„Operation Save CS“ ist in vollem Gang

Kontrolliertes Grounding: Chefs beknien Kunden, Fed beruhigt Wallstreet – Bringt Rohner Hugo Bänziger?

Heute könnte der Credit-Suisse-Tanker auf den Eisberg prallen. Laut Medien steht die Grossbank unmittelbar vor dem Eingeständnis, systematisch US-Steuerhinterziehung ermöglicht zu haben.

An der Bankenspitze und bei den Regulatoren herrscht Nervosität. Wie kann ein „Run“ auf die Bank verhindert werden? Diese gilt als systemrelevant, könnte also die weltweite Finanzindustrie in Schieflage bringen.

Was früher ein physischer Ansturm verunsicherter Anleger war, entspricht heutzutage dem abrupten Rückzug wichtiger Kunden und Geschäftspartner.

Lösen grosse Investoren wie Pensionskassen und Hedgefunds ihre Geschäftsbeziehung zur CS auf, dann gerät die Bank in eine Abwärtsspirale, die sie aus eigener Kraft kaum mehr stoppen kann.

Würden dann auch noch die Gegenparteien im sogenannten Interbankenmarkt die CS meiden, wäre dies ohne Staatshilfe wohl das Ende.

Die UBS musste nach dem Kollaps der Wallstreet-Bank Lehman in Bern und bei der Nationalbank Unterschlupf suchen, nachdem das einstige Schweizer Aushängeschild ihren Kredit im Markt verspielt hatte.

Damit das nicht auch mit der zweiten Grossbank der kleinen Alpenrepublik passiert, sind die Kapitäne der Credit Suisse und die Behörden seit Wochen auf Tour.

In Gesprächen versucht das Topmanagement, ihre Grosskunden und die wichtigsten Investmentbanken zu überzeugen, dass die CS auch mit der Brandmarkung einer kriminellen Organisation ein stabiler Partner bleibt.

Die „Operation Save CS“ ist in vollem Gang. Ob sie erfolgreich wird, dürfte sich in den nächsten Stunden oder Tagen zeigen, wenn die US-Justiz ernst macht und die Bank in die Knie zwingt.

Auch wenn die ganze Welt weiss, dass es sich beim Schuldeingeständnis der CS um ein von den Amerikanern erzwungenes Machtmittel handelt, ist die Lage ausserordentlich gefährlich.

Es ist das erste Mal seit 10 Jahren, dass eine wichtige Bank mit Verbindungen in alle Wirtschafts- und Politbereiche als betrügerische Firma an den Pranger gestellt werden soll.

Das letzte Mal war das bei der französischen Crédit Lyonnais der Fall. Diese Grossbank hat sich nie mehr vom Tiefschlag erholt. Sie gehört heute zur Gruppe der Crédit Agricole.

Die UBS wurde vor 5 Jahren in ihrem eigenen Steuerfall vergleichsweise milde bestraft.

Mit gezielten Aussagen im Vorfeld der „Explosion“ auf dem CS-Tanker versuchen die zentralen Player im Finanzsystem, die Lage zu stabilisieren.

„Jemanden auszuschliessen wird zu einer sehr gewichtigen Entscheidung für uns“, gibt Bloomberg Lloyd Blankfein wider, den Chef der führenden Wallsteeet-Bank Goldman Sachs. „Das würden wird nicht leichtfertig tun.“

Die Nachrichtenagentur, die seit Tagen intensiv über den bevorstehenden Deal berichtet, der die CS gegen 2,5 Milliarden Dollar kosten könnte, verweist auf Aussagen von US-Regulatoren.

Diese seien in Kontakt mit den wichtigsten Partnern der Schweizer Bank, um „Panik“ im Markt zu vermeiden.

Im „Statement of Facts“als Teil des US-Deals  wird die CS-Führung eingestehen müssen, dass ihre Bank auf breiter Front Steuerhinterziehung mit amerikanischen Kunden unterstützte.

Die CS steht damit als eigentliche Steuerbetrugs-Organisation da. Ob die USA dafür Köpfe fordern, bleibt bis zuletzt offen.

Beim UBS-Deal von Februar 2009 verlangten die Amerikaner die Entlassung von über einem Dutzend Berater und Manager.

Sobald der Deal steht und das Urteil gesprochen ist, dürfte eine riesige Welle über die CS hereinbrechen. Die vielen Schlagzeilen der letzten Tage werden dagegen nur das Vorspiel gewesen sein.

Weltweit wird in den Zeitungen und den TV-News von der „verbrecherischen“ Schweizer Grossbank die Rede sein.

Auf der Brücke des CS-Schiffs wird in diesem Moment entscheidend sein, ob das Kalkül von CS-Kapitän Urs Rohner aufgeht.

Offenbar will der Präsident seinen ersten Offizier Brady Dougan nicht unmittelbar nach Bekanntwerden der Milliarden-Strafe feuern.

Dougan soll die Welle bewältigen, heisst es aus dem CS-Kommandoraum. „Jemand muss das Schiff durch den Sturm steuern“, sagt der Gesprächspartnern.

Je nachdem, wie sich das Unwetter entwickelt, muss Rohner seinen Steuermann rasch beseitigen. Das ist Rohners Plan, um selbst über die Runden zu kommen.

Das Problem des Ex-Wirtschaftsanwalts ist, dass die Bank mit Dougan-Boys durchsetzt ist. Rohner fehlt die Auswahl an fähigen internen Managern, die neben dem Private Banking auch das Investment Banking beherrschen.

In der Not taucht Hugo Bänziger auf. Der langjährige Risikochef verliess die Deutsche Bank vor 2 Jahren und wurde kurz als Finma-Chef gehandelt.

Da hatte der 58-jährige bereits als Partner bei der Genfer Lombard Odier angeheuert. Als Miteigentümer könnte Bänziger rasch die Seiten wechseln.

Bänziger gehörte in den 1990er Jahren zur Truppe von Josef Ackermann. Als dieser die CS im Streit verliess, ging auch Bänziger.

Nun macht Bänzigers Name in CS-Kreisen die Runde. Einzig ein Bigshot könne bei der Grossbank die nötige Ruhe für den Neuanfang bringen, heisst es.

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37 Kommentare zu “„Operation Save CS“ ist in vollem Gang

  1. „Operation Shave the CS“ (sprich: Aufteilung) wäre wohl sinnvoller PB CH ist das einzige was läuft.
    Singapur, US Geschäft und IB ist alles nur experimentelles Banking .

    ich bin sowieso für das Trennbanken System, damit die Brady Boys nicht mehr ihre Boni vom PB finanziert bekommen. Und Geschäftlich passen IB und PB nicht zusammen, das Risikoverhalten zu unterschiedlich

  2. Die Manager herrschten wie Diktatoren und ruinierten die Firma. Für ihre „Verantwortung“ bekam sie noch einen fetten Lohn. Die Mitarbeiter durften nichts sagen. Die Aktionäre schliefen. Jetzt ist es vorbei. Die letzte Tat wird sein, den Termin für die Beerdigung bekannt zugeben.

  3. Der Blick meldet, dass die CS 2.5 Milliarden Dollar Strafe zahlen wird. Das sind etwas mehr als 56 000 Dollar pro Mitarbeiter. Nun muss kraeftig gespart werden, an den Externen, durch Stellenabbau und Stellenverlagerung und an den Mitarbeitern selbst. Nur das Management, das sich wieder mal eine kraeftige Gehaltserhoehung goennte, wird davon nicht betroffen sein.

    Ausserdem muss sich die ‚most admired bank‘ schuldig bekennen.

    Weiter koennen wohl Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinanderklaffen.

    Das Ganze hinterlaesst einen -fuer mich- verwirrenden und abstossenden Eindruck.

  4. es dürfte auch dem letzten träumer angesichts der zu erwartenden nicht-konsequenzen für die beiden herren urs und brady dämmern, dass sogenannte top-shots nie und nimmer wirkliche verantwortung tragen müssen.
    wofür sie sich die boni zuschanzen, die sie erhalten haben, kann der normale, gesunde geist nicht mal erahnen: für viel wind? den besuch und das sponsoring der zh filmfesttage? die nur 4h benötigten schlafs? die meisten falten im gesicht eines unter 50-jährigen?
    da ist es nur noch eine fussnote im surrealen theaterstück, dass die hauptaktionäre aus katar die menschenrechte in ihrem land (siehe wm-stadien-bau) und anderswo auf dem globus mit kamelleder-sandalen treten!
    die bank pusht nach dem offensichtlich gescheiterten us-tax-evasion-modell nun das modell des maga-growth im middle east, einer region, wo werte wie menschenrechte, religionsfreiheit, toleranz andersgläubigen gegenüber, frauenrechte und demokratie natürlich ganz gross geschrieben und richtiggehend zelebriert werden. wer es nicht glaubt, soll herrn blatter fragen: der kennt die jungs und ist als schweizer natürlich neutral!
    es besteht somit natürlich auch keine frage, dass das geldgeile nach-hecheln der vielen bankberater im sandkasten der ölscheichs nie und nimmer anlass geben wird für irgendwelche untersuchungen, ob man denn damit nicht vielleicht despotische regimes unterstützt haben könnte.
    wenn die amis dank shale-gas in ein paar jahren energieautark sein werden, überlegen sie sich vermutlich, den businesspartnern der ursprungsländer des al-kaida-terrorismus den prozess zu machen und die schweiz im zuge dessen als banker der financiers des globalen terrorismus vor die dann unterbeschäftigten us-courts zu zerren. die saudis, kuwaitis und kataris werden uns dann sicher tatkräftig zur seite stehen!

  5. Zitat:

    Einzig ein Bigshot könne bei der Grossbank die nötige Ruhe für den Neuanfang bringen, heisst es.

    Zitat Ende.

    Nichts von der Vergangenheit gelernt!

    Politische Entscheidungen werden gerne mit „Sachzwängen“ begründet. Ein häufig vorgeschobener Sachzwang ist die „Globalisierung“. Mit der Globalisierung sind fast alle politischen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit begründet worden. Doch entgegen dieser aus allen Medien vertrauten Interpretation ist die „Globalisierung“, verstanden als nationale Grenzen überschreitende Verflechtung wirtschaftlicher Systeme, kein Naturereignis, oder auch nur unabwendbare Konsequenz neuer Kommunikations- und Transporttechnologien. Sie wird durch zielstrebige Politik bewusst herbeigeführt.

    Die Schweiz, sollte der Bund erneut (Steuerzahler – SNB) einspringen, könnte es die Chance sein endlich eine der grossen Geldkonzerne zu zersplittern. Im Rahmen dieser Rettung könnte man sämtliche Boni usw einfrieren, und Gesetze erlassen die es nicht mehr erlauben die Schweiz in einer solchen Mitleidenschaft hineinzuziehen. Hohe Gefägnisstrafen, Konfiszierung von Vermögen der Manager usw.

    Die Schweiz ist sehr klein, sitzt aber mit am großen Roulettetisch des Casino-Kapitalismus. Und das ist gefährlich!Sehr gefährlich! Die Volkswirtschaft der Schweiz ist einfach erheblich zu klein, um im Falle der nächsten Großbankenkrise einen Bankrott zu verhindern, zumal die makroökonomischen Bruttoinlandsdaten erst durch diese beiden Kapitalsammelbecken (UBS und CS) maßgeblich zustande kamen. Die volkswirtschaftlichen Daten eines ganzen Landes hängen also an diesen beiden Bankenkonzernen!

    Sind wir uns eigentlich bewusst, dass die derzeitige 52%ige Verschuldungsquote der Schweiz könnte nämlich binnen weniger Augenblicke die 100% Marke weit durchbrechen, wenn der Anleihenmarkt diverse Abschreibungen erfordern würde, was mittlerweile offen in vielen Expertenzirkeln diskutiert wird. Es gibt bekanntlich zwei Möglichkeiten der Schuldentilgung: Der Schuldner zahlt sie, oder die Banken schreiben sie ab. Was dass heisst kann sich jeder ausmalen….

    Ruhe? Die richtigen Probleme kommen erst jetzt richtig auf uns zu….

    Grüsse
    Der Praktiker

  6. Wenn Rohner dieses Banken-Massacker als VR bzw. politisch überlebt, fress ich einen Besen! Das kann ja nicht sein, ist er doch länger für die fraglichen Positionen verantwortlich als BD. Der muss natürlich auch gehen, aber vor allem aus dem Grund, weil er es nicht geschafft hat, die Bank erfolgreich zu positionieren (7 Jahre lang „in der Zukunft wird es besser“, und dann das). Ok er meinte natürlich seine eigene (finanzielle) Zukunft, insofern lag er ja goldrichtig…

    • Das kann eben schon sein, wenn man das richtige Bauernopfer präsentiert. Zum Beispiel Romeo „Weggli“ Cerrutti, seit Jahren Legal & Compliance-Chef ist. Oder Hans-Ueli Meister, der die NNA-Zahlen frisieren liess. Oder Rob Shafir, der schliesslich für das US-Geschäft verantwortlich ist.

      Dann kann der elegante Herr Rohner die CS wieder in aller Ruhe an wichtigen kulturellen Ereignissen repräsentieren.

  7. Keine Panik! Pamela wird das Thema beim nächsten Frühstück mit Michelle Obama zur Sprache bringen. Dann werden Levin und Holder wieder an die Ketten gelegt, die Credit Suisse erhält eine Entschuldigung und Schadensersatz in Höhe von USD 5 Mrd. (mindestens) – genauso wird es kommen, ganz bestimmt.

  8. Nach Medienberichten soll die CS nun eingestehen «We were running a criminal enterprise» und USD 2.5 Mrd. Strafe zahlen. Das könnte der Anfang vom Ende der CS sein: Sollte die CS sich gegen diesen Deal aussprechen, ist sie am Ende: keine Deals mehr in den USA, keine Deals mehr in USD. Sollte die diesen Deal unterschreiben, ist sie ebenfalls am Ende: jeder Kunde, der in den vergangenen fünf Jahren mit der CS geschäftet und Geld verloren hat, wird sagen, „Ich wusste nicht, dass ich es mit einer verbrecherischen Firma zu tun hatte. Ich will mein Geld zurück“. Eine Klagewelle wird über die CS schwappen. Und mit der Historie als Criminal Enterprise werden zahlreiche existierende Firmenkunden abspringen und Neukunden nicht gewonnen, weil Corporate Governance-Regeln es diesen Firmen verbieten, mit der CS als ehemaliges Criminal Enterprise zu geschäften (insb. Hedge Funds). Tolle Aussichten! Gut gemacht, Herr Rohner! Well done, Brady!

    • Von der „most admired bank“ zum „criminal enterprise“…

      Herr Rohner, wo waren Sie als Chef Legal ? Am Filmfestival, am Fernsehen oder an Tina Turners Hochzeit ?

  9. Das Geld aus Katar ist nicht besser als unversteuertes Kapital. Dort dient die Scharia aus Hauptquelle der Gesetzgebung und Katar ist auch ein Land, das die Muslim-Brüder unterstützt.

  10. Die CS CE (criminal entreprise) wurde nicht durch Rohner oder Dougan gegründet. Das geschah vor deren Zeit mit vollem Wissen und Billigung von VR und GL.

    Rohner hat seinen Job als oberster Jurist der CS nicht gemacht und dafür ist er zur Rechenschaft zu ziehen. Und genau da beginnt aber die Story für seinen Aufstieg:
    Der VR und die GL wollten und mussten sich nach 2008 persönlich schützen, denn sie bekamen wirklich Angst vor den Amis.
    Also hat man ihn, als Mitschuldigen, an die Spitze gewählt, mit dem einzigen Auftrag, die früheren Verantwortlichen von aller US-Ungemach zu isolieren.

    Daneben wurde Dougan installiert, um für alle Geld zu verdienen und damit die Bonus-Töpfe zu füllen, das war sein Auftrag.

    Weder Rohner noch Dougan haben das Zeug zu einem Kapitän auf der Brücke; sind eher Penner (hat man früher als fehlendes Rückgrat bezeichnet).

    Die Idee mit der Fusion von CS und DB ist gar nicht ohne. Beide haben die Qataris an Bord und mit der Lufthansa/Swiss wurde das schon erprobt.
    Interessanterweise war es auch das CS Management/Establishment, welches die Swissair vernichtet hatte.

  11. Bänziger ist sicher ein guter Kandidat. Als Risikochef der DB hat er die Bank durch die Finanzkrise ohne nennenswerte Verluste gesteuert. Denke die CS brauch z.Z. genau so einen.

  12. „… Bänziger gehörte in den 1990er Jahren zur Truppe von Josef Ackermann …“ – naja, ob DAS als Referenz positiv zu werten ist – Wunder gibt’s ja immer wieder…

    • Wieso? Die Gierigen haben doch ihr Geld im Trockenen. Die Verlierer sind alle Anderen, aber nicht diejenigen die den Laden geplündert haben. Die sind Vorbilder.

    • Passiert manchmal. Aber die Pensionen der selbstherrlichen und unfehlbaren Herren in Nadelstreifen sind gesichert!

  13. Vielleicht kommt es auch zu einem Schulterschluss mit der Deutschen Bank. Seltsamerweise haben Grossinvestoren aus Katar bei beiden Finanzinstituten ihre Beteiligungen massiv aufgestockt.

    • DASSELBE ist mir auch durch den Kopif gegangen, als ich heute morgen diese News erfuhr.

  14. BLOOMBERG hat gestern Nacht berichtet, dass unter dem Guilty Plea Agreement die Namen der Steuersünder nicht genannt werden müssen.Eine Einladung für Steuerhinterzieher……und eine Schande für das CH-Bankgeheimnis!

    • Das kann man auch anders herum sehen: Denn das war schon bei den rd. 27.000 nachrichtenlosen Konten so.

      Was wohl nur wenige heute noch wissen – es gab neben Untersuchungen gegen die Schweizer auch welche gegen die Franzosen und selbst gegen die Amerikaner. Die amerikanische Regierung, wie viele andere auch, hat sich nach dem Krieg Auslandsvermögen einverleibt, darunter natürlich auch potentieller Holocaust-Opfer. Lediglich in den 50-er Jahren hat sie sich dann zu einer kleinen Zahlung durchgerungen, in der neuerlichen Untersuchung zu gar keiner, und es mussten auch – im Gegensatz zu den Schweizern- keine Namen veröffentlicht werden; viel schlimmer noch: Wichtige Unterlagen wurden sogar vernichtet. Alles nachzulesen in den offiziellen Berichten des Kongressausschusses.

      Einzig die Schweiz hat mit den 1,25 Mrd weit mehr als bezahlt hatte als die offiziellen Untersuchungen ergaben, die lediglich auf rd. 15 Mio plus hindeuteten, wenn ich mich noch recht erinnere.
      Die Franzosen mussten 64.000 Konten zugestehen, haben aber nur geringfügig über den Betrag hinaus bezahlt, der sich auf diesen Konten auch befand.

      Hinzu kommt – nur ein Bruchteil der 1,25 Mrd. wurde übrigens an die Opfer weitergereicht, der Rest ist quasi versickert. In den USA haben sich die Opfer sogar zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, um diesem -in ihren Augen natürlich- Diebstahl Ausdruck zu verleihen.

      Ich sage daher: Es ist nicht nur eine Schande für dieses Land, sein Bankgeheimnis aufgegeben zu haben, sondern auch, sich sinnlos Geld abgepresst haben zu lassen. Denn die (Erfolgs-)Geschichte der Schweiz ist eng verbunden mit dem Banken- und Steuergeheimnis – von der Gründungslegende, dem Aufstand gegen den habsburgischen Steuervogt, über die vielen hugenottischen, jüdischen und anderen Wirtschaftsflüchtlingen, die dieses Land über Jahrhunderte hinweg aufgenommen hat, bis zum Bankengeheimnis Anfang der dreissiger Jahre, nicht zuletzt als Reaktion auf die Nazi-Gesetze, Auslandskonten unter Strafe zu stellen.

      Auch wer das nicht hören mag – das Bankengeheimnis war ein Freiheitsgesetz !

    • Ich verstehe heute noch nicht weshalb die CS im Jahre 2009 nicht auf den „UBS-Zug“ aufgesprungen ist und im Rahmen der Notmassnahmen der Eidgenossenschaft ebenfalls die relevanten Kundendaten in die Staaten übermittelt hat. Die UBS zahlte damals eine Busse von USD 780mln für ein deutlich höheres Vergehen als es die CS je begangen hat. Ich bin überzeugt die CS wäre mit einer Busse von max. 500mln davon gekommen. Warum blos wurde die Situation von Seiten der CS total falsch eingeschätzt. Total unverständlich! Ausser da war vielleicht ein Eigeninteresse der CS-Führung (Bonusprogramme…)?!?

    • Wer ein Geschichtsbewusstsein hat (was heute ja bei den meisten Leuten nicht mehr der Fall ist, Google, digitale Demenz genannt, sei Dank), kann die Ausführungen von Herrn Ott nur bestätigen. Zu erwähnen bleibt noch, dass der Pleite-Fagan wegen sexueller Handlungen mit einer minderjährigen Prostituierten verurteilt wurde. In diesem ganzen Schlamassel ist das der einzige Lichtblick.

    • J. Ott: Sie haben in Ihrer Geschichte den Fall IG Farben/Bank in Winterthur resp. SBG ausgeblendet; so im Sinne „wo du nicht bist du organist, da schweigen alle pfeiffen

    • @m.s. Es war nicht die CS welche s.zt die Situation total falsch eingeschätzt hat sondern unser Parlament und unsere Finanz-Ministerin hat das Veto eingelegt und somit war die CS blockiert. Ich bin kein Banker und will die CS nicht in Schutz nehmen, nur so nebenbei gesagt.

    • Die Schweiz wird auch künftig erpressbar bleiben. Leider hat der Bundesrat keine E..r, dem ein Ende zu setzen. Dieser vorauseilenden Gehorsam ist unertragbar. Ich würde kurzerhand den Botschafter einbestellen und ihm den Marsch blasen. Aber nein, der Bundesrat unterstützt auch noch diese „spätrömische Dekadenz“ (G. Westerwelle). However, Brady, Urs und Romeo gehören in die Wüste geschickt.

    • @ Jürgen Ott

      Die Schweiz ist durch Persönlichkeiten wie z.B. Alfred Escher wirtschaftlich gross geworden. Die damalige SKA z.B. durch Eisenbahnfinanzierung, Gotthardtunnel; also durch Realinivestitionen in die Infrastruktur. – Wenn ich Ihre Überlegungen lese, so meinen Sie, die Schweiz sei nur durch das Bank- und Steuergeheimnis reich geworden: Nein: Die Schweiz ist durch industrielle Leistung reich geworden (z.B. Sulzet, BBC, Sandoz, Ciba, Hoffroche etc. (zwischenzeitlich hat es einige Fusionen gegeben)! Ihre Ausführungen wirken stellenweise verkürzt und einseitig!

    • Lieber Herr Dr.Ott,
      ja, das sind ganz wichtige Hintergründe, die in Betracht zu ziehen sind.
      Das Bankgeheimnis ist eine gute Sache, weil es die Privatsphäre der natürlichen Person vor dem Staat etc. schützt. Das soll auch so bleiben. Was jedoch nicht akzeptiert werden darf, ist, dass das steuerliche Bankgeheimnis Scheintrusts, Schein-Companies und Stiftungen von gewissen High Net Worth Individuals, gewissen Finanzinstitute und Multi-Nationale Konzerne missbraucht wird, um den wirtschaftlich Berechtigten und dubiose bzw. kriminelle Transaktionen wie Geldwäscherei und Steuerhinterziehung/-betrug zu schützen. Leider ist dies heute Realität und aufgrund dieser Realität verliert nun die natürliche Person, die ja das Bankkonto auf den eigenen Namen eröffnet, den Privatsphären-Schutz. Damit darf der automatische Informationsaustausch nicht die Menschen mit Namenkonti, Konti auf ihre eigenen Namen, einbeziehen. Das nur schon, weil kaum ein Krimineller ein Konto auf den eigenen Namen eröffnet. Leider wird das nicht verstanden und das Informations-Chaos entfaltet sich bereits d.h. der Gläserne Bürger!
      Das sind meine Gedanken und vielleicht hilft es, die Sache besser zu verstehen.

    • @ Private Banker + @ Herrn Elmer
      Ich stimme Ihnen beiden zu. Nur, die industrielle Industrie trägt erst seit rd 150 Jahren zum Wohlstand bei, das Steuer- und Bankengeheimnis ist mE eine jahrhundertelange, gesellschaftliche Freiheitsnorm dieser Nation.

      Anyway. Ich weiss, ich plädiere für die Quadratur des Kreises: Steuer- und Bankengeheimnis als Grundprinzip der Privatsphäre beibehalten bzw. wieder einführen, und dennoch gegen Betrug vorgehen – ähnlich wie Sie argumentieren, Herr Elmer. Das geht wohl nur über den Rechtsweg bzw. die Amtshilfe. Das ist zugegebenermassen mühsam. Und es ist eine Gratwanderung, ich weiss.

      Nur, wo liegt denn das wirkliche Problem der Bürger – alle Regierungen dieser Welt brauchen Geld, weil sie nie mehr ihre Schulden tilgen können geschweige denn tun (wollen). Und Pensionen in gigantischer Höhe zur Auszahlung anstehen. Anleihen verkaufen sich bei dem Zinsniveau immer schwerer, daher bleibt nur schärfere Besteuerung. Daher wird die Oppression immer stärker, auch hierzulande wird das kommen.

      Daher muss man für die Privatsphäre kämpfen. Obwohl die, wenn man es nüchtern betrachtet, bereits nicht mehr gegeben ist, s. NSA. Also muss man versuchen, die Privatsphäre wiederherzustellen – in erster Linie im Steuer- und (elektronischen) Kommunikationsbereich.

    • @ Private Banker + Herrn Elmer

      So viel zum Privatbereich und der Freiheit des Einzelnen. Aber das big picture auf Staatsebene ist mE. wie folgt:

      – Ein Banken- und Wirtschaftskrieg der Angelsachsen gegen die (bislang) erfolgreiche Schweiz – den wir momentan zu verlieren scheinen.
      – Und ein Krieg der politischen Systeme, hier EU gegen die Schweiz.

      In beiden Fällen hilft das Bibelwort, auch noch die andere Wange hinzuhalten, nicht wirklich weiter. Hinzu kommt mE als gewichtiges Problem, dass wir bereits zu viele trojanische Pferde im Lande haben, in verantwortlichen Positionen.

    • @ Jürgen Ott

      Ein Blick in die Schweizer Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass die überwiegende Wertschöpfung seit jeher vom 2. Sektor, also Industrie +Gewerbe kommt. Also nicht erst seit 150 Jahren. Wenn Sie also unterstellen, der Reichtum der Schweiz gründe im Bank- und Steuergeheimnis, dann sind haben Sie sich nicht mit der Schweizer Wirtschaftsgeschichte auseinandergesetzt. Mir fällt auf, dass Sie ständig im Geldkreislauf argumentieren und in einer Gedankenwelt leben, die es so nicht gibt. Ihre Argumentationsspirale dreht leer und es scheint, dass Sie Mühe haben zu akzeptieren, dass der Schweizer Reichtum durch industrielle Wertschöpfung entstanden ist: Am Anfang war ein Realprojekt (z.B. Eisenbahnbau und Gotthardtunner), dann erst kamen die Banken und pervertierten Ende der neunziger Jahre via ihre globalen Investmentbanking-Netzvwerke die Idee des Banking und mutierten zu Geldmaschinen ohne Realbezug; was schliesslich die Finanzkrise auslöste.

    • @ Private Banker
      Ich verkenne nicht Ihren Hinweis. Für Sie als Privatbankier dürfte jedoch von besonderem Interesse sein, dass hierzulande, wie Sie natürlich wissen, das Banking in Genf entstand, und zwar im Umfeld reicher französischer (Steuer-)Flüchtlinge. Dabei haben, was Sie vielleicht weniger berücksichtigt haben, drei bedeutsame Ereignisse nicht nur dieses Land geprägt:

      Zunächst – warum kamen die Flüchtlinge? Als der erste „Entwicklungsländerboom“ in England platzte (Stichwort: South Sea Company), scheiterte auch in Frankreich die Mississippi-Gesellschaft, die in gleicher Mission unterwegs war. Der franz. Adel, welcher an der Firma stark beteiligt war, bot der Regierung einen vermeintlichen Bail-out an: Hingabe der inzwischen wertlosen Aktien gegen die Verbindlichkeiten der Firma. Er bestand dann jedoch auf Schuldendienst, was über Jahrzehnte drastische Steuererhöhungen auslöste bis darüber schliesslich die Franz. Revolution ausbrach. Wer konnte, ist deswegen bereits vorher und nachher nach Genf ausgewandert.

      1) Dort unterstützten diese Steuerflüchtlinge die Calvinisten. Nun hat der Protestantismus sicher verschiedene Aspekte, im wirtschaftlichen Bereich aber nur einen besonderen: Er führte zum Aufbruch des kanonischen Zinsverbots der katholischen Kirche, mithin konnten bzw. durften Christen erstmals Kreditbanken gründen. Das führte zum bis heute andauernden Bankingboom in Genf (umso mehr nachdem die Franz. Revolution eine Serie von Staatsschuldenkrisen in Europa ausgelöst hatte), hatte aber offenkundig auch Wirkung im gesamten christlichen Abendland, wobei natürlich Genf nicht alleine bzw. ausschlaggebend war.

      2) Weil der Bankenplatz Genf sich nicht auf die moderne Variante des Konsumkredites konzentrierte, sondern vielmehr auf Handelsfinanzierung, nahm von dort u.a. die Finanzierung der Seereisen zur Erschliessung der USA ihren Ausgang. Leider haben die Amerikaner das der Schweiz ein paar Hunderte Jahre danach wenig gedankt..

      3) Die Schweiz nahm im gesamten 18. Jahrhundert sehr viele Wirtschaftsflüchtlinge auf – neben den Protestanten aus Frankreich zB. auch Juden aus Spanien.

      Ich halte diese Ereignisse für prägend, aber natürlich ist die später einsetzende Wertschöpfung im Industriebereich auch wichtig, ohne Frage, was ich hiermit abschliessend gesagt haben möchte.