Next Interessenkonflikt bei Bündner KB

Auch Präsident Peter Fanconi hat Firma, in welche die Staatsbank von der Schweizer Ferienecke Kundengelder investierte.

Die Graubündner Kantonalbank (GKB) hatte einen Bankrat, der in den Fokus einer Affäre geraten war. Diese trägt den Namen Ruvercap, es geht um sogenannte Private Debt, also die Finanzierung von Privatfirmen.

Der Bankrat, der über Ruvercap stolperte, heisst Thomas Huber. Das Mitglied des Gremiums der GKB – es handelt sich um die Funktion wie eines VR-Mitglieds – musste vor 2 Wochen per sofort den Hut nehmen.

Grund: Huber ist auch Präsident einer Firma namens Batagon, und diese unterhielt enge und umstrittene Geschäftsbeziehungen zu Ruvercap.

Bei Ruvercap drohen den Investoren dreistellige Millionenverluste, allein die GKB hat rund 70 Millionen Kundengelder in den Fonds angelegt. Derzeit bereitet sich eine PR-Firma vor, um das Thema positiver zu würdigen.

Bankrat Huber musste gehen wegen der Interessenkonflikte – und um weiteren Schaden von der GKB abzuwenden. Sein Chef, Peter Fanconi, darf hingegen bleiben.

Obwohl auch dieser in einem Interessenkonflikt rund um Investitionen von Kundengeldern steckt – gleich wie das beim abgetretenen Huber der Fall war.

Fanconi ist seit 2014 Präsident des Bankrats der GKB. Zuvor war er Spitzenmann bei der Zürcher Privatbank Vontobel, wo er gegen Zeno Staub im Rennen um den CEO-Job den Kürzeren zog.

Unternehmer, Präsident, Bündner: Fanconi (BlueOrchard)

Fanconi trägt neben jenem der GKB noch weitere Hüte. So ist er auch Präsident von BlueOrchard, einer Finanzfirma, die Mikrokredite an Organisationen in Entwicklungsländern vergibt.

Fanconi hatte BlueOrchard gross gemacht. Letztes Jahr gelang es ihm, die Firma an Schroders zu verkaufen, eine grosse Bank.

Die Rede ist von einer stolzen Summe. Jedenfalls wurde Fanconi reich. Er blieb auch nach dem Verkauf in der Verantwortung: Die neue Mehrheitsbesitzerin Schroders liess den Bündner bei BlueOrchard auf dem Präsidentenstuhl.

Nun zeigt sich: BlueOrchard ist ein Vehikel, in welches die GKB ebenfalls Kundengelder investierte. Das bestätigte ein Sprecher der Kantonalbank letzte Woche auf Anfrage.

„Die GKB ist unter anderem in den BlueOrchard Microfinance Fund investiert“, sagte er.

„Dieser Fonds ist mit über 2.5 Milliarden US-Dollar der weltweit grösste Mikrofinanz Fonds und verfügt über einen Leistungsausweis von über 20 Jahren sowie eine solide Anlageperformance.“

Allfällige Interessenkonflikte würden korrekt gehandhabt „Investitionsentscheide erfolgen bei der GKB gemäss klar festgelegten Zuständigkeiten und Prozessen, auch um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden.“

Und: „Der Bankrat sowie dessen Präsident sind zu keinem Zeitpunkt in operative Anlageentscheidungen involviert. Ein Interessenkonflikt ist somit ausgeschlossen.“

Gleich hatte es ursprünglich bei Thomas Huber getönt, dem Ex-Kollegen Fanconis im obersten Gremium der GKB.

Damals lautete die Aussage eines Sprechers der Bank rund um die Doppelrolle von Bankrat Huber:

„Der Anlageausschuss der GKB entscheidet über alle Anlagen, so auch im vorliegenden Fall. Der Bankrat ist in keiner Art und Weise in Anlagediskussionen oder -entscheidungen involviert.“

Wenig später war Huber Geschichte. Fanconi hingegen darf weiterhin auf dem Thron bei der GKB sitzen.

Wie viele Kundengelder in „dessen“ BlueOrchard geflossen sind und ob es auch bei der BlueOrchard einen Link zur umstrittenen Ruvercap gibt, ist nicht bekannt.

Kommentare

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  1. SZKB Fonds: Gut verraten – Schwyzer Art. Bei uns kaufen Sie Fonds, die Ihnen die Suppe nicht versalzen!

  2. Auch hier wieder eine Interessenkollison sondergleichen. Da muss auch der Präsident der GKB seinen Hut nehmen und die GKB vorab das Engagement bei den Kundengeldern betreffend BlueOrchard restlos eliminieren. Sonst wirds ein Fall für die FINMA.

  3. Die Doppelmoral von IP ist inzwischen schon etwas stossend. Man prangert angebliche oder tatsächliche Missstände an, ist sich aber nicht zu schade Geld von betrügerischen Webseiten anzunehmen, die im Blog Werbung posten. Wenn mir da Roger Federer entgegenlächelt um für einen angeblichen Bitcoin Code Werbung zu machen, da sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Wer es nötig hat, solche Inserate zu plazieren, hat leider seine Glaubwürdigkeit verspielt.

  4. Tolle, private Geschäfts- & Lebensmodelle:
    Ein sicheres, staatliches Gehalt einstreichen und nebenbei (und allenfalls noch in der bezahlten Arbeitszeit) private Millionengeschäfte tätigen!
    Sind wir denn im Bündnerland…
    (einfach Vincenz fragen)

  5. Jaja, der umtriebige P. Fanconi scheint mal wieder etwas viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten zu wollen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er einbricht. Die Erfahrung mit anderen vermeintlichen Lichtgestalten auf dem CH-Finanzplatz hat uns gelehrt, dass das Ende in der Regel immer plötzlich und unerwartet kommt.

  6. Unser Pete. Einfach grossartig, wie der sich den Zürcher Filz zur eigenen Karriere und zum persönlichen Gewinn genutzt hat. Er war inhaltlich nie ein Highflyer, aber Beziehungen brachten ihm weit. Eher der Zürcher Zunft und früher seine Eltern als die fernen Bündner Wurzeln…

  7. Blue Orchard hat die Pionierrolle die es inne hatte seit langem verloren. Von der eigentlichen Mission für Mikrofinanz und den damit verbundenen Zielen ist wenig übrig geblieben. Das Management ist schwach und führt aus, der VR unter Fanconi bestimmt.

    BO agiert als Product Extension und ist eine weitere schöne Fassade um den Kunden von VT, Schroders und der GKB ein gutes Gefühl zu geben.

    Alle fühlen sich gut dabei. Honi soit qui mal y pense …

  8. SZKBs NEXT top-model: Ich will auch in die kommende SRF TV-Staffel. Wann ist denn das nächste Casting beim SRF?

    • Hallo Sabina, könntest du uns verraten, wie man innert zwei Stunden nach Erscheinen für so einen Sch…kommentar 30 Likes kriegt?

    • @ Tobi: Eigenen Post mit eigenen Likes pushen (VPN lässt grüssen) 🙂

  9. Die Luft für Peter Fanconi wird zunehmend dünner. Da dürften noch so einige Leichen im Keller liegen…

  10. Es ist immer wieder interessant zu sehen, dass es Managern oder Firmen gelingt, Kerzen an beiden Enden anzuzünden, ohne sich dabei zu verbrennen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass die GKB den Kunden Anlagen empfiehlt und gleichzeitig gegen eben diese Kunden spekuliert. Goldman Sachs u.a. haben es in der Finanzkrise 2008 vorgemacht! Man meint immer, dass Kantonalbanken eher konservativ unterwegs sind, aber wie im Falle Raiffeisen sind auch dort inzwischen die Topmanager Halbgötter mit Schlips, die sich offenbar alles erlauben, was einem „normalen“ Arbeitnehmer blitzschnell zur Kündigung gereichen würde. Solange sie nicht erwischt werden dabei!

  11. Zum immer ständig vorgeschobenen „Anlageausschuß der GKB“:

    Auf der Webseite der Bank oder im Internet sonst findet man nichts zu diesem ominösen Ausschuß.

    Es wäre hochinteressant, einmal zu erfahren, was für Personen sich denn in diesem angeblich so unabhängigen Ausschuß befinden.

    Und ob diese wirklich so unverstrickt sind wie kolportiert bzw. als vermeintliche weiße Weste für Huber, Fanconi und Co dienen können.

    Das Ganze erinnert vom Geschäftsgebaren bzw. hinsichtlich Verstrickungen und Doppelhüten zunehmend an die Geschäfte anderer Banker in der Schweiz.

  12. „Derzeit bereitet sich eine PR-Firma vor, um das Thema positiver zu würdigen.“: Ist dies nicht etwas zu viel der Ehre, sehr geehrter Herr Hässig, da es sich mutmasslich um die „one-man-show“ von A.B. handelt, welcher bereits beim ASE/BKB-Skandal „ganze Arbeit“ leistete…. LOL!!

    • Fanconi arbeitet nur mit PR-Spezialisten, die mit Lukas Hässig per Du korrespondieren – schon vergessen? Würde mich nicht überraschen, wenn die Anwälte gegen IP schon in Position gebracht wurden.

    • Habe bei einem früheren Kommentar den Namen des mutmasslichen Spindoktors (mit seinem Scheinbüro nahe des Bellevue…) erkenntlicher gemacht, was leider zensiert wurde: LOL! Falls ich Recht habe, so ist es durchaus so, dass Lukas Hässig mit dem betreffenden „ex-Finanzjournalisten“ per Du ist: LOL!

    • @Pinguin: ein alter Trick der PR Berater: mit den Medienleuten per Du sein. Stöhlke fragen.

  13. Nach anderen – Fanconi, der langsam im Treibsand versinkt.
    Kein Wunder, dass Schelme statt Bündner Ferienecke an Rhätischen Kongo denken und ausgeschlossene Interessenkonflikte für Dreck am Stecken und Leichen im Keller halten.

  14. Besonders nekisch:
    Die Micro Finance Industrie schwimmt tot im Wasser. Trotzdem ist der Blue Orchard Fonds bisher noch nicht im Wert gesunken.
    Es würde nicht wundern, wenn die Verluste bei Blue Orchard noch höher werden als jene bei Ruvercap. Mal sehen, was die Investoren dazu sagen werden, denen man die Investments in die Kredithaie als bombensichere „Feel Good“ Investments verkauft hat. Wie viele PKs und Grossmütter haben diese Schrottpapiere wohl im Depot?
    https://www.businesstoday.in/current/corporate/will-microfinance-survive-coronavirus-crisis-a-lot-depends-on-how-funds-flow-to-borrowers/story/404824.html

  15. Was Hansli nicht lernt – hat Peter schon lange gemacht (und zwar mitten drin und nicht nur dabei). Wo leben wir eigentlich? Sau Häfeli, Sau Deckeli…
    Kommt mir vor wie Fois Gras – kriegt wohl den Hals nicht voll genug??? Höchste Zeit, dass die Aufsicht sich das gewissenhaft ansieht, damit Peter nicht zum Vorbild für andere Schlaumeier wird…

  16. Die Interessenkonflikte des Bankrats-Präsidenten sind inakzeptabel. Wir sehen: Er trägt mehrere Hüte, wir wissen nur nicht, wie viele. Der Präsident sollte sein Amt im Interessen der Bank und zur Wahrung ihrer Reputation zur Verfügung stellen.