10 Jahre dauerte die Revision der Brandschutzvorschriften (BSV), 140 Experten und 64 Organisationen haben an der BSV 2026 mitgewirkt.
Sie soll im Frühjahr 2027 in Kraft treten. Mitglieder des wichtigen Steuerungsausschusses waren unter anderem der Hauseigentümer-Verband Schweiz (HEV) und der Verband der Immobilienfachleute (SVIT).
Die Autoren geben offen zu, dass eine Deregulierung angestrebt wird: „Ziel ist es, den Umfang der Vorschriften zu reduzieren, um damit die Flexibilität zu erhöhen.“
Die Eigenverantwortung „soll weiter gestärkt werden.“ Die neuen Bestimmungen der BSV 2026 „lassen flexiblere Lösungen zu“.
Das sind gute Nachrichten für aktuelle Hausbesitzer und zukünftige. Für Gäste von Do-it-yourself-Liegenschaften weniger.
Die Vernehmlassung dauert nicht mehr lange. Am 11. Januar um 23:59 Uhr ist Schluss. Die Bauherren werden nächstes Jahr bestimmt aufatmen.
„Bei der Umnutzung bestehender Bauten waren Fluchtwege bislang oft schwer vorschriftskonform umzusetzen“, sagt eine Projektleiterin der BSV 2026.
„Der aktuelle Entwurf der Brandschutzvorschriften 2026 sieht hier flexiblere Vorgaben vor (…).“ Die Fluchtwege dürfen Stand heute länger ausfallen: 100 statt 50 Meter.
Zudem darf ab 2027 die Fluchtzone auch genutzt werden; Inventar hinstellen soll erlaubt sein. Und das im Land, wo in Mietshäusern Schuhregale vor der Haustüre nicht erlaubt sind.
In Mehrfamilienhäuser bis zehn Wohnungen sowie Räumen mit Belegung von 301 bis 600 Personen wird es ausserdem keine Abnahmen und Kontrollen durch die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) mehr geben.
Das soll durch Eigenverantwortung geschehen.
Jährlich brennen in der Schweiz 20’000 Gebäude. Bei der Vernehmlassung haben sich die Lobbyisten anscheinend trotzdem einmal mehr durchgesetzt.
Für ein Einfamilienhaus gibt es auch künftig kaum Anforderungen.
Doch jetzt fällt die ganze Revision in sich zusammen, da die Rechnungsgrundlage durch das Unglück in Crans-Montana nicht mehr stimmt.
„Derzeit liegt die Anzahl an Todesfällen durch Brände in der Schweiz bei rund 20 Personen pro Jahr“, heisst es im Detailkonzept An Neujahr sind mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen.
Die Riesenübung der zehnjährigen Revision wird vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben. Wie nötig sie war, ist unklar.
Eine Umfrage bei den Stakeholdern zeigte, dass die mit den aktuellen Regeln happy sind. Im Fazit heisst es, dass „keine neuen grösseren Handlungsfelder neben den bereits bekannten aufgedeckt wurden“.
In der Regel kommts gut raus und Ausnahmen bestätigen die Regel. Oder?
Die Politik ist zu einem Krebsgeschwür verkommen. Der Körper leidet darunter. Wenn das Geschwür weg ist, fühlt er sich wieder wohler!
Die Brandschutzvorschriften für Räume mit grossen Menschenansammlung gösser als 50 Personen, wie Theater, Disco, Kino etc. werden sicher anders wie Wohnhäuser geregelt.
Klar. Siehe Nutzergruppe E (Wohnen) vs. Nutzergruppe C (Restaurant / Bars / Kinos etc). Mit diesem Wissen muss die Planerschaft (und die ggf. kommunale Bewilligungsbehörde) nun das 500 Seiten Werk im Baukastenprinzip „durchforsten“.
Kurze Auflösung:
Unter 300 Personen brauchts aber praktisch kaum Massnahmen (exkl. Fluchtwege – erhöhte Anzahl und Breite, wie bisher).
NB: Da den Architekt*innen und Eigentümerschaften die 90 cm
Brandschutztüren zu teuer und „breit“ waren, müssen die künftig nur noch 80 cm breit sein (die Gesamtbreite in Räumen mit grosser Personenbelegung bleibt aber gleich).
Jetzt sollen die ohnehin laschen „Laissez-faire“-Brandschutzvorschriften noch weiter gelockert werden, damit die satten Immobilienbarone sich ihre prallen Beutel mit noch mehr Zaster stopfen können, denn schliesslich sind für so ein Brandschutzgutachten regelmässig rund 400 Franken zu berappen. Oh weh, mir weinet das Herz, das ist zu viel, und schon jaulten sie wie die geschlagenen Hunde vor den Stadttoren in Bern drehten sich die Sache zurecht. Nein, GENUG IST GENUG.
Ein weiteres Beispiel der völlig verluderten Politik in Bern. Es werden nur noch Interessen der Lobbyisten/Auftraggeber vertreten. Hört auf Parteilisten in die Urnen zu legen – schaut genau hin, welche Interessen ein Kandidierender vertritt und Ihr werdet feststellen, dass die meisten nicht wählbar sind. Was wir als Milizsystem hochleben lassen ist vielen Fällen an der Grenze zur Korruption…
Absolut richtig! Bitte aber trotzdem mal schauen, welche Parteien die meisten bezahlten Ämtli und Nebeneinkünfte haben und somit nicht das Volk vertreten. Tipp: Linksgrün ist es nicht (was mir hier vermutlich viele Daumen nach unten einbringen wird)
Dieser Beitrag hilft kaum. Der Fluchtweg in Crans Montana war kaum über 50 Meter lang. Hätte das Personal die Musik sofort abgestellt und eine Evakuierung befohlen, wäre alles glimpflich verlaufen. Der brennbare Schaum an der Decke und das Fehlverhalten des Personals verursachten das Inferno.
Jetzt braucht es keine unnötige Auflagen die kaum je nützen und mindestens viele Zehntausende Franken kosten.
„Jetzt braucht es keine unnötige Auflagen die kaum je nützen und mindestens viele Zehntausende Franken kosten.“
Eine recht zynischer Kommentar: Bei der Bar Le Constel wären ein paar Zehntausend Franken sicher gut investiert gewesen, wenn man damit 40 Tote und 195 Schwerverletzte hätte verhindern können. Gäbe es z. B. die Auflage, dass man an direkt zugänglichen Stellen nicht leicht brennbares Material verbauen dürfte, wäre es nicht zur Katastrophe gekommen.
Ich bin in der Branche zuhause als Inspektor für Technischen brandschutz (BMA, AWLA). Wir haben die Themen auch geprüft und haben diverse Einsprüche die wir auch über die Platform eingegeben haben. Beim umhören und Diskussionen mit Kollegen kam die selbe Meinung das diverse Punkte zwingend angepasst werden müssen und die BSV 2026 nicht mehr sicherheit bringt und erhebliches Risiko abgegeben wird. Leider kam aber auch von vielen zurück das sie nichts eingeben „da es nichts bringt“ aus meiner Sicht die falsche Einstellung.
Ich hoffe das die BSV 26 in der Politische Vernehmlassung abgelehnt wird
Zum Mitschreiben:
In der alpinen Bananenrepublik Schweiz haben wir ein massives Korruptionsproblem.
Unser direkte Demokratie ist zu einem dekorativen Feigenblatt verkommen. Unliebsame Abstimmungsergebnisse und Verträge werden nicht umgesetzt von der Politik (bspw. Alpeninitiative, Verwahrungsinitiative, Masseneinwanderungsinitiative, Ausschaffungsinitiative, Schutzklauseln aus bilateralen Verträgen mit der EU).
Normale CH-Bürger werden wegen jeder Kleinigkeit gegängelt, Berufskriminelle kommen schlimmstenfalls mit bedingten Strafen davon oder werden noch belohnt.
Kontrolle der Brandschutzmassnahmen geht in bürgerlichen (SVP/FDP/Mitte) Kantonen so: Hauseigentümer lädt Kontrolleure zu einem Glas Wein ein, dann sitzen sie zusammen bis um 11.45; dann sagt der Kontrolleur: „So, denn hetted’mer’s wieder e mal.“ Dann unterzeichnen sie das vorgedruckte Formular „i.O.“ und gehen zum Mittagessen.
Beni vergiss vor lauter Feuerschutz-Expertisen nicht, dich über den Nervenzusammenbruch des SRF Korrespondenten lustig zu machen. Ist doch genau dein Niveau oder?
Solange Frenkel Beni noch auf IP schreibt, hoffe ich auf das Ende von diesem Katastrophenblog.
Geiger könnte ja das Schlusswort halten und die Leser wieder hässig machen.
Siehe hier:
https://www.srf.ch/news/schweiz/sparen-im-gesundheitswesen-so-will-der-nationalrat-mit-freiburger-modell-kosten-sparen
Dass dieser Ansatz um Kosten im Gesundheitswesen zu reduzieren von unserem Lobbyisten-Parlament unterbunden wurde, genauso wie praktisch alles, was den Profit der Pharma-Industrie schmälern könnte, ist absolut typisch für das, was in der CH-Politik seit vielen Jahren schief läuft.
Deshalb überrascht die geplante Aufweichung von Brandschutzvorschriften nicht wirklich.
Wie tief will unsere Politik noch sinken? Moral, Anstand, Gewissen, Ethik? Wo?!
Zumindest Feuerlöscher, eingesetzt durch Barbetreiber und Personal, hätte das Unmögliche im Schadenausmass stark begrenzt. Einfach nur Feuerlöscher…
Auf Druck der Eigentümerschaften, Vermieter- und Immobilienlobby werden in einer Bar / Disco bis 300 Personen künftig *gar* keine Feuerlöschgeräte (nicht einmal eine Löschdecke fürs Fondue Rechaud) mehr vorgeschrieben sein.
Die Anschaffung eines Feuerlöschers für rund CHF 350.- / 10 Jahre sei nicht „verhältnismässig“, wenn man die theoretischen Kosten eines Brandes und eines Menschenlebens berechne.
Ein Schelm, wem hier keine Zweifel
kommen … 🙁
Einfach ein kleines Stück Schlauch an einem gewöhnlichen Wasserhahn hätte wohl schon Wunder gewirkt.
Wenn Gartenhunde-Häuschen durch 2 cm. von der Norm abweicht, sind zuständige Gemeindeinstanzen und gegebenfalls mit Oberbehörden rasch zur Stelle, Private zu schikanieren. Wei Gösserem Schauen Sie von Beginn an weg.
Das Eigenverantwortung nicht funktioniert, wissen wir spätestens seit Corona. Auf so etwas können nur Politiker und „Experten“ kommen. Ist es Lebensbedrohlich, muss dies extern geprüft werden. Punkt, Disskussion zwecklos!
Das klingt zwar attraktiv für Hausbesitzer, birgt aber Risiken. Weniger Vorschriften und mehr Eigenverantwortung bedeuten, dass Sicherheitsstandards stärker von der Sorgfalt Einzelner abhängen. Für DIY-Immobilien oder Laien kann das schnell problematisch werden. Flexibilität ist gut, aber Brandschutz sollte nicht zu sehr dem persönlichen Ermessen überlassen werden.
Hier auf IP sind doch immer alle gegen Vorschriften und Bürokratie, oder?
Das war eine harte Lektion, weshalb Vorschriften ihre Berechtigung haben. Und allem Anschein nach noch immer nicht genügen.
Genügen tun sie vielleicht schon, aber sie müssen auch durchgesetzt werden…. das kostet….
Auch der Sohn hat bei den Umbauarbeiten tatkräftig unterstützt.
„Eigenverantwortung“ ist eine blosse Fassade und greift, leider, in vielen Fällen nicht, da Gier ein stärkerer Impuls des Menschen ist.
Politiker und Chefbeamte, das einzige M Syndikat das von der Polizei und der Justiz nicht gejagt, sondern beschützt wird.
Nur Sammelklagen in Milliardenhöhe gegen den Kanton können die Politik zum Umdenken zwingen. Denn dann muss der Bund eingreifen um eine Pleite zu verhindern.
Mehr Eigenverantwortung für die Immobilienbesitzer bedeutet letztlich doch, dass das juristische Risiko in Bezug auf Haftung und Strafe bei einem Brand grösser wird. Das wollen die Lobbygruppen aber sicher auch nicht.
Dass diese Revision nun hinfällig ist muss wohl klar sein!
Eigenverantwortung ist Gut, Kontrolle ist Besser!
Es gibt viele Faktoren die für den Brandschutz eine Rolle spielen.
Notausgänge, Fluchtwege, Not/Beleuchtung, Lüftung, Materialeigenschaften im Brandfall, Feuerlöscher, Ausbildung für das Verhalten im Brandfall, Lagerung von Gegenständen und Material mit einer Brandlast oder gefährlichen Dämpfen.
Und das kann im Detail nur ein gut ausgebildeter Fachmann erkennen und
kontrollieren!
im Vollbrand steht, wird über andere Themen geredet werden, wie über verbrannte unterirdische Partyräume. 🤑😉
Na ja, Crans hat auch mit Eigenverantwortung zu tun. Nur eben, Eigenverantwortung funktioniert nur, wenn die Strafen.entsprechend angehoben.werden
Das vermeidet aber keine Toten oder Verletzte.
Nebst dem schrecklichen Leid einer Brandverletzung sind die Behandlungskosten über Monate mit vielen Operationen sicher sehr teuer und wenn man präventiv für weniger Fälle sorgen kann, sollte man das tun.
Es ist ehrlich zu hoffen, dass die Tragödie von Crans-Montana bei den Revisoren der bevorstehenden Lockerung der Brandschutz-Vorschriften, die Augen öffnet und sie den Mut aufbringen, über ihren Schatten zu springen und Alles nochmals gewissenhaft zu überdenken. Danke !