Dubai galt lange als Tresor des Nahen Ostens. Steuerfrei, politisch stabil, luxuriös inszeniert.
Für die Superreichen aus der Golfregion war die Metropole das, was die Schweiz für Europa einmal war: diskreter Hafen für Vermögen.
Diese Ära bekommt Risse. Und zwar schneller, als den Behörden in den Emiraten lieb sein kann.
In Zürcher Privatbanken klingeln seit Wochen die Telefone. Vermögende Kunden aus der Golfregion melden sich plötzlich mit einer Frage, die Banker seit der Finanzkrise kaum mehr so geballt gehört haben:
Wie schnell lässt sich Geld in die Schweiz transferieren?
Mehr als ein Dutzend Vermögensverwalter und Berater, die zusammen Vermögen von über einer Billion Dollar betreuen, berichten laut Reuters übereinstimmend von einer spürbaren Welle an Anfragen.
Viele der Klienten sind dieselben Familien, die in den vergangenen zehn Jahren Milliarden nach Dubai und Abu Dhabi verschoben hatten.
Der Richtungswechsel kam abrupt.
Seit iranische Raketen und Drohnen näher an Ziele im Golf heranrücken, prüfen zahlreiche Vermögende ihre Exponierung in den Emiraten neu.
Einige beginnen bereits mit Transfers, andere rechnen zumindest durch, wie schnell sich Depots, Holdings und Liquidität verlagern lassen, ohne dass jede Compliance-Abteilung Alarm schlägt.
Die Schweiz profitiert dabei von einem alten Ruf, der sich trotz internationalem Druck nie ganz aufgelöst hat. Politische Neutralität, geografische Distanz zu geopolitischen Konflikten, stabile Institutionen und ein Finanzplatz, der weiterhin als diskret gilt.
Auch wenn das Bankgeheimnis längst nicht mehr den Schutzschirm früherer Zeiten bietet.
Hinzu kommt die Währung. Der Franken hat in den vergangenen Wochen deutlich aufgewertet und bewegt sich gegenüber Euro und Dollar nahe mehrjähriger Höchststände.
Ein klassisches Muster in Zeiten geopolitischer Unsicherheit: Kapital sucht Sicherheit, und der Franken gehört nach wie vor zu den bevorzugten Fluchtpunkten.
Auslöser der neuen Nervosität waren die Militärschläge der USA und Israels gegen Ziele im Iran vor 14 Tagen, gefolgt von iranischen Gegenangriffen auf Einrichtungen in der Golfregion.
Damit rückten plötzlich auch wirtschaftliche Infrastrukturen in die strategische Reichweite eines Konflikts, der lange als regional begrenzt galt.
Flughäfen, Häfen, Energieterminals und Finanzzentren geraten in eine neue Risikokategorie.
Dubai hatte jahrelang versucht, sich als eine Art „Schweiz des Ostens“ zu positionieren: steuerlich attraktiv, regulatorisch flexibel, mit schnellen Visa-Prozessen für internationale Investoren.
Für viele Unternehmer aus Russland, Indien, Afrika und dem Nahen Osten funktionierte dieses Modell.
Doch der geopolitische Schutzschirm wirkt plötzlich dünner.
Besonders heikel sind iranische Drohungen gegen Finanzinstitutionen mit engen Verbindungen zu den USA oder Israel. In den Hochhäusern des Dubai International Financial Centre stellen sich Führungskräfte daher zunehmend eine pragmatische Frage:
Wie sicher ist der Standort im Ernstfall?
Einige Unternehmen beginnen offenbar bereits, Mitarbeiter zu verlagern oder zumindest Notfallpläne zu prüfen.
Privates Kapital reagiert traditionell schneller als staatliche Fonds. Während Regierungen in der Golfregion ihre milliardenschweren Staatsfonds überprüfen und mögliche Umschichtungen diskutieren, handeln vermögende Familien oft unmittelbarer.
Sie rufen in Zürich, Genf oder Lugano an. Fragen nach neuen Konten, nach Depotüberträgen, nach Holdingstrukturen.
Die Rückmeldungen aus der Schweizer Finanzbranche fallen entsprechend pragmatisch aus: Die Infrastruktur steht bereit, und Transfers lassen sich schneller organisieren, als viele glauben.
Ein Vermögensberater formuliert es nüchtern: Der Krieg hat Entscheidungen beschleunigt, die ohnehin im Raum standen.
Kunden, die noch vor wenigen Wochen zufrieden in den Emiraten investiert waren, suchen plötzlich geografische Distanz zum Konfliktgebiet.
Die Schweizerische Nationalbank signalisiert zwar Bereitschaft einzugreifen, sollte die Aufwertung des Frankens zu stark ausfallen. Bisher lässt sie die Entwicklung jedoch weitgehend laufen.
Für exportorientierte Unternehmen in der Schweiz ist ein teurer Franken problematisch. Für internationale Vermögen gilt dagegen ein anderer Massstab: Sicherheit hat Vorrang.
Kapitalflucht aus dem Nahen Osten in Richtung Alpen ist kein neues Phänomen. Bereits frühere Konfliktphasen lösten ähnliche Bewegungen aus.
Der Unterschied liegt dieses Mal in der Geschwindigkeit und im Symbolwert: Dubai verliert zumindest kurzfristig den Nimbus eines unangreifbaren Finanzhafens.
Offiziell bestätigt sind milliardenschwere Transfers bisher kaum. Solche Bewegungen erfolgen diskret, oft über mehrere Jurisdiktionen und Strukturen verteilt.
Doch in der Schweizer Private-Banking-Szene zeichnet sich bereits ein klarer Trend ab. Sollte die militärische Eskalation im Nahen Osten anhalten, könnte ein erheblicher Teil des Golfvermögens wieder dorthin zurückkehren, wo internationale Investoren seit Jahrzehnten Zuflucht suchen.
Eine Frage an den Finanzexperten. Um den Druck auf den CHF nicht zu erhöhen, kann man den Kunden die ihr Geld in die Schweiz bringen wollen, den Wechsel in CHF ablehnen und nur Fremdwährungskonten wie USD, Euro, Yuan anbieten?
Nach einer erzwungenen Umschichtung im Depot der mit 70% Wertverlust endete (swap CS auf UBS Aktie) ist die Schweiz kein sicheres Hafen mehr. Dem Bundesrat sei dank.
Genau, wenn die Regierung nicht eingegriffen hätte, hätte die CS Aktie sich wieder erholt und wäre heute 100 Fr. wert, jawoll.
Die Schweiz sollte jetzt raschmöglichst der EU beitreten!
Denn, die Verteidigung Irans hat Französische und Niederländische truppen getroffen, also Natoländer. Dieser Krieg benötigt wahrscheinlich bald EU Personal. Mit dem EU beitritt kann die Schweiz auch ihre Kinder an die Front schicken.
Das ist doch dass, was Cassis und unsere rechten Trump/Bibi Anhänger doch gerne wollen, oder habe ich da was falsch verstanden?
Sie müssen ihren Kommentar als Ironie markieren.
Ehrliche Berater werden ihren Kunden leider davon abraten müssen, Geld auf Schweizer Banken zu transferieren. Die Willkür von Staat und Banken sind zu gross. Auch der ehrlichste Kunde muss jederzeit damit rechnen, dass seine Vermögenswerte jederzeit und grundlos blockiert werden. Da kann man das Geld grad in Dubai lassen.
Hoffe, sie verlieren eine schöne Stange Geld mit dem Übertrag ders Depots.
Ausgerechnet in die Schweiz. Kriegspartei, Neutralität vom BR aufgegeben.
Aber die denken sich vermutlich, lieber die akute Gefahr der Beschlagnahmung in der Schweiz, als Bombenexplosionen in den Dubai Büros.