Chaostage bei Julius Bär: Jetzt doch wieder ein EVV

Privatbank pusht zuerst ihren externen Vermögensverwalter WMPartners, dann schliesst sie ihn – Nun mit neuem am Start.

Wissen Boris Collardi und seine Julius Bär-Chefs, wohin sie wollen, wenn sie nach einem Formel-1-Reisli wieder im kleinen Zürich sitzen?

Die Frage wird laut, weil Collardi & Co. soeben eine 180-Grad-Volte vollziehen. Nachdem sie mit viel Krach ihren Externen Vermögensverwalter (EVV) namens WMPartners integrierten, gründen sie nun bereits wieder einen neuen.

Dieser heisst Wergen & Partner Vermögensverwaltungs AG mit Sitz in Zürich. Gemäss Handelsregister ist die Firma in Gründung, die Arbeiten erledigen die bekannten Schellenberg Wittmer-Rechtsanwälte.

Die Wergen & Partner von Manfred Wergen war aber erst Anfang 2017 von der WMPartners gekauft worden. Und die WMPartners war bis Juni die grosse EVV-Tochter der Julius Bär.

Damals entschieden sich die Bär-Manager, die WMPartners und damit auch die erworbene Wergen in ihre Privatbank zu integrieren.

Die Bär-Chefs meinten in einer Mitteilung, sie würden damit „das Angebot in diesem wichtigen Bereich“ erweitern und „die immer komplexeren Bedürfnisse unserer Kunden besser“ erfüllen.

Nun machen sie rechtsumkehrt und gründen erneut eine Wergen & Partner. Sprich, die gleiche Julius Bär, die vor drei Monaten ihrer EVV-Tochter den Stecker zog, gibt ein Comeback mit einer eigenen EVV-Tochter.

Hüst und Hott an der Bahnhofstrasse, wo die Bär-Chefs logieren und viel Geld kassieren. Was sie mit ihrem Hin und Her bezwecken, können sie nicht sagen.

„Im August 2017 wurden die vormaligen Kunden von Wergen & Partner schriftlich darüber informiert, dass sie nicht Bestandteil der Integration in die Bank sein werden“, sagt eine Sprecherin lediglich.

Und fährt dann fort: „Per 1.12. wird das vollständige-ursprüngliche Team von Wergen & Partner eine 100% Tochter.“

Der Schritt habe „keinerlei Einfluss auf die bestehenden Kundenbeziehungen“.

Rückzug aus dem EVV-Business, weil die „immer komplexeren“ Kundenbedürfnisse so besser befriedigt werden könnten.

Und nun Neugründung einer 100-Prozent-EVV-Tochter, damit die EVV-Kunden nicht in die Julius Bär integriert werden.

Der Kauf der alten Wergen & Partner Vermögensverwaltungs AG, die genau den gleichen Namen trug wie die jetzt gegründete neue, fand im Februar 2017 statt.

Die Rede war von 500 Millionen Kundenassets. Wergen würde in die Tochter WMPartners integriert und diese damit gestärkt und ausgebaut, vermeldete die Julius Bär.

Im Juni feierten die Mitarbeiter und Chefs der WMPartners auf dem Dach ihres Geschäftssitzes an der Nüschelerstrasse in Zürich mit einer grossen Party die Übernahme der Wergen.

Daniel Aegerter und seine Chefs klopften sich auf die Schultern. Den immer schnelleren Sinkflug blendeten sie aus.

Kurz darauf machte die Bär-Bank Schluss mit der WMPartners. Aegerter wurde vom Chef der Tochter zum Projektmanager für die Integration des EVV ins Mutterhaus.

Dort setzte er das Messer an. Die ganze Produkteabteilung mit Analyse und Management wird von den bestehenden Bär-Leuten übernommen. Die Mitarbeiter werden damit überflüssig.

Die alte WMPartners, ein Zusammenschluss der einstigen EVV-Tochter der Julius Bär namens Infidar und einem unabhängigen Vermögensverwalter mit bekannten Partnern wie Balthasar Meier und Willi Leimer, wird faktisch ausradiert.

Eine Perle, für welche die Julius Bär tief in die Tasche gegriffen hat, ist zerstört. Vom einstigen Ziel eines Börsengangs, wie ihn Bär und Meier-Leimer bei der Kräftebündelung Ende 2013 vor Augen hatten, ist nur noch eine ferne Erinnerung.

Statt nun wenigstens den Weg der Integration konsequent weiterzugehen, entsteht mit der Wergen & Partner Vermögensverwaltungs AG bereits wieder ein neuer EVV im Reich der Bär-Bank.

Es fragt sich: Are they crazy?

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

20 Kommentare zu “Chaostage bei Julius Bär: Jetzt doch wieder ein EVV

  1. Aus sehr gut informierten Kreisen hält die WM Partner/Wergen & Partner max. noch CHF MRD, 1,3 – d.h. ein Abfluss von fast CHF MRD 3, einer der grössten Abflüsse waren Assets der Sika Gruppe. Auch hier zeigt sich wie Führungsschwach und wenig Frontprofil viele PB im Direktionsrang in der Schweiz aufweisen, um den Aderlass von Vermögenswerten zu stoppen.

    • Funzel liegt gar nicht zu falsch und scheint heller zu sein als ihr denkt, zumindest brennt sein Licht. Ausgeblasen scheint ja eher aufgeblasen zu sein ….

  2. Warum gehen gewisse Kunden zu einen EVV und nicht direkt zu einer bank? Sind es die hervorragenden Leistungen und Research Kapazitäten des Vermögensverwalter oder die laschen bzw. nicht vorhandenen Compliance Vorschriften? Die EVV sind ja via die sogenannten SRO bestens beaufsichtigt. Darum schläft die FINMA ja auch beruhigt weiter.

    • @ Funzel: Sie scheinen die/der Einzige hier zu sein, der das Ganze durchschaut. Die Frage, die sich stellt ist schlicht und einfach: aus welchen Gründen sollte ein Kunde einen externen Vermögensverwalter wählen, der zu 100% einer Bank gehört?
      Oder käme es etwa irgend jemandem hier im Forum in den Sinn, eine Zweitmeinung bei der Frau des behandelnden Arztes einzuholen? Höchstens dann, wenn ich von der Krankenkasse zum Einholen einer Zweitmeinung gedrängt werde – sprich: nur dann, wenn ich irgend welche externen „Zwänge“ UMGEHEN will.

    • Unsere Funzel war noch nie das hellste Lichtlein auf dem Geburtstagskuchen. Sicher blickt er nicht über dessen Tellerrand…

    • @ausblasen: auch nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen, was? Darum verstehe ich ja, dass Sie nicht verstehen, was Funzel schreibt und offenbar verstanden hat. Verstehen Sie das?

  3. Das nennt man doch „Operative Stürme zur Tarnung der geistigen Windstille“ und wenn dann noch McKinsey dabei steht, wehen Orkane statt der Stürme.

  4. Wirklich ein guter Artikel. Habe selber bei JB gearbeitet. EVV Business brachte der JB nie Glück. Nicht einmal 1% vom Business. JB will dieses Business gar nicht. Wahrscheinlich hatte Werger Klausel im Vertrag. WMP wird eingestampft – ist eine reine Kundenintegration und keine Mitarbeiterintegration. 80% werden Job verlieren nachdem die Kunden integriert sind. Mitarbeiter sind Kosten und diese Kosten will JB nicht.

    • Sie meinen sicher die Beteiligung an EVV’s ist nicht einmal 1 % oder? Denn das eigentliche EVV Geschäft (E-Desk) ist ein bald dreissig Jahre verankertes und wichtiges Geschäftsfeld der Bank!
      Herrn Wergen wünsche ich gutes Gelingen!

  5. Ein duerftiger, klaeglicher Artikel von Lukas Haessig, welcher offensichtlich nicht verkraften kann, dass er nicht zum Formel 1 Rennen mitreisen durfte. Er leert seine stinkende Guelle ueber das Baer Management und verliert darob jegliche Orientierung. Dabei zeichnet sich ein gutes Management nicht zuletzt durch Flexibilitaet aus; etwas was dem lieben Haessig offenbar abgeht. Das neue Setup koennte sich als grosser Wurf entpuppen. Doch Haessig staenkert in unertraeglicher Weise auf Vorrat.

    • Dürftiges Bär Statement.
      Früher nannte man solche Wendemanöver „strategieloses Hüst und Hott“, heute nennt man dies eben „Flexibilität“.

    • Hoi Karlie, dream on. Den einzigen grossen Wurf den JB landet geschieht früh morgens im stillen Kämmerchen.

    • Muahahahahahahahaha you made my day! Nicht wissen was man tut ist auf einmal Flexibilität! Herrlich! Sind Sie Satiriker? Comedian?

  6. Was sind denn aktuell die Kundenbedürfnisse?

    Private Banking lohnte sich vor 20 Jahren mit älteren wohlhabenden Zeitungslesern als Kunden noch ohne eigenen Computer und Internetanschluß.

    ETF´s kann heute jeder selbst kaufen, sowie ggf. Einzelwerte.

    Da der Kunde letztlich selbst entscheiden muß und sich die Bank für alles freizeichnet auch nur folgerichtig.

    • Selbst Warren Buffett erreichte während der vergangenen 20 Jahre nicht die Rendite eines ETF auf den amerikanischen NASDAQ – Index.

      Diese war zudem noch viel höher, wenn man während wirtschaftlichen Krisen desinvestiert war (Nyse Margin Debt) bzw. diese Strategie beispielsweise hälftig fremdfinanziert angewandt hat, so wie es Herr Buffet in seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway praktiziert.

      Machen Sie sich einmal darüber gründlich Gedanken!

    • Wer nicht über die Mittel verfügt breit abgestützt investieren zu könnnen, seine Vorsorgebedürfnisse ausloten und mittels Liqudität steuerwirksam umzugehen sowie sein Eigenheim, die Hypotheken auf all diese Aspekte einzustellen, der hat keine Bedürfnisse, welche sich mit einer Privatbank oder einer Grossbank abzudecken Sinn macht.

      Dann gebe ich Ihnen Recht. Die meisten Kunden entsprechen jedoch nicht Ihrem Genre. Dementsprechend bitte zuerst reflektieren, bevor Ihre Ausgangslage diejenige der ganzen Welt wird!

    • Genau diese gewollt unübersichtliche Pseudo – Komplexität ist es, die der Bank zusätzliche Erträge und dem Kunden schlechte Performance zu hohen Kosten beschert.

      Der Kardinalfehler ist gerade, heute zu Zeiten von Immobilienblasenpreisen auf marginale Steuereffekte abzustellen denn auf eine gute Rendite und deren Absicherung.

  7. Na ja, viellleicht wird die Sache heute anders beurteilt als damals. Falls das der Fall ist, dann muss jeder vernünftige Mensch konsequent sein und eben das Steuerrad in die aktuell als richtig erkannte Richtung ajustieren. – Wer sich vergaloppiert findet besser früher zurück auf den Weg als später.