Raiffeisen schaut weg bei Vincenz

Während die Ermittler dank neuen Dokumenten vorankommen, will St.Gallen geheime Lohnzahlungen nicht untersuchen.

Die Zürcher Wirtschafts-Staatsanwaltschaft hat laut SonntagsZeitung einen „Durchbruch“ erzielt. Sie kann wichtige Akten gegen Pierin Vincenz, den Ex-CEO der Raiffeisen, und dessen Partner nutzen.

Umso mehr erstaunt, dass die Raiffeisenzentrale in St.Gallen weiterhin die geheimen Lohnzahlungen an Vincenz und die übrigen damaligen Mitglieder der Geschäftsleitung nicht untersuchen will.

Diese liefen über den Vertrauensanwalt von Pierin Vincenz. Es handelte sich jedes Jahr um Millionen. Die Raiffeisen stellt sich auf den Standpunkt, dass dort keine wesentlichen Informationen zu finden sind.

Jahrelang erhielten Vincenz und seine engsten Vertrauten bis zu dessen Ausscheiden im 2015 ihre Löhne, Boni, Einzahlungen ihrer Firma in die Pensionskasse und Spesen über Eugen Mätzler.

Über den Anwalt liefen die Raiffeisen-Vergütungen für Vincenz‘ Stellvertreter Patrik Gisel, Finanzchef Marcel Zoller, Michael Auer, der nach dem Abgang von Gisel Ende 2018 kurz CEO wurde, und viele weitere der alten Garde.

Mätzler gilt in St.Gallen als bekannter Jurist. Sein Name taucht auf in einem Privatvehikel von Vincenz. Mätzler war auch aktiv in einem der Deals, die von den Strafbehörden untersucht werden.

Die Zahlungen der Raiffeisen an ihre obersten Leute via externen Anwalt könnten Aufschluss geben über die Frage, wofür die Raiffeisen-Chefs alles Geld erhalten haben.

Will’s wissen: Aduno untersucht Zahlungen an Ex-Duo (Bild: Rene Koller)

Eine entsprechende Untersuchung läuft bei der Aduno. Bei dieser handelt es sich um eine Kartenfirma, die früher auch Kleinkredite vergeben hatte und in der Hand von Raiffeisen, Migros Bank, ZKB und weiterer Kantonal- und Regionalbanken ist.

Vor 2 Jahren hatte Aduno eine Strafanzeige eingereicht und damit den Fall ins Rollen gebracht. Vincenz und sein Partner Beat Stocker waren bei der Aduno lange ein eingespieltes Paar ganz zuoberst.

Aufgrund der Aduno-Anzeige setzten die Zürcher Ermittler Vincenz und Stocker in U-Haft. Nun haben die Behörden gesiegelte Dokumente laut SonntagsZeitung für ihr Strafverfahren freimachen können.

Laut der Zeitung sei vor allem eine Zahlung von 2,9 Millionen von Stocker an Vincenz brisant, „angeblich als Darlehen zum Kauf einer Immobilie im Tessin“. Die Immobilie sei „nie“ gekauft worden.

Für die Zürcher Strafbehörden handle es sich nicht um ein Darlehen, sondern um eine „Bestechung“, schreibt die SonntagsZeitung mit Verweis auf „Recherchen“.

„Die Frage ist, ob der Vertrag (zwischen Stocker und Vincenz, AdR) ernst gemeint war oder nur der Tarnung diente“, so die Zeitung in ihrer gestrigen Story. Es gebe in den „Akten Hinweise“, die Unschuldsvermutung gelte.

Die Aduno-Untersuchung rund um Spesen und Entschädigungen von Stocker und Vincenz habe vor allem bei Stocker hohe Summen zutage gefördert, sagt eine Quelle.

Stocker war bis 2011 operativer Chef der Aduno, danach noch bis 2015 Mitglied des Verwaltungsrats der Kartenfirma.

Laut der Quelle sei angesichts der Erkenntnisse aus den Aduno-Ermittlungen unverständlich, warum die Raiffeisen-Zentrale nichts wissen wolle von einer eigenen Untersuchung aller Zahlungen an Vincenz und dessen Ex-Kollegen via Anwalt Mätzler.

Kommentare

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  1. Vom windigen Lachappelle zu erwarten, dass er den Vinzenz’schen Sauladen komplett freilegt, ist etwas viel verlangt. Immerhin hat der Guy dafür gesorgt, dass Raiffeisen nun wieder in ruhigeren Gewässern segelt. Dafür stricken sie für ihn schon jetzt am goldigen Fallschirm.

  2. Als erstes im Bankwesen lernt man den Respekt vor den Nullen. Das jetzige Verhalten kommt einer geistigen Insolvenzerklärung recht nahe. Fūr Aussenstehende, Kunden und Genossenschafter nicht nachvollziebar, somit einfach grotesk. Umgangssprachlich spricht man von studierten Erbsenzähler. Ist der VR Präsident dekoriert mit den Unfehlbarkeitsallüren auch nur eine hochdotierte Fehlbesetzung? Geht das wieder von vorne los! Hr. Gisel wurde damals als Teil der Lösung postuliert. Anstatt schon damals wegen Unfåhigkeit
    zur ordnungsgemässen Geschäftsfūhrung das Vertrauen zu entziehen. Das Gebaren um Leonteq hätte ausgereicht! Wer einen Sumpf trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen! Wann endlich kehrt Ruhe ein? Oder verfolgen uns die Machtgelūste als die entsetzlichsten Leidenschaften weiterhin. Mir persönlich ist die geistig wenig anregende Disskussion mit gånzlich Unwissenden aus den Regionen
    einfach leid. Zivilcourage kann man nicht lernen.
    Die Genossenschafter danken fūr das Handeln.

  3. Guten Abend Herr Hässig. Das ist ein dürftiger Artikel und ich spüre eine „gewisse“ Zurückhaltung im Vergleich zu Ihren bisherigen Kommentaren. Zum Glück bin ich nicht an Ihrer Stelle. Natürlich gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Die Indizien sprechen klar gegen P.V. Das Geld für teure Winkeladvokaten ist leider zuhauf vorhanden.Und am Schluss kommt ein Ergebnis zustande, das stossend ist und die Kluft zwischen den Vermögenden und den Armen noch weiter aufreissen wird. Das befürchte ich – bedauernswerte, korrupte und wenig wahlfaule (v.a. Frauen)sog. demokratische CH!

  4. Lachappelle hat was er wollte. Deshalb will er nun möglichst lange ausharren. Wie Rohner ist er Jurist. Es geht nur um Machterhalt. Dazu gilt es positiv ausschliesslich in die Zukunft zu schauen und dies wortgewandt zu verkaufen.

  5. Ich glaube, diese krummen Geschäfte interessieren das Volk nicht ! Das einzigste was unser Volk interessiert ist: welche Partei setzt sich für das Schweizer Volk ein: es ist unser SVP !! Herr Wobmann & Glarner leisten einen bedeutenden Beitrag zum Wohlstand der Schweiz und zum Unabhängigkeit !!

  6. eigenartig, dass die meisten Kommentarschreiber unter einem Pseudonym schreiben. Es ist anzunehmen, dass diese Schreiber, Angestelle eines Finanzinstitutes sind und Angst haben ihre Stelle zu verlieren….. George Orwell und Aldous Huxley lassen grüssen…

    • @ Heinrich

      Stimmt. Eigentlich tragisch. Aber viele Vorgesetzte sind bonusorientierte Söldner und exekutieren kurzum alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der nächsten Quali – nicht mehr den hohen Anforderungen des Jobprofils genügend – welche nicht immer hier verstanden antworten.

  7. „..unverständlich, warum die Raiffeisen-Zentrale nichts wissen wolle von einer eigenen Untersuchung aller Zahlungen an Vincenz und dessen Ex-Kollegen via Anwalt Mätzler.“

    Reminder

    1. Das Outsourcing der Lohnadministration für Geschäftsleitungs- und VR-Mitglieder ist nicht unüblich. Nicht selten erfolgen die Auszahlungen sogar via ein separates Bankkonto, damit die „normalen“ Angestellten jaaa keine Ahnung von den Entschädigungen (Lohn & Spesen & Bringe Benefits & PK-Einkaufssummen) erhalten.
    2. Der Verwaltungsrat ist DIREKT für die Entschädigung der GL-Mitglieder verantwortlich (für die restlichen Geschäfte i.d.R. nur im Rahmen seiner generellen Funktion).
    3. Der Verwaltungsrat haftet auch, wenn hierfür an der GV bereits die generelle Decharche ausgesprochen wurde (neue Fakten)
    4. Wenn hier Grenzen überschritten wurden, dann haben auch die Steuerverwaltungen, Sozialversicherung und Haftpflichtversicherungen viel Interesse an einer Aufdeckung.
    5. Taisch (siehe verschiedene Berichte zu seiner Person u.a. Uni Luzern), der selber wegen exorbitanten Abrechnungen bekannt wurde, war im Vergütungsausschuss des VR Raiffeisen

    Also, der damalige VR hatte sicher kein persönliches Interesse daran, in diesem Bereich nach zu forschen.

    – noch Fragen?

  8. Wieso sollte dies Raiffeisen weiter untersuchen?
    Zig Tausende im Monat für Amüsement in diversen Hotels, Bars und Clubs ist doch ein Pappenstiel.
    Übrigens, es gilt die Unschuldsvermutung:-)

  9. Hinter den Vinzenc’en
    Gardinen
    Lässt sich sträflich verdienen🧐!
    Schaltet einen Winkelmann ein;
    Versteckt sprudelt es ungemein.

    Das System der Günstlinge perfekt;
    Jede und jeder den anderen deckt!
    Seid umschlungen ihr zig Millionen;
    Abgezweigt unter der Rubrik lohnen?

    Sankt Gallen ist so nah zum Balkan;
    Die Raiffeisen wurde zum Zapfhahn!
    Offshore im eigenen Kanton fündig;
    Die Genossenschafter total unmündig!

    Die Verwaltung gehorcht der Omertà ;
    Ein Schwamm über die ‚dicke Berta‘!
    Rote Köpfe, unsaubere Vernetzungen;
    in der Gallusstadt mehren sich ‚böse’ Zungen!

    ORF

  10. Das System funktioniert immer gleich.

    Eine selbsternannte Herrlichkeit wütet und waltet des Amtes. Viele Günstlinge segeln im Schatten mit, profitieren und machen sich abhängig (auch bekannt als Seilschaften).

    Von der Günstlingswirtschaft profitiert der gesamte Hofstaat, während dem die Eigner dafür bluten. Dafür bezahlen die Lämmer (auch Aktionäre genannt) dann noch eine D&O Police (schützt die Herrlichkeit vor den Eignern und wir von diesen im Geschäftsaufwand noch finanziert!).

    Wenn es nun zum Bruch kommt und die Herrlichkeit überlebt, dann erinnert diese daran, wie viele Leute dass die inzwischen vogelfreie Person noch zu Fall bringen könnte, wodurch die Lust der Günstlinge an der Aufklärung weit unter Null fällt.

    Ende der Erzählung Gebrüder Grimm.

    Warum also ist noch jemand darüber erstaunt?

    • Bei den Mitarbeitern wird dafür umso genauer hingeschaut, 58+ und weg bist.
      Gleiche Machenschaften wie bei Den anderen Grossbanken. Bedenklich

  11. Dieser „Geni“ Mätzler wollte einmal den Goldacher Stimmbürgern ein hoffnungslos überbewertetes, vor der Pleite stehendes Kabel-TV-Unternehmen als selbsternannter „Finanzexperte“ mit der tolldreisten Behauptung, es sei ein einmaliges „Schnäppchen“, unterjubeln – und ist damals krachend gescheitert. Seither ist bei ihm zumindest in der Gegend von St. Gallen bei massgebenden Kreisen der Lack gehörig ab…

  12. Im Fall Raiffeisen erstaunt eigentlich gar nichts mehr. Auch die „Wanderschaft“ der ehemaligen Banken „Wegelin“ und „La Roche“ zu Vontobel, die dafür 700 Mio. hingeblättert hat. Man kann sich leicht vorstellen, dass bei jedem Handwechsel die „Vermittler“ nicht schlecht entschädigt worden sind. Und jetzt bei der Weigerung der Bank Raiffeisen es auch wieder tun anstatt mitzuwirken, den an sich guten Ruf des Namens „Raiffeisen“ wieder zu erstellen. Dies alles auf Kosten der Kunden.

    Wo sind wir gelandet? Gilt Art. 5, Ziff. 3, wonach „Staatliche Organe und Private handeln nach Treu und Glauben“ noch? Grosse Zweifel sind angebracht. Alles Vertuschen bringt nichts, denn die Bürger beginnen es zu merken. Die eidg. Wahlen sind ein Hinweis dafür. Die „klassischen Parteien“ haben abgewirtschaftet, es fehlt ihnen an Glaubwürdigkeit.

    • Auf Kosten der MA wird nichts ausgelassen. Ist immer das gleiche Lied mit den HSG-Johnies. Abkassieren, Abkassieren, von nichts gewusst, gehört, gesehen, etc.

  13. Die meisten Fehler machen Unternehmen,
    wenn es ihnen gut geht, und nicht,
    nicht wenn es schlecht egeht.

    Alfred Herrhausen
    * 30. Januar 1930 in Essen; † 30. November 1989