Jürg Zeltner: Mini-Bänkli, Maxi-Hype

Ex-UBS-Topshot spielt neuen Stern am Schweizer Private Banking-Himmel – Dabei ist seine KBL Möchtegern-Bude par excellence.

Jürg Zeltner auf allen Kanälen. War der einstige Chef Wealth Management der grossen UBS vor allem in Finanzmedien ein Thema, brechen nun die Dämme.

Das zeigt die NZZ. Sie bringt heute früh die Story über Zeltners neue Bank, die luxemburgische KBL, und deren Kauf der Schweizer Bellevue Privatbank auf der Wirtschafts-Aufschlagsseite.

Die NZZ bleibt zwar zwinglianisch vorsichtig. Dem medialen Hype um Zeltner tut dies aber keinen Abbruch.

Jürg is Back – so die Botschaft. Zieht Euch warm an.

Nun, das ist leicht übertrieben. Zeltner zog zunächst im Machtkampf gegen UBS-CEO Sergio Ermotti den Kürzeren. Er musste Ende 2017 gehen.

Dabei hatte er gute Resultate vorzuweisen, zumindest im Vergleich zu dem, was die UBS derzeit abliefert. Und er wehrte sich gegen die interne Fusion mit dem Private Banking USA, wohl zu recht aus heutiger Optik.

Doch Zeltner wäre gerne UBS-Chef und Ermotti-Nachfolger geworden. Nur wollte der Tessiner den Berner nicht. Es kamen interne Frauenstories von Zeltner an die Oberfläche – da war es vorbei mit der Karriere.

Hi, it’s me: The Giel from Thun (Wikipedia)

Gestern nun kaufte Zeltner für seine neue Arbeitgeberin, die luxemburgische KBL European Private Bankers, die Bank Bellevue.

Zeltner tut dies nicht nur als Angestellter, sondern auch als Mitbesitzer. Er hat von den Besitzern, den Scheichs aus Katar, einen kleinen Anteil an der KBL erhalten.

Nun schlägt Zeltner also für sich und die Kataris Pflöcke in Zürich ein. Doch die Bellevue ist kein Goldschatz, sondern ein Krisenfall. Sie stand schon früher zum Verkauf.

Mit den Bellevue-Kunden will die KBL in der Limmatstadt zur führenden Adresse für Reiche werden. Nur ist die Story der KBL selbst eine von Pleiten, Pech und Pannen.

2014 stiess sie mit dem Asset Management unter Pauken und Fanfaren nach Zürich vor und spukte grosse Töne. Ein Jahr später war die KBL bereits wieder von der Bildfläche verschwunden.

Sie ging auf in der BIL, eine andere luxemburgische Bank. Diese war ebenfalls im Besitz der Kataris gelandet und sparte sich den Doppelauftritt in der Schweiz.

Wiederum zwei Jahre später, im 2017, kauften Chinesen die BIL den Scheichs ab. Letztere machten einen guten Deal. Sie hatten ihren Einsatz in wenigen Jahren verdoppelt.

In den Händen der Öl-Milliardäre blieb die KBL, ein Mini-Bänkli. Mit Jürg Zeltner bringen sie Schwung in die Bude – zumindest Schlagzeilen-mässig.

Zeltner sorgt dafür, dass jeder Schritt breit in den Online-Spalten landet. Sei es seine Beauftragte für die KBL Schweiz, sei es der neue Sitz an der Bahnhofstrasse, sei es der Bellevue-Deal: Die Superlative überschlagen sich.

Zwei Erfinder des neuen Private Bankings? (NZZ)

Zeltner hatte, was er wollte. Er war das Comeback Kid des Finanzplatzes.

Das nahm schon fast absurd anmutende Züge an. Letzthin schrieb ein Finanzmedium, Zeltner wolle seine KBL zur zweiten Pictet machen?

Pictet hat 500 Milliarden Kundenassets anvertraut und streitet gerade mit der Julius Bär um die Krone im Schweizer Private Banking.

Zeltners KBL ist ein besseres Family Office von Scheichs aus dem Golf. Big Mouth, Little Role.

Kommentare

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  1. Die Kernfrage bleibt: Welcher vermögende Private Banking-Kunde aus der Schweiz legt sich mit den Kataris ins Bett?

    • Lieber Reto

      Legt man sich als UBS-Kunde mit Ermotti ins Bett, oder als CS-Kunde mit den Qataris, oder als Bär-Kunde mit den Kanadiern oder als Commerzbank-Kunde mit Angela Merkel?

      Ihre implizite Richtung, mit welcher Bank sich ein vermögender Privatkunde (aus der Schweiz? oder sonstwo) letzten Endes identifiziert ist doch wirklich keine Frage der Eigentümer im Hintergrund.

      Ansonsten dürften wir uns auch fragen, warum wir überhaupt noch Fussball ansehen. Denn über die ethische Eignung der Führung der massgeblich von Schweizern aufgebauten Strukur der Fifa lässt sich dann durchaus mit ihrer gedanklichen Stossrichtung messen. Aber wenn Sie das möchten, dann können Sie sich gerne in das von dem eidgenössischem Herrn B gemachte Bettchen legen.

  2. Diese ganzen Rochaden sind komplett absurd. Was, bitte sehr, soll denn die Motivation sein für einen Kunden, zu so einer zusammengeschusterten Bank zu wechseln?

    Die jüngere Vergangenheit zeigt doch, dass es mittlerweile immer schwieriger wird, Schlüsselkunden mittels ihren RMs abzuwerben.

    Und allzuviele Leute, die eigentlich mit ihrem Private Banking unzufrieden sind, sagen bekantlich:
    „better the devil I know“….

    Ohne klare Positionierung mit massiven und bahnbrechenden Innovationen sind all diese Private Banking-Rochaden nichts anderes als Selbstbeschäftigungstherapien irgendwelcher Egomanen.

    Was ist die Differenzierung? Warum soll der Kunde dorthin?

  3. Irgendetwas scheint JZ richtig zu machen: Er war jahrelang Chef der grössten und erfolgreichsten WM Einheit der Welt (er hat sie dazu gemacht). Er hat scheinbar die Katars von sich und seiner Strategie überzeugt zu haben. JZ ist als Partner am Erfolg und Misserfolg 1:1 beteiligt. Wer von den hier kritisch Schreibenden kann etwas Ähnliches vorweisen? Ich nicht. Hat JZ alles richtig gemacht? Sicher nicht. Ist er ein Politiker? Sicher, sonst würde er in einem Konzern wie UBS nicht lange so hoch überleben.

    Ich denke er hat die Bank Bellevue nicht wegen den Kunden oder Assets sondern wegen der Banklizenz gekauft. Er verfolgt scheinbar eine starke Wachstumsstrategie und die kann er besser aus der Schweiz als aus Luxemburg umsetzen. In Zürich hat es viel mehr Kundenberater mit grossen UHNW Kunden als in Luxemburg. Daher braucht er schnell eine Bank, damit er Kundenberater in der Schweiz abwerben kann. Ich bin sicher viele Ex-Mitarbeiter von ihm warten sehnlichst auf einen Anruf von JZ, weil sie keine Lust mehr bei UBS haben. Mit der Dame, CEO KBL Schweiz, hat er zudem einen ähnlichen Zugang zur CS. Jetzt gibt ihm doch mal 2 Jahre und dann schauen wir, was er mit seinem Team bis dahin erreicht hat. Ich bin auch der Meinung, dass es besser ist etwas aktiv zu entwickeln statt wie die meisten in der Branche am Status Quo festzuhalten und sich dann zu wundern, dass die Geschäfte nicht besser laufen. Und: die Katars mögen viel Geld haben, aber Geld verlieren wollen sie sicher nicht (nicht ohne Grund haben sie JZ in den Aufsichtsrat der DB als ihren Vertreter gesetzt)

  4. @LH
    Es wäre hie&da hilfreich, etwas Research zu machen…
    JZ macht da weiter, was sein Vorgänger (nach dem verpatzten Verkauf an Hinduja) angefangen/fortgeführt haben. Das ganze Thema als Mini-Bänkli zu bezeichnen, ist Sprache der Banking-Totengräber (die hypen ja lieber die Khans&Co.). Da kann JZ zumindest einen langfristigen Leistungsausweis zeigen.
    Die Facts:
    1) die KBL-Gruppe ist offenbar eine „Group of Local Brands“, wie z.B. Merck Finck (D), man munkelt ca. €10 Mrd AuM, InsingerGilissen (NL, ca. €24 Mrd.), Brown Shipley (GB, ca. €11 Mrd AuM) und andere. Zudem werden mit einer Buy&Build-Strategie diese Einheiten immer wieder ergänzt, wie kürzlich in England (+€1,1Mrd.),
    3) AuM: ca.€73Mrd., wobei zum Teil Assets aus dieser Zahl rausgerechnet wurden. Mit dieser Zahl sind ja schon 15% der Wegstrecke zu Pictet zurückgelegt 😉
    2) EK der Gruppe: €1.1 Mrd.,

    Die KBL-Gruppe als Family Office „der Scheichs“ zu qualifizieren, ist sicher falsch. Da kenne ich eine Bank, welche man als Milchkuh „der Scheichs“ bezeichnen könnte. Dass man nach einer (geplanten) Übernahme etwas medialen Wind verursacht (oder verursachen will) ist in der inhaltsarmen Berichterstattung über den CH-Finanzplatz verständlich.

  5. Lieber Lukas,
    mit Blick auf die Aktionärs-Schnittmenge von KBL und Deutsche Bank und dem Einzug von JZ in den Aufsichtsrat der DB, übersiehst Du mal wieder das Wesentliche! Ihr werdet Euch noch wundern…!
    Marcel

  6. Ich hab unlängst mit der Geschäftsleitung der KBL in Luxembourg ein Gespräch geführt für eine Führungsrolle innerhalb dieses Zirkus. Ich habe mich nach 30 Minuten dankend aus dem Gespräch verabschiedet…

    Angesprochen auf Ihre teilweise wirklich schwachen Finanzkennzahlen fanden die allen Ernstes, sie hätten Ihre Hausaufgaben gemacht. Auf die Frage, wie sie sich denn differenzieren möchten, gab’s lange Gesichter. Und auf deren Bemerkungen rund um die aktuelle Branding-Strategie möchte ich gar nicht erst eingehen… Kurz:

    @ KBL: Nachsitzen, die Herren! Nice try!
    @ Herr Zeltner: Ich möchte es mit den Worten von Xavier Naidoo formulieren, der da meinte: „Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“.

    • @GseyMier,NeiDu.
      Hoch interessanter Beitrag.
      Der ist echt glaubwürdig.
      (LOGO OHNE Ironie.)

  7. Treffender Artikel. Kenne Zeltner und beim ihm ist grosse Zurückhaltung sicher angebracht. Jedenfalls kann er jetzt zeigen, was er selbst auf die Reihe bekommt, idem für Dagmar Kamber.

  8. Was wäre gern Nachfolger von Sergio geworden. Sergio hat klar versagt. Wartet mal noch 1-2 Jahre maximum. UBS ist ein untergehender Supertanker, der bald auseinander bricht. Nach der Neuausrichtung, wer wird dann wohl WM Head?

  9. Man wundert sich dass es keinerlei Aufschrei gibt betreffend dem Terror-Finanzierungs-Staat Katar… aber bei den Petrodollars verschliesst man gerne die Augen

  10. Man mag JZ leiden oder nicht, jedenfalls gehörte er nicht den krebsgeschwürigen Karrieristen an, die heute noch die UBS im mittleren und oberen Management zu Hauf belagern.

    JZ hat in einer wohl der schwersten Krisen der UBS eine Vorwärtsstrategie betrieben. Alles richtig gemacht? Sicherlich nicht. Aber etwas gemacht und dabei mehr richtig als falsch.

    Dass JZ auf diese Weise nun weiter macht gehört Respekt gezollt. Auch, dass er dem Finanzplatz und Private Banking in der Schweiz zugewandt ist. Er tut also etwas für die Schweiz. Tun das auch die anderen?

    Liebes IP: Es wäre auch an der Zeit, MIT der Zeit zu gehen und denjenigen, die versuchen ein pro-aktives, nach vorne gerichtetes Rollenmodell für die Finanzbranche zu treiben auch einen Raum zu geben und nicht über alles herzufallen und vorab zu verurteilen.

  11. Ja,ich würde Jürg Zeltner nicht unterschätzen. Es hat noch viele andere „Big Mouth“, welche komfortabel unter einem Banken-Hut dahin vegetieren. Zeltner ist innovativ, dynamisch und unkompliziert und deshalb wird er sein Ziel erreichen. Ob nun eine Pictet-Kopie wirklich das Gelbe vom Ei ist, das bezweifle ich, denn Pictet hat grosse interne Personal Probleme, welche ja bekanntlich für das Geschäft nicht förderlich sind.

  12. Lieber Lukas, sei doch dankbar. Zeltner und seine Bank übernehmen die Funktion der Putzequipe auf dem Finanzplatz. Es gibt noch einige Perlen wegzuräumen, allein schon im Umfeld des Paradeplatzes: Falcon, Märki, Ihag z.B. Das kannst du dann alles genüsslich verarbeiten und uns zum Frühstück servieren. Merci.

  13. Oh Mann, da versucht sich ein 0815-rundumversichert-risikolos-bonus-verwöhnter, angestellter Schauspieler als Unternehmer! – Was soll man bloss davon halten, waseliwas?

    • Typische Ami- und Grossbank-Mentalität eben: Egal wie klein die Bude ist, man muss als Ziel immer so setzen, das man die Nummer 1 werden wird. Was dann auch so kommuniziert wird und in der Schweiz einfach nur lächerlich wirkt, wenn aus heutiger Perspektive keine Chance besteht dieses Ziel zu erreichen.