Machtkampf: Verramscht CS Clariden-Filetstück?

Katastrophen-Bonds stehen zum Verkauf, weil sich zwei Topshots bekriegen - H.U. Meister ist es recht.

In diesen Tagen soll das rentable Catbond-Business der Clariden Leu über den Ladentisch. Die Preisspanne liege zwischen 20 bis 40 Millionen Franken, sagen Insider. LGT könnte das Rennen machen, Schroders wird als Alternativ-Käuferin genannt.

Der Deal zeigt exemplarisch das Problem der vertrackten Integration der Clariden Leu ins Mutterhaus Credit Suisse.

Die Summe scheint dürftig für die rund 2 Milliarden Franken Katastrophen-Bonds, oder Insurance-Linked Securities, der Clariden Leu. Diese hat damit gutes Geld verdient, mit zufriedenen Kunden und einer starken Marke.

Noch erstaunlicher wäre ein Verkauf angesichts der eigenen Stärke der Clariden-Mutter. Denn auch die CS ist eine Macht im Catbond-Business, mit Fokus auf Profi-Anlegern, während die Clariden je zur Hälfte Retail- und Profi-Kunden bedient.

Zusammen wäre das Gespann CS/Clariden im Catbond-Geschäft mit gegen 5 Milliarden Marktleaderin.

Doch statt zwei „Winner“ zu vereinen – auch darum sollte es in der Clariden-Integration gehen – will die CS das Portefeuille ihrer Tochter Clariden abstossen. Seit Wochen wird hinter den Kulissen verhandelt, bestätigen Insider, zuletzt sollen offenbar noch 3 Bieter im Rennen gewesen sein.

Offiziell will sich die CS nicht äussern. Deals würden kommuniziert, wenn sie abgeschlossen seien, begründet ein Sprecher.

Die beiden Catbond-Geschäfte von CS und Clariden seien bezüglich Teams und Produkten ziemlich unterschiedlich, meint der CS-Mann.

Das sei der Grund für die Abspaltung und den angestrebten Verkauf, heisst es bei der CS hinter vorgehaltener Hand.

Dem widersprechen zwei voneinander unabhängige Quellen. Das wahre Problem sei die Unfähigkeit der zwei heutigen Vorsteher der jeweiligen Bereiche, sich zusammenzuraufen und eine neue Rolle in einem fusionierten Bereich zu spielen.

Ein Merger, wie er auf der Hand liegen würde, scheitere allein an den Egos der Top-Leute, sagen diese Auskunftspersonen.

Clariden-Catbond-Leiter Michael Stahel habe sich unter keinen Umständen seinem neuen „natürlichen“ Chef auf CS-Seite unterordnen wollen, sagen die beiden Quellen. Stattdessen habe er auf einen Verkauf gedrängt.

Die Verhandlungen habe Stahel selber führen und orchestrieren und damit für sich und sein Team entsprechend gute Bedingungen herausholen können, sagen die beiden Clariden-Insider.

Stahels Counterpart auf CS-Seite heisst Niklaus Hilti, ein Ex-Bank-Leu-Manager. Sowohl Hilti als auch Stahel sind aufgrund des Erfolgs ihrer jeweiligen Bereiche bekannte Namen im Markt.

Hilti war gestern Abend nicht erreichbar. Er sei gerade in einem Meeting mit Stahel, hiess es bei der CS.

Hilti stiess 2009 von der Clariden Leu zur CS, sein Kontrahent Stahel gehört seit 2007 zum oberen Clariden-Leu-Management.

Stahel wird als hemdsärmliger und machtbewusster Haudegen geschildert. Er sitzt im VR der Familien-Gesellschaft Stahel & Co., Rämismühle, die gemäss Handelsregister „Handels- und Finanzgeschäfte aller Art“ betreibt.

Ein Ex-Clariden-Manager bezeichnet einen allfälligen Verkauf des Clariden-Catbond-Teils als „beschämend“. Die Verantwortlichen würden die einmalige Chance verpassen, zur klaren Nummer eins in einem attraktiven Nischenmarkt aufzustreben.

Der zweite Gesprächspartner sieht in einer solchen Machtkonzentration Gefahren. Eine fusionierte CS-Clariden-Grossmacht müsste im Alleingang einen stets liquiden Catbond-Markt sicherstellen.

„Das will man unbedingt vermeiden“, sagt der Banker, der den angestrebten Verkauf trotzdem falsch findet.

Möglicher Treiber für die Transaktion könnten wachsende Profit-Sorgen von Clariden-Integrations-Oberchef Hans-Ulrich Meister sein.

Das erfolgreiche Clariden-Fondsgeschäft geht integral ans Asset Management der CS. Die interne Gewinn-Verschiebung spült AM-Chef Robert Shafir, der von New York aus regiert, ohne eigenes Dazutun einen stolzen Jahresbetrag in die eigene Schatulle.

Meister fehlen diese Erträge für die eigene Profilierung im internen Machtgerangel. Weil zudem fast alle grossen Kundenberater der Clariden abspringen, steigt der Druck auf den globalen Private-Banking-Chef der CS.

Ist Meister deshalb einverstanden mit dem wenig überzeugenden Verkauf der Clariden-Catbonds? Der Einmal-Erlös durch den Verkauf würde seine eigene Integrations-Rechnung in einem besseren Licht erscheinen lassen.

In einem Jahr, wenn die Clariden-Wirren vergessen und die abgeflossen Vermögen buchhalterisch verschwommen sind, kräht erfahrungsgemäss kein Hahn mehr nach solchen Zahlen.

Solches Strohfeuer wäre ein Indiz, dass bei der CS persönliche Ziele der Spitzen-Manager über die geschäftliche Logik der Gruppe triumphieren.

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8 Kommentare

@BW – Matthias Weber war massgeblich am Aufbau des CatBond beteiligt, genau wie Bruno Wicki, der erster Fondsmanager war damals. Niklaus Hilti kam einiges später dazu, die “Tranchen”-Berechnung und gesamte NAV-Berechnung habe ich damals aufgebaut. So oder so, die CS hat abgekupfert.

@Peter Kuehnis: Einverstanden. Heute frueh hat sich das Misterium ja eh geklaert: Die ganze Bande geht zu LGT.

@Hans Müller – noch etwas weiter rückblickend sind die CatBond-Funds eine Entwicklung der Bank Leu die dann von der CS-Mutter abgekupfert wurden als sich ihr Erfolg herausstellte.
Und weder Hilti noch Stahel haben diese Produkte entwickelt. – Dass Kosten die Performance beeinflussen ist nur logisch, und dass die exorbitanten Gehälter der CS-Oberen bezahlt werden müssen auch.

Die Clariden-ILS-Produkte entstammen ursprünglich aus einer Zeit, wo dieser Teil der Bank noch Leu hiess. Zu dieser Zeit war Niklaus Hilti der ILS-Chef der Bank Leu und Herr Stahel war noch bei der Swiss Re.

Den Performance Unterschied zwischen den ILS-Produkten der CS und der Clariden lässt sich meine Erachtens einfach auf höhere Kosten zurückführen.

Als Investor in den CL ILS Fonds frage ich mich schon lange, weshalb sich die Clariden-ILS Truppe nicht schon längst selbständig gemacht hat. Die Performance der Clariden ist by far besser als die der CS high-risk ILS Fonds – kein Wunder, dass das Team nichts mit den CS Produkten zu tun haben will. Stahel wird schon wissen, was das beste für ihn und seine Kunde ist – weit weg von CSAM…

Dass die in den 90ern losgetretene Boni-Seuche letztlich jegliche Identifikation mit dem Arbeitgeber ad absurdum führt – dass Menschen die ihr Ego meilenweit vor sich hertragen nicht unternehmerisch denken und handeln sondern vor allem eines im Auge haben – ihren persönlichen
Aufstieg und den wachsenden Bonus – solches ist jedem Psychologiestudenten im ersten Semester bekannt. – Was wundert ist dass die Grossbanken Kunden haben die ihnen Gelder anvertrauen.
Denn letztlich – so dachte ich – gehts um die Kunden ….Angestellten….und Aktionäre ?
Vielleicht wäre Monopoly ein geeignetes Spielzeug für diejenigen die mutwillig eine rentierende Bank zerschlagen haben um ein bisschen “einzusparen”. – In diesem Zusammenhang ein Link zu einer kleinen CS-Notiz die auch heut erschienen ist. – Die Frage die sich mir hier stellte -wieviele Menschen im Uetlihof verdienen ähnlich gut und was verdient wohl der Boss dieses Bankers in London ???

http://www.finews.ch/news/banken/7910-ldepressiverr-cs-haendler-verliert-prozess

“…dass bei der CS persönliche Ziele der Spitzen-Manager über die geschäftliche Logik der Gruppe triumphieren” – nein? Das ist ja wirklich ganz was neues!