CS startet Opération Hexagone

Frankreich-Kunden müssen bis Ende Jahr Steuernachweis liefern, sonst fliegen sie raus – Extrawurst für Reichste.

CS-Europachef Romeo Lacher drückt am Montag auf den Knopf. Dann löst er mit seinen Frankreich-Offizieren die Operation „Hexagone“ aus.

„Hexagone“ ist das Pendant zum „Plan B“. So nannte die Grossbank ihren Ausstieg aus dem Deutschland-Schwarzgeld, der nach der Ablehnung der Abgeltungssteuer ausgelöst worden war.

Auf den Abschied vom grössten europäischen Schwarzgeldmarkt folgt jener im zweitgrössten.

Operation „Hexagone“ – Synonym für Frankreich wegen dessen Sechseck-Form – hat es in sich. Im Geheimen haben sich Lachers Unterstellte monatelang auf den Big bang vorbereitet.

Verantwortlicher Mann ist Thomas Wirth, Chief Operations Officer in Lachers Europa-Bereich.

Wirth, ein Ex-McKinsey-Mann, hat mit seinen Getreuen einen detaillierten Schlachtplan erarbeitet. Nun soll der Exit rasch, konsequent und vollständig umgesetzt werden.

Eine generalstabsmässige Übung: Alles Frankreich-Schwarzgeld, so der Befehl aus der CS-Kommandozentrale, muss innerhalb der nächsten Monate weg.

Dafür heisst es ab Montag „Helm auf“ beim Offshore-Team Frankreich. Dessen Kundenberater, die hauptsächlich aus Genf aus operieren, werden auf Tausende von Schwarzgeldkunden losgelassen.

Weil ein grosser Anteil der französischen Klientel gegen hohe Spesen die Option banklagernd gewählt hatte, wird die Übung besonders schwierig. Diesen Kunden darf die CS den Exit-Entscheid nicht kurz- und schmerzlos per Brief mitteilen.

Den Beratern bleibt nichts anderes übrig, als die Betroffenen – einen nach dem anderen – anzurufen und die unangenehme Botschaft persönlich am Telefon mitzuteilen.

Das sorgt für Stress unter den Beratern. Kunden, die einem mit den hohen Gebühren und Kommissionen jahrelang einen schönen Lohn und Bonus garantiert hatten, werden vor die Wahl gestellt.

Entweder Ihr bringt uns bis Ende Jahr einen Beleg für die korrekte Versteuerung Eurer Vermögen bei uns; oder Ihr landet 2014 auf der Strasse.

Unter Stabschef und Ex-McKinsey-Berater Wirth hat sich für „Hexagone“ ein Schlachtruf herauskristallisiert: „La fête est finie“.

Damit sollen die Berater den Kunden die Offenlegung beim Staat ans Herz legen. Jede Alternative würde teurer und riskanter.

Einzige Ausnahme sind die Superreichen. Diese wurden in letzter Minute unter dem Begriff „Out of Scope“ aussortiert und auf eine spezielle Liste gesetzt.

Was mit ihnen passieren wird, soll separat entschieden werden, liessen die CS-Oberchefs verlauten. Möglicherweise befinden sich unter diesen Spezialkunden auch ein paar „PEPs“, also Politically Exposed Persons, sprich Spitzenpolitiker.

Den Frankreich-Beratern der CS droht ein Sturm der Entrüstung: Ihr Angebot an die langjährigen Kunden ist brutal.

Mindestens 40 Prozent des hinterzogenen Vermögens müssen die Kunden dem Fiskus abliefern, wenn sie sich selbst anzeigen. Nur mit solchem Mindestobolus können sie ihre aufgelaufenen Steuerschulden abgelten.

In Extremfällen kann die Einmalzahlung bis auf 80 Prozent ansteigen.

Mit der Selbstanzeige ist keine Anonymität verknüpft. Wer sich also beim Steueramt meldet, der wird registriert und muss in Zukunft damit rechnen, unter Generalverdacht zu stehen.

Der Express-Exit der Credit Suisse aus dem zweitwichtigsten Europa-Markt erfolgt zu einer Zeit, in der die Schlacht verloren ist.

Nun diktiert Paris die Bedingungen. Dabei hätte es für die Frankreich-Kunden noch vor vier Jahren die Chance gegeben, zu weitaus günstigeren Bedingungen ins Reine zu kommen.

Der damalige Haushaltminister Eric Woerth, ein enger Vertrauter von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, drohte im Sommer 2009, Tausende von französische Steuerhinterzieher zu verfolgen.

Woerth sass nach eigenen Worten auf den Daten von 3’000 Franzosen mit Schwarzgeld in der Schweiz. Es würde um 3 Milliarden hinterzogene Gelder gehen.

Möglicherweise war Woerths Offensive nur Bluff. Doch rückblickend wäre es für die Frankreich-Kunden der Credit Suisse und der übrigen Schweizer Banken mit französischem Schwarzgeld auf den Büchern der ideale Moment für eine Offenlegung gewesen.

Seither hat sich die Schlinge für sie zugezogen. Vor allem die UBS ist tief in einen französischen Schwarzgeld-Skandal geraten.

Gegen ehemalige Manager der Bank laufen Ermittlungen. Vor kurzem wurde die Grossbank in Frankreich mit 10 Millionen Euro gebüsst. Ihre früheren Frankreich-Chefs sind von Bord.

Nach dem Fall UBS weiteten die Franzosen die Ermittlungen gegen Schweizer Banken aus. Im Juni wurde bekannt, dass sie auch die Credit Suisse ins Visier genommen hatten.

Die französische Zeitung „Le Parisien“ berichtete von einem Ex-CS-Mitarbeiter, der einvernommen werden sollte, weil er ähnlich wie die UBS-Leute illegal Frankreich-Schwarzgeld angeworben haben soll. Seither ist es ruhig um den Fall geblieben.

Das Vorgehen zeigt: Frankreich verfolgt eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie.

Während der Nachbarstaat die Schweizer Banken mit der Justiz in die Enge treibt, öffnet die Regierung ein „Window of opportunity“. Mit der gleichen Taktik waren die USA zum Ziel gekommen.

Mit ihrem Circulaire Cahuzac, benannt nach dem nach einer eigenen Schwarzgeldaffäre in Ungnade gefallenen Minister, offeriert die Regierung von Präsident Hollande Steuersündern im Gegenzug zur Selbstanzeige Straffreiheit.

Das Rundschreiben erschien wenige Tage, nachdem die Ermittlungen gegen die CS bekanntgeworden waren. Darin finden sich auch die erwähnten Ablasshöhen zwischen 40 und 80 Prozent.

Das grenzt an Enteignung. Trotzdem empfiehlt die CS ihren Frankreich-Kunden, die gegenüber früher markante Verschlechterung jetzt unbedingt zu akzeptieren.

Nichts wie raus aus dem Frankreich-Schwarzgeld, lautet die CS-Strategie.

Das Geld mit den vielen Kunden im Hexagone hat die Bank längst gemacht. Inzwischen hat sich der Markt in eine Altlast verwandelt. Zu gewinnen gibt es nichts mehr, dafür drohen hohe Kosten und Negativmeldungen.

Immer mehr kristallisiert sich der Weg heraus, wie der Finanzplatz seine Schwarzgeld-Ära hinter sich lassen will. Statt ihren treuen Kunden zu helfen, schubsen die Banken sie rabiat zum Ausgang.

Welcome to Brave New Swiss Banking.

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25 Kommentare zu “CS startet Opération Hexagone

  1. Kann bitte mal jemand beschreiben, wie die Operation Hexagon abläuft.

    Was passiert mit Kunden, die keine Selbstdeklaration vornehmen? Wir die CS diese Kunden (unter dem Bruch des Bankgeheimnisses) nach Frankreich melden? Wird das Konto/Depot der Kunden aufgelöst und den Kunden bar ausbezahlt?

    .

  2. Die Strategie der kleinen Schritte geht auf. Ein Ende ist vorderhand nicht in Sicht. Ich frage mich langsam warum man immer von too big to fail spricht. Der Bankenplatz wird so oder so umgebaut und sicher nicht zum Wohle der einfachen Bankangestellten, Bevölkerung inkl. Mittelschicht oder der Schweiz.

    Totale Kapitalkontrolle: schon bald erreicht. Die Strippenzieher werden sich schon Instrumente zurecht gelegt haben um alles zu umgehen, das war schon immer so (aber noch nie so umfassend). Man sieht wie viele Vorteile solche „Finanzkrisen“ haben, es ist alles eine Frage der Sichtweise.

  3. I remember that for years the 2 top CS bankers Messrs. Andreas John and Alois Bättig have signed for the growth strategy in Europe. Of course both are top executives, took their responsbilities and left the bank … dream on…

  4. Man müsste sich schämen wäre man noch Teil dieses grausliegen Systems genannt Credit Suisse. Geführt von Leuten die nur ihren eigenen Geldbeutel im Sinn haben…

  5. In spätestens 10 Jahren wird die CS und die anderen Banken sowie Frau Widmer-Schlumpf zurückblicken und feststellen, dass die komplette Weissgeldumsetzung ein Fehler war, denn international wird es nie nie nur Weissgeld geben. Die Schweizer Banken werden in der Vermögensverwaltung aus der Schweiz heraus für Ausländer keine wichtige Rolle mehr spielen, da der Schutz der Privatsphäre des Kunden nicht mehr gegeben ist ! Steuererhöhungen für alle sind heute schonklar !

  6. Parallel dazu die Meldung, dass die Eigenkapitalrendite der schweizer Privatbanken in den letzten 5 Jahren von 16 auf 4% gefallen ist und jede vierte Privatbank Verlust macht, und dass obwohl es mehr Neugeldzuflüsse als -abflüsse gegeben hat. Es wird nicht mehr lange dauern und dann wird schweizer Private Banking ein Verlustgeschäft sein. Wir müssen nur warten, bis die USA ihre Bussen verhängen und andere Länder nachziehen, die Frankenstärke und die hohen Lohnkosten tun ihr übriges. Vielleicht können CS und UBS überleben, indem sie ihre Backoffice-Aktivitäten gänzlich ins Ausland verlagern.

  7. Hat der Bonze nichts mehr zu prassen, hat der Arme nichts mehr zu essen, eine alte Weisheit.

    Die Schweiz wurde bei der Bilderberger-Konferenz in Davos „geschlachtet“, tut mir wirklich leid.

    Habt Ihr schon gemerkt, dass niemand von den englischen Kanalinseln spricht? Da liegt noch viel mehr Knete, aber da trauen sich die Häscher nicht ran. Besitz der englischen Krone; alles klar?

    Ich mag Euch Schweizer und Euer herrliches Land, schade drum.

  8. Nicht nur Odier hat den Kopf verloren, die Banken spinnen komplett. Nachdem man die Ausländer jahrelang mit überhöhten Gebühren abgezockt hat, werden sie nun auf die brutal auf die Strasse gestellt. Typisch für die Verlogenheit des oberen Managements ist, dass die „Superreichen“, resp. wahrscheinlich die Politiker geschont werden sollen. Seitdem EWS mit dem Rechtsbruch (USA) vorangegangen ist, ist die Rechtssicherheit in der Schweiz Geschichte. Das wird unser ganzes Land und die Wirtschaft, aber speziell die Banken noch zu spüren bekommen. Schweizer Wohlstand ade!

  9. Ich wäre dafür, dass Herr Andreas John, früher verantwortlich für die CS Offshore Akquirierung von französischen Kunden, die Kosten für diese Übung aus den ihm damals bezahlten Boni persönlich übernehmen muss. Es muss ein klares Zeichen gegen strategische Kurzsicht und Selbstsucht gesetzt werden.

  10. Was soll die CS denn sonst auch machen? Es ist doch sonnenklar wohin die Reise geht: Nur noch 100% versteuerte Kunden, 100% Weissgeld, ein cleanes Business.

    Die Altlasten müssen endlich nachhaltig gelöst werden, egal wieviel es kostet. Erst wenn dies endlich erledigt und abgehakt ist kann wieder über Wachstumsstrategien und neue Geschäftsfelder nachgedacht werden.

    Wer es immer noch nicht begriffen hat, müsste es jetzt langsam aber sicher wirklich checken: Der Finanzplatz ist in einer massiven Umwälzungsphase, so massiv dass es unmöglich geworden ist, nicht zu handeln. Wer jetzt handelt, wird später zu den Gewinnern gehören. Wer es nicht tut, wird früher oder später untergehen. Die Devise muss klar lauten: Raus aus dem brennenden Haus solange es noch geht!

    • Aha! Ist dem so? Und warum soll danach noch jemand den Schweizer Banken Geld anvertrauen? Schon mal daran gedacht?

    • Nur noch 100 % versteuerte Kunden? Warum? Wer um Gottes Willen macht das sonst noch? Die Antwort: Niemand! Totaler Schwachsinn! Sie können ein Konto in Frankreich, Deutschland, in den USA, England oder wo immer eröffnen und es spielt überhaupt keine Rolle, ob Sie es deklarieren oder nicht. Die Banken auf der ganzen Welt werden sich für diesen Blödsinn bedanken und vor allem, SICH BEREICHERN.

  11. 5 Kommentare bis jetzt, big sleep, UBS macht das doch auch oder bin ich da nicht aufdatiert? erbete weiterführende infos. N.B. schlussendlich muss ja jemand EWS die arbeit abnehmen, damit sie sich nicht zu fest anstrengen muss/darf/soll.

  12. Naja, Steuern zahlen ist Sache des Kunden, das war für alle immer klar. Kann kaum die Sache der Bank sein den Kunden das Offensichtliche noch bildlich zu schildern. Ausserdem begehen diese Kunden in ihren eigenen Ländern Straftaten, genau gleich wenig Mitleid hätte ich für Schweizer Steuerhinterzieher.

    Das einzig miese hier dran ist, dass den Kunden keine Zeit und Warnperiode gegeben wird. Wahrscheinlich erhalten Sie den genau gleich freundlichen Brief wie in anderen Märkten und dann ab ins Closing Pool.

    Und doch, es ist Brave New Swiss Banking, weil jetzt all den anderen möchtegern Bankenzentren der Welt gezeigt wird, dass die Schweiz auch in einer Weissgeld Ära bevorzugt sein wird. Wahrscheinlich nicht mit den alten Säcken und McKinsey Brüdern die momentan das mittlere und obere Management belagern, sondern mit der neuen Generation die denen den allerwertesten aufreissen wird. ‚La fête est finie‘ für euch, Zeit mit Ehre noch beiseite zu treten oder sonst getreten zu werden.

  13. Die CS (Deutschland) AG steht kurz vor dem Verkauf, französische Kunden sind nicht mehr gewollt. Bei der CS bekommt die Region EMEA eine ganz neue Bedeutung.

  14. Wahnsinn. Wie wollen Herr Lacher und Herr Wirth in Zukunft ihre sehr hohen Löhne verdienen ? Die CS ist wirklich in einem Schrumpfungsprozess im Retail- und Privatebanking ! Das kostet bereits heute 1000ende von Arbeitsplätzen und wird noch viele mehr Arbeitsplätze in der Zukunft kosten ! Zum Glück werden noch Lehrer gesucht in der Schweiz, dann kann man sich noch umschulen und braucht keine Lehrer mehr aus Deutschland zu importieren ! Dieses unloyale Verhalten der schweizer Banken schadet dem Ansehen der Schweiz enorm, weil es die Verlässlichkeit unseres Landes grundsätzlich in Frage stellt. Wer will schon mit unzuverlässigen Institutionen Geschäfte machen ?

    • R Lacher & Th Wirth handeln, das ist 1. dringend notwendig & gut so und 2. nur ein Aufreger fuer Diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass sich nicht die Rahmen-bedingungen vollstaendig aendern koennen und wir dennich freudig ‚weiter so wie bisher‘ machen koennen.
      Die Performance dieser Bank hinkt nicht hinterher wg Managern wie Lacher/Wirth, sondern denen, die nicht handeln – eine wenig innovative, aber doch sehr vielversprechende Forderung waere zB mal die mach einer Strategie fuer die Division Private Banking. Man wuerde das doch fuer einen Standard fuer eine Organisation dieser Groesse halten.

  15. Cher Monsieur Wirth
    Vu la performance plutôt médiocre du Crédit Suisse que je connais très bien, ainsi que ses coûts, qui sont à l’égal du Mont Blanc, ne faudrait-il pas plutôt engager la „retraite de Russie“ de la part de tous les clients bien en règle du Crédit Suisse? Quiconque reste encore client de votre institut ne peut s’en prendre qu’à lui-même pour sa bêtise. Vous venez de prouver une faute de caractère mortelle pour un banquier privé: la malhonnêteté.
    Bien à vous chez McKinsey…