Gisel im Stress: Flieger weg, Finma im Haus

Raiffeisen-CEO verkauft Privatmaschine: No Time fürs Cockpit – Finma hinter Abgang Rechtschefin – Deloitte-Extraprüfung?

Patrik Gisel ist der Captain von Swiss Banking. Stahlblaue Augen, kantiger Schädel, Herr eines Privatfliegers – so die Gisel-Porträts vor 2 Jahren, als er das Raiffeisen-Steuer packte.

Nun fliegt Gisel nicht mehr. Zu viel Stress im Haus. Die Finma hat eine Untersuchung gestartet. Dabei hat sie Fragen zur Rechtschefin gestellt.

Die Rede ist von Nadja Ceregato, eine Spitzenfrau, die als tüchtig und unbestechlich beschrieben wird; und die ein Handicap hat: ihren Mann.

Der heisst Pierin Vincenz und war anderthalb Jahrzehnte lang der Vorgänger von Patrik Gisel als CEO der Raiffeisen. Unter Vincenz wurde die Raiffeisen erst richtig zur 3. Kraft des Finanzplatzes.

Dafür setzte Vincenz viel des Vermögens der 2 Millionen Genossenschafter, denen die Raiffeisen-Gruppe gehört, auf den Spieltisch. Unzählige Akquisitionen passierten unter Vincenz.

Die private Nähe von Ceregato, der obersten Rechtsfrau der Raiffeisen, zum Ex-Chef der Raiffeisen, der heute die grosse Versicherung Helvetia präsidiert, wurde der Finma ungeheuer.

In Gesprächen mit den obersten Raiffeisen-Verantwortlichen machten die Bankenaufseher diesen Frühling klar, dass die Raiffeisen mit Ceregato als Rechtschefin ein „Issue“ hätten.

Ein Thema. Ein Problem.

Was folgte, ist vor Wochenfrist durchgesickert. Ceregato verlässt die Raiffeisen im Herbst und drückt nochmals die Schulbank. Danach soll sie in anderer Funktion zur Bank zurückkehren.

Der Abgang von Ceregato, sprich der Frau des grossen Übervaters der Raiffeisen der jüngeren Vergangenheit, ist von weitreichender Bedeutung.

Nicht weil Ceregato eine Art Opfer der privaten Konstellation geworden ist. Das gibt es, und wenn hier ein Fehler liegt, dann trägt die Finma die Hauptschuld. Sie hatte Ceregatos Aufstieg erlaubt.

Nein, entscheidend ist das Timing. Warum machte gerade jetzt die Finma klar, dass die Ehefrau des alten Raiffeisen-CEOs nicht mehr ohne weiteres auf ihrem Stuhl bleiben könne? Warum musste Nadja Ceregato derart zügig weg?

Die Frage stellt sich umso mehr, als die Finma noch vor 2 Jahren kein Problem in einer hohen Position von Ceregato innerhalb des Raiffeisen-Konzerns gesehen hatte.

Kurz bevor Gisel nämlich das operative Steuer von Pierin Vincenz übernommen hatte, wurde Nadja Ceregato ein weiteres Mal befördert. Nun nahm sie Einsitz in der erweiterten Geschäftsleitung.

Was also führte zum abrupten Meinungsumschwung bei der Finanzmarktaufsicht? Ceregatos Abgang platzt in ein Umfeld, in dem Aussagen laut werden, wonach die Finma eine besondere Untersuchung gegen die Raiffeisen lanciert haben soll.

Diese würde durch das bekannte Beratungs- und Revisionshaus Deloitte durchgeführt, sagt eine Quelle. Deloitte zählt zu den grossen vier der Audit-Branche in der Schweiz und weltweit.

Ob die Finma tatsächlich eine spezielle Prüfung gegen die Raiffeisen am Laufen hat und ob dafür die Firma Deloitte beauftragt worden ist, das wollten die Verantwortlichen in St. Gallen am Raiffeisen-Hauptsitz und in Bern bei der Finma weder bestätigen noch dementieren.

„Wir äussern uns nicht zu Ihrer Frage und bestätigen/dementieren wie üblich auch nicht den von Ihnen genannten Sachverhalt“, hielt ein Finma-Sprecher per Email fest.

Bei der Raiffeisen hiess es zunächst, der Abgang von Frau Ceregato sei auf deren eigenen Wunsch erfolgt. „Die Finma wurde selbstverständlich informiert“, hiess es.

Zu Deloitte und einer Extra-Untersuchung rund um konkrete Themen wie die vielen Akquisitionen in der Ära Vincenz wich der Sprecher sodann aus.

„Wir äussern uns grundsätzlich nicht darüber ob – und wenn ja – wofür und welche externen Beratungsunternehmen bei Raiffeisen tätig sind“, meinte er nur.

Man könne nur allgemein zum Thema Stellung nehmen. „Als systemrelevante und drittgrösste Schweizer Bank sind wir in ständigem Dialog mit der Finma. Über den Inhalt dieses Austausches geben wir grundsätzlich keine Auskunft.“

Eine Untersuchung rund um die jüngeren Vorkommnisse in der Raiffeisen wäre brisant. Ex-CEO Vincenz hatte grosse Beteiligungen an der Leonteq aufgebaut, ein Unternehmen, das in den letzten Monaten immer wieder zu reden gab.

Es tauchten Fragen zu möglichen Insider-Vergehen auf. Zudem wurde die Leonteq von der Finma gerügt wegen eines strukturierten Produkts, das sie extra für Raiffeisen-Kunden gezimmert hatte. Die Aufsicht zog den Gewinn von gut 3 Millionen ein.

Je nachdem, was genau die Finma von der Raiffeisen wissen will, ist die Lage auch für Patrik Gisel unangenehm. Gisel war bei allen grossen Käufen an der Seite von Pierin Vincenz und machte mit.

Ende Cockpit: Raiffeisen-Chef Gisel verkauft so eine Piper Aerostar.

Wie gross ein allfälliger Druck auf Gisel werden könnte, muss abgewartet werden. Sicher ist, dass Gisel keine Zeit mehr findet für die nötigen Flugstunden, um die Pilotenlizenz zu behalten.

Deshalb will er nun seine Privatmaschine verkaufen, die er zusammen mit einem Partner besitzt.

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26 Kommentare zu “Gisel im Stress: Flieger weg, Finma im Haus

  1. Ich denke jetzt einmal ganz positiv und nehme an, der Herr Gisel habe erkannt, dass so ein Flieger eine CO2-Schleuder ist. Da wollte er doch sicher mit gutem Beispiel vorangehen …

  2. Wann begreift eigentlich der letzte Schweizer, dass die Finma ein Haufer voller Nichtsnutze ist? Zuerst passiert jahrelang nichts und dann kommt man wie die alte Fasnacht…….useless

  3. Keine Angst, es ist alles im Lot!
    Raiffeisen ist auf Kurs und wird voraussichtlich auch für das Jahr 2017 ein sehr gutes Ergebnis präsentieren dürfen.
    Halt wie man es sich seit über 100 Jahre gewohnt ist!

    • Wieher!

      Genau, Zampano. Alles Bestens!

      Finanzanalysten sind manchmal ähnlich wie Pferde: Wenn man ihnen Scheuklappen anzieht sehen sie Dinge, die erschrecken könnten, weniger gut …

      Wieher!

  4. Da stellt sich einmal mehr die Frage, ob nicht wie bei den meisten Finanzinstituten der VR versagt hat, dieses Organ ist veranlasst, die Tätigkeiten der restlichen obersten Dir. Mitglieder zu überwachen und zu überprüfen. VR sollten generell verkleinert werden, ebenso der Lohn um mind. 1/3, da die meisten aber auch nie ihre Tätigkeit mit strengen Auflagen ausüben. Diesen Organen geht es primär, ihre Laufzeit zu verlängern, aber sonst um gar nichts anderes. Ein VR Präsident bei Baer verdient 1,2 Mio CHF, die 9 Mitglieder je CHF 300 000, Baer war die Schaltzentrale sämtlicher FIFA Transaktionen. Auch bei Reiffeisen bzw. Notenstein könnten die Herren Gisel/Künzi und Co. die Präsenz von Frau Salzmann langsam hinterfragen, da sie und ihre Kollegen anscheinend den SackoBlender noch weiterhin tatkräftig unterstützen.

    • Da gebe ich ihnen recht. Durch den Abgang von PV bei Raiffeisen konnte es nur besser werden. Die meisten VR Sitzungen sind eine Clownveranstaltung und die meisten VR winken einfach alles durch solange sie genug Geld bekommen. Klagen gibt es ja wegen Fehlentscheiden nicht. Warum man am Sakko-Blender bei Notenstein festhält ist mir auch unerklärlich, da er nur durch fachliche Schwäche und Führungsschwäche bei den Angestellten auffällig ist und diese somit demotiviert. Wohl besteht irgendeine Beziehung.

  5. Tja, in St.Gallen hat es momentan diverse, gerade verglühende Sterne: Vincenz – Gisel – Künzi – Notenstein…. Es bleibt spannend; sicherlich stehen bald umsturzmässige Umwälzungen bevor. Die Nervosität ist deutlich spürbar.

    • Leider keine nutzbringenden Umstürze in Sicht. Nach familiären Sippschaften nun lähmende Seilschaften zur Absicherung persönlicher Interessen.

  6. Haben wir hier womöglich eine Uebereinstimmung mit dem Rückgang des Permafrosts in den Schweizer Alpen? Ueberall wurden Radar – Anlagen und Laser-Messungen installiert, um Unheil von den Menschen abzuhalten. Und es funktioniert.

    Beim Raiffeisen-Hauptsitz war PV nicht untätig. Der Bank- Eingang und das umgebende Areal wurde mit einem roten Teppich versehen, welcher im Nachhinein als eindeutiges Warn-Signal interpretiert werden könnte/sollte? 🙂

    Es bleibt zu „hoffen“, dass nicht schon bald ein Nagel-Teppich den Eingang schützt……

  7. Hallo Herr Hässig
    Hatten Sie ein negatives Erlebnis mit Herr Vincenz, dass Sie dauernd über Ihn resp. sein Umfeld herziehen? Oder ist das einfach die Art und Weise wie man heute agieren muss, um die Community bei der Stange zu halten?
    Ich empfinde dieses Gehabe langsam eher peinlich!

    • herr weber, sind sie von herr vincenz vorgeschoben worden oder finden sie so schamlose familiäre seilschaften à la trump bei einer bank normal?

    • Hoffentlich werden Sie für die Ar’kriecherei fürstlich entlöhnt. Was LH hier macht ist der Job der FINMA – leider ist das nötig. Es könnte u.U. um die Anregung einer Untersuchung eines Steaftatbestandes gehen. Das hat nichts mit Persönlichem zu tun.

    • Herr Weber, da bin ich völlig anderer Ansicht.
      Endlich, endlich beginnt offenbar auch die Finma zu ermitteln. Es hat lange gedauert.

    • Beobachter
      Und was ist mit dem Gehabe das diese Elite an den Tag legt? Abkassiere und dann keine Verantwortung übernehmen!
      Gruss Beobachter

  8. Typisch Finma: Gegen die Kleinen wird hart vorgegangen (Wespi – Bank Coop/heue Bank Cler; BSI etc). Bei vielen andern wird einiges übersehen.

  9. Dieser Pfuhl in St.Gallen gehört endlich ausgemistet!
    Und alle Transaktionen um Vincenz, inklusive der kleinste Spesenbeleg der letzten 10 Jahre gehört untersucht. Und wenn es irgendeine Verfehlung gab: rechtliche Verfolgung, ohne Rücksicht auf die Person.
    Anschliessend muss der Verband zurückgekauft werden – mindestens die Hälfte der Kosten können da locker gespart werden; auch bei den Löhnen der GL!

    • Neben dem „Pfuhl in St. Gallen“ gehört auch die Finma „ausgemistet“, deren Leistungsausweis so aussieht:

      – Problem „Raiffeisen“ bzw. Vincenz, Gisel & Co.
      – Problem Credit Suisse (Moçambique, Schwarzenbach, UH, Fifa u.a.)
      – Problem Bär mit Priora/R. Stoffel, UH, 1MDB, Fifa u.a.
      – Problem Vontobel mit UH bzw. OLG München u.a.
      – weitere

      Wie oben Peter Hofer richtig feststellt: Die Finma geht hart gegen die Kleinen (Waespi, Ziegler u.a.) vor, aber ehemaligen (Investmentbanking)Kollegen mal den Weg nach Sibirien zu zeigen, kommt für Mark Libor Branson natürlich nicht in Frage.

      Aber vielleicht lässt sich der feine Mark ja vom Abgang des ebenfalls feinen Bruno Frick (Kanzleikunden u.a.: Ipco, Bär, Fifa-Funktionäre) inspirieren ….

      Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

  10. Er tut mir leid der gute Patrick. Muss nun alles ausbaden, was PV in seinem Ehrgeiz angerichtet hat. Die FINMA ist hier aber auch zu hinterfragen. Erst jetzt, wo PV weg ist aktiv werden, die Signale bzw. „Issues“ waren ja schon vorher auf rot, Mark Libor.

    • Steibock, Patrik war bei allen Geschäften von Vincenz dabei und er trägt damit die volle Mitverantwortung. Patrik wollte unbedingt CEO werden und er hat dafür alles getan. Er muss auch weg, dann kommt Ruhe in die Raiffeisen. Deloitte und die FINMA werde ihn wohl belasten. Die Raiffeisen muss wieder zu Ihren Wurzeln finden.

  11. das übliche halt. ist die tochter aus gutem haus schwanger, geht sie mal ins kloster und kommt dann später wieder zurück als jungfrau…
    eine bank, geführt wie ein hobby betrieb eines subventioniertem bauerhof. mahlzeit.