Stasi UBS?

Interne Polizei der Grossbank führt Geheimdatenbank mit heiklen Personendaten – was weiss CEO Ermotti?

In der UBS führt eine kleine Truppe aus Ex-Polizisten eine wuchernde Datenbank. Sie heisst Global Tracking System, kurz GTS. Weil auch viele externe Personendaten darin aufgeführt sind, könnte GTS gegen Datenschutzbestimmungen verstossen.

Laut Insidern haben sich GTS und die dafür zuständige Einheit Crime Investigation verselbstständigt. Es herrsche eine Sammelwut, die niemand mehr stoppe.

Die Investigativ-Truppe unter der Leitung von Executive Director Thomas Schwyzer besteht aus rund einem Dutzend Ex-Polizisten und anderen Fachleuten. Diese kommen zum Einsatz, wenn Mitarbeiter auffallen und die Bank wissen will, ob sie sich von ihren Leuten trennen soll.

Das sei soweit in Ordnung, sagt ein Spezialist, der sich nicht namentlich äussern will. Eine grosse Bank wie die UBS habe ein legitimes Interesse, sich vor “internen Betrügern” zu schützen.

Bereits das Sammeln solcher internen Personendaten sei aber aus Datenschutzsicht heikel.

Definitiv die rote Linie überschreiten würde die UBS mit ihrer GTS-Datenbank durch das Erfassen von Abertausenden von Daten über Personen, die nicht bei der UBS angestellt seien.

Es handle sich um aktuelle oder potenzielle Kunden, um mögliche Mitarbeiter und Job-Bewerber, um externe Berater, die sich um Aufträge bemühten, um Personen von öffentlichem Interesse, um kritische Aktionäre, Journalisten und weitere Vertreter von Gruppen, deren Tun der UBS-Sicherheitsdienst als Gefahr für die Bank betrachte.

Ein Bank-Manager bestätigt die Existenz von GTS. Offiziell will sich die UBS nicht zu “sicherheitsrelevanten Themen” äussern, wie ein Sprecher auf Anfrage ausführt.

Den internen Datenschutzbeauftragten der UBS ist GTS schon lange ein Dorn im Auge, sagen zwei Quellen unabhängig voneinander. Doch diese hätten sich bisher nicht gegen die Betreiber der geheimen Datenbank und die obersten Chefs der Bank, die von der Sammelwut wüssten, durchsetzen können.

Die Schwyzer-Truppe führt offenbar weitgehend ein Eigenleben innerhalb des 64’000-Mitarbeiter-Konzerns. Nach oben wird ihr Treiben geschützt durch Chris Zumstein, Sicherheitschef der Grossbank.

Zumstein wechselte Anfang 2010 von Erzrivalin Credit Suisse zur UBS. Geholt wurde er von seinen früheren CS-Chefs Oswald Grübel und Ulrich Körner. Zumstein rapportiert an UBS-CEO Körner. Bei der CS sei er nicht ersetzt worden, sagt eine Quelle.

Jurist Zumstein ist offenbar kein Rambo-Typ. Sein Hobby ist das Sammeln von Harley-Motorrädern. Seinen internen Spezialisten pfuscht er nicht ins Handwerk.

Damit haben Crime-Chef Schwyzer & Co. freie Hand beim Überwachen, Sammeln und Einschüchtern. Schwyzer ist ein Ex-Kripo-Chef von Zürich. Er wechselte Ende der 1990er Jahre zur UBS und baute die GTS-Datenbank sukzessive aus.

Schwyzer und seine Leute profitieren vom Beziehungsnetz aus ihrer Polizeizeit, sagt eine Quelle. Für Abklärungen würden die UBS-Spezialisten geheime Informationen bei ihren früheren Kollegen bei den Ordnungshütern und Fahndern einholen.

Wichtig für die Schwyzer-Boys seien zudem die Ex-Polizisten im Sicherheitsdienst anderer Banken. “Man ruft an, fragt, was man über Banker X oder Berater Y wisse, und schon fliessen die Informationen”, sagt der Insider.

Der unbeschränkte Zugriff der UBS-Polizisten gab in der Bank in der Vergangenheit zu reden. Vor ein paar Jahren beschnüffelten sich die UBS-Fahnder gegenseitig, nachdem ihnen der jeweilige Bonus zugeteilt worden sei, sagt eine Quelle.

Der UBS-Sicherheitsdienst beschäftigt neben den Fahndern weitere Polizisten und andere Spezialisten in den Bereichen IT-Sicherheit, Personenschutz und physische Sicherheit, wozu auch die Alarmsysteme zählen.

Der Sicherheitsdienst hat seine Büro in einem Nebengebäude des UBS-Hauptsitzes in der Zürcher Innenstadt. Zum Inventar zählt offenbar auch ein sogenannter “Verhörraum”.

Dort würden Mitarbeiter landen, die in den Augen der Bank betrogen oder sich sonstwie unangebracht verhalten hätten, sagt ein Insider.

Das Zimmer weckt Assoziationen zu US-Verhörmethoden. Es sei vollgestopft mit Möbeln, meint die Quelle, sodass ein betroffener Mitarbeiter, der dorthin gebracht worden sei, sich physisch in die Enge getrieben fühle.

Der Ausgang sei “versperrt”, weil die “Verhörer” der UBS mit dem Rücken zur Tür stünden. Derart bedrängt, würden die meisten UBS-Angestellten in solch misslicher Lage rasch kapitulieren.

Sie unterschreiben die Abgangsbedingungen und werden von den UBS-Sicherheitsleuten auf die Strasse spediert, sagt die Quelle.

Mitglieder der obersten Führung der Grossbank sollen um die GTS-Geheimdatenbank und die Verhörmethoden wissen, sagen beide Insider. Als verantwortliches Konzernleitungsmitglied könnten COO Ulrich Körner respektive sein Stabschef Walter Stürzinger nicht behaupten, über die Vorkommnisse nicht im Bilde zu sein.

Ein hoher UBS-Manager mit rund zwei Jahrzehnten auf dem Buckel zeigte sich im Hintergrundgespräch überrascht von GTS. Er wollte zum ersten Mal davon gehört haben.

Das wirft die Frage auf, was UBS-CEO Sergio Ermotti über die unkontrollierte Sammelwut seiner Sicherheitsleute weiss.

An der gestrigen Generalversammlung sagte Ermotti in seinen einleitenden Worten: “Wir sind fähig, uns stetig zu erneuern.”

Mit Blick auf GTS und die Frage, ob die UBS im Innern eine Art Stasi-Organisation betreibt, hat Ermotti den Tatbeweis noch nicht erbracht.

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22 Kommentare zu “Stasi UBS?

  1. Investoren rate ich generell Anlagen in Banken ab! Barkieren Sie ihre Liquiditaet lieber in einem breit diversifizierten Schweizer Immobilienfonds, dann wissen sie was sie haben. Qualitaet, die ihnen jaehrlich eine Rendite von 3.5% ausschuetet. Aktuell ist das Flagship der UBS, der SIMA (Valor 1’442’087), eine attraktive Loesung, der nach der Kapitalerhoehung mit einem guenstigen Agio daherkommt. Zudem ist seine Diversifikation sowie Liquiditaet in CH einzigartig.

  2. Sehr geehrte Damen / Herren,

    ich hätte einer frage in Bezug der UBS AG vormalige UBS/SBV CH Geheimdienst!
    Ich bin zwischen die Fronten seit 1983/88 geraten der UBS AG bzw. SP/FDP Partei Basel-Zürich in Bezug des Geheimdienst Vermeintlicher P 26/27/2!
    Obwohl ich weder je Politisch Aktiv Straffällig oder mit diesem je zu tun hatte und habe!
    Ich Besitze auf der UBS AG seit 1998 Konten von über Hunderten ( Beweis vorh.) die mir die UBS nicht zur Einsicht Aushändigen will.
    Urheber waren Hubacher – Hungerbühler (nicht mit mir Verwand), sowie Kopp -Villiger aus Politischer Racheakt gegen meinen Verstorbenen Vater, Gegener von Hubacher!
    Frage:
    Was passiert, wenn ich sämtliche Konten den USA überschreibe, mit der Vollmacht sämtliche “Gelder” aus diesen heraus zu Fordern für die US Wirtschaft!
    Anders sehe ich keine Möglichkeit mich zu erwehren!
    Besten dank für ev.Hinweise!
    Freundliche Grüsse J. Hungerbühler / Basel

    • Sofern sie Daten über sie selbst heraufverlangen, so müssen diese herausgegeben werden. Eine Ablehnung würde in der Folge mit einem Anwalt besprochen und dann sehen sie weiter.

    • Banken berufen sich gerne darauf, dass die Aufbewahrungspflicht von Dokumenten nach 10 Jahren endet. Wenden Sie sich doch in Basel an den Chef der Rechtsabteilung und Mitglied der BKB-Geschäftsleitung: Dr. Christian Schöniger. Er kann Ihnen sicherlich weiterhelfen.

    • Am einfachsten wenden Sie sich an einen Psychiater Ihres Vertrauens.

    • @Salvatore Bitte nicht so streng mit unseren Basler Gästen! Daaaanke vilmoool!

  3. Stimmt das? Gibt es eine Gegendarstellung? Gibt es einen Kommentar der UBS? Hier müssen Köpfe rollen, wenn das stimmt. Oder versteht man hier etwas falsch? Ist das rechtlich ok?

  4. das ist doch mal ein ansatz! die ubs sollte ein paar ihrer GTS-leute an die BKB ausleihen! dort besteht, wenn auch etwas spät, akuter bedarf für solche abklärungen! dort ist wohl in der zwischenzeit das ganze system marode und alle internen kontrollen ausgeschaltet. herr schwyzer könnte ja mal herrn matter oder albrecht konsultieren und seine dienste anbieten!!!

    • Matter machte den Fehler, als er von der Bank COOP zur BKB wechselte, dass er die Zürcher Filiale nicht in’s Private Banking verschob, sondern sie in seinem Präsidialbereich beliess. Nun muss er wohl selber um seinen Job fürchten und ist schon länger eine “lame duck”.

    • Fehler kann man korrigieren, oder immer weiterziehen. nun fliegt die halbe bank um die ohren und der bankrat macht nichts. kopf in den sand und warten bis der sturm vorbei ist ist das motto.
      wenn oswald grübel die verantwortung für das trading debakel vom letzten sommer tragen musste, wofuer er kaum kaum schuld traegt, dann ist es wohl ueberfaellig, dass bankrat und geschaeftsleitung der bkb ausgewechselt werden. der ps-kurs spricht fuer sich!
      die bkb ist ein typischer kb fall…genf, solothurn, appenzell, wallis, vaud…ueberall filz, politik, kollegen, freunde, lasche kontrollen und eine ganz ganz grosse rechnung die vom steuerzahler bezahlt wird.

    • Gemäss Tages-Anzeiger wurde immerhin am 4.5. edlich der stv. Leiter der BKB in Zürich suspendiert! Am Vortag war die BKB-Spitze noch damit beschäftigt ein paar Tausend PS-Inhaber mit I Quattro, Talk-Master Reto Lipp usw. über den tiefen PS-Kurs hinwegzutrösten..

  5. …well, dann müsste wohl der ganze VR und die GL auch in dieser Datenbank auftauchen. – “Ungerechtfertigte Bereicherung”, Vorspiegelung falscher Tatsachen, Erzählen von Heldenlegenden…

    • …Geiselnahme eines Staates und seiner Steuerzahler, Diebstahl bei den Aktionären, Ungetreue Geschäftsbesorgung etc. wären noch weiter anzuführen…

  6. Dieser Kommentar ist ein weiterer Beweis wie schlecht Inside Paradeplatz recherchiert und informiert ist. Unterstes Niveau!

    • Guschti: Ich verstehe so glaube ich das Wort BEWEIS nicht richtig oder können Sie mir das erklären. Ich lese hier Dinge, die entweder stimmen oder nicht. Ist letzteres der Fall, dann haben Sie recht. Ist ersteres der Fall, dann liegen Sie falsch und die UBS hat ein Problem. Was das Niveau angeht kann ich mich nicht äussern das ist Geschmackssache aber den Beweis für schlechte Recherche sehe ich im Moment noch nicht.