UBS-Zerstörer Birkenfeld kommt vorzeitig frei

Am „Swiss National Day“ wird der Ex-US-Banker und Bankgeheimnis-Enthüller aus der Haft entlassen.

„I am writing to inform you that I will be exiting this circus … on August 1, 2012“, beginnt der Mann, der das Schweizer Bankgeheimnis aus den Angeln gehoben hatte, seinen einseitigen Brief.

Es ist der Abschluss einer persönlichen Odyssee von historischem Ausmass. Bradley Birkenfeld verpfiff vor 5 Jahren seine Ex-Arbeitgeberin UBS beim US-Justizdepartement und trat eine Lawine los, die noch immer ins Schweizer Bankental herunter donnert.

Nun wird Bradley Birkenfeld überraschend früh wieder ein freier Mann.

Heute in einer Woche, „ironically, on Swiss National Day“, wie Birkenfeld in einer aufgeklebten Handnotiz festhält, will der 47-jährige durch das schwere Tor der Federal Correctional Institution Schuylkill in der Ortschaft Minersville im US-Bundesstaat Pennsylvania in ein neues Leben hinaustreten.

Verurteilt worden war Birkfenfeld im Spätsommer 2009 zu 40 Monaten. Nun werden dem Finanzmann aus vornehmem Bostoner Ärztehaus wegen guter Führung 9 Monate erlassen.

In Birkenfelds Augen kann seine Rolle in der Saga um das Ende von Old Swiss Banking gar nicht überschätzt werden.

„My historic whistleblowing against the Swiss bank (UBS) has exposed the largest and longest running tax scandal in U.S. history involving thousands of illegal accounts and billions of U.S. dollars“, hält Birkenfeld im Brief vom 18. Juli fest.

Für Birkenfeld sitzen die wahren Schuldigen nicht am Zürcher Paradeplatz, sondern im US-Justizdepartement DOJ in Washington.

Diese hatten den Amerikaner, der 5 Jahre lang aus Genf heraus für die UBS vermögende US-Kunden mit nicht deklarierten Geldern betreut hatte, vor den Richter gezerrt.

In ihren Augen war Birkenfeld nicht der konvertierte „Good banker“, als den er sich ausgab. Nach seinem Ausscheiden bei der UBS half Birkenfeld ab 2007 dem reichen Immobilien-Immigranten Igor Olenicoff beim Verstecken von Schwarzgeld.

Dass sich jene Behörde, die er mit seinen Geheim-Informationen versorgt hatte, gegen ihn wendete, hat Birkenfeld bis heute nicht verkraftet.

„Ironically, the Department of Justice (DOJ) who is primarily responsible for law enforcement with hundreds of offices, thousands of agents and millions of U.S. dollars in budgeted-funds was unable and/or unwillig to uncover this decades-long tax scandal operating under their watch“, ereifert sich Birkenfeld.

Birkenfeld, der mit seinem auffälligen BMW M5, dem Dreitage-Bart und den wechselnden Begleiterinnen an seiner Seite unter seinen damaligen UBS-Kollegen als bunter Typ auffiel, sieht sich als Quelle einer viel umfassenderen Datensammlung, als die US-Justizbehörden ihm zubilligen wollten.

„In this ongoing and very costly tax scandal, the DOJ failed to secure all 19’000 illegal accounts I documented, the DOJ failed to fine UBS by over $1 billion to make every U.S. taxpayer „whole“, the DOJ failed to even prosecute the 4’700 illegal accounts they were handed in November 2010 and the DOJ failed to prosecute the UBS „kingpin“ Martin Liechti who was directly responsible for the entire illegal U.S. offshore operation that I told them about in June 2007″, steht im Brief.

Martin Liechti war zu Birkenfelds Zeit oberster Leiter der Offshore-Vermögensverwaltung für die Region Americas. Zuvor war der Generaldirektor aus Genf heraus verantwortlich für Frankreich und Südeuropa.

In Frankreich haben die Behörden zur Aufarbeitung von vermuteter UBS-Hilfe für Steuersünder kürzlich Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Liechti spielt in der Affäre Birkenfeld und dem raschen Zerfall des Bankgeheimnisses eine entscheidende Rolle.

Der Ex-Bankverein-Topshot, der von Schwergewicht Georges Gagnebin ins Spitzenteam der globalen UBS-Vermögensverwaltung gehievt worden war, weigerte sich Ende 2005 und Anfang 2006, auf Birkenfelds Forderung nach einer halben Million Abgangsentschädigung einzugehen.

In der Folge griff Birkenfeld zum Mittel des Whistleblowings und stellte die Schwarzgeld-Praktiken seiner Arbeitgeberin UBS-intern an den Pranger.

Der damalige oberste Konzernanwalt und spätere UBS-Präsident Peter Kurer stellte Birkenfeld im Frühling 2006 schliesslich eine Einigung in Aussicht. Er habe die Zuständigen in der Bank angewiesen, „die hängige Bonus-Angelegenheit in absolut objektiver und neutraler Art und Weise“ zu lösen.

Kurer versprach Birkenfeld korrektes Geschäftsgebaren. „Einer unserer Kernwerte ist es, eine qualitativ hochstehende Rechtskultur zu pflegen“, schrieb der Jurist dem scheidenden Berater, der kurz darauf eine halbe Million Franken von der Bank erhielt.

Trotz dem Geld, dem Wirbel um seine Vorwürfe gegen die UBS und seine lange Haft ist Birkenfelds Furor nicht abgeklungen.

Es handle sich um einen „kolossalen Cover-up“, der über 300 Millionen US-Bürger zu „unschuldigen Opfern“ machen würde, alles dank „utter incompetence, corruption and criminal conduct knowingly committed by the DOJ“, wütet Birkenfeld heute.

Auftrieb kriegt Birkenfeld vom bekannten US-Wirtschaftsmedium CNBC. Dieses berichtete soeben auf seiner Homepage über amerikanische Politiker mit versteckten Vermögen auf Schweizer Offshore-Konten.

„Mitt Romney isn’t the only American political figure to have had money in a Swiss Bank account“, schrieb CNBC.COM mit Verweis auf das bekannt gewordene UBS-Konto des republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Treffen die Aussagen zu, dann gewinnen Birkenfelds Vorwürfe gegen die Untätigkeit des US-Justizministeriums an Glaubwürdigkeit.

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11 Kommentare zu “UBS-Zerstörer Birkenfeld kommt vorzeitig frei

  1. Of course Birkenfeld is not going to Switzerland. He has more work to do and will do it at long distance.

    The people responsible for this disaster are the UBS executives. Save your growling for them. Birkenfeld just exposed them and made them stop doing it.

    Maybe the UBS executives should have responded to his emails, no? This was a very expensive miscalculation by Mr. Kurer and the others in the UBS board room.

  2. Tja, er kommt zwar frei doch wird er wohl eine tragische Figur bleiben. Ich wünsche Ihm viel Glück im Leben, und vorallem viel Spass bei der Rückreise in die Schweiz. So wird er doch sicher eine Verturteilung wegen Verletzung des Bankgeheimis zu erwarten haben oder etwa nicht?

  3. Yes, Destroyer! Birkenfeld’s actions led to the following: UBS paid $780 Million to the U.S.; UBS shut down its American offshore private banking operation in the U.S.; the leadership of UBS was sacked, including its chairman, Peter Kurer, who clearly underestimated Birkenfeld; 4,450 names of account holders handed over to the U.S.; Swiss banking secrecey forever changed; the ringleader, Martin Liechti, was dragged before the U.S. Senate and simply refused to testify because he would be admitting to crimes if he did; U.S. Senate hearings with two reports issued; UBS CFO Branson had to publicly appologize to the U.S. Senate; UBS stock price nose-dived and has never recovered.

    Birkenfeld is also the Credit Suisse whistleblower, having given Mr. Gadola’s name to U.S. authorities. Yes, „Destroyed“ is the word!

  4. „UBS-Zerstörer“? Gehts’s noch ein wenig alberner? 1. Die UBS ist nicht zerstört. 2.Die UBS brachte sich selbst in diese zwielichtige Lage. Schon vergessen? Die Bank musste über 700 Mio. Dollar bezahlen und zugleich eine Schuldanerkennung unterzeichnen, schwerwiegend kriminell gehandelt zu haben. Ausserdem war es die UBS selber, die tausende ihrer US-Kunden verriet.Der wird nicht nur in den USA völlig anders gesehen als hierzulande: http://www.whistleblowers.org/index.php?option=com_content&task=view&id=1036

    • Sind wir da wirklich auf die „Richtigen“ wütend? Hmm… …ev. ist das Big-Picture doch einwenig grösser als die Strecke bis an den Nasenzipfel.

    • wAAArsager: Du liegst richtig!!….und zwar weil die echten Verursacher der Steuerprobleme
      die Banken, Lobbisten und Politiker sind, welche mit dem Bankgeheimnis der Steuerhinterziehung Vorschub leisten. Und die ehrlichen Leute bezahlen für die Hinterzieher… Heute muss man sich im Ausland schämen, wegen all den Banken- und Steuerproblemen , sich als Schweizer auszugeben. Notabene: schon ein paar mal erlebt!

  5. Birkenfeld ist kein Whistleblower, sondern ein normaler Erpresser, der erst aktiv wird wenn seine finanziellen Forderungen vom Arbeitgeber nicht erfüllt werden. Nur jemand der auf Missstände aufmerksam macht OHNE sich selber bereichern zu wollen, ist für mich ein Whistleblower. Naja, wenigstens musste er, wie es sich für einen Erpresser gehört, noch hinter schwedische Gardinen.

    PS: Mitt Romney’s Konto in der Schweiz hat er bei der IRS von Anfang an offengelegt. Hat also mit versteckten Vermögen nichts zu tun. Bitte sauber recherchieren…

    • Genau! DoJ hat wohl auch gemerkt dass Birkenfeld nicht uneigennützig gehandelt hatte und deshalb landete er hinter schwedischen Gardinen. Damit hat er seine Glaubwürdigkeit zerstört und wird wahrscheinlich keine Job mehr im Finanzbereich bekommen. Teure Schlitten und leichte Damen sind wohl bald passé.

      Hey Bradley, McDonald’s is hiring…
      🙂

    • Zu Mitt: verstecken kann man nicht nur vor IRS! Dort liegt auch das kleinste Problem, wenn das Geld mit Kapitalgewinnen gemacht wurde.