Österreich-Bank jagt Schwarzgeld in Schweiz

Wiener Meinl bezirzt Treuhänder – „Besonderes offerieren wir in Antigua“ – Wasser und Wein an Donau.

In der Nacht gaben Österreich und Luxemburg ihren Widerstand gegen die automatische Offenlegung auf. Wenn die Schweiz und andere mitziehen, verzichten sie auf das Bankgeheimnis.

Offiziell. Inoffiziell machen österreichische Privatbanken Jagd auf Kunden, deren Schwarzgeld in der Schweiz verbucht ist und die Angst vor einer Offenlegung haben.

Wie das geht, zeigt die Meinl Bank aus Wien*. Die traditionsreiche Vermögensverwalterin mit 80 Mitarbeitern versandte vor Wochenfrist brisante Mails an Treuhänder und Vermögensverwalter in der Schweiz.

Nach einem „Grüss Gott“ beginnt das Schreiben mit Wiener Charme. „Mein Name ist Andreas Glatz, ich leite seit 2014 das Swiss Desk der Meinl Bank AG Wien.“

Rasch weist Glatz, ursprünglich aus Wallisellen, auf sein spezielles Know-how hin. „Die vergangenen 20 Jahre war ich Treuhänder in Liechtenstein, also ein Ex-Kollege von Ihnen!“

Die Basis ist gelegt. Nun kommt der Privatbanker zur Sache. „Unter starkem ausländischen Druck hat das „Ländle“ bereits 2009, mittlerweile auch der Schweizer Bundesrat den Banken eine „Weissgeldstrategie“ verordnet“, skizziert er die Lage.

Dann drückt der Meinl-Banker ab. „So sind auch die Schweizer Banken (von der Finma) aufgerufen, gewisse Kunden „abzubauen“. Aber nicht nur wenn Sie oder ein Kollege von Ihnen solche Kunden betreuen, sollten wir uns unterhalten!“

Unverblümt sagt der nette Berater von nebenan, dass er sich gerne den Schweizer Schwarzgeld-Kunden annehmen würde.

Auf Anfrage gibt sich Meinl-Mann Glatz zerknirscht. „Das war als Türöffner gedacht“, meint er. „Schwarzgeld gehört nicht zu unserer Geschäftspolitik.“

Die Schuld für seine Offensive auf dem Schweizer Finanzplatz sieht er bei den hiesigen Playern. „Eure Treuhänder und Vermögensverwalter haben mich förmlich dazu gedrängt, Lösungen anzubieten.“

Glatz verweist auf das österreichische Bankgeheimnis. „Das steht immer noch in unserer Verfassung.“

Nun macht der Österreich-Banker einen Rückzieher. „Diese Textversion für die Schweiz wird sofort eingestellt.“

Das Angebot des Meinl-Beraters geht aber im Mail weit über den Satz hinaus, mit dem der Schweiz-Chef faktisch dazu aufruft, verängstigte Schwarzgeldkunden zu ihm zu schicken.

Im zweiten Teil des Schreibens listet Glatz auf, warum sich seine Meinl „in mehreren Punkten positiv von anderen Banken“ abheben würde.

Auf Unverfängliches wie „Private Banking“ und „Corporate Finance“ folgt „Fiduciary transactions (Escrow Accounts)“, was Schweizer Bankenchefs bereits in Panik versetzen würde.

Doch es kommt noch besser. Im Stil der 2000er Jahre, als die Finanzparadiese im Akkord Karibik-Konstrukte zur Steuerumgehung zimmerten, macht Glatz Werbung für seine Vehikel.

„Für besondere Kunden und Transaktionen offerieren wir spezielle Services in der Meinl Bank Antigua“, führt der Kadermann mit entwaffnender Offenheit aus.

Zum Abschluss bietet er noch seine Dienste vor Ort an. „Ich besuche regelmässig meine Schweizer Kunden und freue mich, auch Sie persönlich kennenzulernen.“

Während Schweizer Vermögensverwalter in Deutschland wegen Kundenberatung ohne Lizenzen geschnappt werden, interpretieren die österreichischen Meinl-Banker die Offshore-Regeln locker vom Hocker.

Das Schreiben des Vermögensverwalters wirkt wie von einem anderen Planeten. Während die Schweizer Banken ihre Offshore-Kunden mit knappen Deadlines auf die Strasse stellen, zeigt der Meinl-Mann keinerlei Berührungsängste zu Schwarzgeld.

Das Beispiel wirft ein Licht auf die politische Grosswetterlage. Die Regierung in Bern unter Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf versucht seit Jahren, die Ausland-Mächte mit Weissgeld-Sololäufen zu besänftigen.

Die USA und die EU nutzen den helvetischen Kotau, um stets neue Forderungen zu stellen. Dem Schweizer Finanzplatz droht dabei das grosse Bankensterben.

Darüber hinaus geht zumindest Österreich offenbar locker um mit Schein und Sein. Wasser predigen und Wein trinken dürfte an der Donau das Motto sein.

In der EU spielen die österreichischen Spitzenpolitiker jedenfalls mit Vorliebe die Musterknaben. Ihre Bankenschäflein lassen sie derweil machen, was diesen gefällt.

* Stellungnahme der Meinl Bank AG von heute Mittag:

Das in Ihrem Magazin zitierte Schreiben widerspricht der Policy, Haltung und Philosophie der Meinl Bank fundamental. Und das Institut distanziert sich in aller Deutlichkeit davon. Die Bank erachtet dies als sehr wichtiges und sensibles Thema, weshalb das Institut umgehend disziplinäre Maßnahmen gegenüber dem betroffenen Manager eingeleitet hat. Die Einhaltung aller Gesetze und Regularien, die für unser Institut relevant sind, ist für die Meinl Bank essentiell. Und in diesem Sinne werden auch unsere Mitarbeiter regelmäßig informiert und geschult.

Für die Meinl Bank als eines der am intensivsten von den Behörden geprüften Bankinstituten des Landes ist es selbstverständlich sich ausschließlich innerhalb der für unser Geschäft relevanten gesetzlichen Rahmenbedingungen zu bewegen. Wenn aufgrund eines Schreibens eines Mitarbeiters, das der Geschäftsgebarung der Bank prinzipiell widerspricht, Missverständnisse oder Irritationen entstanden sind, so bedauern wir das zutiefst und werden alles unternehmen um etwaige Missverständnisse aufzuklären.

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23 Kommentare zu “Österreich-Bank jagt Schwarzgeld in Schweiz

  1. Sämtliche AT-Banken haben kurz vor inkraft treten des Abkommens mit der Schweiz extrem Werbung gemacht, dass sie (die AT-Banken) noch vor dem 31.12. Schwarzgeld aus der CH annehmen ohne das es eine Meldung ans AT-Finanzamt geben wird. Das meiste Österreichische Schwarzgeld liegt unterdessen in Österreich. Übrigens: unsere eigenen CH-Banken mit Sitz in Österreich haben da auch tatkräftig mitgemischelt und das Selbe angeboten!

  2. hmm schade, dann halt doch über den Teich nach Guernsey,Cayman, Delaware, oder Singapore..

    Hauptsache unser Bundesrat bleibt rein und fröhlich.

  3. Meinl war mir bisher vor allem als Hausbank von diversen russischen Kleptokraten ein Begriff. Aber nun überraschen die mich positiv mit ihrer selbstlosen und umweltfreundlichen Idee, unseren Schwarzgeld-Schrott in Austria entsorgen zu lassen.

  4. Wie seriös ist diese Meinl-Bank überhaupt? Wenn man auf Google surft, stehen einem die Haare zu Berg, was da alles getürkt und gezockt wurde! Die Oase Antigua kommt mir vor wie die seinerzeit lancierten Meinl-Fonds, welche den Bach runtergingen und selbst Total-Verluste produzierten. ‚Dieses letzte Mauseloch hat womöglich keinen Ausgang mehr?‘

    Antigua via Austria: Doch eher nein als ja?

  5. der hatte noch ganz andere Konten! wie wir uns damals über die Erträge freuten. Uli war der grösste und für uns der rentabelste. zum Glück musste er nicht alles offenlegen.

    • hi Boris, meinst Du in D oder CH?

      Ist wieder mal unser Meisterschüler für Schwarzgeldkonten involviert, die CREDIT-SUISSE ?

  6. Ich habe Blocher ja nicht abgewählt, da weder Parlamentarier noch CVP. Aber etwas weiss ich mit Gewissheit: Wäre dies nie geschehen, würde sich der Finanzplatz Schweiz heute in einer ganz anderen Verfassung präsentieren als er dies momentan tut!

    • @Mauro Meier

      Hi Mauro, ich weiss nicht ob man da aus politischer Sicht viel tun kann bei einer Bank wie bei der Credit-Suisse, die staendig Dreck am Stecken hat ( subprimes, steuerskandal,insiderhandel). Uns ob das eigentlich wuenschenswert ist, das die Politik ihr hilft. Der Staat kann keine Gesetze machen und wenn Matktteilnehmer bei Uebertretungen Strafe zahlen muessen, zur Hilfe eilen die Fehlbaren raushauen.

  7. Es ist ja bekannt, dass es in ganz Europa und natürlich auch in den USA riesige Summen an Schwarzgeld gibt. Nur die Schweiz kann man jetzt sehr gut angreifen, denn vor allem die Frauen im Bundesrat haben durch ihre Naivität absolut keine Ahnung was in diesem Bereich alles läuft. Schade, kann das CH-Volk bis heute seine Regierung nicht direkt wählen.

    • Und was bitteschön hat Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?! Männer können genau so naiv sein! Suchen Sie sich eine andere Plattform, wo Sie sich frauenfeindlich äussern können!!

    • @Frau: Klingt frauenfeindlich, OK, ist im Grunde aber nur die sachliche, faktenbasierte nackte Wahrheit und hat mit Frau im „Gender-Sinne“ gar nichts zu tun. Denn sie wissen wirklich nicht was sie tun, u.a. weil sie nicht wissen, wer ihre Kontrahenten sind und in welchem Geiste diese agieren.

      Ist Frau leicht düpiert, kommentiert sich’s doch ganz ungeniert…
      Sei’s drum.

    • @Frau
      Schorsche hat schon recht. Ich bin seit 2 Jahrzehnten als Kaderfrau im Finanzwesen unterwegs und habe sicherlich schon einiges erlebt. Die meisten Frauen haben einfach nicht das Händchen dafür (fürs Geldverdienen) und durchschauen auch nicht die Schach und Winkelzüge ihrer Kontrahenten so gut wie ihr männlichen Gegenspieler. Apropos Schachspiel: es ist einfach so, dass der gewinnt, der die Züge weiter vorausberechnen kann wie der Gegner.

      Weiss jemand von Euch wo die beste weibliche Schachspielerin auf der Weltrangliste steht?

      Also wenns ums Gemeinwohl geht, bin ich eindeutig gegen eine Frauenquote.

  8. Und was geht erst in D und UK völlig ungestraft ab! Da gehört selbst aktive Geldwäsche zum Repertoire grosser und grösster Finanz-Institutionen. – Meine Güte, die EWS ist sowas von naïv.

    • @beppi:
      Vielleicht, dass es merkwürdig ist, dass die GB-Kanalinseln einfach nie ein Thema sind, da GB in Europa zu viel Gewicht hat, genau so Delaware USA etc. Aber auf kleine Länder wie CH und LUX kann man besser schiessen, v.a. wenn jemand wie EWR permanent den Bückling macht vor den anderen Staatsoberhäuptern und Regierungsmit-/ohneglieder

    • @Beppi
      sehr viel hat er damit zu tun und schwachsinnig ist lediglich Ihr unqualifizierter Kommentar lieber EWS Untertan

  9. schon interessant.
    bisher dachte ich, dass sich vor allem die Grossbanken, und unter diesen vor allem die CS, auf Schwarzgeldverwaltung spezialisiert hätten.Aber anscheinend habe andere Länder auch das Problem.

    • Das Schwarzeldproblem haben alle. Nur ist die Strategie vorerst ganz klar auf die Grossbanken geziehlt. Die kleinen müssen dann ja nachziehen. Siehe FINMA Empfehlung mit „Verordnung“ zu Klasse 2:-(
      Die Schweiz als riesieger Vermögensplatz und mit keinen politischen Partner/Freunde mehr ist das optimale Ziel für alle Länder deren Steuerzahler ihrer Pflicht nicht nachkommen.

  10. Man kann ja mal Schwarzgeld einsammeln und den Kunden dann ausliefern. Es wird bestimmt ein interessanter Teil der Kunden hängen bleiben.
    Würde mich interessiern was Brüssel dazu plappert!

  11. Bin gespannt wenn was Schwarzgeld vom Gabriel herauskommt. Und wie war das mit dem Französischen Finanzminister? der hat ja immer beteuert Er habe kein Schwarzgeld ! und dann kam es ja ganz dicke heraus, nicht nur kein Schwarzgeld sondern noch gezielte „Konstrukte“ und ganz viel Schwarzgeld.

  12. Tja, da sieht man, wie scheinheilig die EU-Banken sind. Vorneherum poltern Leute wie der vom Kapitalismus sichtlich wohlgenährte SPD-Polteri Sigmar Gabriel gegen den Kleinstaat Schweiz, hintenherum wittern die Banken der EU-Länder Kundengeschäft aus der Schweiz.

    • Treffend formuliert

      Wer haut eigentlich endlich mal EWS und unseren anderen Landesvätern auf die Finger. Die können mit ihrem Unsinn ja ungehindert weiter machen obwohl die Volksmeinung 180 Grad anders ist.