(Stellungnahme von Walter von Andrian am Ende des Artikels) Der Krieg zwischen Walter von Andrian und Stadler Rail dauert schon lange. In der Szene der Eisenbahn-Journalisten ist der Fight der beiden Streithähne Dauerthema.
Doch jetzt erreicht der Konflikt zwischen dem Herausgeber der renommierten Schweizer Eisenbahn-Revue (SER) und dem Milliardenkonzern von Peter Spuhler eine neue Dimension.
Die Stadler Rail hat nämlich von Andrian ein Hausverbot auferlegt. Der Journalist, der zu den wichtigsten Vertretern seiner Gilde gehört, was die Bahnindustrie anbelangt, ist sanktioniert.
Stein des Anstosses ist ein Foto in der Schweizer Eisenbahn-Revue, das der Journalist bei einer Werksbesichtigung gemacht hatte.
Dieses Foto zeigt die neue Rheineck-Walzenhausen-Bahn aus einer Entfernung von circa 20 Metern. Während deren Design – innen und aussen – bereits letztes Jahr in einer Medienmitteilung der Appenzeller Bahnen veröffentlicht wurde, sagt jetzt ein Sprecher der Stadler Rail:
„Aufgrund von wiederholt schweren Verstössen sah sich Stadler gezwungen, gegen von Andrian ein Hausverbot zu erlassen.“
„Stadler ist es wichtig zu betonen, dass dies nicht für andere Journalisten der Schweizer Eisenbahnrevue gilt, die sich – wie alle anderen Journalisten – an zuvor abgemachte Hausregeln halten.“

Passiert ist das Ganze im März. Da hatte Stadler Rail zur jährlichen Bilanz-Medienkonferenz am eigenen Hauptsitz im Thurgau geladen.
Man habe „in Absprache mit den betroffenen Kunden … einen Fabrikrundgang in Bussnang angeboten und hierfür extra vier klar ausgeschilderte Fotospots definiert“, so der Sprecher.
„Auf die Fotografiergelegenheit sowie die geltende Einschränkung aufgrund von Geschäftsgeheimnissen der Kunden wurden alle Medienschaffenden vor dem Fabrikrundgang ausführlich und mehrmals hingewiesen.“
Alle hätten sich daran gehalten – ausser einem.

„An die Wahrung der Geschäftsgeheimnisse der Stadler-Kunden haben sich rund 100 Medienschaffende und Analysten gehalten – leider jedoch nicht Walter von Andrian.“
„Von Andrian setzte sich mehrmals eigenmächtig über die Fotoeinschränkung hinweg und fotografierte während dem Fabrikrundgang heimlich.“
Die Pics habe der SER-Chef dann in seinem Magazin gezeigt. „Darauf haben sich Kunden bei Stadler über die Veröffentlichung beschwert und auf den entsprechenden Vertragspassus hingewiesen.“
Es gilt die Unschuldsvermutung. Walter von Andrian nimmt zu den Vorwürfen wie folgt ausführlich Stellung und schildert, wie sich die Sache aus seiner Warte abgespielt hat:
„Dass die Stadler Management AG mir als Verleger und Chefredaktor der Schweizer Eisenbahn-Revue (SER) ein Hausverbot erteilt hat, trifft zu. Die darin erhobenen und in diesem Artikel zitierten Vorwürfe sind allesamt falsch.“
„Einmal mehr ist der Umgang des Stadler-Mediensprechers mit den Fakten zu beklagen: Stadler-Teams begleiteten die Journalisten auf dem Werksrundgang. Die angekündigten Schilder waren nicht überall auf Anhieb zu erkennen. In jeder unklaren Situation habe ich zuerst nachgefragt.“
„Der ÖBB-Flirt wurde deshalb nur von hinten abgebildet. Die neuen Triebzüge für die Zentralbahn (ZB) durften zunächst ‚auf Verlangen der ZB wegen eines neuen Designs‘ nicht fotografiert werden.“
„Weil die SER von der ZB schon im November (!) ganz offiziell Grafiken des neuen Designs erhalten und abgedruckt hatte, erschien dies wenig glaubhaft. Ein Mobil-Anruf bei der ZB-CEO bestätigte die Zweifel.“

„Chantal Beck, immerhin die Kundin von Stadler, wusste von keinem Verbot, klärte intern ab, rief Minuten später zurück und wies Stadler an, Fotos zu erlauben.“
„Die Karawane war jedoch schon weitergezogen. Eine Stadler-Dame führte mich nach Ende des Rundgangs nochmals zu den ZB-Zügen, um die zuvor untersagten Fotos zu ermöglichen!“
„Zurück zum Rundgang: Die Karawane war bei einer Vielzahl kaum unterscheidbarer grün-weisser Wagenkästen angelangt. Das Begleitteam nannte die Ferrovie della Sardegna, die Ferrovie della Calabria sowie Lausanne – Echallens – Bercher als Kunden.“
„Das Erlaubnisschild wurde gleich mitfotografiert und mitgedruckt! Irgendwo zwischen mehr als einem Dutzend grün-weisser Wagenkästen leuchtete im Hintergrund ein rotes Wägelchen für die Appenzellerbahnen (AB).“
„Doch diesmal stürzte meine Frage die Stadler-Truppe in Verlegenheit: ‚Es existiere dazu keine Weisung‘. Ein Zoom-Verbot konnte somit auch nicht existieren.“
„In der Petersburg schlug Stadler-CEO Markus Bernsteiner auf den Stehtisch, ohne zu verraten, warum. Nach dem Hausverbot drängte sich ein Anruf bei Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzellerbahnen (AB), auf.“
„Auch dieser Stadler-Kunde fiel aus allen Wolken und versicherte, er wisse nichts von einer Beschwerde bei Stadler. Die AB hätten im Gegenteil grösstes Interesse daran, dass die bestellten AB-Fahrzeuge breit publiziert werden.“
„Das klingt glaubwürdig, hatte er doch zwei detaillierte Renderings des Wägelchens in leuchtendem Rot schon 2025 mit einer Medienmitteilung verteilt und auf seine Website gestellt.“
„Die ‚verratenen Fabrikationsgeheimnisse‘ konnten wir auf den Bildern bisher nicht finden. Vielleicht hilft uns Stadlers gelegentlich grober Mediensprecher auf die Sprünge.“
„Stadler-Konzernchef Peter Spuhler gab auf eine Anfrage keine Antwort. Hanspeter Schwald, Verwaltungsratspräsident der Stadler Management AG, meinte knapp, dies betreffe ‚die operative Ebene‘.“