Collardis Stundenlohn: 2’000 Franken

Essen, Party, Reisen: Für Bär-Chef gibts halben Minimumlohn – pro Stunde – Bricht Versprechen: PR-Chef abgesägt.

Boris Collardi verdiente letztes Jahr 6,5 Millionen. 300’000 Franken mehr als 2015, als der Chef von Julius Bär ausser dem Fixlohn eigentlich nichts hätte erhalten sollen wegen seiner hohen US-Strafe.

Up, up, up, heisst es bei Collardi. Und das jedes Jahr. Umgelegt auf 300 Arbeitstage und 10 Stunden pro Tag macht sein Entgelt etwas mehr als 2’000 Franken.

Gut die Hälfte des angestrebten Minimumlohns in der Schweiz, das die Bevölkerung nicht gewähren wollte.

Collardi nimmt sich diese Hälfte davon – mit jeder Stunde. Egal, was er tut: Essen mit Kunden, in der First nach Asien düsen, im Tagi ein Interview über neuerdings strikte Moral geben.

In der Kasse von Collardi klingelt es.

Im Gleichschritt sorgt der Bär-Chef dafür, dass rund um ihn herum die Stimmung steigt und alle einflussreichen Bär-Manager auf ihre Rechnung kommen.

So stiegen im letzten Jahr auch die Löhne und Boni an der Spitze der Bär-Gruppe durchs Band.

Die Geschäftsleitung der „Julius Baer Group“ streicht neu 18,4 Millionen ein, rund eine halbe Million mehr als zuvor. Der Verwaltungsrat erhöht seine Honorare um gut 10 Prozent auf über 3 Millionen.

Davon gehen allein 1,1 Millionen an Präsident Daniel Sauter.

Gib du mir, dann geb ich dir.

Das Motto gilt bei der grössten Privatbank des Landes exemplarisch. Damit sichert sich Boris Collardi seine Macht.

Nichts kann ihm gefährlich werden. Seine laute Scheidung ebenso wenig wie die Privatkredite, die er von seiner Bank für Kreis-4-Renditehäuser erhalten hat.

Diese Kredite sind nur minim, von 12,2 auf 12,1 Millionen, gesunken, wie der heutige Vergütungsbericht zeigt.

Alles für den grossen Collardi. Und alle tanzen um ihn herum.

Gestandene Manager akzeptieren, dass sie von einem Tag auf den anderen an einen anderen Ort verlegt werden, wenn der Bär-CEO dies von ihnen verlangt.

Sie lassen sich kaufen vom vielen Geld, das Collardi top-down verteilt.

Aber nur ganz oben. Dort, wo Collardi seine Macht sichern muss.

Unten zeigt sich Collardi von einer andere Seite. Er verletzt Versprechen, zeigt sich unerbittlich und knausrig.

Seinen langjährigen Pressechef hat er vor den Kopf gestossen. Dieser wollte zum Kommunikationsleiter der ganzen Gruppe aufsteigen.

Das Versprechen zum Karrieresprung hatte Collardi himself ihm bereits gegeben. Dann kürte Collardi jemand anders.

Eine Frau, die bei GAM gewesen war, welche ihrerseits einst zur Bär-Gruppe gehört hatte.

Der Sprecher hatte das Nachsehen. Nun wollte er wenigstens eine kleine Entschädigung finanzieller Natur.

Da zeigte sich Collardi unbarmherzig. Er offerierte ein paar Zehntausend Franken.

Man kann sagen, dass ein Zustupf als Trostpflaster für einen verweigerten Karrieresprung sowieso unangebracht ist.

Doch solcherlei gehört zu den Sitten im Banking. Und es ging um verhältnismässig wenig Geld.

Nur: Collardi unterscheidet haarscharf. Ist es für mich, dann kann es nie genug sein.

Sonst: Arrangez-vous.

Collardi verdiente die Hälfte von UBS-Chef Sergio Ermotti, der eine 10 Mal so grosse Bank leitet.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, damit diese seine exorbitanten Kompensationen abnicken, drückte der Bär-Chef aufs Gas.

In fast allen grossen Compliance-Fällen der jüngeren Vergangenheit ist seine Julius Bär prominent vertreten.

Bei der Fifa hatten über ein Dutzend Funktionäre und Gehilfen bei Bär viel Geld und ungehinderten Zugang zu ihren Konten via Kreditkarten.

Bei der brasilianischen Petrobras ist die Bär-Bank eine von zahlreichen Schweizer Instituten, die im Visier der Behörden stehen.

Bei der venezuelanischen Ölgesellschaft PDVSA und den Ermittlungen gegen diesen Staatsriesen hängt die Bär-Bank mitten drin.

Ebenso schrieb Collardis Bär in jüngster Zeit Schlagzeilen mit Inland-Kunden, sei es mit dem Bündner Turm-Bauer Remo Stoffel, sei es mit Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.

Auch Devisen-Trader Uli Hoeness nutzte die Bär-Plattform für seine Deals, bei denen der Amigo aus Bayern eigenartigerweise fast immer gewann.

Oder schliesslich in einem Litauen-Russen-Krimi, bei dem der Hauptprotagonist, ein von Litauen gejagter Fussball- und Auto-Investor, ein Bär-Kunde war. Es läuft eine 300-Millionen-Klage gegen Bär.

Im Zürcher Tages-Anzeiger meinte Collardi am Samstag – mit 2 Tagen vor seinem Superlohn zeitlich gut platziert -, dass seine Bär Privatbank nun besonders strikt bei verdächtigen Kunden geworden sei.

Das sei früher anders gewesen. Die Schuld liege aber nicht bei ihm und seinen Kollegen ganz oben.

Sondern weit unten. „Wir hatten leider vereinzelte Mitarbeiter, die Betrüger waren“, sagte Collardi.

Das sei „kaum“ mehr möglich. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Die Kontrollen sind heute viel stärker als früher.“

Auf Druck der Aufsicht hat die Julius Bär letzten Herbst ein weltweites Compliance-Superprogramm namens „Atlas“ gestartet. Damit erweckt sie nach aussen den Eindruck, rigoros aufräumen zu wollen.

Doch „Atlas“ ist mit ein paar Dutzend Leuten personell dünn besetzt, um den vielen Compliance-Fragen rund um den Globus bei allen Bär-Ablegern und -Buchungsplattformen auf den Grund zu gehen.

Operation „Atlas“ könnte sich als das entpuppen, was Collardi am liebsten macht.

Ein grosses Feuerwerk zünden.

Um weiter abzukassieren.

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24 Kommentare zu “Collardis Stundenlohn: 2’000 Franken

  1. Julius Baer’s business model in a nutshell:

    1) CONCEAL clients‘ source of funds, purpose of transactions, etc.

    2) CHEAT regulators, financial markets supervisors, and auditors

    3) SILENCE management and staff with carrot and stick methods; apply intimidation tactics if necessary, etc.

  2. Ein Jahreslohn von 6.5 Mio. finde ich ehrlichgesagt total unproblematisch, auch wenn das für mich eine unvorstellbar grosse Menge an Geld ist. Wie grosszügig die Führungskräfte einses Unternehmens entlohnt werden, sollte meiner Meinung nach aber nur die Aktionäre bzw. die Besitzer des Unternehmes etwas angehen. Am Staat ist es dann aber, wenn es darum geht, diese Einkommen auch fair zu besteuern. Da müssen wir ansetzen. Mit diesem Gehalt MUSS die Steuerrechnung von Herrn Collardi dann auch klar im siebenstelligen Bereich liegen (am besten mit einer 2 an erster Stelle)

  3. Collardi verdient mein Respekt… aber es fehlt ihm noch ein bisschen Mut um grossen Gladiator zu werden…schade, da er Ehrgeiz hat in überfluss. Das wird die freude von IP zu sein, da wir noch mehr über diesem Boris Collardi hören werden… ob euch gefällt oder nicht!

  4. Im Grunde genommen, ist es ja völlig irrelevant welches Salär Boris Collardi erhält. Warum? Weil im Gegensatz zu vielen Bänklern in der Schweiz legt „seine“ Bank durch resp. seit seiner Führung ganz tüchtig zu! Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass er seine Vision die er seit Jahren kommuniziert umsetzt- und genau dadurch stehen ihm auch diese Saläre zu, Punkt.
    Was das Liegenschaften aufkaufen angeht, bzw. wie er diese finanziert, muss nicht weiter ausgeleuchtet werden. Dritte tun dies genau zu den selben Zinsen bzw. sogar zum Teil ganz leicht tieferen, längst schon.
    Meinen Segen hat der Mr.!

  5. Trotzdem wird der Falsche attackiert! Solange die Julius Bär massiv in die IT investiert, während die CS (und die UBS) abbaut, sieht man, wer Zukunft hat.

    Zwar sieht die Code innerhalb der JB suboptimal aus (hallo Personalauswahl ?), aber bei gewissen HW- & SW- Ausstattungen ist die JB anderen Banken & Versicherungen weit voraus.

    Die JB ist am Expandieren, die anderen am Implodieren.

    Derzeit zahlen JB und ZKB am meisten für Contractors (war auch schon mehr). CS ist auf Sunrise-Niveau, und man soll Inder leiten.

    Macht euch lieber Sorgen um das kommende Vakuum, dass die CS hinterlassen wird. Die Angestellten haben einen langen Weg bis zur Rente mit 70.

  6. Irgendwie ist es bemühend, wie Lukas Hässig viel verdreht, um sein erwünschtes Resultat zu erhalten. Ich habe eigentlich gedacht, Inside sei eine Informationsplattform, auf der effektive News zu lesen seien. Jetzt ist es tagtäglich entweder eine Abrechnung mit von ihm ungeliebten Leuten oder dann verdreht er Fakten rund um Unternehmungen in einer kaum akzeptablen Form. Ich weiss jetzt, dass ich Berichte von Lukas Hässig im Tages-Anzeiger nicht mehr ernst nehmen muss.

    • Aber bei den wirklich wichtigen Dingen trifft er voll in’s schwarze – was die Bonuszahlungen angeht beispielsweise. Für uns da unten, die an der Front mit den Kunden arbeiten, sich rund um die Uhr bemühen, das die Bank gut da steht, da bleibt kaum was übrig. Wenn man ein Drittel seines Monatsgehaltes als Bonus bekommt, darf man sich schon zu den Siegern zählen.
      Porsche hatte es vorgemacht, wie eine Bonuszahlung aussehen kann…

  7. Verdoppelt doch sein Gehalt, so das der Arme den Mindestlohn verdient. Sonnst muss er sich noch mehr Liegenschaften im Kr.4 kaufen.

  8. Originalton TA-Interview:
    «… Wir würden niemals eine Wachstumsstrategie über Kredite fahren. Das endet langfristig nie gut. ….»

    Wie ist dann eigentlich der 480 Mio «Kredit» an die Priora AG von Hauptaktionär Remo Stoffel zu interpretieren, der ja als Vorbestrafter kaum als kreditwürdig anzusehen ist?

    Oder liegt das Kreditrisiko gar nicht bei der Bank Bär, weil es sich um eine «back-to-back»-Schlaumeierei (z.B. Treuhandkredit mit verbotener fiktiver Sicherheit), handelt mit unbekanntem (osteuropäischem?) Treugeber im Hintergrund? Stoffels „grösserer Bruder“ Urs E. Schwarzenbach mit der CS lässt grüssen …..

    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/geld/Back-to-back–und-dann-war-das-Geld-weg/story/27747962

  9. Das mit dem Pressesprecher? Gähn … Der Junge kommt noch und verlangt eine finanzielle Kompensation für seine nicht aufgegangenen Träume? Wo leben wir denn heute?
    Und all die weltweiten Brandplätze? Kommen v.a. daher, dass man ML-Leute/Kunden mit der US-Tradition von no-compliance übernommen hatte …

  10. Und als Ü50 kriegt man laufend die gleichen Absage Mails, obwohl man für die offene Stelle das notwendige Rüstzeug und Erfahrung mitbringt. Ist schon ein Hohn – aber auch hier – Geiz ist Geil beim Fussvolk

  11. Wieder mal ein Montags Morgen Schocker! Boris Collardi steht tatsächlich für 2K/Std am morgen auf. Was kommt als nächstes, dass er mehr als 2 Tage die Woche arbeitet?
    Peinlich peinlich, jedenfalls werden wir diese Woche im Stratos Mile Club ne Menge zu lachen haben. Es gibt zig andere, stressfreiere Wege viel mehr Geld zu verdienen. Glaubt mir. Ja, dies scheint für Euch vielleicht nicht realistisch klingen, doch bloss weil Ihr im untersten Lohnsegment rumkreucht, heisst das nicht, dass wir hier oben weniger verdienen (im Gegenteil).

    Hätte ich die Arbeitszeiten von Collardi und dann diesen lächerlichen Lohn, würde ich den Apfelsaft aus IP verklagen, wenn dies öffentlich berichtet würde. Nun weiss die ganze Welt, dass das jeweilige Model des Tages nicht wie bei mir über samtweiches Babygorillaleder in den Beifahrer Sitz des McLaren gleitet, sondern sich bei Collardi den nach Prairie Platinum Rare duftenden Hintern am erbärmlichen Robbenbaby Leder aufkratzt. Sad.

    PS: Danke fürs reinschauen, lesen, staunen und dann natürlich frusten. Ihr seid leider dennoch nichts. Dran bleiben.
    PPS: https://www.facebook.com/marcel.dupont.9849

  12. Lieber Herr Hässig,

    nur ein paar Korrekturen:

    1. es war nicht „seine“ hohe US-Strafe: Collardi ist erst seit 2009 CEO der Bärgruppe und die sogenannten „US-Sünden“ haben sich sicher vorher ereignet.

    2. Sie sind als gutbezahlter Journalist bei der linken TA-Media natürlich gewöhnt, nur 10 Stunden pro Tag zu arbeiten (ev. sind es bei Ihnen ja auch nur 8). Wie weltfremd sind Sie denn? Denken Sie wirklich, der CEO der grössten Schweizer Privatbank würde nur 10 Stunden pro Tag arbeiten? Ich schätze mal, dass der Mann im Durchschnitt auf mindestens 13-14 Stunden pro Tag kommt, wenn man einbezieht, dass er sehr wahrscheinlich die Hälfte aller Wochenenden ebenfalls voll arbeitet oder sich im Ausland auf Geschäftsreisen aufhält.

    3. Wie ich von verschiedensten Leuten gehört habe, die ihn schon im Flieger angetroffen haben, fliegt er auf der Langstrecke Business Class und in Europa Economy, wie alle anderen Schweizer Bankangestellte auch. Also nix mit First Class.

    Seien Sie fair Herr Hässig: Collardi hat 2017 ein Rekordergebnis (in schwierigsten Marktumständen!) eingefahren und seinen Lohn ganz sicher verdient.
    Die ständige Erwähnung seines Privatlebens („Laute Scheidung“) erhöht Ihre journalistische Glaubwürdigkeit eher nicht. Ich habe noch nie irgendwo anders also hier auf IP etwas von einer Scheidung im Hause Collardi gelesen. Sollte es wirklich stimmen, dann wäre es also eher eine „leise Scheidung“, wie sie bei tausenden von anderen Schweizern auch vorkommt.

    • Hallo Boris
      Wir beide wissen bestens, dass Du keine 14std im Tag arbeitest. Sonst hättest Du ja keine Zeit hier solche Rechtfertigungstiraden zu schreiben. Also bitte aufhören, Du täuscht niemanden. Aber netter Versuch hier indirekt eine Ausreede für Dein miserables Handicap zu konstruieren.

    • He Brother
      Der arme Collardi… Er fliegt ja nicht First Class
      Er arbeitet 13-14 h pro Tag und sowieso ist er ein cooler Typ. Er ist bekannt für seine Rekordergebnisse.
      Yo Brother… das ist doch ein Leben. Der arme durchläuft im Moment eine schwere Zeit. Die Scheidung, Problemen und wie auch immer die schlechte Werbung via IP 🙁
      Der arme Kerl..
      Aber wart mal… er arbeitet 13-14 h… das mache ich auch… nur ich habe nicht eine super mega Seketärin die mich immer schön bei Laune hält 😉
      Ups er verdient nur 2000- 4000 pro h… was solls ich verdiene 6000 pro Monat.
      Aber wart mal… der Collardi schaufelt Stunden weise Gold aus einer Miene. Er leistet viel für seine Mitmenschen, ja er hält sogar seine Götter bei Laune 😉
      Wie auch immer. Er trägt ja die Verantwortung für die Bank so wie die anderen Brothers, Ermotti und Thiam. Falls was in die Hose geht sind ehhh die anderen Schuld und weiter kassieren. Nicht vergessen die Sekretärein hält ihn weiter bei Laune. Ein Kaffe, ein Lunch in die USA und ja immer erreichbar sein. So ein Stress und das für miserable min. 2000 CHF die h.
      Leck so ein sch….. Leben Brother.
      😀

    • Alsoooooooooo wenn ich mein Frühstück, Mittag- und Abendessen als Arbeitszeit rechne komme ich locker auf 14 Std. Arbeitszeit. So gesehen, sollte ich auch eine CEO Salär erhalten. Erwähnen muss ich dabei aber noch, dass ich mein Essen aus der eingenen Tasche bezahle und nicht meine Firma.

  13. Anleger bzw. Steuerbürger in der Schweiz sollen sich nicht über diese horrenden Saläre aufregen, denn viele Steuerzahler unterstützen bei ihren Anlagen die hochdotierten Verdiener, indem sehr viele Schweizer Bankkunden Derivativanlagen oder Strukies mit eingepreisten Gebühren von bis zu 3 % erwerben. Frontleute bei Banken sind nichts anderes wie billige Sklaven, die Depot mit Produkten abspitzen müssen.

  14. geld macht nicht glücklich. gerade die armen reichen schlafen schlecht. sie können ja nur noch verlieren. scheidungen, steueramt …
    etwas geld beruhigt. aber auch nicht mehr.
    schön, dass die natur vorgesorgt hat, dass man nicht mehr verbrauchen kann, wie jeder andere auch und dass man bei zeit gehen muss, ganz nackt und mit nichts.