Nach der Besetzung der Eidgenossenschaft 1798 durch Frankreichs Truppen und der Konstruktion der „Helvetischen Republik“ erklärte sich Napoleon zu deren „Mediator“.
Der Kaiser Frankreichs schaffte in der Folge wichtige Grundpfeiler, um die Schweiz in die Moderne zu führen:
Alle Bürger wurden vor dem Gesetz gleich, die alten Vogteien abgeschafft; die Mediations-Akte von 1803 war für die Schweiz eine erste moderne Verfassung.
Die Schweizer Eidgenossenschaft, wie sie aus dem Westfälischen Frieden von 1648 hervorging, wurde renoviert und neu etabliert.
Bis dahin war sie lediglich geduldet und stand mehr oder weniger unter dem Schutz der österreichischen Habsburger Monarchie.
Der Widerspruch zwischen dieser alten und neuen Ordnung spaltete das Land – es war im Sandwich der zwei wichtigsten Protagonisten dieses Widerspruchs, Frankreichs und Österreichs.
1813 spitzte sich dieser Widerspruch zu, als sich im Gefolge der Allianz von russischen, preussischen und österreichischen Truppen Napoleon nach Frankreich zurückziehen und das Rheinland aufgeben musste.
Die Alliierten stritten intensiv darüber, ob sie ins französisches Kernland einmarschieren sollten oder nicht, entschieden sich schliesslich dafür und wollten an drei Stellen vorstossen. Dabei mussten die Truppen auch über helvetisches Territorium.
In der Tagsatzung vom 21.November 1813 wollten die Eidgenossen entscheiden, ob sie diesen Übertritt gewähren sollten oder nicht.
Die durch Napoleon entstandenen und vom alten Bern unabhängig gewordenen Kantone wie die Waadt oder der Aargau hielten zu Frankreich, die alten Kantone des „Ancien Regime“ wollten zur Koalition unter Führung Metternichs wechseln.
Als schliesslich Napoleon freiwillig auf seine Mediator-Rolle verzichtete, deklarierte sich die Schweiz in diesem europäischen Krieg als neutral.
Als die österreichischen Truppen unter Führung Schwarzenbergs die Schweiz zwischen Basel und Schaffhausen trotzdem übertreten und damit diese Neutralität verletzen wollten, pfiff sie ausgerechnet der russische Zar Alexander zurück.
Dem ansonsten verständlicherweise sehr viel daran lag, nach dem grauenhaften Russlandfeldzug von Napoleon die Franzosen in ihrem eigenen Land militärisch vollständig in die Knie zu zwingen.
Als Metternich via seinen österreichischen Kaiser Franz wiederum trotzig den Befehl zum Weitermarsch gab, kam es zum ernsthaften Zerwürfnis mit dem Zaren.
Es also war ausgerechnet ein Russe, der die Schweizer Neutralität vor 213 Jahren gegen Österreich zu schützen versuchte.
Als Napoleon besiegt war, marschierte Zar Alexander als Erster in Paris ein. In der Folge wurde Paris das Zentrum von Europa.
Nicht nur für die Diplomatie, auch gesellschaftlich. In einer lockeren Atmosphäre wurde dort mit Frankreich, repräsentiert durch die Übergangsregierung von Talleyrand, am 30. Mai 1814 der Friedensvertrag von Chaumont unterzeichnet.
Dieser bestätigte die unabhängige Schweiz schriftlich und offiziell, obwohl der preussische Berater des Zaren, der eine eigene Neuordnung von Deutschland anstrebte und dabei diesem auch Teile der Schweiz einverleiben wollte, dies Alexander auszureden versuchte.
Auch diesmal blieb der Zar standhaft und verteidigte eine unabhängige und neutrale Schweiz.
Schliesslich auch auf der Friedenskonferenz in Wien 1815 und der dort ratifizierten Verfassung für eine unabhängige und neutrale Schweiz, wie wir sie heute kennen.
Sie kam nur durch einem standhaften und beharrenden russischen Zaren gegen den Widerstand von Preussen und Österreich zustande.
Quelle: Adam Zamoyski: 1815 – Napoleons Sturz und der Wiener Kongress
Danke. Ich habe mich schon immer gewundert wie es kommt, dass so viele Russinnen in der Schweiz leben.
Es gibt übrigens einige Orte in der Schweiz die nach den Russen benannt sind. Zum Beispiel RUSSwil, RUSSikon, RUSSy.
Es war auch der russische Diplomat, der als Sondergesandter und enger Berater von Zar Alexander I. am Wiener Kongress 1814/15 massgeblich die Unabhängigkeit, die föderale Einheit und vor allem die immerwährende bewaffnete Neutralität der Schweiz durchsetzte.
Meiner Meinung nach hätten Cassis und die Schweiz etwas mehr Dankbarkeit zeigen können.
Richtig – und sein Name: Ioannis Kapodistrias, der spätere griechische Präsident. Er hat am Wiener Kongress diese Lösung vermittelt.
Unsere Dankbarkeit sollte ihm sicher sein.
Der russische General Alexander Suworow (Schlacht bei der Teufelsbrücke im Jahre 1799 und Alpenüberquerung) ist der Ausländer mit den meisten Denkmälern in der Schweiz. Er hatte den Eidgenossen geholfen, sich gegen die Franzosen unter Napoleon Bonaparte zu verteidigen.
Nicht nur das, während der schweren Hungersnot in der Schweiz 1816/17 (nach dem „Jahr ohne Sommer“ 1816) spendete der russische Zar Alexander I. 100’000 Rubel und lieferte Getreide zur Linderung der Not.
Die Schweiz war in Russland vor dem 2. Weltkrieg sehr präsent. Seien es die Engadiner Zuckerbäcker oder auch Bauern die in den Osten auswanderten und mit ihrem Know-how viel zur Entwicklung der lokalen Landwirtschaft beitrugen.