Bär kickt Risky-Reiche, Hodler-Boys zittern

Rekordhohe Vermögen – Bank nimmt heissen Oligarchen von CS, trennt sich von anderen – Compliance-Darling geschasst.

Die Julius Bär als wichtigste Pure-Play-Vermögensverwalterin auf dem Platz Zürich ist in voller Generalüberholung. Die Zahlen von heute geben einen ersten Einblick in die Häutung.

Die verwalteten Kundengelder schossen von Januar bis April um über 10 Prozent auf 427 Milliarden hoch. Neuer Rekord – Börsenhype sei Dank.

Schöne Zahlen, versteckte Probleme: Bär-Zwischengewinn

Wirklich überzeugen kann die Bär aber nicht. Jedenfalls ist ihr Aktienkurs nach einer Erholung wieder Richtung 40 Franken abgestürzt.

Runter, hoch, runter: Trend zur Schwäche (Swissquote)

Gleichzeitig mit der Jubelmeldung über die verwalteten Vermögen gibt die Bär-Bank bekannt, dass sie sich nun von „heissen“ Kunden trennen würde.

Eine „geringe Anzahl Kundenabgänge im Zusammenhang mit dem laufenden Projekt zur Beurteilung des Kundenrisikos (hat) ebenfalls gewisse Spuren“ hinterlassen, sagt die Privatbank heute früh.

Was harmlos daherkommt, hat es in sich. Die Bär-Chefs haben begonnen aufzuräumen. Ihnen bleibt offenbar nichts Anderes mehr übrig. Aufsicht im Haus, Enforcement-Verfahren am Laufen – happig.

Die Umkehr kommt spät und zögerlich. Unter dem alten Chef Boris Collardi und seinem Mann für alle Risiken Bernhard Hodler – dem heutigen Bär-CEO – wurde allen Oligarchen&Reichen die Hand ausgestreckt.

So kam auch ein Georgier namens Iwanischwili vor ein paar Jahren mit mehreren Hundert Millionen Dollar zur Julius Bär. Der gleiche Iwanischwili führt gegen die CS wegen eines Grossbetrugs von dessen CS-Bankers in Genf eine gigantische Juristenschlacht.

Superreiche wie Iwanischwili, die für jede Bank zum Albtraum werden können, wurden vom Duo Collardi-Hodler ohne zu zögern aufgenommen. Mehr Neugeld, egal von wem – so das Motto.

Die Compliance spielte mit. Ihre Chefs verdienten viel Geld. Im Gegenzug sahen sie weg. Eine Truppe, die ihre Aufgabe nur auf dem Papier erfüllte – und teils nicht einmal dort.

Besonderen Anschauungsunterricht ins fast schon aktive Wegsehen der Compliance-Verantwortlichen liefert der Fall Vincenz.

Yves Bonnet, der Chef Front Compliance von Julius Bär, war ab Sommer 2015 im Bild über heisse Transaktionen zwischen dem Raiffeisen-Boss und seinem Intimus aus langjährigen Partnerschaften.

Bonnet sagte am Ende einer Konferenz, bei dem über die Gefahren von Vincenz und seinem Kollegen als Kunden bei der Bär diskutiert wurde, dass er die Vorbehalte verstünde, dass er aber Vincenz und dessen Kollegen eine letzte Chance geben würde.

Es dürfe nichts mehr passieren, sonst würde durchgegriffen. Ein paar Monate später kam die nächste fragwürdige Zahlung aufs Tapet. Reaktion Bonnet: keine.

So ging das bei Bär. Compliance für die Kulisse, damit die Beamten bei der Finma in Bern nichts herumzumäkeln hätten.

Erst mit den zahlreichen Geldwäscherei-Explosionen rund um Kunden aus Venezuela, dem Fifa-Komplex, Brasilien und den Fällen Vincenz und weiteren in der Schweiz bekamen die Bär-Chefs kalte Füsse.

Nun scheinen sie erstmals Abhilfe schaffen zu wollen. Dass diese Umkehr weg von Laisser-faire hin zu professioneller Prüfung unter der Führung von Bernhard Hodler passiert, entbehrt nicht einer Portion Ironie.

Hodler verkörperte die alte Wegschau-Kultur wie kein Zweiter. Er liess zu, dass Collardi alle Hot Clients zur Bank bringen konnte, winkte die Neuzugänge durch, opponierte nie.

Eine Art Gisel der Bär-Bank: die gefügige Nummer 2 des Tutti-Guys auf dem Thron – in der Hoffnung, dereinst zu dessen Nachfolger gekürt zu werden.

Dass es nun tatsächlich zu einer Gezeitenwende in der Bär-Compliance kommen könnte, darauf deutet eine aktuelle Personalie hin.

Soeben wurde nämlich eine der bekanntesten internen Compliance-Frauen entlassen. Sie galt als Liebling der Compliance-Chefs, allen voran Oberboss Roman Baumgartner. Ihr durfte keiner zu nahe treten.

Im Compliance-Bereich gab es Massenabgänge guter Leute, die ihren Job – das Begrenzen von Risiken und das Einhalten von Vorschriften – ernst nahmen. Sie hielten es nicht mehr aus an einem Ort, in dem Vetterliwirtschaft wucherte.

Bei Bär heisst es, die Kaderfrau habe einen guten Job gemacht, und es sei nicht zu Kündigungen als Folge ihres Führungsstils gekommen. Deren Abgang sei allein die Folge des beschlossenen Sparprogramms. Bei diesem werden rund 140 Jobs gestrichen.

Kommentare

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  1. Die Übung Atlas scheint nun nicht mehr nur als Feigenblatt missbraucht werden zu können und sie fordert auch intern die ersten Opfer.
    Gleichzeitig schasst man Leute, deren Background für eine einigermassen schadensminimierende Vorgehensweise stünden und ersetzt sie dann mit jungen Studienabgängern, deren Erfahrungen mit dem Wort Trust sich auf englische Liebesfilme beschränkt.
    Baer-ish halt…

  2. Schon klar, dass Bär nun behaupten muss Ls Führungsstil hätte nicht zu Kündigungen geführt. L war bekannt dafür ihre Mitarbeiter zu drangsalieren bis sie freiwillig gegangen sind. Intern war das jahrelang bekannt. Mehrere Beschwerden von ehemaligen Mitarbeitern bei HR, Baumgartner und sogar Hodler haben nichts genutzt. So hat Bär viele guten Compliance Officer verloren, als sie diese dringend nötig hatte.

  3. Paraphrasierung der TV-Serie „Game of Throne“……. Der Winter ist nun da und für das kleine JB-Königreich ohne echte Führung ist die Zeit reif für die Abrechnung. Die Drachen fliegen bereits über ihre Köpfe, bereit, alles zu verbrennen, wenn sie sich nicht mit einem größeren Königreich verbünden. (Pictets Königreich will die Soldaten, aber nicht die schlechte Führung)…. Werden sie alle verbrannt oder werden sie zustimmen, sich zu ergeben und sich dem neuen (alten König) zu unterwerfen?

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

  4. Konsequenz aller Probleme bei JB ist die seit längerem herrschende miese Stimmung in der Belegschaft. Innerlich viele abgelöscht und demotiviert. Unfähige Compliance Officer, Steinzeit IT, ungenügende Performance, etc.
    Dieses Boot ist nicht mehr auf Kurs. Boris, mach vorwärts mit dem Umbau in Zürich!

  5. Hodler & Co. ist auch nur ein Kurzaufenthalt – in spät. 2 Jahren ist diese Crew auch nicht mehr am Platz – denn auch Baer tätigt das Privat Banking lediglich zu Gunsten der Bank und nicht im Interesse des Kunden. Das Real PB Schweiz ist passe, deshalb meide ich seit 15 Jahren Bank Aktien.

  6. Grüezi Hr Hässig. Auch wenn Sie 1000 mal versuchen, Prokuristen- & Vizedirektoren – Slang zu imitieren – Sie gehören nicht dazu.

  7. Vor allem für ausländische Kunden verkommt die JB Compliance zur Hölle. Vor allem wenn sie steueroptimiert wohnen und Geld verdienen. Neuerdings wird jedes kleinste Detail auf die Goldwage gelegt und unzählige Erklärungen, Dokumente und am liebsten Legal-Opinions eingefordert. Die Bären sind keine Banker mehr, sondern der verlängerte Arm ausländischer Steuerbehörden. Selbst wenn diese in der Gesamtkonstellation kein Problem sehen.

  8. Im Schweizer Geschäft mit Schweizer Endkunden ist das Net New Money fast zum erliegen gekommen. Gian Rossi ind seine lauen Buddies sind ratlos. Die guten alten Zeiten sind definitiv bei dieser einst stolzen Zürcher Privatbank vorbei. Schweizer Kunden haben begriffen, dass dies für sie die falsche Bank ist. Hans Bär würde weinen.

    • Lieber Herr Senn,
      Sind Sie etwa einer der Berater, welcher gekündigt wurde?
      Der Markt CH ist ein Teil- gesamthaft sieht es nicht soooo schlecht aus.
      Jedoch muss ich Ihnen zugestehen- JA im Markt CH sind viele Farmer, welche nur die Zeit absitzen und nicht für den Kunden schauen.
      LG
      MadMax

  9. Also, ich habe jetzt zwischen die Bunhälften gekuckt und auch das Salatblatt, die Zwiebelringe und die Tomaten- und die Käsescheibe zweimal gewendet, aber where is the f***** Beef in der Story?

  10. Dass nun M.Eichmann (GWG-CHEF) eine Frau opfert damit er nicht selbst gehen muss, ist bezeichnend. Er selber sieht sich als Compliance-Profi – würde aber nirgends eine neue Stelle finden…

    • M. Eichmann hatte nichts mit ihrer Kündigung zu tun. Und sie war alles andere als ein “Opfer”.