Suizid von Spitzenmann wühlt DZ Privatbank auf

Zürcher Ableger steht unter Schock – Verstorbener war Direktionsmitglied – Gerüchte über versteckte Transaktionen.

Die DZ Privatbank in Zürich wird vom Freitod eines jahrelangen Kadermanns erschüttert. Der Banker mit langer Karriere auf dem Finanzplatz schied vor wenigen Wochen aus dem Leben.

DZ-Chefin Marion Pester legte für die Mitarbeiter ein Kondolenzbuch auf und stellte für Kollegen des Verstorbenen ein Care-Team zusammen.

„Wir sind immer noch tief betroffen von dem überraschenden Tod unseres Mitarbeiters“, sagte Pester in einem Telefongespräch.

Es handle sich beim Verstorbenen „um einen langjährigen, sehr geschätzten und beliebten Mitarbeiter in unserem Unternehmen“.

Die Bank würde „aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aus Respekt vor den Angehörigen“ nichts zu den Umständen des Ablebens sagen.

Intern und extern gab der Suizid zu reden. Die Rede ist von Kunden, die zuvor bei der Bankleitung interveniert hätten.

Laut diesen Quellen sollen sich die DZ-Kunden über Transaktionen beschwert haben, welche sie nicht in Auftrag gegeben hätten. Insgesamt gehe es um einen tiefen Millionenbetrag.

DZ-Chefin Marion Pester dementierte dies. „Nein, wir haben keine Kenntnis von solchen nicht autorisierten Transaktionen“, sagte sie letzte Woche.

Die Deutsche, die als weibliches Aushängeschild auf dem Zürcher Finanzplatz eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, wehrt sich gegen öffentliche Vorwürfe an die Adresse des Verstorbenen.

„Wir möchten Sie sehr bitten, trotz aller Pressefreiheit das Andenken dieses Mitarbeiters in Ehren zu halten und nicht Raum für weitere Spekulationen zu bieten“, bat sie.

Der Verstorbene ist laut Handelsregister Mitte 40. Er hatte in Deutschland studiert und begann dort seine Karriere beim Finanzmulti Deutsche Bank.

Mitte der 2000er Jahre wechselte er zum Schweizer Ableger der Dresdner Bank, die damals ebenfalls zu den grössten Privathäusern des nördlichen Nachbarn in der Finanzbranche zählte.

Bei der Dresdner Bank Schweiz war der Verstorbene gemäss seinem Profil in der öffentlichen Datenbank LinkedIn in der Anlageberatung tätig.

Laut Insidern stammten seine Kunden vornehmlich aus Deutschland. Diese legten einen Teil ihrer Vermögen bei den Ablegern von deutschen Bankhäusern in der Schweiz an.

Wie damals üblich dürfte es sich um das klassische Offshore-Modell gehandelt haben. Die deutsche Klientel hatte wie die Kunden aus den übrigen Nachbarstaaten vom Bankgeheimnis profitiert, um unversteuerte Vermögen vor dem eigenen Fiskus geheim zu halten.

Bei der Dresdner Privatbank gehörte der Anlageberater nach Angaben in den zugänglichen Datenbanken zur Direktion.

Kurz nach Ausbruch der grossen Finanzkrise Ende 2007 wechselte er zur Credit Suisse. Am CS-Hauptsitz in Zürich wurde er unterschriftsberechtigter Kundenberater für deutsche Offshore-Kunden.

Bei der CS soll es zu Unregelmässigkeiten gekommen sein, sagt eine Quelle.

Zum Teil habe der Betroffene mit dem verwalteten Vermögen seiner Kunden Derivategeschäfte getätigt, ohne dass diese darüber im Bild gewesen seien.

Sicher ist, dass die Zeit bei der CS nach kurzer Zeit abrupt zu Ende ging. Anfang 2009 wechselte der Mann dann zum Zürcher Ableger der DZ Privatbank, wo er zum Direktionskader gehörte.

Die Bank steckt in einer Reorganisation. Zentrale Dienste werden zwischen Luxemburg, Zürich und in Deutschland aufgeteilt.

Viele Angestellte müssen befürchten, dass sie von Zürich aus nach Luxemburg oder Deutschland müssen.

Ob das genügt, bezweifeln Insider. Die DZ Privatbank lebte wie viele Auslandbanken vom Offshore-Modell. Dieses ist durch das Ende des alten Bankgeheimnisses eingebrochen.

Die DZ Privatbank, die den deutschen Raiffeisenbanken gehört und rund 1’000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 200 in Zürich, versucht sich mit einem Umbau über Wasser zu halten.

Die Weichenstellungen erfolgen dabei in der Zentrale in Luxemburg und in Deutschland.

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12 Kommentare zu “Suizid von Spitzenmann wühlt DZ Privatbank auf

  1. Bei dieser Bank wundert mich nichts. Bei der DZ blieb und bleibt kein Stein auf dem anderen. Ausländische Privatbanken haben zu einem grossen Teil keine Daseinsberechtigung mehr.

  2. Man fragt sich angesichts dieses tragischen Todesfalls und der nur angedeuteten Motive,die hinter dem Selbstmord stehen,wie lange das Geldcasino,an dem die Schweiz ja bislang dank „Bankgeheimnis“ einen grossen Anteil hat/hatte,noch ungebremst weiterlaufen soll.Für mich stellt die Lektüre von „Inside Paradeplatz“ eine hochinteressante Lektüre dar,die jeden Wirtschaftskrimi bei weitem übertrifft.Man weiss:Der Krimi ist erfunden,das ebenso schillernde Geschehen,das im „Paradeplatz“ abgebildet wird,hingegen echt.Immer wieder zum Gruseln!

  3. Auch bei der Commerzbank International SA, Luxemburg sollen sich Kundebeschwerden über nicht in Auftrag gegebene unautorisierte teilweise sehr große Abbuchungen auf Kundenkonten häufen.
    Haarsträubende Begründungen ohne sachliche Grundlage legen fragwürdiges Verhalten nahe, welches von betroffenen Personen so beurteilt wird.

  4. Hat vielleicht auch damit zu tun:

    http://www.finews.ch/news/banken/17222-dz-privatbank-marion-pester-ruecktritt-neuausrichtung

    Kann auch sein, dass das CH Private Banking nun doch verkauft wird und Pierin’s Raiffeisen resp. Notenstein der Käufer ist (ist ja auch eine Genossenschaftsbank). Siehe dazu auch

    http://www.finews.ch/news/banken/17217-notenstein-vontobel-raffeisen-zeno-staub-adrian-kuenzi-pierin-vincenz-uebernahme-deal-transaktion-konsolidierung-private-banking-asset-management

  5. Mein Beileid und Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen, Freunden und den Kollegen. Die Vorstellung wie der Verstorbene die letzten Monaten oder vielleicht Jahre seines Lebens verbracht haben soll, werfen in mir viele Fragen auf, und hinterlassen eine tiefe Traurigkeit.

    Wenn Menschen erleben, dass eine schwer einzuschätzende Situation aufgetreten ist, diese aber nicht analysieren können, gehen sie in eine Beobachtungsposition über, um zu ermitteln, wie ihre Mitmenschen reagieren. Diese aber haben ebenfalls diese Haltung eingenommen und achten darauf, ob etwas geschieht. So entsteht eine pluralistische Ignoranz. Selbst bei dramatischen Verwerfungen oder Notfällen ergreifen dann die Menschen keine Initiative, obwohl es deutlich angezeigt wäre.

    So sieht es derzeit in der Banken,- Versicherungsindustrie – und nicht nur da – AUS! Wozu? 1% der Bevölkerung haben soviel, wie der restliche 99%! Dazu brauchte es nicht die kürzlich publizierte Oxfam Studie, sondern WIR wissen es ALLE, dass vieles schief läuft und nicht mehr aufrechtzuerhalten ist.