In der Zeit von Klaus-Michael Kühne ist nie eine Frau in den Kreis der Spitzenmanager des Schweizer Logistikkonzerns Kühne+Nagel International (KNI) vorgedrungen.
Jetzt ist eine Managerin die grosse Hoffnungsträgerin, damit das in Schindellegi im Kanton Schwyz angesiedelte Unternehmen den Anschluss an die Spitzengruppe der weltgrössten Logistiker nicht verliert.
Shirley Sharma Paterson, 56, ist seit einem halben Jahr die oberste Verkaufsleiterin des weltumspannenden Konzerns und direkt, das will etwas sagen, Konzern-CEO Stefan Paul unterstellt.

Sharma, eine treue Seele, war 20 Jahre bei Schenker angestellt, wollte dort aber, wie 250 weitere Führungskräfte und Spezialisten, nicht bleiben, weil der CEO des dänischen DSV-Konzerns, der DB Schenker übernommen hat, als äusserst radikal gilt.
Wie rasch er die Posten von Managern streicht, erfuhren schon die Führungskräfte der Basler Panalpina, die früh im Netz der Dänen gelandet ist.
Die Amerikanerin mit Sitz in San Francisco war eng verbunden mit den grossen Techkonzernen im Silicon Valley. Diese wollten ihre Logistik-Betreuerin nicht verlieren und zogen mit Sharma weiter zu Kühne+Nagel International.
Viele andere Schenker-Mitarbeiter nahmen den gleichen Weg. Die Umsätze der Schweizer in den USA und weltweit boomen seither, denn die grossen Rechenzentren von Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft brauchen riesige Mengen von Bauteilen aus aller Welt.
Kühne+Nagel ist daher, gegen alle Erwartungen, Nummer 1 geblieben in der Luftfracht und bei den Seetransporten. Der dänische DSV-Konzern, der über 14 Milliarden Euro für DB Schenker gezahlt hatte, blieb Zweiter.

Klaus-Michael Kühne, 87, wird sich als Hauptaktionär von Kühne+Nagel darüber freuen, dass es jetzt eine Frau ist, die dem Unternehmen jene Erfolge vermittelt, die es in einem äusserst harten Markt braucht.
Am Aufstieg der DSV-Aktie hat sich derweil nicht viel verändert. Die Dänen haben mit geschickten Finanzoperationen das Geschäftsergebnis des erst vor 50 Jahren gegründeten Unternehmens maximiert.
Bei der Aktie von Kühne+Nagel hat sich seit sechs Jahren ausser einem kurzfristigen Aufschwung, der rasch wieder zurückfiel, kaum etwas getan.
Vom Höchststand von 305 Franken im 2021 ist das Unternehmen mit derzeit 176 Franken meilenweit entfernt.
Eine Frau macht noch keinen Sommer. Kühne-Konzernchef Paul muss weiter beweisen, dass er ein wirklich grosses Kaliber ist.
Für K & N ist bis jetzt alles sehr gut gelaufen. Jetzt ändert man etwas.
Erinnert mich an die Swissair.
Was gut lauft sollte man gut laufen lassen!
Mit 87 noch ganz schön rüstig und vital. Chapeau.