Avaloq-Eigentümer: Nix wie weg

Verkauf oder Börsengang der Software soll im Expresstempo über Bühne gehen – Big Money für Fernandez, seine Mom, Freund Strässler.

Francisco Fernandez kennt man. Der ETH-Absolvent mit dem eleganten Schnäuzchen hat die Schweizer Bankenwelt mit seiner Avaloq-Software ausgestattet.

Weniger bekannt ist Fernandez‘ Partner Ronald Strässler. Dabei ist der fast noch wichtiger. Und auch er wird wohl bald superreich.

Strässler und Fernandez halten grosse Aktienanteile an der Avaloq. Dies auch jetzt noch, nachdem sie vor 2 Jahren die angelsächsische Investorin Warburg Pincus an Bord geholt hatten.

Die Geldgeber drücken nun aufs Tempo. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll die Informatik-Firma rasch verkauft werden: durch einen Börsengang oder an einen Dritten.

Warum so schnell? Und wer profitiert?

Vergolden (LinkedIn)

Letzteres ist rasch beantwortet. Neben den erwähnten Strässler, der bis heute am Code des Avaloq-Kerns mitarbeitet, Fernandez, der die vielen Aufträge an Land gezogen hatte, und Warburg Pincus, die Frisch-Kapital einschossen, ist es eine überraschende Person.

Die Mutter von Francisco Fernandez. Maria Luisa Fernandez heisst sie, sie ist über 80 Jahre alt und gilt als Avaloq-Aktionärin der ersten Stunde.

Daneben halten mehrere Mitarbeiter Avaloq-Aktien, die schon vor 2 Jahrzehnten an Bord waren und nun ebenfalls reich werden könnten.

Warum aber wollen die Besitzer rasch raus aus ihrem Investment?

Dass es schnell gehen soll, darauf deutet die Reuters-Nachricht hin. Avaloq-Insider haben der Agentur den Plan, schon im 2020 zu verkaufen, laut ins Ohr geflüstert.

So läuft das immer. Ziel ist, maximal viel Interessenten auf den Plan zu rufen und so mittels Bieter-Wettbewerb maximal viel zu lösen.

Dass es Warburg Pincus, Fernandez und Strässler eilt, könnte mit dem Produkt zu tun haben. Die Avaloq hat in den letzten Jahren mehrere Rückschläge erlitten.

Insbesondere in Deutschland holten sich die Zürcher eine blutige Nase. Ein gross angekündigtes Projekt musste abgebrochen werden: Avaloq konnte Kundin BHF-Bank nicht die versprochene Qualität auf Termin liefern.

Bei einem zweiten Projekt im Norden, dem für die Apotheken-Banken Deutschlands, ist noch offen, ob die Rechnung aufgeht.

In der Schweiz ist hingegen schon klar, dass der Plan, zusammen mit der Raiffeisen den Retail-IT-Bankenmarkt zu konsolidieren, nicht aufging. Die gemeinsame Tochter Arizon ist aufgelöst, die Raiffeisen hat die IT wieder bei sich.

Wo also wachsen? Die Konkurrentin Temenos, die an der Börse ist, gibt in Übersee Gas. Sie scheint auf Erfolgskurs zu sein. Die Avaloq, die immer noch in privaten Händen ist, muss aufholen.

Die Männer, welche die Avaloq gross gemacht haben, trauen sich das offenbar nicht mehr zu. Sie wollen jetzt Kasse machen. Und dann gehen.

Francisco Fernandez verfolgt längst eigene Pläne. Er ist Grossinvestor bei Crowdhouse, einem modernen Immobilien-Finanzierer.

Kommentare

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  1. Architektur aus den 90er Jahren, Modernisierung verpasst, Markt gesättigt, neues Front-Produkt gefloppt, Internationalisierung gescheitert, von der Konkurrenz abgehängt – Finger weg von diesem Investment !

  2. Haha, selten so gelacht – Börsengang einer Firma, welches ein veraltetes, nicht wirklich international kompetitives Produkt hauptsächlich im schrumpfenden Schweizer Privatebanking Binnenmarkt vertreibt? Singapore mag ja noch eine Erfolgsstory gewesen sein, aber in all sonstigen Märkten ist Avaloq ein non-Valeur. USA: Fehlanzeige, HSBC und DB als einzige Avaloq WM-Suite Kunden machen den Schritt nicht. Zu teuer, zu komplex, zu riskoreich. Außerdem gibt es ein halbes Dutzend bessere Lösungen im Markt. Europa: Desaster. ApothekenBank Deutschland? Ja genau, ein Schwergewicht – Ironie off! Come on guys, let’s face it: Avaloq ist ein Relikt aus alten, vergangenen Schweizer PB Zeiten; vor Fintech, Cloud und BigTech. Wer jetzt glaubt, man kann mit Avaloq IPO – möchte zudem wissen, an welcher Börse? Nasdaq wirds wohl kaum werden, den großen Reibach machen, der ist entweder naiv, unwissend oder einfach ein Verkäufer, der die naiven/unwissenden über den Tisch zieht. Aber vielleicht spannen die alten “Anlageberater”, “Private Banker”, Vermögensverwalter und sonstigen Kantonal und Regionalbänkler aus Heimatschutzgründen mit Francisco zusammen, und “empfehlen” die Superinvestition ins Portfolio von Hans Meier und Petra Huber. We will see.

  3. Avaloq mag zwar schlecht sein, aber welcher anderer Hersteller ist besser? Finnova ist im Mittelalter steckengeblieben mit ihrer Software und haben kaum Topshots in der Firma, die wirklich was von IT verstehen.
    Von Temenos hört man kaum was, da ihre Software fast keine Verbreitung hat in der Schweiz. Und die ganze Eigenentwicklung der Grossbanken sind… *schauder*

    • Wie wär‘s mit TCS BaNCS? Scheint bei der PostFinance stabil, verlässlich und kostengünstig zu laufen…

  4. Bereits der erste Verkauf an Warburg war keine Kapitalerhöhung zur avaloq Entschuldung. Das deutet auf ein Verlassen eines sinkendes Schiffs.

    Oracle, der neue Host:
    Zudme ist die Lösung als Oracle-Monolith ein Host des 20. Jh. und die vielen bankeigenen Anpassungen muss jede Bank mit jedem Release selber testen. – Eigentlich kein Modell, dass massive Kosteneinsparung durch Skaleneffekten verspricht.

  5. Interessant! Der Reuters Artikel sagt aus, dass Avaloq gegenüber Temenos in allen Belangen (Wachstum, Gewinn, Umsatz) ein Underperformer ist und legt nahe, dass Pincus (deshalb?) möglichst schnell das Paket loswerden will, ip meint, Fernández und Partner wollen $.

  6. Die tapfere Risikokapitalistin Maria Luisa Fernandez soll den grossen Reibach erleben dürfen.

    Komisch. In diesem Artikel fand der Ferrari von Sohnemann Francisco keine Erwähnung.

    Wurde der eingezogen? Zwangsversteigert?

    • Zwei wurden doch einmal in der gleichen Nacht geklaut.

      Das Problem von Avaloq ist, dass ihnen der eigene Erfolg zum Problem wurde. Dann haben sie noch den Fehler gemacht sich diese Heuschrecke ins Haus zu holen und jetzt sitzen alle mit langen Gesichtern da und Francesco Ferrari ist abgetaucht.

  7. Wenn beim Verkauf wirklich die avaloq-Software bewertet wird und nicht die ganze warme Luft, welche von Francisco & Peter Schöpfer(CMO) produziert wurde, dann gute Nacht…