Börsenrätsel um die messerlose Chirurgie

Gegen den Newcomer aus Kanada sieht das französische Original beim Ultraschall-Operieren alt aus. Schuld sind klassische Fake-News.

Wie neulich besprochen kann der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) gelegentlich das chirurgische Messer ersetzen.

Zum Beispiel wird bei umschriebenem Prostata-Karzinom das Gerät Focal One der französischen Firma EDAP eingesetzt, deren Börsenbewertung zur Zeit bei 130 Millionen US-Dollar steht.

Die kanadische Konkurrenzfirma Profound Medical (PROF) mit dem Gerät TULSA (Transurethrale Ultraschallablation der Prostata) ist vor einem Jahr an die Börse gegangen mit einer initialen Bewertung von rund 200 Millionen US-Dollar und steht jetzt mit 330 Millionen fast dreimal höher als EDAP.

Das ist ziemlich überraschend.

Zuerst einmal wegen der Zahlen: Die Firma EDAP ist seit 30 Jahren am Markt, hat weltweit seit Jahren viele Geräte in Top-Kliniken im Einsatz, auf denen schon fünfzigtausend Patienten behandelt wurden, davon Zehntausende auf der neuesten Gerätegeneration.

Mehrere prospektive wissenschaftliche Studien belegen den Behandlungserfolg. Finanziell steht EDAP mit 40 Millionen Jahreseinkünften an der Schwelle zur Profitabilität, trotz enormer Entwicklungskosten.

Profound Medical dagegen existiert nicht so lang, hat viel weniger Geräte installiert, es wurden höchstens ein paar Tausend Patienten behandelt, es gibt wenig Studien, die Firma macht bei nur kleinen Einnahmen riesige Verluste.

Manchmal schadet es nicht, auch etwas von Medizin zu verstehen: Soweit bekannt machen TULSA und fokales HIFU sehr wenig Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz.

Für HIFU weiss man das seit einer englischen Studie mit einem Gerät der (nicht an der Börse gehandelten) Firma Sonacare von 2018, welches das gleiche Prinzip verwendet wie Focal One.

Profound’s TULSA verwendet aber nicht HIFU, sondern parallel gebündelten Ultraschall, was keine Konzentration an einem Punkt erlaubt. Die Prozedur braucht bei TULSA mit 4 Stunden fast doppelt so lang wie bei Focal One.

Es braucht bei TULSA neben dem urologischen Operateur während der ganzen Prozedur einen Magnetresonanz-Tomographen (MRI) und einen Radiologen, beides knappe Ressourcen.

In vier Stunden kann ein Radiologe mit MRI in circa 12 Untersuchungen Einnahmen von mindestens 5’000 Franken generieren. Die TULSA-Prozedur wird dadurch entscheidend verteuert und ist deshalb trotz gleichen Resultaten nicht konkurrenzfähig.

So blieb die unterschiedliche Börsenbewertung immer ein Paradox.

Bis gestern. Da ist mir ein Prospekt von Profound Medical von 2020 in die Hände geraten, der behauptet, dass die Prostata-Operation mit der Konkurrenz HIFU in 58 Prozent zu Impotenz und in 35 Prozent zu einer Harnröhren-Verengung führe, während diese Komplikationen bei TULSA kaum aufträten (Link zum Prospekt).

Diese Zahlen zirkulieren auch im Internet, und offensichtlich glaubt sie die Börse, denn nur damit wäre ein solcher Bewertungsunterschied gerechtfertigt.

Diese Behauptung ist allerdings eine unverfrorene Desinformation (wir wollen nichts Schärferes gebrauchen, um nicht ein Gerichtsverfahren zu riskieren).

Denn Profound gibt Komplikationsraten für veraltete HIFU-Vorgängergeräte (wie Ablatherm 2010-2014) an, welche noch nicht eine fokal konzentrierte Prostata-Behandlung machen konnten, sondern die ganze oder allenfalls halbe Prostata zerstörten.

In Konkurrenz steht Profound aber nicht mit diesen veralteten Geräten, sondern mit einer neuen Gerätegeneration, unter anderem dem schon 2014 eingeführten Focal One, das die Behandlung millimetergenau platziert und nur sehr selten Komplikationen macht.

Sobald die Investoren diese Desinformation bemerken, werden sie von PROF zu EDAP flüchten, und der Börsenwert wird sich umkehren.

Von EDAP habe ich, wie schon zuvor offengelegt, soviel gekauft, wie ich vermag. PROF besitze ich selbstverständlich nicht, auch keine Puts.

Kommentare

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  1. An die Kritiker, welche die FINMA auf den Plan rufen wollen: Ich halte nicht mehr als ein Dutzend Aktien, meist jahre- und jahrzehntelang, darunter immer ein paar Medtechaktien, von denen ich etwas verstehe und die ich sehr gut kenne. Es freut mich, damit den medizinischen Fortschritt zu unterstützen und daran teilzunehmen, das ist weder ehrenrührig noch strafbar. Und dabei erfährt man halt manchmal etwas, was Börsianern entgeht. Lukas Hässig hat mich mehrmals für einen Artikel gefragt. Nachdem mir zweimal nichts eingefallen ist, habe ich das dritte Mal gedacht, ich könnte ja die Finanzwelt darauf aufmerksam machen, dass die messerlose Chirurgie mit HIFU ein auch finanziell unterschätzter Wachstumsmarkt ist. Auf den darauffolgenden Sturm im Wasserglas war ich offen gestanden nicht gefasst. Jenen, die das als Schrott bezeichnen sei in Erinnerung gerufen, dass die Methode im Universitätsspital Zürich seit 2014 (!) angewendet wird: http://www.urologie.usz.ch/fachwissen/prostatakrebs/Documents/HIFU%20Punktgenau.pdf. Beim Schreiben des Artikels habe ich festgestellt, dass eine Konkurrenzfirma mit irreführenden Angaben über HIFU arbeitet, welche schon fast die Frage des unlauteren Wettbewerbes aufwerfen. Es kann ja wohl nicht verboten sein, über diesen Tatbestand zu berichten. Aktien habe ich vor und seit Erscheinen der beiden Artikel weder gekauft oder verkauft, werde es auch nicht tun, weil ich bezüglich der weiteren Entwicklung sehr optimistisch bin.

  2. Ihre medialen Werbespots für von Ihnen zu viel höheren Preisen von 28. September könnten eventuell nlch als Ausrutscher durchgehen.

    Mit Ihrem heutigen Post haben Sie jedoch die Grenzen des juristisch Zulässigen und Tolerierbaren überschritten.

    • Da Vinci (ISRG) ist minimal invasive Roboterchirurgie der Prostata und anderer Organe und hat für gewisse Anwendungen Vorteile. An der Prostata geht HIFU nur für lokalisierte und nicht allzu bösartige Krebse und hat dann einen Vorteil gegenüber manueller und robotischer Chirurgie und zwar bezüglich Preis und Nebenwirkungen. HIFU kann deshalb dem da Vinci einen kleineren Teil seiner Anwendungen wegnehmen.

  3. Herzlichen Dank für den gut reserchierten Bericht. Ich habe natürlich auch gleich nach dem ersten Bericht EDAP shares gekauft und bin damit bis dato sehr zufrieden. Ich hoffe dass Theraclion auch eine breitere Basis findet.

    • wie offensichtlich hier irgendwelche medizinische Aktien gepusht werden ist ja under jeder Sau… fuer irgendein provinz Blog ok, aber fuer Inside Paradeplatz ist das nur erbaermlich.

    • Also wenn Sie schon von tiefem Nievau sprechen, würde ich den IP Finanzblog nicht gleich davon ausnehmen 😉

  4. Ich warte immer noch auf die versprochenen prospektiven vergleichenden (und von der Industrie unabhängigen) Studien, die auf dem Blog von Lukas Fierz bis jetzt nicht – wie neulich versprochen (siehe oben) – aufgeführt sind…

    • Lieber Heinz, in diesem Beitrag ist die grosse englische Studie 2018 zitiert und Profound hat 2019 die TACT-Studie herausgebracht, die sie in ihrem eigenen Prospekt anführen. Wir sind hier aber nicht in der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift und so darf man auf die Originalliteratur und die Reviews verweisen, die man googeln kann. Die FDA hätte die Methode nicht akzeptiert und die Spitäler von Zürich, Winterthur, Aarau, Lausanne und Genf hätten sie nicht eingeführt, wenn sie nicht überzeugend wäre. Dass man in Bern noch nichts davon gehört hat überrascht mich nicht.

    • das ganze ist ja lachhaft.. wie Fierz da illegal seine eigene Aktienpositionen pusht…voellig schamlos.. und der LUkas Haessig lasst sein Blog zu so einem Mist zu verfallen

  5. Lukas Fierz als Anlageberater?

    Oder gehen dem Lukas die Themen aus?

    Was muss ich bezahlen um meine Penny Stocks hier ins Schaufenster stellen zu können? Mit einem strong buy Versehen!

    Ziemlich verwegen diese Masche 🤬🤬

    • Gute Frage was kriegt der Fierz von wem um irgendwelche Bullshit-Titel zu foerdern.

  6. das ist verbotenes/reguliertes marketing für finanzinstrumente, es ist der versuch, in einem marktengen titel durch pushen von kaufaufträgen die eigene position zu frisieren.
    die finanzmarktaufsicht wird sich das sicher ansehen.
    herr hässig: echt jetzt? jetzt auch noch so etwas? nicht nur eine bühne für parteiparolen und generell politische agitateure sondern jetzt auch noch eine plattform für marktmanipulation? sie wissen schon, dass man sich auch ansehen wird, welche interessen sie verfolgen? und seien es die werbegelder durch die klicks, die hieraus generiert werden…

  7. Lieber Herr Fierz

    nach Ihren ersten Bericht sind die Aktien von ALTHE.PA um etwa 50% gestiegen, diejenigen von EDAP um etwa 15%.

    Zufall?

  8. du weisst dass es illegal ist deine Aktieninvestments zu pushen wenn du das nicht darlegst dass du Aktien besitzt. Ich habe deinen Bericht and die FINMA geschickt die werden sich um dich kuemmern.

    • Nicht Illegal, aber ätzend, sich als anonym-feiger Besserwisser aufzuspielen.

      Wäre toll, wenn du hier deine Identität preisgeben und in einen offenen Diskurs treten würdest.

      Oder hast du etwa selber etwas zu verbergen?

    • Ist ja alles offengelegt. Und das ändert nichts daran, dass Profound Medical ihr Produkt noch 2020 mit Angaben anpreist, die seit Jahren nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen.

    • hat er doch.. du solltest halt den Artikel fertiglesen.

      Danke an den Autor. Scheint mir gut argumentiert zu sein.

    • Der kleine Hilfssheriff bemüht in bekannter Blockwart-Manier die FINMA.
      Die hat schon keinen Finger gerührt bei Fällen, wo Fleisch am Knochen war.

    • Stephan Thalman…waerend normal buezer wie du mit glueck in aktien investiert… pusht dieser so genannte journalist seine eigenen Aktientitel und alles worueber du dich kuemmerst ist wer dir diesen tip bringt. Fakt ist das ganze stinkt zum himmel ein Bankenblog und Medizin.. HALLOOO?

    • …ach ja…seh mal an Stephan Thalmann ist auch Aktionaer… alles abekartertes Spiel. Lukas Haessig Du wirst hier ueber den Tisch gezogen wenn deine eigenen Journalisten dein Bankenblog missbrauchen um irgendwelchen medizinischen Mist zu pushen….