Raiffeisen: Stellen-Abbau bei Arizon

Computer-Tochter neu statt bei Avaloq bei Genossenschaftsbank führt zu Härtefällen – St.Gallen: „Nur wenige betroffen“.

Das Hin und Her bei der Raiffeisen-Informatik führt zu einem nächsten Stellenabbau. Rund 10 Prozent der gegen 250 Mitarbeiter von Arizon – das ist die IT-Firma, die nun zu Raiffeisen statt zur Avaloq geht – könnten ihre Stelle verlieren. Sprich: 25 Informatiker müssen das Aus befürchten.

Das sagt ein Insider. Bei der Raiffeisen Schweiz spricht man von Einzelfällen. „Wir gehen heute davon aus, dass nur wenige Stellen betroffen sind“, sagt eine Sprecherin der Genossenschaftsbank.

Man wolle Entlassungen möglichst verhindern. „Neben der Ausnützung natürlicher Fluktuation stehen vor allem Massnahmen wie gruppeninterne Platzierungen und allenfalls frühzeitige Pensionierungen im Vordergrund.“

Es bleibt vermutlich ein Rest, der nicht aufgefangen werden kann. Für diese Mitarbeiter gibt sich die Raiffeisen-Zentrale als soziale Arbeitgeberin.

„Falls es zu einem Stellenabbau kommt, wird Raiffeisen Schweiz ihre soziale Verantwortung in vollem Umfang wahrnehmen und für alle Betroffenen optimale individuelle Lösungen finden.“

Laut dem Gesprächspartner ist der Bankpersonalverband aktiv geworden. Wie genau, bleibt vorerst offen. Die Chefin der externen Gewerkschaft reagierte gestern nicht auf Anfragen.

Das Ziel der Raiffeisen-Chefs, angeführt von Rolf Olmesdahl, der als neue starke Figur in der operativen Führung in St.Gallen gilt, dürfte es sein, einen Sozialplan zu verhindern. Ob das gelingt, hängt davon ab, wieviele Arizon-Informatiker am Ende entlassen werden.

Der Entscheid, wer von den 250 Arizon-Leuten mit Ablegern in St.Gallen und in Dietikon ZH „überlebt“ und wer keinen Platz in der Raiffeisen mehr findet, soll bis Ende Februar fallen, sagt die Quelle.

Der anstehende Abbau ist das letzte Kapitel einer Never-ending Story namens „Raiffeisen-Informatik“. Begonnen hatte sie in den Nuller Jahren. Damals gab es eine erste Tochter mit diesem Namen: die Raiffeisen Informatik AG in Dietikon.

Die Firma hatte zum Ziel, für die Raiffeisen-Gruppe mit ihren vielen rechtlich unabhängigen Raiffeisen-Banken im Lande ein neues, zentrales Computer-System auf die Beine zu stellen. Das alte namens „Dialba“ war genau das: alt.

Das Vorhaben scheiterte, die Übung wurde abgebrochen. Raiffeisen Informatik AG wurde aufgelöst, ihre Aktiven die Raiffeisen Schweiz übertragen.

Unter Patrik Gisel, dem Stellvertreter des starken Pierin Vincenz, erfolgte ein zweiter Anlauf, diesmal mit der IBM. Nach 2010 ging es los, und der Plan war, dass der US-Multi diesmal das Problem lösen könnte.

Erneut folgte die grosse Ernüchterung. Vincenz-Gisel auf der einen und die IBM-Chefs auf der anderen Seite verkrachten sich, es folgten Klagen und Rechtskonflikte, die ins Geld gingen.

Und einen neuen Computer gab es immer noch nicht. 2014 schliesslich trat Francisco Fernandez, der umtriebige Gründer und Chef von Avaloq, auf den Plan.

Hey, mir geht’s saugut: Fernandez (Bild: ETH)

Er und Vincenz machen einen grossen Deal: Arizon, ein 51:49-Jointventure, soll der ganzen Raiffeisen und später weiteren Inlandbanken eine neue Informatikheimat bauen.

In drei Jahren, für 500 Millionen. Nun wurden daraus 4 Jahre und wohl 750 Millionen, je nachdem, wie man rechnet. Keine Katastrophe, vergleicht man dies mit dem neuen System, das die UBS in den Nullerjahren gebaut hatte. Das Vorhaben kostete zuletzt wohl 4 Milliarden, budgetiert war eine.

Soweit, so klar. Was neu ist: Die Idee mit dem Insourcing – gemeint ist, dass die Arizon viele weitere Banken als Auftraggeber an Land zieht – ist gestorben. Das würde bedeuten, dass die ganze Kalkulation, auf der die Übung basierte, über den Haufen geschmissen wurde.

Was das zuletzt kostet? Die Raiffeisen Schweiz hat letzte Woche knapp 70 Millionen Abschreiber vermeldet. Mehr sollen es nicht sein. Doch das Ganze bleibt undurchsichtig. So verschwiegen die Raiffeisen-Chefs, dass es zu einem Stellenabbau kommt.

Kommentare

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  1. und was bitte ist Casalino???? Raiffeisen Online Tanzt nun so ein ChatBost…… er will mir fragen beantworten.hä? nechster stellenabbau

  2. Jetzt plötzlich ist für Herrn Hässig die Einführung von Avaloq doch ein Erfolg…voilà!

    …und dies wird von den möglichen Entlassungen nur bestätigt. Ziel Kostensenkung!

    LG

  3. Oh. Dark clouds on the Arizon!

    Even though they are not in the cloud yet. (By the way, just remember: There is no cloud! It’s just somebody else’s computer.)

    Anyway, it looks as if there is a change with respect to the Bible:
    At Arizon / Raiff-izon, the deluge occurs *after* the rainbow.
    (In German: Hier folgt Sintflut folgt auf den Regenbogen … )

  4. Wer’s glaubt! Hatte letztes Jahr ein Vorstellungsgespräch bei Arizon in Dietikon. Im Inserst ging es um eine Festanstellung; bei der Vorstellung war von einem jährlich befristeten Vertrag gesprochen. Das sei üblich bei Arizon; so lässt es sich einfach abbauen über normale Fluktuationen. Dass die Raiffeisen für viele eine Stelle finden soll; hat Vinzenz beim Zusammenschluss der La Roche und Notenstein auch gesagt; gekommen ist es anders!! Es wird wohl auch jetzt so sein!!

  5. bevor so ein Schrott geschrieben wird, mal abklären wie viel neuer Avaloq als Dialba ist. Da könnte man noch staunen.

    • Lieber Osterhase

      Ich weiss schon lange, dass es Dich gar nicht gibt!

      Und selbst wenn es Dich gäbe: Was verstündest Du schon von der Alba? Oder von Eva Loq?

  6. Wenn nur jedem 2. externe von Arizon und RCH IT die Verträge nicht mehr verlängert werden würde, müsste keinem einzelnen internen MA gekündigt werden.

  7. Eine Massenentlassungen nach OR 335d ist unangenehm. Darum wird gerne „ohne Zusammenhang“ gestaffelt abgebaut. Lohnt sich nicht, weil das ganze in diesem Fall erst recht juristische Angriffsfläche erhält.

    • Sorry, voellig falsch. Grosse Firmen praktizieren dies seit langem. Betroffene sind machtlos – wie soll ein Einzelner das beweisen resp. den Anwalt bezahlen.
      Behoerden schauen weg weil sie Angst vor Wegzug der Firmen haben. Siehe UBS…

  8. Corporate Communications, Lektion Nummer 1:

    Lüge was das Zeug hält. Denn Lügen ist von Rechtens wegen nicht strafbar.

    Hauptsache im Moment steht man als Company gut da.

    Später kannst du falls nötig demütig berichtigen und wenn es unbedingt sein muss, auch kleinlaut entschuldigen.

  9. Wer glaubt, dass von den 250 MA’s nur 10% betroffen sind und der Rest über normale Fluktuationen abgefedert wird, sollte sich um einen Job beim Osterhasen bemühen. Grosse Teile von Arizon wurden identisch zur bestehenden RCH Organisation aufgeblasen. Ok, wenn man die Arizon GL anschaut, fallen von den 25 MAs schon mal 3 weg – dann sind es ja nicht mehr so viele.
    Es grenzt an schiere Frechheit – 3 Jahre lang die Maschinenraum-Crew im Rainbowprogramm prügeln (da wäre noch die Frage warum Seco nicht schon längst hingeschaut hat) – dann heuchlerisch den Bonus kürzen und als krönenden Abschluss einen Tritt in den Allerwertesten.

  10. Da offiziell seit Jahren ein Fachkräftemangel herrscht, und Digitalisierung kommt, finden die Leute bald einen Job.

    🤥🤥🤥

    • Die RCH sollte sich nicht den Anstrich einer Genossenschaft sondern von einer AG geben, dann wissen die Mitarbeiter wenigstens, dass sie genau so gut bei UBS oder CS arbeiten könnten. Hire, squeeze them out & fire (and forget)!

    • Genossenschaft = Jobgarantie?!

      Also bitte, es ist Aufgabe der Genossenschaft zu schauen, dass diese überlebensfähig ist, zum Wohle der Genossenschafter.

      Ich als Genossenschafter bin froh darüber.

  11. Ist doch kein Problem für die 25 Informatiker, es herrscht ja Fachkräftemangel und somit werden sie mit Angeboten überhäuft 🙂
    Oder existiert dieser angebliche Fachkräftemangel eventuell gar nicht?

    • es herrscht nur Mangel an top qualifizierten Fachkräften, die für 25,- Fr. die Stunde arbeiten wollen!

    • Ja genau, nur der Mangel wird nicht mit Fachkräften aus der Schweiz beglichen sondern durch billigere Kräften aus dem Ausland. Sicherlich, schlussendlich wird’s dann wieder teurer, die Mänätscherlis denken aber kurzfristig im Hier und Jetzt!

  12. Die Zeit bringt unaufhaltsam
    neue Entwicklungen hervor,
    neue Gefahren und Chancen.

    Richard von Weizsäcker
    * 15. April 1920 † 31. Januar 2015

  13. IT Firmen die sich auf Banken spezialisieren weisen eine Ueberkapazität auf, Credo die IT bei den Banken in der Schweiz sind überdimensioniert, denn von über 2,5 Mio. Kunden bei der Banken, verbleiben höchsten noch knapp 1,5 Mio., man vergisst den Abfluss von Vermögenswerten und das Saldieren von Kontostämmen. Beim Brexit wird der Abfluss von Assets aus der Schweiz bzw. aus dem EU Raum noch dramatischer.