Vontobel erleidet mit Fintech-Startup Pleite

Millionen in Firma „Gokong“ verlocht – Die scheitert mit Fancy Mobil-Banking – Vontobels Star Roger Studer: Glanz verblasst.

Die altehrwürdige Zürcher Familienbank macht auf modern. In Inseraten buhlt die Vontobel mit Lover-Casanovas um reiche Kundinnen.

Wichtiger sind ihre Beteiligungen. Und da erlebt die Vontobel gerade eine kleine, aber feine Pleite. Das Fintech-Startup Gokong, an dem sich die Bank mit einem Millionenbetrag beteiligte, geht zu.

Vontobel habe die Firma „und damit auch die Technologie von Gokong im Oktober voll integriert“, sagte gestern ein Sprecher der Privatbank.

„Vontobel wird im Rahmen der Weiterentwicklung der digitalen Angebote die Funktionalitäten wo sinnvoll und möglich in die bestehenden Vontobel Plattformen integrieren sowie für die Kunden weiterentwickeln.“

Halb so wild, meint der Vontobel-Mann. „Die aufgewendeten Investitionen liegen insgesamt im kleinen einstelligen Millionenbereich.“

Effektiv ist das Ende von Gokong mehr als nur ein Ausrutscher. Im Verwaltungsrat des Startups sassen zwei der obersten Vontobel-Manager aus dem Bereich Investment Banking.

Lustige Werbung, luftige Startups (Vontobel)

Roger Studer und Peter Camenzind, Studers Mann für die wichtigen Strukturierten Produkte der Vontobel Handelsabteilung.

Hinzu kommt ein dritter Vontobel-Manager im Gokong-VR. Damit stammten drei von vier Verwaltungsrats-Mitgliedern von der Bank.

Das Sagen zuoberst bei Gokong hatten Studer und Camenzind. Studer als Präsident des Fintechs, Camenzind als Vize im VR, wo die entscheidenden Weichen gestellt wurden.

So auch der Entscheid, das Vorhaben abzubrechen und die Überbleibsel in die Vontobel-Bank zu integrieren.

Studer und Camenzind sind eng liiert. Der Langzeit-Spitzenmann der Vontobel hievte seinen Favoriten auf den Stuhl des Struki-Chefs, nachdem der Vorgänger nach Singapur verschwand.

Der heisst Georg von Wattenwyl und galt intern als Garant für den Erfolg bei den wichtigen Strukturierten Produkten der Vontobel. Um dort die Führung zu behalten, bauten Studer, von Wattenwyl und Co. eine eigene Plattform: Deritrade.

Nun ist die Luft bei den Derivaten und insbesondere den Strukturierten Produkten draussen. Von Wattenwyl hat sich mit Destination Singapur und dem Aufbau einen Geschäfts mit Externen Vermögensverwaltern in Asien für Vontobel verabschiedet.

Das Feld gehörte allein Studer und seinem neuen Liebling Camenzind. Die beiden sorgten dafür, dass die Bank Vontobel mit dem Geld ihrer Aktionäre, allen voran der gleichnamigen Familie, in das Startup Gokong investierte.

„GOKONG is a smart phone application which seamlessly aggregates your bank and insurance data and stores them in an encrypted vault on your phone“, pries sich das Sturtup im Netz selbst an.

„The many features give you a full 360 degree view of your finances.“

Dabei gab es schon viele Mobil-Vorhaben, die verschiedene Banken unter einen App-Hut bringen wollte.

Auch Martin Saidler, der „Steve Jobs“ vom Zürcher Kreis 3, versucht dies seit langem – mit dem Geld von Marcel Ospel und weiteren.

Bei Gokong waren einfach auch noch die Versicherungen eines Kunden Teil der Mobil-App. Ansonsten lautete das Urteil: more of the same.

Und vor allem nicht erfolgreich. Die App stirbt, das wenige Brauchbare verschwindet im Bauch der grossen Vontobel.

Schwamm drüber. Doch für Studer und Camenzind kein Ruhmesblatt. Während die beiden hochbezahlten Vontobel-Investmentbanker Leute auf die Strasse stellen, verpulvern sie mit lustigen Online-Ideen Millionen.

Kommentare

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  1. Wenn man in Startups investiert, muss man leider mit dem Gedanken spielen, dass es ab und zu nicht gleich beim ersten Mal klappt. Ich sage nur „Never give up“. Einfach dran bleiben und irgendwann kommt man zu einem Erfolg.

  2. Strukturierte Produkte, schon der Begriff sollte ,,stutzig,, aufstossen.Das heisst etwas klarer vormuliert hoch risikobehaftet,das auch noch in Kombination mit ,,Fintech-Startup,,.
    Für letzteres kommt so langsam der Absatzmarkt abhanden.
    Für herausragende Neuerungen logo, gibt es allemal einen Absatzmarkt, doch da versucht sich zunehmend zweit und drittklassiges am Markt.
    Da bildet sich eine erhebliche Überangebots-Blase.
    Müsste logo sein, das Risiko für Fehlinvestitionen erhöht sich damit, entsprechend dem exzessieven Überangebot.
    Auf dem Hintergrund der blindwütigen Geldpumperei, zum einen durch den Kapitalmarkt und seit rund 10 Jahren auch noch durch die Nationalbanken.Na ja,sind riesiege Mengen geschöpftes Kapital im System, DAS sucht nach ertragreichen Investitionen. Doch genau DAS,die Möglichkeiten für ertragreiche Investitionen lösen sich zunehmend in Luft auf.
    Ein Element der Keynesianischen Theorie= Stimulanz der Realwirtschaft mit Geldschöpfung, hat ihre Wirksamkeit
    innzwischen verloren, das bläht im wesentlichen nur noch das Geldmenge-Volumen auf.
    Die grosse Frage was und wie weiter,so wie das ausschaut, kann da nur noch ein Wunder weiterhelfen,
    na ja ist halt so eine Sache, mit Wundern.
    Zweckgebundene Geldschöpfung währe noch eine Möglichkeit hätte eine etwas konkretere ,,nachhaltigere,, Wirkung.Doch auch da muss man sich ganz klar bewusst sein, auch DAS kann kein Wunder auslösen, bewirken.
    Das dargelegte ist der Kernhintergrund für die sich abschwächende Weltwirtschaft und nicht das mit dem Handelsstreit USA-China und Brexit DAS sind NUR Sympthome einer massiev verfahrenen Gesamtlage.
    Da ist innzwischen deutlich mehr, als die meisten auch nur erahnen, aus dem Lot.

  3. Vontobel und IT Verluste nix Neues, vor knapp 20 Jahren wurde doch eine Onlineplattform eingestampft

    Handkehrum, die investieren und wagen wenigstens etwas. Viele andere verwalten, administrieren oder kontrollieren nur noch…..

  4. Die Nerven bei Staub/Studer liegen blank – der Struki-Motor von Vontobel stottert nicht nur, er hat den Geist aufgegeben.

  5. Banker sind mit Fintech hoffnungslos überfordert – die letzte technische Erfindung war der Bancomat vor über 50 Jahren! Alle anderen „Innovationen“ waren mehr oder weniger Zahlenmanipulationen, um den Kunden abzuzocken.
    Überlasst die Technologie denen dies können – Paypal, Shopify, Apple & Co lassen grüssen….

  6. „Fintech“
    Finanzierungstechnik – Eigentlich sollte mit Geld bezahlt werden, aber doch nicht mit Technik.
    Hat Technik etwas mit Geld gemeisam?

    Wo ist denn das Geld all dieser „Techniker“? – Wiedermal heisst es ausser elektronischen Zahlen ist nichts dahinter!

    Wirklich lachhaft und total unglaubwuerdig diese „Finanztechniker“!
    Sie sind vergleichbar mit einem BAecker der seine Broetchen mit Saegmehl anstatt mit Teig backt!

  7. True innovation goes hand in hand with failure, only does who dear to push the envelop will steer down the abyss of failure to be shamed if failure happen, but celebrated as rain maker if they succeed.

  8. LH mit seinem F-Gesicht, seiner Anti-Model-Figur und dem dazu passenden Verstand hatte beim Casting fuer die neue Vontobel Werbung keine Chance und stilisiert darum eine Bagatelle in eine seiner beruehmten Vontobel-Bashing-Stories! Ein armer Kerl, aber leider unheilbar.

    • Hast Du auch noch einen intelligenten Beitrag zur Sache oder einfach einen schlechten Tag, Du Vogel?

  9. Die IT-Arena strotzt nur so von Opportunisten und Glücksrittern.

    Das war schon immer so.

    Von Technologien haben sie in der Regel keinen Schimmer, können kaum Bits und Bytes voneinander unterscheiden, geschweige denn Blockchain und Bitcoin.

    Gewiefte IT-Verkäufer mit groovy Outfit und beredter Zunge haben stets ein leichtes Spiel, bei ihnen Millionen abzudrücken.

    Siroop von Coop-Swisscom, Arizon von Raiffeisen-Avaloq, und, und, und … das Verpulvern für lustige Ideen geht in die Milliarden, nicht nur Millionen.

    Wobei die Akteure und Hans-Dampfs dabei meistens Millionäre werden … um sich dann genüsslich zurückzuziehen.