Bär kündigt Privatkunden baldige Minuszinsen an

Alle mit mehr als halber Million Cash betroffen – Berater schlagen alternativ Strukis vor – Safra krebst nach Aderlass zurück.

Die grösste Schweizer Privatbank Julius Bär will demnächst die 0,75 Prozent Minuszins der Nationalbank ihren grössten Kunden weitergeben.

Alle Kunden mit mehr als 500’000 Franken Cash bei ihr erhalten in diesen Tagen Anrufe ihrer Kundenberater.

Diese informieren die Grosskunden über eine drohende Negativzins-Einführung und mögliche Ausweichmanöver.

Im Gespräch mit den Kunden empfiehlt der Berater eigene strukturiere Produkte der Bank. Diese sollen bei wenig Risiko einen kleinen Zins oder wenigstens keinen negativen versprechen.

Auch die Rückzahlung von Hypo-Krediten wird vorgeschlagen.

Ein Sprecher von Julius Bär bestätigte gestern, dass entsprechende Briefe der Zentrale an alle Kundenberater gegangen seien.

Statt einfach Negativzinsen zu verfügen, wolle Bär ihren Job als Bank erledigen und im Gespräch mit den Kunden Lösungen finden.

Ein definitiver Entscheid mit einem Termin für die Überwälzung der Negativzinsen von der SNB gebe es nicht, sagte der Sprecher.

Es seien aber viele Kunden betroffen. Als grosse Privatbank sei das logisch. Unter den Kunden, die jetzt angegangen würden, habe es einige mit sehr grossen Cash-Beständen auf ihren Bär-Konti.

Die Massnahme zeigt, dass die Behauptungen zu Beginn der Negativ-Ära im Dezember, wonach Privatkunden verschont würden, naiv oder dumm waren.

Der Minuszins der Notenbank frisst sich mehr und mehr durch. Verschont werden nur der Bund und seine Institutionen wie die öffentliche Pensionskasse Publica, die ihr Geld bei der SNB haben.

Zuerst kamen Firmenkunden, Hedgefunds und Pensionskassen an die Reihe.

Die Credit Suisse ging voraus und verkündete vor Monatsfrist, dass sie diesen Grosskunden sogenannte „Guthaben-Kommissionen“ belasten würde.

Sofort folgten die Zürcher Kantonalbank und weitere.

Für Aufsehen sorgte die Genfer Privatbank Lombard Odier. Sie belastete den Negativzins bereits ab 100’000 Cash auf dem Konto.

Wellen löste die Basler Safra Sarasin aus. Ohne Vorwarnung informierte die Privatbank ihre Externen Vermögensverwalter über die sofortige Einführung von minus 0,75 Zins.

Die EVV mussten darauf ihrerseits die Kunden unverzüglich über das neue Regime aus Basel ins Bild setzen.

Die Reaktion blieb nicht aus.

Viele Kunden, darunter auch Kleine aus der Schweiz, kündigten ihre gesamten Geschäftsbeziehungen zur Safra Sarasin. Diese reichen teilweise Jahrzehnte zurück.

Nun krebst die Bank des mächtigen Safra-Clans zurück.

Negativzinsen gelten ab sofort nur noch für Ausländer unter den Kunden der EVV. Die Schweizer hingegen werden geschont.

Die Bank wollte sich auf Anfrage nicht zu ihrem halben U-Turn äussern. Ihr Hüst-und-Hott sorgt unter den Kunden für Gesprächsstoff.

Das Vorprellen der Julius Bär, die alle ihre Kunden mit Franken-Cash von über einer halben Million Franken negativ belasten könnte, hängt mit der besonderen Problematik der Privatbanken zusammen.

Diese haben im Unterschied zu den Universalbanken ein kleines oder gar kein Kreditgeschäft auf der Aktivseite der Bilanz.

Damit fehlt ihnen die Möglichkeit, Cash der Kunden auf der Passivseite als Mindestreserve gegen diese Kredite vorzuhalten.

Die Folge ist, dass Privatbanken einen viel geringeren Freibetrag bei der SNB haben.

Die Schweizer Institute erhalten einen solchen in der Höhe des Zwanzigfachen ihrer Mindestreserve bei der SNB.

Ist die Mindestreserve wegen dem Kreditgeschäft gross, erhöht sich der Freibetrag entsprechend.

Umgekehrt – und das gilt für Lombard Odier als reine Privatbank besonders und für Julius Bär mit einem kleinen Kreditgeschäft ebenfalls – ist die Grenze zum Negativ-Territorium rasch überschritten.

Aus der wöchentlichen SNB-Statistik geht hervor, dass über alle Banken hinweg nur rund 10 Prozent der gesamten Giroeinlagen bei der Notenbank das Zwanzigfache aller Mindestreserven überschreitet.

Das würde bedeuten, dass nur etwa ein Zehntel aller Bargelder vom Franken-Negativregime betroffen ist.

Doch das ist eine Nettobetrachtung.

Bezogen auf die einzelnen Institute sieht die Lage anders aus, wie die Beispiele von Julius Bär, Lombard Odier und Safra Sarasin zeigen.

Diese sind innert weniger Wochen dazu übergegangen, die Minuszinsen auf ihre Privatkundschaft zu überwälzen.

Wie ihre betuchte Klientel darauf reagieren wird, ist offen.

Abflüsse wären die logische Folge. Nur: wohin?

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18 Kommentare zu “Bär kündigt Privatkunden baldige Minuszinsen an

  1. Ich als betroffener Kunde würde mein ganzes Kapital von einer Bank, die nur dem Shareholdervalue verpflichtet zu sein scheint abziehen und auf die diversen Regionalbanken verteilen.

    Nur wenn’s weh macht, erwachen die in der Teppichetage

  2. Wohin? Ein Banksafe, welches Fr. 100/Jahr kostet, lohnt sich somit für Bargelder am CHF 13’300. Die Kunden werden bald ganz viele Banksafes und 1000er-Noten verlangen!

  3. Erstmals seit 5 Jahren: Privatkunden stiegen im Februar massiv in die Börse ein! Die letzten Statistiken sind klar. Eine Bank nach der anderen wird entdecken, das Negativzinsen ein Geschenk und nicht Strafe sind!

  4. Bär machts schlau und versucht mit „Lösungen“ wie strukis die kunden halt andersweitig abzuzocken. Je länger diese Null oder Negativzinsdoktrin die Märkte treiben, umso mehr kippen Anleger Ihr Risikoprofil und gehen den Weg des Risikos. Wir erahnen wohin dies führt…..

  5. Die Vorspiegelungen zu Beginn des Negativ-Aderlaßes wonach sog. „Privatkunden“ von ihren so. „Privatbanken“ verschont würden, war naiv, dumm und heucherlisch.

    Angsthasen mit ihren Angstgeldern werden planmäßig geschoren

  6. So wir sind im Zeitalter angekommen wo die Banken zugeben Werte der Kunden zu zerstören, und dass noch für viele Gebühren. Wie wird es wohl denn Banken in fünf Jahren gehen?

    • Die Banken zerstören Werte? Liebe Trudi, machen Sie sich doch bitte mal Gedanken darüber, wer für diesen Schlamassel Schuld ist! Nein, nicht DIE BANKEN, sondern DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK.
      Eigentlich relativ einfach!
      Als Bäckerei verkaufen Sie ihre Brötchen auch nicht für 20 Rappen, wenn die Kosten für die Rohstoffe, Personal etc. bei 80 Rappen liegen.

    • @CLUDE:
      Trudi hat schon recht und Sie Hr/Ms Clude haben die Wurzel des Uebels
      vergessen: Die Sünden d.h. Bussen der Banken bezahlen doch auch die Kunden…… Die wiegen viel schwerer als die Negativzinsen der SNB

    • @ Lieber Clude: Wieso haben die Zentralbanken so tiefe Zinsen? Was war da die Ursache dafür? Doch die Ueberschuldung diverser Länder mit vorgängiger Hypokrise in den USA. Ja wer hat da wohl die Kredite gegeben? waren doch die Banken, wo aus Profitgier jeden „Mist“ finanzierten.
      Der Bäcker wo so arbeitet, müsste seine Bachstube dicht machen. Aber bspl eine UBS, wo sich verzockt wird eben durch die SNB gerettet. Wenn die Zentralbanken nicht andauernd viel Geld dem Markt zur verfügung stellten würde ja alles kollabieren. Die SNB ist sicher auch nicht glücklich über die Zinssituation. Klar hat auch mit denn Währungen zu tun, aber auch dort ist die Gier halt ausgeufert.

    • Warum schreiben alle nur um den heissen Brei herum, warum werden die Sündenböcke der Vergangenheit nicht beim Namen genannt?
      Angefangen hat doch alles mit der SWISSAIR, damals hat eine Bank, nennen wir Sie mal UBS, die SWISSAIR mit soviel Liquidät versorgt, so dass diese auf Kredit andere Gesellschaften kaufen konnten. Die Folge daraus ist uns allen klar, Die UBS hat entschieden, dass die SWISSAIR auf den Boden muss, gabs doch damals einen Marcel der seinem damaligen Kumpel auch aus Basel einen Gefallen erweisen musste. Die UBS wurde für diese „Tat“ nie bestraft vom damaligen BR. Warum sollte dann die UBS nicht beginnen in USA Hypothekardarlehen in „Bond“ umzubauen und diese den Kunden anzuhängen? Die Folge war, dass viele US-Bürger dank unserer UBS ihr Hab und Gut verloren haben, die UBS setzte damals ein paar Mrd in den Sand und wurde auf Geheiss auf Bern von der SNB gerettet, die SNB ist nix anderes, als die Bank des Volkes, somit waren das Steuergelder. Und was passiert heute, man lässt die UBS weiter gewähren.
      Private, die das getan hätten, die hätte man auf Lebzeiten weggesperrt.
      Wie war das jetzt wer hats verbockt.

  7. Dann kann ich ja noch froh sein mit der CS. Gestern bekam ich eine Mitteilung mit dem Titel „weiterhin attraktive Zinsen“ oder so. Ganz unten dann die Info, dass statt 0.5% nur noch 0.15% Zinsen bezahlt werden. Toll. Wenn man die Gebühren in Betracht zieht, ist das faktisch auch ein Minuszins.

  8. „Privatbank“. Wenn ich diesen Begriff nur schon höre. Ein totaler Witz, mit den Negativzinsen noch viel mehr, die sich nun zu den üblichen relativ hohen Gebühren noch addieren. Trägt man sein Geld zu denen, dann wird es bei den meisten heute nicht mehr mehr, sondern – wegen in vielen Fällen ausstehender Performance – kontinuierlich weniger.