Wird ein Gemeinde- oder Stadtpräsidium vakant, finden zur Freude von Parteien, Werbern und Medien vielfach umstrittene Kampfwahlen statt.
Wie derzeit in Zürich und Winterthur.
Auch in den anderen rund 160 Städten und Gemeinden im Kanton Zürich werden bis Anfang April die Kommunalbehörden neu bestellt. Spannung gibt es vor allem dort, wo bisherige Amtsträger angegriffen werden.
Prominent ist dies in der Goldküstengemeinde Küsnacht, in der Polithochburg Gossau und in Volketswil, bekannt für die Göhner-Plattenbauten der 1960er-Jahre.
Auslöser für die Showdowns an der Wahlurne sind politische und personelle Spezialkonstellationen.
In Küsnacht regiert seit 2013 Markus Ernst von den Freisinnigen. Sie stellen insgesamt vier Sitze im 7-köpfigen Gemeinderat und wollen diese konsequent verteidigen.
Das kommt nicht überall gut an. Von Abgehobenheit ist die Rede.
Umso mehr, weil vor Jahresfrist mit der Ablösung der langjährigen und sehr beliebten Dorfzeitung „Der Küsnachter“ durch den neuen „Küsnachter Boten“ eine Welle der Empörung durch die Goldküstengemeinde ging.
Hintergrund für den Wechsel seien teilweise kritische Berichterstattungen über Behörden und den Gemeindepräsidenten selbst durch die damalige Lokalredaktorin gewesen. Sie musste ihre Position umgehend räumen.
Kurz danach stellte die Zeitung ihren Betrieb ein.
Langzeitpräsident Ernst sitzt zudem seit 2024 für die FDP im Verwaltungsrat der Elektrizitätswerke Zürich (EKZ). Wahlgremium ist der Kantonsrat.
Das Zürcher Parlament interessierte sich bis anhin nicht, dass Ernst auch Mitglied des Verwaltungsrats des lokalen Energieversorgungsverbunds Werke am Zürichsee AG und Verwaltungsratspräsident der Netzanstalt Küsnacht ist.
Aus Sicht einer modernen Corporate Governance ist dies eigentlich nicht zulässig.
Herausforderer ist der parteilose Hans-Peter Amrein, ehemaliger SVP-Kantonsrat und Herausgeber von „Die Tribüne“.
Der unbequeme, aber konstruktive Geist mit klaren bürgerlichen Werten, wie er in der Regionalpresse beschrieben wird, verspricht mehr Bürgernähe, Mitsprache und Kollegialität.
Zu einem regelrechten Showdown kommt es in der Gemeinde Gossau. Sie gilt mit alt-Bundesrat Ernst Brugger, alt-Regierungsrat Ernst Homberger und zeitweilig mit sechs Kantonsratsmitgliedern aus fünf Parteien als Polithochburg des Zürcher Oberlands.
Der vielfach als der „achte Regierungsrat“ benannte freisinnige Präsident des Gemeindepräsidenten-Verbands des Kantons, Jörg Kündig, wird von seinem Kantonsratskollegen Daniel Wäfler von der SVP frontal angegriffen.
Unter dem Strich geht es um ein Referendum über das Wirken von Kündig als langjähriger Präsident des Spitals Wetzikon. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft GZO der 12 Trägergemeinden befindet sich derzeit in definitiver Nachlassstundung.
Hintergrund ist ein präzedenzloser Zahlungsausfall gegenüber Gläubigern einer 10-jährigen 170-Millionenanleihe am Kapitalmarkt und ein aus dem finanziellen Ruder gelaufener Erweiterungsbau.
Regierungsrätin Natalie Rickli und der Gesamtregierungsrat hatten kein Erbarmen und verweigerten eine Garantie respektive eine Weiterfinanzierung des Spitals und dessen Bauprojekts.
Der Betrieb konnte sichergestellt und bis anhin weitergeführt werden. Eine Bauruine prägt derzeit das Stadtbild von Wetzikon.
Für Kündig, der seit 1998 im Gemeinderat sitzt, geht es um die politische Zukunft schlechthin. Sein Präsidenten-Amt beim einflussreichen Gemeindepräsidien-Verband ist an sein Amt in Gossau gekoppelt.
Immerhin konnte Kündig die Gossauer Bevölkerung im letzten Herbst grossmehrheitlich für die Kapitalerhöhung des Spitals von knapp 5 Millionen gewinnen.
Nach diesem Sachgeschäft, bei der es um die Ermöglichung des Weiterbestands der nahe gelegenen Spitalinfrastruktur mit Steuergeldern ging, steht jetzt eine Personenwahl an.
Für Herausforderer Wäfler, der ohne bisherige kommunale Behördenerfahrung antritt, ist die direkte Eroberung des Präsidiums aber auch kein Spaziergang.
Zwar bekannt als sehr präsenter SVP-Exponent in einer regelrechten Hochburg der Volkspartei mit rund 40 Prozent Wähleranteil bei den letzten Nationalratswahlen ist er bei der Majorzwahl auf die Unterstützung von ausserhalb der eigenen Reihen angewiesen.
Er steht für einen Generationenwechsel und will Gossau mit klarem Fokus für die Zukunft aufstellen, wie er auf seinem Flyer festhält.
In Volketswil schliesslich hat sich in den letzten Monaten ein Wahlkrimi der Superklasse zusammengebraut. Elf Kandidatinnen und Kandidaten – davon 5 Parteilose – bewerben sich für die sechs Sitze in der Exekutive.
Zudem wird Mitte-Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (seit 1998 im Gemeinderat) vom parteilosen Unternehmer und ehemaligen Präsidenten des Fussballclubs James Frei herausgefordert.
Dieser schaffte erst letztes Jahr nach einer umstrittenen Ersatzwahl den Sprung in die Exekutive. Dabei konnten die Freisinnigen ihren vakant gewordenen Sitz nicht verteidigen.
Die beiden anderen Sitze verlor die FDP ganz zu Beginn der Legislatur und gerade erst Anfang Jahr durch Parteiaustritte ihrer 2022 gewählten Vertreter. Mit einem einzigen Kandidaten wird jetzt die Rückkehr in die Behörde angestrebt.
In Göhnerswil – wie im Volksmund in Anlehnung an die Siedlungen der Baufirma Göhner das ehemalige Bauerndorf mit heute grossen Shopping- und Industrie-Zonen genannt wird – steht ein Entscheid über die Ortsplanung und somit das zukünftige Wachstum an.
Die Meinungen liegen weit auseinander. Auch der Stil, wie intern und mit den vielen Anspruchsgruppen umgegangen wird, ist in der Kritik.
In den letzten Jahren wurden zudem Aktivitäten entfaltet, die nun hinterfragt werden. Unter anderem die Gründung einer Gesellschaft zusammen mit den Nachbargemeinden Dübendorf und Wangen-Brüttisellen, um bei Bedarf den Flugplatz Dübendorf selbst zu betreiben.
Und vor kurzem wurde auf Präsidialebene ein Letter-of-Intent mit Schwerzenbach unterschrieben. Der Mehrwert dieses Papiertigers bleibt für Aussenstehende unklar.



frisst sich bis in die Wurzeln der zivilgesellschaftlichen Basis durch. Das Spital Wetzikon ist ein wunderbares Beispiel der Selbstüberschätzung – Schein statt Sein. Wir müssen halt nur noch etwas Geld haben – bis alle Fassaden auf einmal zusammenkrachen.
Liebi Fraue und Manne, wählt AUFRECHT!
Unzufriedenheit mit Kommunalbehörden gab’s schon früher. Aktuell sind jedoch die Anforderungen markant gestiegen. Die Bevölkerungsexplosion durch ungezügelte Zuwanderung, ruft nach drastischem Ausbau der diversen Infrastrukturen. Dies birgt sehr viel Konfliktpotenzial. Kein Wunder kriselts in diversen Gemeindebehörden. Oft ists aber fraglich ob „nur“ mit neuen Köpfen besser wird.
Die Schweiz hat/hatte nur einen König und das ist Pjotr Kraska. Alles Andere sind Hochstapler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Kraska
Jeder König sich selbst der nächste Adlige 😉
Die Frage ist, machen die Politiker Politik für sich (gutes gefühl „wichtig“ zu sein) oder für die Wähler.
Zum Glück lebe ich nicht in Küsnacht. Das ist ja die Wahl zwischen Pest und Cholera😉
Vor lauter Wahlen, Abwahlen und neuen Neuwahlen, jeweils wie üblich mit vielen Wahlversprechen zum selber auswählen und dem obligaten Wald an biederen „Partei&Kopf“-Poster am Dorfeingang:
Haben wir ja gar keine Zeit mehr, die wahren Problem zu loesen! Wahlen FIRST ! Hey, your roblem is a hoax….
FYI: Die steigenden Problème und die sinkenden Budgets aendern sich nicht, werden stetig einfach taffer. Egal wer hier wie schoen & lange reden kann.
Das Problem loesen ist die Lösung!
Man weiss nicht so recht, was mit dem Artikel anzufangen ist. Erkenntnisse, Positionsbezug; Fehlanzeige: Mehr als ein lokalpolitischer Alltagsbeschrieb gibt das Geplänkel nicht her.
Bis auf den Seitenhieb mit den Plattenbauten. Göhner investierte in und für die Bevölkerung; mit ansprechenderen Bauten, als was irgendwo sonst im Land aus der Zeit zu finden ist. Im ’26 wird die Wohnungsnot – und die systemischen Treiber dahinter – hingegen zelebriert; nicht in der Bevölkerung, aber von einer arroganten Gilde mit Sendungsbedürfnis.
Gratuliere, Herr Gantner. Geniessen Sie das Regenloch Maur.
Die Kandidatenliste der Bewerber für das Stadtpräsidium der Stadt Zürich ist eine einzige Offenbarung.
Offenbar sind erzielbare Vergütungen mit zukünftigen Pensionsaussichten Versuchung genug.
Einzelne Fakten im Artikel zu Küsnacht liegen falsch, weil wohl nur abgeschrieben wurde. Die Werke am Zürichsee sind keine Konkurrenten zum EKZ, ihre Tätigkeiten ergänzen sich. Somit liegt auch kein „Governance Problem“ vor. Konsequenterweise ist auch die Einzelinitiative von HP Amrein, welcher diese Geschichte betraf, an der Urne gescheitert. Auch beim Bezirksrat blitzte Amrein ab – wie üblich.
HP Amrein hat das Talent, sich es mit allen zu verscherzen. Und er soll nun die Mehrheit der Einwohner von Küsnacht vertreten?
Es wird höchste Zeit, dass in einer Gemeinde der engeren Goldküste (Erlenbach/Küsnacht/Zollikon) mal die FDP Herrschaft einen auf den Deckel bekommt. Sitzen in allen Gremien, beaufsichtigen sich gegenseitig, packtieren lieber mit Halblinken als mit der SVP und bringen wenig auf die Reihe. Ein paar Sonnenkollektoren lösen schon Jubel aus. Hoffentlich klappt es in Küsnacht, nachdem in Zolllikon eine SVP-Kandidatin aus Erlenbach heraus beschlossen wurde.
In der Schweiz findet sich immer ein Honk der den Dorf-Clown 🤡 spielt.
Das mit der Chefredakteurin des Küsnachters und danach mit der Einstellung des Küsnachters war ein veritabler Skandal!