Fall Eric Sarasin: Schweiz als Hilfs-Sheriff Deutschlands

Basler Banker kommt mit Geldstrafe davon – Schweizer Ermittler liessen sich für deutsche Razzien einspannen – Willfährigkeit.

Eric Sarasin konnte sich im deutschen Strafverfahren rund um doppelte Steuer-Rückvergütungen freikaufen.

Mit rund 200’000 Euro ist der Betrag zwar hoch. Doch Sarasin von der gleichnamigen Basler Bank konnte offenbar keine schwere Tat nachgewiesen werden.

Weshalb die Deutschen den Basler Banker überhaupt büssen können, ist unklar. Entweder hat er eine Straftat begangen, dann müsste er vor den Richter.

Sonst wäre er frei.

Zur Strafzahlung kommen Begleiterscheinungen. Eric Sarasin trat von seinem Chefposten bei seiner Nachfolgebank Safra Sarasin zurück und landete am öffentlichen Pranger.

Damit zahlt der Familienvater einen hohen Preis für die Beratung des deutschen Milliardärs Carsten Maschmeyer.

Maschmeyer war es, der Sarasin mit Vorwürfen eingedeckt hatte, nachdem der einstige AWD-Finanzunternehmer mit seiner legendären „Drückerkolonne“ mehrere Millionen mit einem Sarasin-Vehikel verloren hatte.

Maschmeyers brutale Schläge brachten den Basler Sarasin zum Sturz. Heute erklärt er sich in der Basler Zeitung.

„Die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass es aller Voraussicht nach nicht zu einer Anklage kommen würde“, sagt Sarasin. „In dieser Situation wurde ich aus dem Verfahren entlassen, aber nur gegen eine sogenannte Geldauflage.“

Sonst, so vermutet Sarasin, „wäre unter Umständen noch zwei, drei Jahre lang ein Damoklesschwert über mir gehangen“.

Mit noch mehr Kosten und Belastungen. „Ich hätte weitere Anwaltskosten gehabt und nicht den gleichen sozialen Komfort.“

Wie stark die deutschen Ermittler Manager bedrängen können, davon kann unter anderem Josef Ackermann ein Lied singen. Der Ex-Chef der Deutschen Bank steht zum wiederholten Mal vor deutschen Richtern.

Aus Schweizer Sicht wichtiger ist, was die hiesigen Justizbehörden für eine Rolle im Fall Eric Sarasin gespielt haben.

Ihr Anteil am Missstand – und das ist hier der Fall – ist gross.

Die Ermittler auf dieser Seite des Rheins standen nämlich den deutschen Jägern von Sarasin und weiteren Bankern der Basler Bank von Anfang an tatkräftig bei.

Im Herbst 2014 fuhren Polizisten aus mehreren Kantonen bei Eric Sarasin und weiteren Beschuldigten vor und führten Hausdurchsuchungen durch.

Sie taten dies im Auftrag der deutschen Ermittler. Und liessen sich dafür nicht zwei Mal bitten.

Die Deutschen mussten für ihr scharfes Vorgehen gegen die Verdächtigten offenbar weder konkrete Verdachtsmomente schildern noch hartes Belastungsmaterial vorweisen.

Sie konnten faktisch einfach anrufen – und schon legten die Schweizer los.

Davon ist zumindest auszugehen. Denn die Geldstrafe gegen Eric Sarasin mag zwar wie ein halbes Schuldeingeständnis klingen.

Doch tatsächlich waren es die Deutschen, welche die Waffen gestreckt haben.

Sie hatten zunächst den Angreifern Maschmeyer und dessen Kollegen geglaubt und dann abgeklärt. Das ist ihr Job.

Dass aber die Schweizer Strafbehörden derart stark und unbesehen von der Faktenlage Hand für massive Eingriffe reichten, könnte ein Nachspiel haben.

Auf welcher Basis wurde diese Form von Rechtshilfe geleistet? Was mussten die Deutschen den Schweizer Justizbehörden vorlegen, damit diese loslegten? Und dann gleich mit scharfem Geschütz wie den Razzien?

Ein weiterer Banker, Christian Gmünder, hatte im Zuge der Maschmeyer-Klage seinen Job verloren.

Gmünder war als Strategiechef bei der Bank Vontobel nach nur 11 Wochen für die Vontobel-Chefs zum heissen Eisen geworden.

Warum? Weil die Medien über seine Verwicklung in den Fall Sarasin und Maschmeyer berichtet hatten.

Aber noch wichtiger war, dass die Polizei auch bei Gmünder vorgefahren war und Akten mitgenommen hatte.

Nur kein Risiko eingehen, sagte sich Vontobel-CEO Zeno Staub, und trennte sich vom kürzlich Verpflichteten, obwohl dieser das Verfahren gegen ihn zuvor offengelegt hatte.

Inzwischen fand Gmünder Unterschlupf bei Vontobel-Konkurrentin Julius Bär.

Was aus Eric Sarasin wird, bleibt abzuwarten. Er wolle „aktiv“ bleiben, „nicht nur Golf spielen“.

Vielleicht ist das Wort „Justizopfer“ zu hoch gegriffen.

Entscheidend ist die Willfährigkeit, mit der die Schweiz den Deutschen in der Causa Sarasin zudienten.

Sie richtete Schaden an.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Herr Sarrasin dürfte aufgrund der langen Historie der Bank ein paar ganz bekannte Deutsche mit Geld in seiner Bank auf einer Liste verzeichnet haben. Geld, das vielleicht nicht jeder kennt und kannte. Da kann es dann schnell (wie in diesem Fall) zu einem einvernehmlichen Vergleich kommen. Es ist doch interessant, dass bisher noch keine politisch tätigen Leute in Deutschland zum vornschein kamen in der ganzen Bankgeheimnisaufhebung. Ein bisschen Schwarzer hier ein bisschen Höness da. Aber Politiker bisher Fehlanzeige.

  2. Das Vorgehen der Schweiz hat doch System. Wie war doch das mit den Fifa-Funktionären, die vor amerikanischen Fernsehleuten in Zürich verhaftet und abgeführt wurden ? (Nicht, dass ich Erbarmen für diese Typen habe). Wo war und wo ist unser Justizdepartement bei solchen Fällen? Wer ist oberster Chef dieser Abteilung? Richtig, eine ex-Klavierspielerin, die der Aufgabe einfach nicht gewachsen ist und die halt viel lieber nach Brüssel pilgert, wird sie doch dort vom höchsten Beamten (EWS sprach den Vorgänger mal mit Exzellenz an !!!!!!) abgeküsst und lässt sich von diesem vorschreiben, was sie zu machen habe!

  3. Statt von „Schweizer Willfährigkeit“ zu schreiben, sollten Sie eher u.a. folgende Fragen stellen:

    Weshalb fand seinerzeit die CH-Razzia mit einer Woche Verspätung gegenüber den übrigen Ländern statt?

    Weshalb gab es nur bei Sarasin eine Razzia?

    Hatten Sarasin und Vontobel und (Wasch)bär unterschiedliche Geschäftsmodelle?

    Weshalb hat Deutschland die Sache gegenüber E. Sarasin nicht durchgezogen? Haben allenfalls ein paar deutsche Politiker auch in Basel „vergessene“ Konti?

    Weshalb fand die ach so moralbeflissene Finma (Waespi/Bank Coop-„Schwerverbrechen“), dass E. Sarasins „Steuerfinessen“ zulasten des deutschen Fiskus mit der „Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung“ vereinbar sind? Originellerweise war E. Sarasin zu jener Zeit noch (spasseshalber?) Präsident der CH-BRD-Handelskammer. Schon ein bisschen viel Scheinheiligkeit ……

    E. Sarasin wird wohl nächstens in Zürich auftauchen.

    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Grossrazzia-bei-der-Bank-Sarasin–im-Auftrag-der-Deutschen/story/21673109

  4. das verhalten der schweizer strafverfolgungsbehoerden ist auch in diesem fall fragwuerdig. die unschuldsvermutung existiert nicht mehr…vielmehr gehen die herren davon aus: der ist schuldig, dem werden wir nun etwas nachweisen. auch wenn dann nichts gefunden wird, wird einfach das verfahren am laufen gehalten bis sich (wie im fall sarasin) der angeschuldigte durch einen unkostenbeitrag freikauft, oder die verjaehrung eintritt….das Verhalten der Strafverfolgungsbehoerden verursacht meist einen Arbeitsplatzverlust bei den betroffenen, auch wenn sie nichts falsches gemacht haben. Verantwortung dafuer uebernimmt dann aber keiner…

  5. Ein unfassbarer Skandal was Herrn Sarasin und seiner Bank angetan wurde. Zwischenzeitlich ist die ganze Wahrheit ja rausgekommen: Sarasin traf keine Schuld. die Deutschen selber haben nämlich über ihre eigenen Landesbanken WestLb etc bis zum Schluss massiv Cum Ex- Geschäfte abgewickelt. Unter Aufsicht der Finanzminister, Herrn NRW Walter Borjans etc.
    Das Ganze (Razzia gegen Sarasin in der Schweiz) war lediglich ein Ablenkungsmanöver der Deutschen um von ihrem eigenen Landesbanken-Sauladen abzulenken und die Sarasin Story in der Presse Stern etc fingiert aufzubauschen! Ein riesen Skandal – denn die Wahrheit ist, dass die deutschen Finanzbehörden die ganze Zeit ihre Landesbanken selber via Cum Ex Deals subventioniert haben und eigentlich selber eine eine „Bande“ sind! Sämtliche die Landesbanken aufsehenden deutsche Politiker gehören untersucht. Unfassbar dass die Schweizer Behörden auf die Deutschen reingefallen sind – Grund ist halt auch, dass unsere Beamten sich überhaupt nicht richtig mit der Materie beschäftigt haben, und nicht durchblickt haben, dass es sich um ein reines Ablenkunsmanöver der Deutschen gehandelt hat. Borjans ist der grösste Lügner der Republik, ein ganz unangenhmer Linker Genosse.

    • Lieber Bärwald, das ist falsch und zu kurz gesprungen. Die 7. Grosse Strafkammer des Kölner Landesgerichts hat die Ex-Cum-Trades klar als strafbar klassifiziert. Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Gesetzeslücke! Dabei völlig ohne Belang ist ob sich auch deutsche Institute ggfs. strafbar gemacht haben. Auch hier laufen nach wie vor Ermittlungen. Also abwarten – die Angelegenheit ist noch lange nicht zuende….

  6. Maestro E. Sarasin könnte morgen ein Multi-FO aufmachen und hätte innert Jahresfrist 1 Mia. AuM. – mit div. Lifestylern.
    Vielleicht diesmal ohne Carsten M. der leckt sich mit seinem Team auch grad noch die Wunden aus dem Absturz des MIFA-Velo-Invest. Wahnsinn überall diese vermeintlichen Top-Shot’s mit einer Portion Top-Shit in den Taschen.

    • Christian Gmünder wurde von Vontobel entsorgt
      Kai Henke von Flossbach von Storch

      Gehypte Top-Manager waren schnell wieder weg als das Risiko zu gross wurde

      Finden aber doch immer wieder ein neues Betätigungsfeld

  7. Ist Gmünder jetzt nicht bei Julius Bääär? Ach ja, Gmünder war schon Handlanger bei Chef Barend Fruithof bei Raiffeisen, nun ist Fruithof wieder Chef bei Julius Bääär und braucht wieder einen Handlanger und holt der „frei“ gewordene Gmünder. Sarasin-Debakel? Kein Thema für Bääär.

    Das passiert nur bei Bääär – Vetterliwirtschaft ohne Ende !