Drohende Anklage gegen Ex-Falcon-Chefs

Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen um Geldwäscherei rund um Bank abgeschlossen. Bekannter Zürich-Anwalt jahrelang im VR.

Christian Wenger gehört zu den Strippenziehern der Bank- und Wirtschaftsstadt Zürich. Der führende Partner der Rechtskanzlei Wenger & Vieli hat eben erst den Globus-Deal mit aufgegleist.

Nun brauen sich Wolken über einer Bank zusammen, bei der Wenger zentral war. Die Rede ist von der Falcon Private Bank. Wenger sass von 2005 bis 2017 im VR der Falcon, zuletzt als Präsident.

Die Falcon teilte gestern mit, dass sie ihre Bankenlizenz abgebe und die Kunden verkaufe.

Grund sind Altlasten und das Versagen der aktuellen Crew, der Falcon eine überzeugende Zukunft zu verschaffen. Die einst über 300köpfige Bank verschwindet sang- und klanglos.

Das dicke Ende steht aber noch bevor. Die Bundesanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Falcon respektive Verantwortliche und Kunden der Bank lanciert. Dieses steht vor dem Abschluss.

Laut einem Insider sind alle Einvernahmen vollzogen, als Nächstes käme es zur Anklage. Ein Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona würde dann durchgeführt, mit entsprechender Offenlegung von viel Brisantem.

Gegen wen alles die Berner Fahnder ermitteln, ist nicht bekannt. Was man weiss ist, dass Eduardo „Edi“ Leemann, der langjährige CEO der Falcon, im Visier der Bundesanwaltschaft steht.

Ein kürzliches Urteil des Bundesgerichts zeigt die prominente Rolle, die Leemann im Fall von 1MDB gespielt hatte. Es geht um einen Malaysia-Staatsfonds, bei dem es zu Geldwäscherei in Milliardenhöhe gekommen war.

Die Lausanner Richter urteilten gegen den ehemaligen Rechtschef der Falcon. Dieser wehrte sich gegen ein zweijähriges Berufsverbot der Finma. Damit drang er nicht durch.

In der Urteilsbegründung finden sich Passagen, die zeigen, wie in der Falcon viele Stellen rund um fragwürdige Geldtransfers involviert waren. Im Zentrum stehen die sogenannten „März-Transaktionen“.

Gemeint sind hohe Ein- und Auszahlungen von Frühling 2013. Damals gingen auf Falcon-Konten in rascher Folge 1,3 Milliarden Dollar ein, wovon 1,1 Milliarden kurz darauf wieder abflossen.

Am lautesten vor möglicher Geldwäscherei warnten die Zuständigen des Falcon-Ablegers in Singapur, über die das Geld floss. Der dortige Chef landete später im Gefängnis.

Ausgerechnet er war es, der die Hin- und Herverschiebungen der riesigen Summen in den Jahren 2011 bis 2015 kritisiert hatte.

Der Ex-Rechtschef in der Zürcher Falcon-Zentrale zeigte sich anfänglich ebenfalls kritisch, doch er fügte sich dem Druck von oben, die Deals durchzuwinken.

Dieser sei „unbestrittenermassen von seinen Vorgesetzten“ erzeugt worden (Bundesgerichtsurteil vom 11. März 2020), unter anderem vom damaligen CEO der Falcon.

Der Ex-Präsident der Bank hat gemäss den höchsten Richtern im Land den Ex-Rechtschef sogar „getäuscht“, was den Hintergrund der heiklen Geldtransfers anging.

Trotz diesem Druck von hätte der oberste Compliance-Verantwortliche eine Geldwäscherei-Meldung machen müssen. Dass er nicht am „Compliance-Standpunkt“ festgehalten hätte, wiege schwer.

Bei erwähnten Ex-Präsidenten handelt es sich um einen Abgesandten eines Staatsfonds aus Abu Dhabi, dem die Falcon gehört.

Der Araber war von 2010 bis 2013 Präsident des VRs der Privatbank, verliess das Gremium kurz und kehrte 2015 als Mitglied zurück.

Der Abu Dhabi-Scheich wurde ein Jahr später in seiner Heimat verhaftet. Der Fall 1MDB wuchs zu einem der grössten Geldwäscherei-Skandale. Unter anderen war die US-Ikone Goldman Sachs mitten drin.

Die Falcon geriet als mittelgrosse Bank in Schieflage. Im Herbst 2016 zeigte ihr die Finma die gelbe Karte. Noch einmal ein Versagen, dann ist Schluss.

Das Zepter übernahm als neuer Präsident Anwalt Christian Wenger. Was Wenger als VR-Mitglied in den „heissen“ Jahren zuvor mitbekommen hat, ist nicht bekannt. Die Besitzer aus Arabien hatten das Sagen.

Der langjährige Vizepräsident der Falcon, ein Schwede, führte faktisch die VR-Sitzungen, weil die Araber oft nicht präsent waren. Er tat, was ihm diese aufgetragen hatten.

Zu den Kunden gehörte der Österreicher René Benko, der nun von der Migros rund um den Globus-Kauf Entgegenkommen fordert und in Wenger seinen Mann für Zürich hat.

Und vor allem ein anderes „Wunderkind“: Lars Windhorst. Der macht seit Jahren von sich reden. Bei der Falcon galt er als Grosskunde.

Im Bundesgerichtsurteil vom März gegen den Ex-Rechtschef der Falcon finden sich Passagen rund um einen Kunden, der sich für die umstrittenen Geldtransfers über die Privatbank eingesetzt hätte.

Es sei nicht einsichtig, warum sich dieser Kunde einmischte, da er offiziell ja gar nichts mit diesen Deals zu tun gehabt habe, meinten die Lausanner Richter.

Um welchen Kunden es geht, ist nicht klar. Das könnte sich ändern, wenn die Bundesanwaltschaft ihre Anklage publiziert. Das soll noch vor den Sommerferien der Fall sein, meint ein Gesprächspartner.

Für Anwalt Christian Wenger ist die Falcon-Geschichte unangenehm. Er sitzt bei Digital Switzerland ganz oben, welche das Land in die Neuzeit katapultieren will. Daneben hat Wenger unzählige Mandate.

Kommentare

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  1. Eine unrühmliche Geschichte, die nun mit dem grandiosen Scheitern von Martin Keller ein Ende findet.

  2. Da bin ich aber gespannt, welche Schweizer Bank sich die toxischen Assets der Falken einverleiben will.

  3. Derweil sich der amtierende CEO Keller im Interview auf Finews „traurig“ zeigt ob seines eigenen Unvermögens. Peinlich.

    • Typisch Chef-Haltung: wir haben es versucht, es ist halt nicht aufgegangen!
      Aber schön verdient hat er 3 Jahre schon, hat bestimmt auch einen Supervertrag. Wenigstens hat er eingesehen, dass es auch am Business-Modell liegt, wer braucht schon das überteuerte Private Banking, das nur von Vermögensverwaltungsmandaten leben will?! Aber die Führung dieser Bank ist so gut vernetzt, ich mache mir keine Sorgen um diese Leute, die werden bald wieder woanders warm unterkommen.

  4. Die Falcon ist schon irgendwie eine sonderbare Bank. Fraglich, welches Institut wohl die Kunden übernehmen will bzw. kann. Die meisten senior RMs sind spätestens vor zwei, drei Jahren mit den besten Kunden abgesprungen. Wer ist also noch dort und betreut die angeblichen 9 mia Assets? Das meiste wird auch offenbar auch aus VAE betreut und stammt aus der Region. 90 % der hiesigen Angestellten wird wohl ihren Job verlieren. Denen bleibt nur das Package abzuholen und bald von dannen zu ziehen.

  5. „Er sitzt bei Digital Switzerland ganz oben, welche das Land in die Neuzeit katapultieren will. Daneben hat Wenger unzählige Mandate.“

    Wäre doch prima wenn Herr Wenger sich wenigstens um ein Mandat richtig kümmern könnte. Das kann man kurzfristig durch Kündigung des ein oder anderen Mandates erledigen. Aber woher soll die Kompetenz so schnell kommen ? Turbostudium ?

    • Digital Switzerland: Wenn ich das nur schon höre. Ein Altherren-Verein, der nie was gebracht hat und nie was bringen wird.
      Schaut Euch doch nur mal diese Leute an:
      https://digitalswitzerland.com/members/
      Nicht mal den Stalder – das ist der, der es mit seinem Harassment-Skandal sogar in den USA zu fetten Schlagzeilen gebracht hat – haben sie raus geschmissen.

  6. Und wiedermal ist es Lukas Hässig, der auf die skandalösen Zustände bei unserer sog. Finanzmarktaufsicht hinweist.

    Am (Donnerstag) 21. und (Montag) 25. März 2013 gingen auf den Konti I. Corp. und J. Ltd. (Sitzgesellschaften) von H. (malayischer Geschäftsmann) bei der Falcon Private Bank AG insgesamt USD 1.265 Mia. ein. Dieses Geld ging von den drei Offshore-Fonds (O., P. und Q.) ein, wurde anschliessend zwischen drei Sitzgesellschaften (I, J. und K.) intern umverteilt und von dort an Dritte weiter transferiert:
    (Jeweils gleichentags) am 21. März 2013 und 25. März 2013 wurden insgesamt USD 681 Mio. an das Konto „R.“ bei der Bank S. in Kuala Lumpur, Malaysia, transferiert. Ebenfalls am 25. März 2013 wurden USD 378 Mio. an die Offshore-Gesellschaft T. Ltd. überwiesen.
    (Quelle: Bundesgerichtsurteil vom 12. März 2020, Finma vs. ex-Rechtschef der Falcon Private Bank AG)

    Mit anderen Worten: Eine Milliarde rein und eine Milliarde wieder raus. Und das innerhalb von 3 Werktagen! Das war vor über sieben Jahren. Ich frage mich einzig: Warum ist diese Bank nicht schon längst zu? Und warum werden die wahren Verantwortlichen verschont? Das einzige, was die Finma bisher zustande gebracht hat in diesem gigantischen Geldwäscherei-Skandal ist die Verfolgung des damals zuständigen Rechtschefs. Grossartig, ihr Helden!

    • Es ist in der Tat skandalös, dass weltweit Bankangestellte gejagt werden, ihre Jobs verlieren, schlimmstenfalls im Gefängnis landen, Banken ihre Lizenzen verlieren und schliessen müssen, aber die wahren Architekten des wohl grössten Geldwäschereifalls in der jüngsten Geschichte untergetaucht sind und offenbar nie zur Rechenschaft gezogen werden, weil die Strafverfolger zu langsam sind oder Angst haben.

  7. Ich hoffe es gibt eine Anklage gegen Verantwortliche…..waren ja im gleichen Boot wie Leemann……Es gibt eine einfache Rechnung: Geschäftsleitung = mitgegangen mitgefangen…..

  8. Riesige, goldfarbene Plakate machen aus einer Abu Dhabi-Speichelleckerbude noch lange keine seriöse Bank!
    Die FINMA-Untersuchung wird jedoch vermutlich sowieso länger andauern, als es braucht, bis die Scheichs aufgrund des zerfallenden Ölpreises ihren Finanz-Ambitionen in der Schweiz sowieso den Stecker gezogen haben werden.
    Womit wir in der CH einen weiteren Fall FIFA/Lauber o.ä. zu unserem glorreichen aufsichtsbehördlichen Palmares hinzufügen können!

  9. Welche Privatbank ist die nächste?

    Falcon war seit Langem ein Schatten ihrer selbst. Eine Privatbank, die vor sich hinsiechte über der die Geier schon lange am Kreisen waren. Wer qualitativ gute Assets hatte, wechselte zu LGT, Vontobel, Bär oder einer anderen Adresse. Was übrig bleibt, ist bald eine Fussnote in der Geschichte.

    Richten wir doch den Fokus nach vorne. Welche Privatbank gibt als nächste (den Geist) auf? Und wird der Todesstoss durch die FINMA, ein unfähiges Management oder Zu hohe Kosten erfolgen?

    Totgeweihte leben länger. Aber sterben müssen sie letztendlich doch. Nur: Agonie ist keiner Privatbank zu gönnen. Besser ist, sich als Halblahme noch einen Bräutigam anzulachen.

  10. Meine Kristallkugel sagt mir:

    VR wird 14 Tage nach Pierin Vinzenz angeklagt. Also am heiligen Stankt Nimmerleinstag …

    Martin (immer noch nicht beur-) Lauber-t lässt grüssen, zusammen mit dem falschen Fuffziger (bzw. 40% davon! – Rechne!)

  11. Ohne jegliche Existenz-Berechtigung:

    Falcon; der Banken-Cocktail par excellence.

    Rezept:
    Undurchsichtiger Gründer-Clan aus Abu Dabi mit Verbindungen nach Malaysia.
    einen Schweizer Star-Anwalt (fürstliche Honorare)
    stellensuchende Top-Banker mit zwielichtigen Curriculums
    lichtscheue Milliardäre mit hohem Bedarf an Wäscherei
    mit viel Sauerstoff angereicherte Dreiecks-Geschäfte zwischen Singapore und Zürich mit maximal betrügerischem Hintergrund
    300 Angestellte welche die Hochzeiten des kriminellen Bankings abwickeln und verwickeln.
    Ein Compliance – Chef welcher jahrelang in die Röhre schauen muss.

    Nun ist der Backofen explodiert und einige sind um ein paar Millionen reicher geworden.

    „Swiss Banking mit top Ranking“

  12. Vielleicht schafft es die Bundesanwaltschaft ja, einmal einen Fall vor der Verjährung abzuschliessen. Wenn ich mir den Erfolgsausweis dieser Behörde so anschaue, würde ich mir als Beschuldigter nur begrenzt Sorgen machen.

    • Naa, keine Täuschung! Falco war ja ebenso Österreicher, aber dafür ein richtig Kreativer. You gotta rappin‘ to the beat:

      Drah‘ di net um – oh, oh, oh
      Schau, schau, der Kommissar geht um – oh, oh, oh

      [Abgesang auf B.]

    • ‚ganz wien‘ ist eher falcos edelnummer

      aber benko_falcon_kaufhof ist jedem insider bekannt.
      wie der globus deal fabriziert wurde wird sich dann ja noch herausstellen.

      aber das mit falco passt auf’s auge @ s.n.
      wobei strohbubi benko ja nur a biederer tyrol’r is…

  13. Banken wie Falcon werden alle verschwinden. Es braucht sie nicht. Das gleiche Schicksal wird viele mittlere und kleinere Banken erreichen, bis zu Bär, Vontobel und viele Genfer Banken. Die Grossbanken braucht es in der Schweiz auch nicht mehr in der Form. Gerne können sie wichtige Banken in der Schweiz bleiben. Den Auslandteil braucht niemand.

  14. Ja, Herr Wenger, so ein VR-Pöstli ist zwiespältig. Aber das haben Sie sicherlich gewusst:

    Es bietet Ihnen die Change, mit wenig Aufwand Ihr Einkommen via VRP-Honorar aufzubessern, und gleichzeitig Kontakte mit Wirtschaftsgrössen zu knüpfen (d.h. ihr Einkommen zu einem späteren Zeitpunkt gleich nochmals aufzubessern).

    Wenn man aber den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg verpasst (und dies ist, was normalerweise passiert), und die Bank ins Visier der Strafermittler und Behörden gerät, bleibt Dreck hängen – im schlimmsten Fall gar eine Verurteilung. Und dies wirkt sich dann negativ auf Ihr Einkommen aus.

    Fazit: Drum prüfe, wer sich binde!

  15. Beim 1 MBD Skandal wurden 5 Mrd. CHF an Volksvermögen von Malaysia gestohlen, Banken wie Falcon, EFG – bzw. BSI, UBS, CS, Baer, HSBC u.a. stecken drin, aus gut informierten Kreisen haben die wenigsten dieser Institute Rückstellungen gebildet, genau wie beim Postautoskandal, 200 Mio. CHF an Steuergeldern spurlos verschwunden, auch Hr Berchtold, Bächti genannt, versagte auch von A-Z bei der Falcon, daür genoss er in der Federer Box das VIP Leben, ein Armutszeugnis der Fed-Familie, dass die sich mit diesem Dreiwetter Taft abgeben.

    • @Max

      Walter Berchtold ist als „Wädi“ bekannt und nicht als „Bächt“, lieber Max – womit klar wird, dass Du mit dem Sachverhalt in keinster Weise vertraut bist und demnach einfach nur nebulöses Geschwurbel absonderst.

    • Ich lese immer Bächti, nannte man die Figur bei CS nicht Wädi der Schöne! Peinlich.

    • @mm
      intensive sichtweise…

      ip macht sein forum aus und nicht
      die altseichten kommentarschreiber *!*

      weiter so max))

    • Komisch, Sie gleichen Banken, speziell BSI, HSBC und EFG haben das Gleiche auch in Venezuela getan.