Bär schlägt zurück: Pictet-Star landet bei Zürchern

Angesehener Patrick Prinz bringt Superreiche – Schub für Region Schweiz – New Bär-CEO: Big Bang in wenigen Wochen.

Prinz zu Bär. Was nach Märchenstunde tönt, hat es für Swiss Banking in sich. Patrick Prinz, dessen überraschender Abgang nach 17 Jahren bei der Pictet letzte Woche publik wurde, geht zur direkten Konkurrenz.

Ausgerechnet. Damit lanciert Prinz, ein angesehener Private Banker mit besten Kunden, den Fight der Extraklasse. Er lautet: Julius Bär gegen Genfer Pictet.

Es ist das spektakulärste Ringen, das der Finanzplatz die nächsten Monate sehen wird. Hier die angeschlagene Bär, da die erfolgshungrige Pictet.

Die Rollen sind ungewohnt und vertauscht. Nicht die vermeintlich seriöse, verschwiegene Pictet tritt auf leisen Sohlen an. Sondern die lange laute und forsche Bär gibt unbemerkt und aus dem Nichts Gas.

Das hängt mit den Aushängeschildern zusammen. Bei Pictet ist dies neu Boris Collardi. Er, der die Julius Bär gross, aber auch anfällig gemacht hat, will nun mit Pictet auch in Zürich alle und alles in den Schatten stellen.

Umgekehrt Bär. Nach der Ära von Sonnenkönig Collardi hat mit Philipp Rickenbacher das 180-Grad-Gegenteil das operative Steuer übernommen.

Rickenbacher gab nur wenig preis zum Start in der neuen Rolle. Dafür schlägt er versteckt umso stärker zu. Die Verpflichtung von Prinz ist ein Coup.

Bart, Vespa: Rickenbacher (JB)

Prinz könnte für Bär-CEO Rickenbacher zu einer Schlüsselperson werden. Statt „nur“ das Segment der Ultrareichen zu leiten, wie Prinz das bisher bei der Pictet in Zürich getan hat, könnte der neue „Star“ eine ganze Region übernehmen.

Vielleicht wird er gar neuer Chef Schweiz der Bär. Dort haben die Zürcher Aufholbedarf. Der jetzige Chef Gian Rossi gilt als Collardi-Mann und hat nicht überzeugt.

Prinz wollte sich gestern nicht äussern. Eine Sprecherin von Julius Bär meinte, man nehme keine Stellung.

Die Verpflichtung von Patrick Prinz ist der Auftakt zu etwas Grösserem: der Strategie von New Bär.

Gemeint ist, was CEO Rickenbacher mit der führenden Privatbank auf dem Platz Zürich vorhat. Diese ist nach Geldwäscherei-Skandalen und Team-Abgängen geschwächt.

Rickenbacher, den niemand kannte und den Kritiker als unscheinbar schildern, will laut einer Quelle bereits in wenigen Wochen seinen Plan offenlegen.

Erwartet werden zwei Stossrichtungen: Kosten runter, Visier neu ausrichten.

Es könnte also nochmals zu einem Abbau kommen. Anfang Jahr hat Rickenbacher-Vorgänger Bernhard Hodler bereits rund 140 Stellen abgebaut. Nun droht der nächste Kahlschlag.

Umgekehrt will Rickenbacher klarmachen, dass er die Bank nicht einfach kleiner machen will.

Wieder aufwärts? (Bär-Aktie, Swissquote)

Sondern dass er mit Leuten wie Prinz, die nicht das Rampenlicht suchen, sondern still ihre Kunden pflegen, das Image der Bär neu aufbauen möchte.

Die neue Julius Bär: seriös, professionell, diskret. So könnte Rickenbachers Maxime lauten.

Es wäre paradox. Die Bär, die unter Collardi kaum mehr Grenzen kannte, würde die Tugend des alten Swiss Bankings beherzigen, im Sinne von: nicht gross angeben, sondern gut arbeiten.

Umgekehrt scheint die Pictet aus Genf, welchem Reformator Calvin Mässigung eingeimpft hatte, auf den Putz zu hauen. Und zwar ausgerechnet in Zürich unter Ex-Bär-Chef Collardi.

Turbo: Collardi (Pictet)

Die Story klingt nach Grimm. Das ist zum Teil gewollt. Bär-Chef Rickenbacher sagte in einem seiner Start-Interviews, er fahre mit der Vespa zur Arbeit.

Das mag heute so sein. Bevor Rickenbacher aber im Medienlicht erschien, parke er am Backoffice-Sitz der Bären in Zürich-Altstetten ein anderes Gefährt: einen Porsche 911.

Ein Abarth musste es schon sein: Collardis Car (Wikipedia)

Medial inszeniertes Umsatteln – das hatten wir schon mal an der Spitze der Bär-Bank. Bei Rickenbachers Vor-Vorgänger Collardi blieb nach kritischen Stories der Ferrari in der Garage; neu nahm der Boss einen Abarth 500.

Nun also die Vespa. Auch italienisch, aber noch einen Touch spartanischer. Das Duell Pictet-Bär, Collardi-Rickenbacher: Es hat das Zeug zum Netflix-Thriller.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Kommt mir vor, wie Kleinkinder im Sandkasten, klaust du mir ein Spielzeug, klau ich dir ein Spielzeug. Wäre ja noch ganz lustig, wenn man nicht wüsste, was die dumben Banker abkassieren… da kann man nur den Kopf schütteln. Die Gilde ist leider wirklich nicht mehr lernfähig, das haben ihnen Kleinkinder voraus!

  2. Ich meine, das ist es doch was man von einer Privatbank erwartet – Seriösität, Verschwiegenheit, Souveränität, professionelles arbeiten. Da will man keinen Glamour-Chef mit Frauengeschichten, GutFreund mit fragwürdigen Personen und immer vorne im Rampenlicht mitmischen..
    New Baer kling hoffnungsvoll.

  3. Naja, fassen wir es mal ganz kurz zusammen; Jetzt wechselt eine völlig überteuerte Truppe von der JB zur Pictet und einige Schachfiguren in die andere Richtung, hohe Antrittsgagen und utopische „Business Cases“ inklusive. In 2 Jahren die grosse Ernüchterung auf beiden Seiten, was bei genauem Überlegen eigentlich heute schon jeder sehen müsste. Frag mich wo da die Wertschöpfung sein soll, da wird doch nur Geld verbrannt…

  4. Das ist jetzt ein sehr geiler Schachzug von Rickenbacher! Freut mich sehr! Mal sehen ob das klappt mit ‘neuer Bescheidenheit’ gegen den Grosskotz Collardi. Und der Rossi, den braucht’s nun wirklich nicht. Ist seit CS Singapore Tagen ein Spezi vom Boris. Viellicht hat der ein Plaetzchen fuer ihn bei der Pictet. Glaube allerding eher nicht… Auch BCs Loyalitaet hat Grenzen.

  5. Entsorgung von Rossi ist wirklich überfällig. Bei dieser Gelegenheit gleich auch seine Buddies (Market Head Zurich et al.) und andere Heissluftdüsen verabschieden. Ciao a tutti!

    • Gian ist überflüssig. Wenig geleistet, komplett versagt. Auch seine Freunde im Business Management sowie einige Market Heads und Niederlassungsleiter müssten einpacken. Es braucht einen Neustart. Zu lange sind die gleichen auf ihren Sitzen geklebt. Zu wenig Leistung in der Führung. Reset please.

  6. Netflix Thriller ist bisschen übertrieben, aber hat jedenfalls das Zeug zu einer Folge „Grip Automagazin“. Die Italos und Secondos bei Bär Gian Rossi & co. werden das Ding nicht reissen, dafür braucht es einen gestandenen internationalen Deutschschweizer vom Format Joe Ackermann. Ist übrigens eine riesige Vetternwirtschaft und Filz bei Bär mit den ganzen secondos unter sich.

  7. Verträgt Pictet doch keinen Haudegen der neuen Generation? Prinz hat das richtig gemacht, alle Achtung. Das Problem, niemand spricht vom Bär-CEO, weil ihm wohl das Profil fehlt. Darauf sollte Rickenbacher jetzt genau achten, sonst gehts ihm am Ende wie dem kläglich gescheiterten Hodler.

  8. Loyalität gibt es im Banking nicht mehr. Diese Postenschacherei, ähnlich wie bei den Topklubs im europäischen Fussball, nur noch widerlich. Nicht wunderlich, dass diese Players (Julius Bär, Pictet, CS, UBS) misstrauisch beäugt werden.

    Selbst die High-net-worth individuals machen diesen Gugus an der Transferfront nicht mehr mit.

    Viele dieser Reichen fangen an selber zu denken und machen den Kram nun möglichst selber.

    Ein sicherer Hafen für Gelder war Vorgestern. Heute zählen bei einer Bank Integrität, Beständigkeit und Berechenbarkeit. Dazu eine Performance, die nicht nur für die „risk taker“ (die Bank selber) stimmt.

    • „Selbst die High-net-worth individuals machen diesen Gugus an der Transferfront nicht mehr mit“.

      Wer jedes Jahr auf einer Bank eine neue Bezugsperson bekommt, glaubt nicht mehr an eine solche Institution.

      Etliche Kunden haben alle 6 Monate einen neuen „Berater“. So schaffen sich diese Banken selber ab.

  9. Wird hier der gute Patrick Prinz nicht ein wenig ueberschaetzt……

    Da sich Prinz und Collardi schon aus CS Asien Zeiten kennen, kann es vielleicht sogar sein, dass Patrick’s Abgang gar nicht so bedauert wird….

  10. Also erstmal bringt Patrick Prinz vor allem ein verschlechtertes Cost-Income-Ratio. Ob dann wirklich soviel reiche Kunden vom Traditionshaus Pictet zum Skandalunternehmen JB wechseln, sei mal in Frage gestellt. Dennoch schön, wehrt sich jemand gegen Zar Boris.