Thiams Sohn war bei Gutachterin Homburger

Filius von CS-Chef absolvierte 2018 Praktikum bei Anwaltskanzlei, die Bank-CEO frei von Spionage-Schuld spricht – Unabhängigkeit?

Tidjane Thiam hat nichts von der Überwachung seines einstigen Spitzenmanns bei der CS, Iqbal Khan, gewusst; so das Fazit der Zürcher Homburger Anwaltskanzlei vor Wochenfrist.

Nun zeigt sich, dass Thiams Sohn aus erster Ehe letztes Jahr ein paar Wochen lang bei Homburger gearbeitet hatte. Der Filius des Credit Suisse-Chefs war Praktikant und kümmerte sich um Nicht-Banken-Fälle.

Ein Interessenkonflikt bestehe nicht, sagt eine Auskunftsperson. Das Praktikum des Sohns des CS-CEOs sei kurz gewesen und inzwischen abgeschlossen.

Zudem seien solche Schnuppereinsätze normal bei den grossen Zürcher Wirtschaftskanzleien, hiess es. Jedes Jahr würden Dutzende junger Juristen und angehender Anwälte solche leisten.

Ein Sprecher der Homburger-Anwälte wollte nichts zum Einsatz des Thiam-Sohns sagen. Die CS reagierte nicht auf Anfragen.

Der Bericht der Homburger Anwälte fiel für den operativen Leiter der CS positiv aus. Dieser sei von seinem engsten Mitarbeiter im Dunkeln darüber gelassen worden, dass der Ex-Topbanker von seiner eigenen Firma ausspioniert würde.

„Die Untersuchung ergab keine Hinweise, dass der CEO die Überwachung von Iqbal Khan genehmigt oder vor dem 18. September 2019 Kenntnis von der Überwachung gehabt hätte“, halten die Homburger-Anwälte in ihrem Bericht vom 30. September fest.

Die Überwachung sei allein von Pierre-Olivier Bouée, dem Chief Operating Officer der CS, angeordnet worden.

„Als die UBS AG am 29. August 2019 die Anstellung von Iqbal Khan ankündigte, beauftragte der Chief Operating Officer (COO) der Credit Suisse einen Mitarbeiter der Credit Suisse damit, eine Überwachung von Iqbal Khan einzuleiten.“

Homburger: 2018 Thiam-Sohn, 2019 Thiam-Freispruch

Stimmt diese Version? Laut den Homburger-Anwälten waren nur genau diese beiden CS-Mitarbeiter im Bild. „Weitere Mitarbeitende waren nicht involviert“, halten sie in ihrem Bericht fest.

Letzten Samstag meldeten dann die NZZ und der Tages-Anzeiger, dass die Strafbehörden von Zürich ihre Ermittlungen rund um die Khan-Beschattungsaktion auf weitere CS-Mitarbeiter ausweiten könnten.

Laut Tages-Anzeiger sei es möglich, dass die Strafermittler nun „CS-Mitarbeiter befragen“ würde. Die Bank meinte gegenüber der Zeitung, sie würde die Anfragen der Ermittler „beantworten“.

Die Unabhängigkeit der Homburger-Anwälte war schon vor dem Schlussbericht der Kanzlei ein Thema in den Medien.

General Counsel mit Homburger-Wurzeln: Cerutti (CS)

Der SonntagsBlick setzte ein Fragezeichen hinter die Glaubwürdigkeit der Kanzlei, weil deren oberster Partner mit einer UBS-Verwaltungsrätin liiert sei. Der beschattete Khan wechselte fliegend zur UBS.

Die Frau war zuvor Anwältin bei Niederer Kraft Frey (NKF), wie Homburger eine führende Wirtschaftskanzlei auf dem Platz Zürich. Nach der Wahl ins UBS-Spitzengremium vor 7 Jahren verliess sie die NKF.

Eine weitere Personalie interessiert rund um die Frage, wie unabhängig die Homburger-Anwälte bei CS-Aufträgen ist. CS-Chefjurist Romeo Cerutti war Anwalt bei Homburger, bevor er via Lombard Odier zur CS stiess. Cerutti gilt als engster Vertrauter von CS-Präsident Urs Rohner, der Homburger für die Khan-Untersuchung ausgewählt hat.

Kommentare

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  1. Das Fehlen bzw. Nichtfinden eines Hinweises, dass Thiam von der Beschattung Khans etwas gewusst hat, ist noch lange keine Beweis, dass Thiam von der Beschattung nichts gewusst hat.

  2. Das erinnert sehr an das „Praktikum“ das der Sohn eines Eisenbahn Fabrikanten in der CS erhalten hat. Die Mitarbeiter waren verärgert. Erstens gab es dieses Format gar nicht in der Bank. Es war offensichtlich eine Extrawurst für den Fabrikanten und seinen Sohn. Zweitens hatten die Mitarbeiter Schulungsmodule absolvieren müssen zum Thema Bestechung. Wozu, wenn sich der Alte nicht daran hält? Der Area Head flog dann irgendwann zur Bank hinaus, wegen anderer Leistungen. Der Fabrikant liess sich nicht lumpen und verschaffte dem Mann ein CEO Pöstli in seinem Konzern.

  3. Wie unabhängig können Guteachten sein für die der Auftraggeber viel Geld ausgegebn hat ? Nein Homburger kann alleine schon des Geldes wegen nicht unabhängig sein. Das kann nur die Staatsanwaltschaft oder allenfalls die Finma sein.

  4. Die CS ist seit vielen Jahren ein sehr lukrativer Klient von Homburger, die haben schon Millionen mit der CS verdient. Ungezählte Mandate!!
    Die haben somit genau das geschrieben, was der CS nützt. Wollen auch in Zukunft Mandate erhalten.
    Was soll also diese absurde Pressekonferenz? Lächerliches Theater!!

  5. Diese CS bzw. deren oberste Funktionsträger sinkt/sinken immer weiter. Wie können diese anscheinend völlig überheblichen Leute nur denken, dass solche Vernetzungen nicht an die Oeffentlichkeit kommen…? Unter Glaubwürdigkeit verstehe ich etwas anderes: Weg mit dem VRP und dem CEO.

  6. Was meint ächt Frau Prof. Dr. iur. Monika Roth dazu? Bitte beglücken Sie uns Rechtsunkundige mit einem weiteren luziden Lehrbuechaufsätzli!

  7. Insgesamt gibt es zuviele Gründe, die dafür sprechen, dass das Mandat nie hätte angenommen werden dürfen. So ist das Gutachten das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Der Anschein der Befangenheit genügt. Mal abgesehen von den inhaltlichen Widersprüchen und dem sehr beschränkten Untersuchungsumfang und -gegenstand.

  8. solche von cs ‚gekauften‘ anwaltsberichte gehen auch an die finanzmarktaufsichtsbehörde!

    diese nimmt zur kenntnis und tätigt keine weiteren abklärungen. wenn es dann im nachgang dennoch kritisch wird, legt sich die finma aus eigeninteressen einfach elegant mit ins bett der entsprechenden bank! unabhängigkeit wie auch die angeblich seriöse aufsichtstätigkeit ist somit nur noch rein theoretischer natur.

  9. Echt? Ein paar Wochen Praktikum eines Sprösslings soll die Unabhängigkeit gefährden? Ich gehe mal davon aus/hoffe, dass Homburger deutlich bessere/lukrativere Gründe für Befangenheit haben 😉

  10. Die Frage sollte sein: Warum nicht der Wirtschaftsprüfer/Externa Auditor den Fall analysiert hat. Praktisch ist beim Anwalt, dass weitere Auskünfte den Klienten/Anwalt Privileg unterstehen. Da hat eine Black Box die andere untersucht.

  11. Es scheint der Führung der CS hervorragend gelungen zu sein, die ganze Berichterstattung auf die juristische Ebene zu ziehen. Die Strategie lautet: so lange dem CEO keine juristische Mitschuld nachgewiesen werden kann, bleibt seine Weste unbefleckt und er im Amt. Natürlich ist die juristische Aufarbeitung notwendig, aber die ist Sache der Staatsanwaltschaft. Beim CEO müsste es vielmehr um Führungsverantwortung gehen. Immerhin ist der Fall nicht irgendwo in London passiert, sondern direkt vor seiner Nase. Deshalb bleibt er verantwortlich, auch wenn er möglicherweise juristisch nicht belangt werden kann. Offenbar schauen wir zu viele amerikanische Gerichtsserien, dass uns so etwas nicht mehr auffällt.

    • Jedermann weiß,
      Am Ende ist die Weste weiss.
      Die Advokaten vollbringen ihre Pflicht,
      Den Rest erledigt das Gericht.
      Sollte dies mal nicht der Fall zu sein,
      Tritt die erste Regel ein.
      Der Beschattungskrimi war kurios,
      Er legte skurrile Animositäten bloss.
      Eigentlich etwas für das Vorabendfernsehen,
      Ein normaler Mensch kann so etwas nicht verstehen.
      Zu abgehoben ist die Finanznomenklatura,
      Da staunt der Laie mit der Handelsmatura.
      Leute, findet wieder Bodenhaftung und Selbstreflexion,
      Das mindert auch die gegen Nachbarn gerichtete Aggression.
      Ich mache hier auch keine Psychogramme,
      Sondern koche mein Süpchen mit kleiner Flamme.
      Weder des Nachbars Baulärm haben mich je gestört noch seine Bäume,
      Ich habe auch keine hochfliegenden Karriereträume.
      Neidlos und in Frieden zu leben halte ich für richtig,
      Des Nachbarns Tun und Lassen ist mir nicht so wichtig.
      Und möchte jemand eine Veränderung in seinem Leben,
      Dann werde ich ihn nicht hindern in seinem Bestreben.
      So hoffe ich auf mehr Frieden in der Welt,
      Und weniger Fokussierung auf das liebe Geld.
      Vielleicht erscheinen meine Gedanken zu gewagt,
      Jeder muss selbst entscheiden was ihm zusagt.

  12. Na ja… Aus einem längst vergangenen Praktikumseinsatz des Juniors eine Befangenheit abzuleiten, ist schon etwas abenteuerlich… Aber man darf wohl annehmen, dass allein schon die fürstlichen Honorare, welche die CS an Homburger überweist, für genügend „Parteilichkeit“ garantieren. Unabhängig, objektiv und damit glaubwürdig kann diese Untersuchung sicher nicht gewesen sein.

    • Das hat aber auch niemand behauptet oder? Seit wann sind Parteigutachten unabhängig?

  13. Homburger ist die Hauskanzlei der CS,https://www.homburger.ch/en/current/deals-and-cases. viel Arbeit und Honorar von der CS.
    Unabhängig wäre die Untersuchung durch einen Ex-Staatsanwalt, Ex-Bundesrichter etc. gewesen. Hat zum Beispiel ex Bundesgerichtspräsident Lorenz Meyer einmal in Bern (Missbrauch Wohnungsvermietung) gemacht. Andere Kandidaten: Ich hätte an Dick Marty oder an Carla Del Ponte gedacht…

  14. Wie naiv wollen wir den sein? Unabhängiges Gutachten?

    Homburger, Bär & Karrer, Niederer Kraft Frey, Crosby Stills Nash & Young … sollen UNABHÄNGIG sein???

    Ok, gut, CSN&Y ist ja eine Band. „Teach Your Children“ ist einer ihrer bekannteren Songs. Und genau das muss ich hier wohl tun …

    DIe Top Honchos von Banken und Versicherungen einerseits und djene der der grossen Wirtschaftskanzleien kennen sich doch alle. Da liegt ein kleines Gefälligkeitsgutachten schon mal drin. Alles eine Frage des Preises. Es heisst ja auch nur Anwaltskanzlei, nicht RECHTSanwaltskanzlei. Wenn der geneigte Leser versteht, was ich sagen will …

    PS: Das erinnert mich an eine kleine Geschichte, die mindestens 25 Jahre zurückliegt.
    In der Tagesschau des SRF vernehme ich, dass die Armee wegen eines schlecht funktionierenden Waffensystems einen unabhängigen Züricher Uni Professor, nennen wir ihn Ba, mit einer Analyse beauftragt habe. Ich drehte mich zu meiner Frau, grinste ein wenig und sagte: „Unabhängig und Ba? Das ist doch gar nicht möglich.“
    Ca. einen oder zwei Monate höre ich in der Tagesschau, offenbar sei der unabhängige Professor bereits bei der Evaluation jenes Waffensystems involviert gewesen. Ach so …
    Moral der Geschichte: Auch die Schweiz ist eine Bananenrepublik …

    • Naiv ist der Schweiz zweiter Vorname.

      Wenn es nur das wäre.

      Gerne zeigt man nämlich mit dem Finger auf andere Länder und bezichtigt diese der Korruption, während man sich gegenseitig Aufträge von Kanton und Gemeinde am Stammtisch zuschiebt, oder den Bauauftrag Hausi gibt, der doch in den Skiferien so grosszügig war.

      Widerlich.

  15. In der Schweiz gibt es kaum unabhängigkeit: jede kennt jede, oder ist Nachbarn, oder war in Militär zusammen… wohnt sogar zusammen: Goldküste, Zug, Wollerau oder Bern und geht sogar gleichzeitig in den Ferien: Côte d’azur, maledives, Karibik…deswegen bin ich weit weg und niemanden kennt mich….

  16. Ein Interessenkonflikt bestehe nicht.. Alles Zufall. Wer’s glaubt, fresse einen Besen. Für welch bescheidenen Geistes halten die uns? Und das unter dem Logo CS = Crédit Suisse.

  17. das ist ja klar das homburger gefälligkeiten dieser art für geschäftsfreunde macht. wundert doch keinen… unabhängig ist was anderes. dann nimmt man sich einen andere anwaltskanzlei. lh ich bin erstaunt das dies erst heute thema ist, jeder der ein wenig ahnung hat wusste das doch schon von anfang an.

  18. Vollkommen klar ist, dass Thiam den Auftrag zur Beschattung von IK erteilte,das entspricht seinem Charakter.Und Homberger gehört zur Gruppe der vielen Anwaltskanzleien in Zürich, welche Gefälligkeitsgutachten verfassen, die als Persilschein dienen sollen. Das hat Thiam in London und in seiner Heimat gelernt. Ergo: es ist Zeit,dass ein Schweizer CEO im Format eines Grübel diesen „Augiasstall ausmistet“ und auch den ZFF/Kronenhalle/Chateaubriand Rohner an die frische Luft setzt.Die CS Story hat das Potential, den „Raiffeisen Krimi“ um Pierin den Bündner Steinbock noch in den Schatten zu stellen. Lieber LH, wann schreiben Sie den CS Krimi, der mit wilden Schiessereien zwischen Metropol und Kronenhalle beginnt und wo die Hintermänner nicht im Baur au Lac, sondern in Herrliberg zwischen schnellwachsenden jungen Bäumchen verhaftet werden.

  19. Wieso können Blick, NZZ, Tagesanzeiger solche Tatsachen nicht selbst recherchieren? Vielen Dank Lukas Hässig, wir brauchen Sie um den Paradeplatz wieder sauber zu bekommen!

    • Das Paradeplätzchen ist eh nicht mehr relevant. Die Schweiz verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Dank unserer eigenen Dummheit!

  20. Erstaunt das noch irgend jemand, da muss ausgemistet werden und zwar rasch. Der Ruf der Schweiz ist nur noch lächerlich.

  21. Der „unabhängige“ Bericht war für die CS selbst und hat nicht mit Unabhängigkeit zu tun. Für mich muss unbedingt die Polizei, Staatsanwaltschaft und v.a. die Finma nun zum Zug kommen und unabhängige Berichte und auch hoffentlich Konsequenzen erarbeiten!

    • Ja, eigentlich schon. Aber die sind auch nicht unabhängig in der Bananenrepublik Schweiz.

  22. Der Cheff der CS muss den Stuhlräumen
    Das ist schlech für den Bankenplatz Schweiz und für die CS so oder so.

  23. Das Gutachten an sich ist eine Face, keine Frage. Die Glaubwürdigkeit Homburgers ist zurecht in Frage zu stellen. Wie sich zeigt, hat nicht nur die CS ein massives Reputationsproblem.

  24. In den USA würde dies für ein Impeachment allemal reichen. Endlich muss ich nicht mehr nur Fox-News schauen jetzt haben wir auch unseren eigenen Krimi.

  25. Na dann kann man nur hoffen das der Junior-tt nicht eines Tages plötzlich bei der Credit Suisse gross rauskommt.
    Er sollte zur Mc Kinsey hihi hehe haha

  26. Das schiesst den Vogel ab.
    Welch Profis… Wetten, jeder Bauarbeiter hat mehr due Diligence auf dem Kasten, als die gesamten GL & VRs bei Grossbanken?