Sergio Ermotti kauft sich Prime-Time bei Ringier

Exklusiv-Auftritt mit Bahnhofstrassen-Prunkpalast in Medienhaus – Dort ist UBS-CEO Ermotti neuer Grosssponsor.

Wie kaufe ich mir schöne Propaganda, ohne dass es gleich jeder merkt? Sergio Ermotti lieferte soeben die Antwort. Im gestrigen SonntagsBlick darf der UBS-Chef seinen Palast präsentieren. Dessen Umbau verschlang 200 Millionen.

Vom Stift zum König: Blick macht den Sergio. (Quelle: SoBli)

Nun erstrahlt das herausgeputzte UBS-Headquarter mitten an der Bahnhofstrasse in Zürich in frischem Glanz, mit jedem erdenklichen Luxus für seine Spitzenleute.

Noch besser: Das teure Bauwerk erlaubt es Ermotti, sich als Mann seiner Mitarbeiter zu inszenieren. Einer wie wir, so die Botschaft.

Der Auftritt im Massenblatt hat System. Ermotti zählt in den Ringier-Medien, wozu der SonntagsBlick gehört, zu den Säulenheiligen. Er steht über jeglicher Kritik.

Dort schafft es der schlaue Tessiner mit jeder Selbstinszenierung prominent in die Spalten. Prunkbau, Schwulen-Parade, Hau-die-Six – immer nutzt Ermotti die Allzeit bereite Ringier-Presse, um zu punkten oder zu prügeln.

Ich bin auch dabei: Ermotti, Pride Lugano (Quelle: Blick)

Wie geht das? Ganz einfach: Eine enge Liaison mit Vertrauten und Geld sorgt dafür, dass die Achse UBS-Ringier läuft wie geschmiert.

Angefangen hat es mit Krediten der UBS für das Medien-Familienunternehmen. Es folgten zwei Verwaltungsräte von Ermottis Gnaden im obersten Gremium von Michael Ringier, dem Patron.

Seither gibt es kein Halten mehr. Immer wenn es in der Bankenindustrie kracht und die Kurse der zwei Schweizer Grossbanken taumeln, wird Ermotti in der Ringier-Presse gefeiert und sein Counterpart Tidjane Thiam von der CS gescholten.

Hoch leben lässt Ermotti die Bilanz. Das Managermagazin aus dem Hause Ringier lobt den UBS-Chef für seine weise Nachfolgeplanung.

Kein Wort, dass mit Martin Blessing ein Ex-Abwracker der deutschen Commerzbank in der Pole-Position steht.

Chefs in Blau: Handelszeitung, UBS (Bild: KMUimpulse)

Richtig wohlig eng wird die Liaison zwischen Ringier und UBS-Ermotti bei der Handelszeitung. Dort posiert der Chefredaktor zusammen mit UBS-Spitzenleuten für ein neues Magazin.

„KMUimpulse“ heisst es, „Ein Magazin von UBS, Handelszeitung und Le Temps“ steht in der Unterzeile.

Win-Win: UBS leistet sich ein Blatt

Die UBS finanziert das Ganze, derweil die Handelszeitung ihre redaktionellen Ressourcen auslasten kann und der Verlag – es handelt sich um ein 50:50 von Ringier mit dem deutschen Axel Springer – frische Umsätze generiert.

Ermotti reibt sich darob die Hände. Er geniesst in den Ringier-Medien quasi uneingeschränkte Protektion. Kritik an Sergio und seiner UBS? Ist nicht zu erwarten, zumindest nicht im harten Stil.

Das zeigt exemplarisch die Story im gestrigen SonntagsBlick. Die 200 Millionen für den Umbau werden als „Richtgrösse für Hauptsitze“ von Schweizer Grossfirmen bezeichnet.

Luxus, Prunk, Palast, Herrscher-Allüren? Kein Thema des Finanzmultis, sondern Normalfall in der reichen Schweiz.

Und Herrscher Ermotti als einer wie Du und ich.

„Ermotti hat eine Banklehre bei der Cornèr Bank im Tessin absolviert und stand anschliessend, im Jahr 1979, in der Filiale in Lugano Paradiso am Schalter“, schreibt die Zeitung.

Die Nettigkeiten erhält der UBS-Bigboss im Vergleich für seinen 200-Millionen-Umbau günstig – für ein bisschen Print-Kooperation und ein paar Interviews.

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26 Kommentare zu “Sergio Ermotti kauft sich Prime-Time bei Ringier

  1. Der „teuerste Schalterbeamte“genannt zu werden hat Ermotti sicher gefreut. Luke, für die Geschichte wieder einmal auf die Dunkle Seite gerutscht und zusammengeschrieben, was nicht zusammen passt.

  2. Der Marmor erinnert an die alten Zeiten (ein letztes Aufbäumen?). Und erstaunlich, dass die UBS ein Kaliber wie Georg Clooney für Blick Marketingzwecke gewinnen konnte. Aber im Ernst – der Umbau hat einiges verschlungen. Einmal mehr wird deutlich, dass der gemeine Bankkunde mit überrissenen Gebühren und unnützen Produkten über den Tisch gezogen wird, ansonsten wäre ein solcher Umgang mit Einnahmen gar nicht möglich. Anstatt in Marmor, würde man sich lieber für die Zukunft fit machen – Komplexität rausnehmen, Innovationen raushauen, bisheriges überdenken und einfach bescheidener werden.

  3. Wenn ich an UBS denke, sehe ich den Tanker im Film Seaworld: der Tanker mit der Crew – alles Trickser auf dem rostigen Schiff, ohne Ziel auf dem Ozean unterwegs. Mehr Löcher als Stahl und was für Figuren an Board. Sowie UBS wir auch der Tanker irgendwann auflaufen und sinken. Wer da heute noch nicht weg ist – Kunden wie Mitarbeiter, ist selber schuld.

  4. Die 200M sind viel Geld ja, für uns Normalbürger besonders. A B E R: Dieser Umbau „hält“ sehr locker für die nächsten 10J, vermutlich eher für 15-20J, also rechne: Der jährliche Abschreiber dafür beträgt also mickrige 15M/per annum, Betrag den die Bank mühelos aus der Portokasse nimmt..

    An all die Meckerer, die sich jetzt am Marmor und Kirschbaumholz enervieren:
    Die grosse Bankhalle im Parterre stand und steht unter
    Denkmalschutz; darf also weder verändert, umgebaut und schon gar nicht abgerissen werden, Gott-sei-Dank. Es musste also Weg gefunden werden diese geschützte Einheit elegant, neuzeitlich und modern mit den Neubauten zu verbinden.

    Meiner Ansicht nach ist dies hervorragend gelungen, ein Meisterwerk, B R A V O ! Umbaukosten sind in drei Jahren vergessen (und vermutlich auch abgeschrieben) Dass sich der CEO darin nun etwas suhlt, naja, ist ja menschlich und verständlich..

  5. Irgendwie muss man das Selbstbewusstsein stärken, wenn der Aktienkurs nicht zufrieden stellt. Es hilft, wenn man das Selbstbild in die Welt propagandiert und sich in 3 Jahren (sic) einen standesgemäßen Hauptsitz errichten lässt.

    Denn die Besten haben nur das Beste verdient. Und weil sie nun das Beste haben, müssen sie auch die Besten sein.

    Nun aber genug vom Mittelmaß, wie geht es den Ermittlungen um die ChainIQ

  6. Wann werden Signor Eros Ranzotti und Herr FirstclassmitmeinerFrau Weber endlich durch je ein Algorithmus mit projezierender Hologramm Funktion ersetzt ?

    Das selbe für Monsieur «ich-könnte-Président-der-Elfenbeinküste-werden» und Rohner das Filmfestspielwunder.

    Millionen gespart und endlich die richtigen Entscheidungen.

  7. Also mir gefällt der renovierte Hauptsitz. Bin sicher, dass sich auch viele Einwohner und Touristen sich darüber freuen.

  8. Das ist doch gut! Oder? Ich glaube, de Ermotti entwickelt sich wie der Ogi der Wirtschfat: einfach, Volksnahe und bescheiden…. die Zürcher – Finanzkreise und Polit-Konservative wollten immer das haben, leider zwischen der Urbanen – Agglomeration hat man niemanden geeignet gefunden…aber jetzt der Ticinese aus Sessa hat doch geschafft….besser könnte nicht mehr gehen, oder?

  9. Big Deal… Im Ernst jetzt, das ist doch alles Käse, der nur noch Zurückgebliebene beeindruckt. Was interessiert ist der Riesen-Munster-Käse (oder meinetwegen Gorgonzola) namens ChainIQ-Deal, der seit Jahren jetzt fürchterlich zum Himmel stinkt. – Was machen die Schlafmützen-Wegschauer? Die 3 Äffchen und sich weiterhin bloss mit Kleinvieh beschäftigen? Heiliger Bimbam! Aufwachen!

  10. Ermotti ist so authentisch wie der bei Otto’s konfiszierte Sito Moresco von Gaja. Wer nur auf die Verpackung schaut, hat schon verloren.

  11. Während diese „Häuser“ ihre Kunden filzen:
    Jede Gelegenheit wird benutzt zum Zirpen,
    Hauptsache Blendung kolossal und medial,
    was dunkelrot erscheint, ist diesen Furz- egal!

    Sollte man diese Typen an den Kursen messen:
    dann kannst du den ganzen Klimbim vergessen!
    Geben vor, sie könnten auf dem Wasser laufen;
    während Performance und die Aktien absaufen!

    Hauptsache diese Redaktionen sind am Loben,
    einen Siegeskranz für die Nonvaleurs dort oben!
    zweihundert Millionen für die neue Schalterhalle:
    da frägt sich schon: „Haben diese denn noch alle“?

    ORF

  12. Man kauft sich für viel Geld „Glaubwürdigkeit“ mit Marmor, Kirschbaumholz und riesigen Bildschirmskulpturen. Man markiert Kompetenz in Form von Reizüberflutung statt mit integrer Leistung.

    Sieht man sich die Performance dieser Player UBS, Credit Suisse und neuerdings Deutsche Bank an, so müssten sich diese Herren stattdessen mit einfachen IKEA-Möbeln begnügen.

    Gerne würden wir alle den abgehobenen Leadern Ermotti, Rohner, Kielholz etc. beim Montieren dieser Möbel zusehen.

    Eine solche Leadership-Geste wäre schon einmal ein bedeutsames Signal für eine Transformation in die richtige Richtung.

    • Leading by example:

      Get your hands dirty. Do the work and know your trade…….

      …….and IKEA is affordable.

  13. „Richtgrösse für Hauptsitze“, dabei wirkt die Eingangshalle muffig und altbacken. Dieser Eingangsbereich wird keine 10 Jahre so sein, weil sie nicht für fortschrittliches Banking steht, ebenso könnte der Bereich auch Aufbahrungshalle sein! Aber kein Problem unter CEO Walder, den Chefredaktoren Cavelty und Trump-Gümperli Dorer, für jede Peinlichkeit gut, verludert der „Journalismus“ an der Dufourstrasse zusehends und die Ringier-Erzeugnisse werden zu gekauften Hofblättern von Ermotti und der UBS! Dass dabei nie kritisch auf die Entwicklung der UBS un deren Aktienkurse eingegangen wird versteht sich. Einerseits fehlt den BLICK-Journis die Kompetenz für Wirtschaftsthemen, anderseits müssen sie sich an die internen Maulkorb-Richtlinien halten! Leute die aus dem Hause Ringier Journalismus fordern müssen „Franz und Fränzi“ kaufen!

  14. Ringier – in meinem Keller lagert eine gute Flasche Burgunder. Diese werde ich trinken, wenn Ringier endlich pleite geht!
    Das ist einer der schlimmen Konzerne der Schweiz!
    Stichworte: ChainIQ, Vincenz-Gate, EY-Sumpf

    • „Munster-Käse“ ist noch zu milde ausgedrückt. Sürströming wäre wohl der passende olfaktorische Vergleich.

    • @nur Saft
      Da wär ich nicht so sicher. Mal den Free Cash Flow von Ringier angeschaut? Und das in der Hochkonjunktur.
      Sieht nicht gut aus.

    • NZZ – in meinem Keller lagert eine gute Flasche Bordeaux. Diese werde ich trinken, wenn die NZZ endlich pleite geht!
      Das ist einer der schlimmen Konzerne der Schweiz!
      Stichworte: Swissair, 2. Säule Verarschung, abhängiger Polit Filz, einseitiger Lakai Dienste