Es gibt eine Zahl, die den Unterschied auf den Punkt bringt: 155 Millionen Franken.
So viel könnten Schweizer Unternehmen jährlich einsparen, wenn ihr Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten — Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay — in Kraft wäre.
Das Abkommen ist unterzeichnet, seit September 2025. Und trotzdem zahlen Schweizer Exporteure weiterhin Zölle auf jedem Franken, den sie in diesen Märkten umsetzen.
Die EU kann ab 1. Mai 2026 je nach Produkt früher Präferenzen nutzen; ein Teil der Zollsenkungen greift sofort, andere erst schrittweise.
Brüssel nutzt ein Instrument, das die Schweiz nicht kennt: das Interims-Handelsabkommen, kurz iTA. Es deckt ausschliesslich den Handelsteil ab und tritt in Kraft, ohne dass alle 27 nationalen Parlamente ratifiziert haben müssen.
In der Schweiz dagegen durchläuft jedes Freihandelsabkommen das volle parlamentarische Verfahren. Der Bundesrat hat die Botschaft am 25. Februar 2026 verabschiedet, die eidgenössischen Räte beraten in der Sommer- und Herbstsession 2026.
Inkrafttreten frühestens 2027.
Mindestens ein Jahr, in dem Schweizer Maschinen, Pharmaprodukte und Präzisionsinstrumente in Mercosur einen Zollaufschlag tragen, den die deutschen und übrigen EU-Konkurrenten längst nicht mehr kennen.
Was das Paradox schärfer macht: Die Schweiz hat das bessere Verhandlungstempo bewiesen. Die EFTA schloss ihre Verhandlungen in acht Jahren ab, wo die EU 25 Jahre brauchte.
Inhaltlich hat die Schweiz gut abgeschnitten — 96 Prozent der Schweizer Ausfuhren werden vollständig zollbefreit, über 110 Herkunftsbezeichnungen wie der Gruyère sind geschützt.
Trotzdem steht sie beim Start hintenan. Nicht weil sie schlechter verhandelt hat, sondern weil unser politisches System keine Abkürzung kennt.
Die eigentliche Dimension liegt aber nicht nur in der Zollersparnis.
Wenn Importzölle in Brasilien oder Argentinien wegfallen, werden Schweizer Produkte dort günstiger, und das setzt Nachfrage frei, die heute schlicht nicht existiert und bald von der EU besetzt wird.
Das ist der dynamische Effekt, der in der Debatte meist unterschätzt wird. Die Schweizer Exporte nach Mercosur sind zwischen 2014 und 2024 bereits um gut 30 Prozent gewachsen, ohne jede Zollbefreiung.
Mit einem funktionierenden Abkommen dürfte dieser Wachstumspfad deutlich steiler werden. Die EU-Kommission rechnet für ihren eigenen Markt mit einem Exportanstieg von 39 Prozent bis 2040.
Für die Schweiz gibt es noch keine vergleichbare Modellrechnung, aber die Grössenordnung dürfte ähnlich sein. Jedes Jahr Verzögerung ist damit nicht nur ein Jahr verpasster Zollersparnis, sondern ein Jahr verpassten Exportwachstums.
Das EU-Vorgehen ist allerdings nicht ohne Risiko. Das Europäische Parlament hat die vorläufige Anwendung explizit angefochten und den Europäischen Gerichtshof eingeschaltet; der Ausgang ist offen.
Ein Abkommen, das vor der parlamentarischen Zustimmung angewendet wird, schafft Fakten. Lieferketten passen sich an, Korrekturen werden mit der Zeit schwieriger.
Hinzu kommt inhaltlicher Widerstand. Frankreich, Österreich und Polen kritisierten das Abkommen von Beginn an, insbesondere wegen günstiger Agrarimporte aus Brasilien und Argentinien.
Bauernverbände demonstrierten auch im Winter 2025/26 in Brüssel dagegen. Bei uns haben erst die Grünen signalisiert, das Referendum zu prüfen.
Kein Schweizer Freihandelsabkommen tritt in Kraft ohne Zustimmung des Parlaments und, im Falle eines Referendums, dem Volkswillen.
Denn das EFTA-Mercosur-Abkommen untersteht dem fakultativen Referendum. Nach der Parlamentsgenehmigung läuft eine 100-tägige Frist, in der 50’000 Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt werden können.
Das Indonesien-Abkommen als bislang einziges Schweizer Freihandelsabkommen, das je vors Volk kam, wurde 2021 mit 51,6 Prozent nur knapp angenommen.
Bei einem negativen Ausgang würde das Abkommen nicht in Kraft treten. Aktiviert wird es somit wahrscheinlich erst frühestens 2028 statt 2027. Falls überhaupt.
Die EU riskiert mit ihrer Eile demokratische Legitimität und juristischen Streit. Die Schweiz riskiert mit ihrer Sorgfalt Marktanteile und Exportwachstum, das nicht zurückkommt.
Die Frage stellt sich aktueller denn je ab diesem 1. Mai. Will sich die Schweiz in Wirtschaftsfragen von der EU „abhängen lassen“, oder ist sie fähig ihr System an die veränderte Welthandelslage anzupassen?

Das Abkommen braucht es nicht. Der Gescheite kauft jetzt schon alles in Deutschland ein. Die Abzocker Preise in der Schweiz sind eine Frechheit.
Vor allem die Lohnabzocker. Ennet der Grenze bezahlt ein Arbeitgeber 1/3 vom Lohn. Weiter im Landesinnern 1/4 vom Lohn und in Nord- oder Ostdeutschland 1/5 vom Lohn. Höchstens!
Es wird Zeit, dass die Arbeitgeber aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Wenn im Ausland produziert und verwaltet wird, kann man in der Schweiz auch günstiger anbieten.
Wie war es beim Eingliederungsberater?
Wo sind die Kommentare von unseren super Hirschen Loomit und Palfner? Ohne diese geht es mir wirklich schlecht.
Die geistigen Tiefflieger sind am Fallschirm springen, es gab aber nur einen Fallschirm.
Chumi nid hüt chumi morn
Hallo Fans, bis bald, habe heute noch einen Termin bei meinem Eingliederungsberater.
Weshalb habe ich keinen Eingliederungsberater?
scheint für alle zu kompliziert zu sein.
Komisch ist es, dass bei fast allen bi- und multilateralen Zollvereinbarungen die Bauern auf der Bremse stehen. In der EU und in der Schweiz sowieso. Und das, obwohl sie zum Sozialprodukt gar nicht viel beitragen.
Kein Wunder, wird dieses unfähige naive Waschlappenkabinett zu Bern von den Bürokraten in Brüssel über den Tisch gezogen😀😀
Exporte aus der Schweiz waren noch nie vom tiefen Preis abhängig. Und die Qualität als Kaufargument wurde noch nie durch die schwachsinnige Politik bestimmt. Der Exportwirtschaft geht es immer noch besser als der Schweizer Aussenpolitik. Diese letztere wird von der noch lächlicheren EU schon lange nicht mehr ernst genommen.