„Hans, schadet der Negativzins der SNB jetzt mehr, als dass er nützt?“

Ja, sagt Bankenprofessor Geiger. Vor vier Jahren sei die Massnahme vielleicht richtig gewesen, inzwischen verstehe sie kaum mehr jemand. Der Exportwirtschaft könnte die Notenbank jedenfalls auch anders helfen.

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  1. Sehr geehrte Herren Geiger und Hässig

    Guten Morgen.

    Soeben habe ich per Zufall Ihr Interview gesehen. Gerne möchte ich dazu kurz wie folgt Stellung nehmen:

    Erstens:
    Wie sollten unterscheiden zwischen absoluten Zinsen und relativen Zinsen. Absolut gesehen sind negative Zinsen per se nicht „negativ“. Wenn die Marktzinsen generell negativ sind, so muss sich eine Zentralbank anpassen. Die Zentralbanken sind ja nicht „Meister“ der Zinsen, sondern sie sind wie ein Hündchen, das seinem Meister vorauseilt und dort durchläuft, wo es meint, dass sein Meister durchlaufen wird. Geht er dann nicht diesen Weg, muss das Hündchen zurückeilen auf den richtigen Weg wider vorauseilen.

    Zweitens:
    Zentralbanken können in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Zinsen nicht steuern. Warum? Weil sie per Saldo nicht mehr Kapital in einen Volkswirtschaft investieren können, als sie dieser per Saldo auf der Passivseite entnehmen. Nur die SNB macht es extrem schlecht: Sie verschuldet sich in der Schweiz und exportiert, das so aufgenommene Kapital im Ausland. Kapitalexport zulasten der Schweiz. Ganz schlecht.

    Drittens:
    Was gar nicht geht: Die SNB erwirtschaftet mit ihren Negativzinsen in der Schweiz einen positiven Zinsensaldo, um künftige Kursverluste auf ihren Devisenanlagen abzufedern. Die Pensionskassen finanzieren also die kommenden Verluste der SNB.

    Viertens:
    Negative Passivzinsen haben volkswirtschaftlich dieselbe Wirkung wie steigende Aktivzinsen. Sind also per se konjunkturdämpfend.

    Fünftens:
    Richtig. Wellershoff will offenbar nicht Chefökonom der SNB werden, was diese nicht einmal hat. Und hier liegt ein Hauptproblem unserer SNB: Bei der SNB haben wir es mit einer Inzucht von Wirtschaftswissenschaftlern zu tun, die arrogant und ignorant an ihren Irrlehren festhalten und keine andere Meinung zulassen.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

  2. Der Negativzins der SNB ist kein Zwang, sondern ein Angebot. Die SNB erklärt sich bereit, relativ gute (zentralbankfähige) Forderungen in Fremdwährungen gegen kurzfristige Forderungen in Franken gegenüber der Nationalbank einzutauschen. Ein Blick auf die von der SNB publizierte Zeitreihe der der Auslandsvermögen und der Zahlungsbilanz wiedergibt ist lohnenswert.

    Quelle: https://www.snb.ch/de/iabout/stat/statrep/statpubdis/id/statpub_histz_arch

    Quelle: https://www.snb.ch/de/iabout/stat/statrep/statpubdis/id/statpub_iip_arch

    Danach lag das Nettoauslandsvermögen der Schweiz Anfang 2000 bei 576 Mrd. CHF. Seither hat die Schweiz einen Leistungsbilanzüberschuss ohne Kapitalerträge von 473 Mrd. erzielt. Ohne Kapitalerträge hätte das Nettovermögen auf 1049 Mrd Franken ansteigen müssen. In Wirklichkeit lag es aber bloss bei 798 Mrd. Die Anlagen haben zwar regelmässig Erträge abgeworfen, haben sich aber auch immer wieder mal entwertet. Der Euro etwa ist heute fast 30%, der Dollar 40% entwertet weniger Wert als damals. Unter dem Strich haben sich unsere Auslandguthaben in diesen fast 19 Jahren um 251 Mrd. entwertet. Bezogen auf die Bruttovermögen (ink. Schulden in Franken) entspricht dies einer Negativverzinsung von rund 0,8% bei einem erheblichen Kursrisiko. Wir führen hier die falsche Debatte während uns die Realwirtschaft um die Ohren fliegt und eine anschwellenden Zahl Mitmenschen verarmen.

    • @ Platon……………
      Zitat:
      Wir führen hier die falsche Debatte während uns die Realwirtschaft um die Ohren fliegt und eine anschwellenden Zahl Mitmenschen verarmen.
      ——————–

      Richtig….. man müsste zu ihrem Schlussatz aber noch hinzufügen…… „importieren wir Massen an legalen und illegalen Ausländern die das Problem für die autochthonen Schweizer noch massiv verschlimmern“.

    • Lieber Walter Roth,

      ich bin weder Soziologe, noch Psychologe. Ich beobachte lediglich und erlaube mir, Ihnen ein paar Fragen zu stellen:

      1.Wer hat im 2011 in nicht einmal einem Jahr das wirtschaftlich und gesellschaftlich hocherfolgreiche, blühende Libyen mit Dauerbombardements und Uranmunition platt gemacht? Und wer hat Staatschef Gaddafi im Angesicht globaler Fernsehkameras gejagt und ermorden lassen?

      2.Wer hat vor den Vietnam und Irak Krieg gelogen? Und was haben die Taliban mit dem 11. September 2001 zu tun?

      3.Spielen Gaspipelines vor den Syrien Krieg eine Rolle? Und wer hat die Mitteln für die syrischen Flüchtlingen gekürzt welche sich in den Anrainerstaaten befanden?

      4.Wer hat mit dem „Franken-Rüttli“ gegen die Bundesverfassung und das Nationalbankgesetz verstossen?

      Es ist klar: wir hören nicht mehr unsere Sprache auf offener Strasse. In der Grundschule sind „Schweizer“ in der absoluten Minderheit. Man kommt nach der Arbeit zu Hause an – und – beobachtet; wie es innerhalb und ausserhalb des Bahnhofs/Tramhaltestelle oder anderswo; Mogadischu oder Kabul sein könnte.

      Sind dafür u.f.v.m. ausschliesslich die „Migranten“ schuld?

  3. Die Regierung ist hauptsächlich eine kostspielige Organisation,
    die sich mit den Übeltätern abgibt und die Leute besteuert,
    die sich ordentlich aufführen.
    Für die anständigen Menschen tut die Regierung ziemlich wenig –
    abgesehen davon, dass sie sie ärgert.

    Edgar Watson Howe
    * 3. Mai 1853 † 3. Oktober 1937

  4. Lukas Hässig spricht von aktuell historisch tiefe Arbeitslosigkeit. Wann fängt denn bei Ihnen die Zeitrechnung an? Historisch tiefe Quoten hatte die Schweiz von 1973 – 1983, mit rund 0,35 – 1,0%. Zudem dürfte die heutige Quote weitaus höher sein, würde man sämtliche Faktoren miteinrechnen.

    • Helbling…. Richtig.

      Ich war damals in der Primarschule, als 1974 die Ölkrise kam und damit die autofreien Sonntage.
      Ich fuhr mit meinen Rollschuhen über die neue Umfahrungsstrasse Teufen ….und begegnete keinem Auto.
      Heutzutage würde jeder eine Ausnahme geltend machen, damals fuhren fast nur jene Lastwagen, die die Milch bei den Bauern abzuholten.

      Der Geist damals war einfach Super, sowas gibt’s Heute nicht mehr.
      Damals begann die Post sogar für Briefträger plötzlich Sekundarschule als Voraussetzung zu verlangen.
      Was denn auch ein Schulthema war.
      Wenn die Arbeitslosigkeit mal um die 1 % war, machte man sich schon Sorgen. Arbeitslose mussten damals jeden Tag auf die Gemeinde um sich ihren Stempel abzuholen.
      Die Araber hatten mit ihrem Embargo jede Sympathie verloren, dafür waren Israel und sein einäugiger General ….Mosche Dayan nun in aller Munde, man bewunderte die Helden von 1976.
      Die Linksextremen….. also die RAF, die würde man bald niederkämpfen, daran hatten wir keinen Zweifel.

      Gefahren gab es viele, aber wir waren Stark, unsere Köpfe frei.
      Unser Land war unglaublich gesund…… kein Vergleich mit Heute.

      „Denke ich an die Schweiz in der Nacht, …. bin ich um den schlaf gebracht“ ….frei nach wem wohl ??? (((-:

  5. Luft rauslassen … aus dem unnötig und künstlich aufgeblasenen Ballon …

    Kündigung der PFZ, nur beschränkte und gut kalkulierte Steuergeschenke für ausländische Firmen, revision BVG etc. etc.

  6. Super Anfang, am Ende oberschwaches Interview – es gibt Gründe für den Status Quo der Nationalbank, und die wären für die eigene Meinungsbildung interessant gewesen, zu erfahren.

    • Zbären….

      Ja das wäre Wünschenswert.

      Allein unsere Bundesräte wollen das nicht, denn würden sie das tun, könnten sie nicht mehr mit dem besoffenen Juncker Küsschen austauschen gehen und vom Mitspielen träumen.
      Wir wären sofort die Buhmänner….. was ich aber immer als guten Zeichen ansehen würde, denn ….wer von den anderen als Konkurrenz angesehen wird, macht es richtig.

  7. Es besteht nicht die geringste Chance, dass der gute Hans seine Wette gewinnt und die SNB die perversen Negativzinsen beendet. Die Schweizer Zinsen müssen, solnge es des Katastophen-Euro gibt, immer deutlich unter dem des Franken bleiben, ansonsten würde letzterer durch die Decke gehen, was sich für die Schweizer Exportwirtschaft und auch für die auf den ersten Blick zwar sehr starke, aber in Wirklichkeit doch sehr wacklige Bilanz der Notenbank sehr negativ auswirken würden. Solange es also beim Euro keine deutlich positven Zinsen gibt, kann sich das die SNB schon gar nicht erlauben. Mittelfristig sehe ich sogar noch negtivere Zinsen beim Euro und beim Franken. Die Draghödie wird sich noch lange hinziehen und an das Ende traut man sich nicht zu denken.
    Mit den ausgedehnten Negativzinsen und den massenhaften Kauf von Staatsanleihen durch die FED und die EZB wurden Tabubrüche begangen, die nur durch eine große Krise wieder aus der Welt geschaffen werden können.

    • Wir sagen ja schon lange das die SNB in der falle steckt..
      Sie kann auf keine Seite mehr ausweichen ohne schwerwiegende Nachteile zu erzeugen.
      Wird der Franken stark, schädigt das den Export, fördert jedoch den Import….. Nur wird überhaupt nie debattiert welcher Sektor für uns wie viel bringt und ob der Export überhaupt das einzige ist was die SNB stützen sollte.

      Steigt der Franken macht sie mit ihren riesigen Fremdwährungen in der Bilanz ebenso riesige Verluste.
      Schwächt sie den Franken und behält ihre Negativzinsen bei, verlieren die Pensionäre erheblichen Teile ihrer Pensionen.

      ————-

      In Deutschland gibt es viele Rentner die von 500 Euro im Monat leben müssen. Natürlich ist dort das mit den Steuern, der Krankenkasse usw. anders geregelt, trotzdem sind 500 Euro gleichbedeutend mit Altersarmut.
      In der Schweiz besteht nach unten also noch erheblicher Spielraum.
      Deutschland hat so viel ich es noch im Kopf habe, in den letzten 25 Jahren ca. 600-900 Milliarden aus ihren Pensionskassen entnommen um andere Staatsaufgaben zu finanzieren.
      Sagen sie da einem Pensinär das er nur 500 Euro bekommt…. weil er sein Leben lang nur Jobs hatte in denen er um die 1500 Euro verdiente.
      Und das in einem Land, in dem Zeitarbeit für viele die Dauerrealität ist und die Arbeitslosigkeit in Wahrheit wohl seit 30 Jahren auf über weit 10% verharrt…… würde man den endlich mal ehrlich rechnen.
      Ein illegaler kostet den Staat um die 1800 Euro pro Monat.

      Das selbe Spiel beginnt man auch hier in der Schweiz zu spielen.
      Wer da noch einen UNO-Migrations ….und dazu noch den UNO-Flüchtlingspakt unterschreibt, ist ein Verbrecher.

      Wer nur gerade über die SNB und oder gewisse Teilaspekte der Politik nachdenkt, liegt viel zu kurz.

      Die SBI Initiative wäre ein Mittel gewesen um die kranke Politik einzurenken.
      Allein, ein krankes Volk kann oft gar nicht nicht erkennen das es krank ist….

  8. eine exportwirtschaft fördern, die auf vollen touren läuft. dafür alle einwohner schädigen…

    wenn die schweiz auf die liste des us treasury als fx-manipulator kommt, dann dies zurecht…

    die konsequenzen kann die SNB dann wieder mit interventionen ausbügeln und alles noch schlimmer machen..

    wo ist das ende bei 1…2 oder 3 billionen CHF balance sheet?

    • Mit eine der – unsinnigen – institutionellen Begründungen für tiefe Leitzinsen ist die, daß so angeblich mehr investiert würde.

      Im Grunde kann einem erfolgreichen, international tätigem Unternehmen mit 10% (Automobilindustrie) bis 30% Umsatzrendite (Pharmaindustrie, Softwarehersteller) der Leitzins in einem der internationalen Teilmärkte egal sein, weil dieser in der G + V – Rechnung bei den Gesamtkosten eine vernachlässigbare Größe darstellt.

      Im Übrigen mache ich eine kreditfinanzierte Investition von der erwarteten Rendite abhängig. Dabei muß diese so hoch sein, daß ein 1% – bis 2% – Punkte höherer Zinssatz des finanzierenden Kredites wirtschaftlich kaum ins Gewicht fällt.

      Bleiben noch die hochverschuldeten Staaten, bei denen höhere Leitzinsen die Zinskosten deutlich ansteigen ließen.

      Zusätzlich ruiniert man damit alle Arten von zinsbasierter Altersversorgung und schafft so in Zukunft weitere Probleme.

  9. In Ländern mit positiven Leitzinsen kann das Bankensystem dadurch Erträge generieren, daß überschüssige Liquidität bei der Zentralbank deponiert wird:

    https://bankenverband.de/blog/negativzins-belastet-geschaftsbanken-im-euroraum/

    Nicht einmal das hochverschuldete Japan mit Leizinsen unter 1% seit fast 25 Jahren ist so verrückt wie die EZB wegen statistischer Taschenspielertricks infolge schwankenden Energiepreisen:

    https://tinyurl.com/ycuuguoj

    • Eine Sache,
      welche vielen gehört,
      wird schlechter verwaltet als eine Sache,
      die einem Einzelnen gehört.

      Aristoteles
      * 384 v. Chr. † 322 v. Chr.