kann dann lachen. Für einen Start mit Furore hat er gesorgt. Schon wenige Tage nach seiner Kür will er den Nachfolger von Raiffeisen-CEO Patrik Gisel bekannt geben.

Mit diesem – es kann auch eine Frau sein – hat Lachappelle schon gesprochen. Ein Raiffeisen-Insider bestätigt, dass der neue operative Chef „bestimmt“ sei. Es gehe nur noch um Formelles.

Gisel per Ende Jahr weg, möglicherweise mit einer langen Kündigungsfrist ausgestattet. Der neue CEO übernimmt. Und Kapitän Lachappelle beginnt als Herrscher mit Tempo.

Somit alles gut für den Neuanfang bei der Nummer 3 des Landes? Für Lachappelle schon. Er hält die Zügel jetzt schon fest in der Hand. Für den Rest bleibt vieles offen.

Die faktisch bereits erfolgte Kür des nächsten operativen Chefs zeigt Lachappelles Momentum ebenso wie Operation „Reform 21“.

So lautet der neue Name des Projekts von Interimspräsident Pascal Gantenbein. Dieses lief zuvor unter „Fokus 21“ und kam bei vielen der 250 Raiffeisen-Banken im Land nicht gut an.

Sie störten sich daran, dass Gantenbein vorgeben wollte, wie die Gruppe sich neu organisiert. Also kam es zum Aufstand.

Der geschah vor 2 Monaten in Bern, als Gantenbein mit seinem „Fokus“-Projekt loslegen wollte. Die Lokalfürsten pfiffen damals den Basler Professor zurück.

Sie tauften die Operation um und bestimmten, worum es dabei gehen soll; nämlich um One Bank, One Vote.

Sprich: Jede der knapp 250 Raiffeisen-Banken soll neu eine Stimme an der Jahresversammlung der Raiffeisen Schweiz haben. Diese soll ihre Rolle als Tochter und Servicecenter beherzigen.

Für One Bank, One Vote haben die Raiffeisen-Fürsten ein Zweierteam bestimmt. Und auch hier zeigt sich wieder die neue Machtverteilung: Guy Lachappelle ist einer der beiden Projektleiter.

Der Andere heisst Kurt Sidler, eine inzwischen bekannte Raiffeisen-Figur. Vordergründig hat sich Sidler als Kritiker der hoch bezahlten Chefs von Tochter Raiffeisen Schweiz in St.Gallen gezeigt.

Hinter den Kulissen machte Sidler meist gemeinsame Sache mit den Königen in der Gallus-Stadt. Nun lenkt er als Präsident der sogenannten Raiffeisen-Regionalverbände den Neuanfang: als Co-Projektleiter von „Reform 21“.

Sidler und Lachappelle, der Pseudo-Kritiker und der ASE-Geschädigte: Sie müssen die Raiffeisen-Gruppe bis Sommer 2019 in neue Bahnen führen. Dann sollen die Delegierten den Wechsel an der ordentlichen Jahresversammlung absegnen.

Schafft das Duo das? Wird sich der Unmut draussen in den Raiffeisen-Banken trotz immer neuen Eskapaden im Headquarter legen?

Sicher ist: Die Revolution bei der Raiffeisen ist abgeblasen. Die Macht der St.Galler Zentrale hat gesiegt über die Aufständischen in den Regionen. Lachappelle und Sidler, sie verkörpern Evolution, nicht Revolution.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

25 Kommentare zu “Lachappelle hat Gisel-Nachfolger schon bestimmt

  1. Zur Erinnerung:
    Madoff versprach konstante Erträge von 10 – 12 % p.a., was unmöglich ist. Seriöse Banken/Vermögensverwalter akzeptierten ihn u.a. deshalb nicht.

    Die ASE versprach ihren Kunden konstante Devisenstrategie-Erträge von 12 – 18 %, was ebenfalls von Anfang an einen Anlagebetrug nahelegte. Guy Lachappelle akzeptierte die ASE trotzdem als Kunden der BKB. Bis an diese Stelle ist Lachappelle fehlendes Finance-Fachwissen («Basics of Portfolio Theory») vorzuwerfen.
    Liest man dann https://tageswoche.ch/wirtschaft/ex-banker-erhebt-vorwuerfe-gegen-bkb/
    so kommt leider der Verdacht auf, dass Lachappelles Verhalten wohl bonusgetrieben war: 75 % des ASE-Gewinnbeitrags von CHF 4 Mio p.a. (in «guten Jahren») waren bonusrelevant in Basel, also im Bereich von Lachappelle. Nur 25 % wurden Zürich zugerechnet. Auch die Verantwortung lag damit wohl „eher in Basel“ …..

    Liest man dann noch den Beschluss vom 20.08.2018 der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ( https://bstger.weblaw.ch/pdf/20180820_BE_2018_4.pdf ), u.a. Kapitel 4.4 auf Seite 8, so dürfte klar sein, dass Guy Lachappelle für den VRP-Job aufgrund seiner moralisch- ethischen Einstellung «eher ungeeignet» ist.
    Die Ausführungen des Bundesstrafgerichts werfen aber auch die Frage auf, ob Lachappelles Verhalten im ASE-Fall überhaupt noch die «Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung» vermuten lässt!

    Es ist verständlich, dass die FINMA nach verschiedenen universitären Theoretikern einen «Praktiker» installiert haben will. Doch weshalb ausgerechnet den «toxischen» Guy Lachappelle? Ist Mark Branson in eine Parallel-Welt abgedriftet, die keinerlei aufsichtsrechtliche Massnahmen und Konsequenzen zulässt? Fälle wie z.B. «CS und Mosambik», «Boris Collardi und seine Bär-Kunden», «Vontobel und der Fall Hoeness/Prozessbetrug» legen leider diese Befürchtung nahe.

  2. „Darkness cannot drive out darkness; only light can do that!
    Hate cannot drive out hate; only love can do that!“
    Tim Cook, the new Cook Book…

    ah…spannend….aber mindestens läuft etwas… und wenn in 10 Jahre die RB noch so solide und Erfolgreich ist, bedeutet wir waren falsch, sonst schade für die nette und ehrlichen Schweizer….Déjà vue…what else?

  3. Wenn du denkst der Tiefpunkt ist erreicht,….jedesmal kommt es noch schlimmer!
    Habe meine Kontos, Genossenschafter saldiert (musste Raiffeisen mehrmals drängen, mal vorwärts zu machen) und weitere aus der Verwandtschaft werden folgen. Keiner wird später haften für „Abzockerführung“. Die wollen einfach nicht aufdecken! Zuviele Personen haben wohl unrecht gehandelt und dieser Skandal würde Raiffeisen schweren Schaden bis Totalschaden zuführen. Liege ich richtig?

    • Den Nagel auf den Kopf getroffen!!! Genau so ist es. Hoffentlich handeln alle Raiffeisenkunden so, denn mit ihrem Geld wird kriminelles Potential genährt.
      Die Raiffeisenkunden werden so richtig schön reingelegt und für den privaten Luxus missbraucht.

  4. Statt beim Lohn vernünftig zu bleiben geht auch Raiffeisen den Weg von CS und UBS, Abzocken, Vertrauen verspielen und Kunden verlieren.

  5. Tolle Strategie für eine Genossenschaft. Eine unglaubliche Arroganz und dies mit unzähligen wiederkehrenden Spitzkehren von Typen die es sich auf Kosten Dritter mehr als gutgehen lassen und kaum was richtig auf die Reihe kriegen. Wie tief kann der Finanzplatz Schweiz sonst noch sinken.

    Wandelt die Raiffeisengenossenschaft in eine AG um. Wäre authentischer, ehrlicher und demokratischer.

    Zudem, nächste Woche heisst es wieder Gisel bleibt oder der Typ kriegt einen Beratervertrag über 5 Jahre für CHF 5 Mio ähnlich wie bei PV.

    Es ist wirklich so, faktisch beherrschen nicht mehr die Raiffeisenbanken als Eigentümer die Zentrale, sondern die Zentrale beherrscht zunehmend die Eigentümer, die Banken.

    Es wäre schon vor langer Zeit ganz einfach gewesen: Für einen seriösen und glaubwürdigen Erneuerungsprozess muss mit dem sofortigen Rücktritt aller Mitglieder des VR während der Ära Vincenz beginnen müssen. Anschliessend step by step die Geschäftsleitung. Solange Poerschke, Schaub und Konsorten weiterhin in ihren Positionen belassen werden wird Raiffeisen Schweiz immer eine Baustelle bleiben und der Raiffeisen Honigtopf wird/muss weiterhin durch die lokalen Raiffeisenbanken geäufnet werden.

    • Einer seriösen Lösung steht alleine schon die FINMA im Weg, die auf verschiedene Sachverhalte Einfluss nimmt trotz Wissen, dass es nicht im Sinne des Genossenschaftsgedanken ist, dass die Zentrale statt Dienstleister eine Machtzentrale. Interessanterweise stützt die FINMA diese Machtzentrale und den Präsident noch. Man schädigt so die Genossenschaften und entsprechend auch die Genossenschafter und dem Deckmantel angeblich im Interesse der Genossenschafter zu handeln. Selber aber legt die FINMA die Berichte nicht offen, die Genossenschafter mögliche rechtliche Schritte gegen Organe der Zentrale und Wirtschaftsprüfer ermöglichen würden. Dies wohl unter weiser Voraussicht, dass die FINMA selber auch in den Fokus geraten könnte. Entsprechend geht man so vor, dass man sich aus Eigeninteressen mit allen auf einen ‚Deal‘ einigt und die Genossenschafter sind schlussendlich die von langer Hand geplanten Deppen im Umzug.

    • Seit wann ist eine AG „authentischer, ehrlicher und demokratischer“ als eine Genossenschaft?

    • Völlig falsch! Eine Wahl Lachappelles garantiert IP weiterhin maximale „Einschaltquoten“. Lachappelle wird so in St.Gallen den Krokodilen gleich zum Frass vorgeworfen…er gerät ohne Schonfrist unter Dauerbeschuss…

  6. ein abgekartetes Spiel?
    ein neuer CEO stromlinienförmig bzw
    HSG affine?
    tja der VR hat eben Alles vordefiniert
    der Headhunter hat wohl kaum neue Impulse gesetzt
    ergo: Raiffeisen bleibt in der Hypo Falle!
    bei höheren Zinsen kommt Besuch der Finnma
    auf der Anlage Seite: Nix vorhanden 🙁
    mein Werdegang bleibt in der Schublade 🙂

  7. und die osteuropäischen „Bank-Beraterinnen“ an der Bar.

    Wer kann da noch Interesse haben, einen sauberen VRP zu bekommen, der zumindest die „Spesen“belege von PV abklären lässt?

  8. Der Kunde hat die Macht: wer damit nicht einverstanden ist, soll seine Bankbeziehung zu einer anderen Bank bringen – es muss ja nicht CS oder UBS sein, aber mit Migrosbank oder den diversen Kantonal- und Regionalbanken sollte man seine Alternative finden.

  9. Raiffeisen hatte unglaubliches Momentum, nachdem die grossen Züricher Institute nach der Finanzkrise definitiv in Ungnade gefallen sind. Nun haben ein paar machtgeile Egomanen das Momentum und das Image innert Kürze zerstört. Und die überbezahlten Regionalfürsten unternehmen nichts dagegen. Alle denken nur ans eigene Portemonnaie, genau wie in Bern. Unsere Gesellschaft steht am Scheideweg.

  10. Lachappelle tutto o.k.? Mitnichten! Es wird ihm ein bissig kalter Wind in St.Gallen entgegenblasen. Er startet mit schwer angeschlagenem Ruf und ist von Anfang an unter starker und kritischer „Beobachtung“. Es gilt ja, nicht nur Gisel subito rauszuwerfen, sondern auch mit der restlichen Geschäftsleitung rücksichtslos aufzuräumen…

  11. Für Hypotheken empfahl ich in Zürich bisher die Raiffeisen und die ZKB. Falls Lachapelle gewählt wird, empfehl ich die Raiffeisen nicht mehr.

    • Für Hypotheken empfehle ich die Glarner Kantonalbank Hypomat online-Hypothek mit 0.75% auf Libor-Hypo und nur 500 CHF Vorfälligkeit, wenns mal nötig werden sollte. Ganze Deutschweiz.
      Gibt kein besseres Angebot in CH!

  12. Wenn das so kommt (und davon bin ich überzeugt), ist das erfreulich: Lachappelle wird das gut machen – er ist der richtige Mann dafür und bringt alles mit was es braucht, um eine neue solide Balance und Basis für Raiffeisen zu legen. Da ändern auch die weitgehend grundlosen ASE-Vorwürfe gegenüber Lachappelle wohl weitgehend von frustrierten Bankangestellten hies- und diesseits des Jura nichts. Bravo an LH für die Aufdeckung des Raiffeisenskandals, pfui für die grundlose Schmutzkübelkampagne gegenüber einem integren und guten Kandidaten.

  13. als neuer ceo wird sich kaum ein relevantes kaliber finden lassen. die regionalfürsten wollen für ihre machterhaltung einen parlamentsbetrieb einführen welcher dann mit sicherheit rot gefärbt sein wird. diesen „fruchtsalat“ zu führen ist eine reine energieverschwendung. offenbar liess sich auch für fehlzünder lachapelle keine adäquate variante finden. nur an aufräumen haben die wenigsten spass. kurt sidler kennt man in seiner rolle. wischiwaschi bis hintenhinaus. auf eigene vorteile bedacht. windfahne. fazit: raiffeisen startet mit „optimalen“ voraussetzungen in die anspruchsvollste phase in ihrer geschichte. :):):):):)