Die erfolgreichste Strategie für einen Gegner der USA war in der Vergangenheit stets ein zäher und asymmetrischer Widerstandskampf.
Dadurch können die Kosten so hoch gehalten werden, dass der politische Wille für den Krieg in der USA erodiert.
Beispiele dafür waren der Vietnamkrieg oder der Kampf der Taliban gegen die USA. Aber auch die Houthis setzten 2025 sehr erfolgreich auf diese Strategie.
Im Falle des Irans war rasch erkennbar, dass Erfolge der Allianz weit hinter den Plänen zurücklag. Die Hoffnung der Allianz war ein rascher politischer Zusammenbruch.
Nach einem Monat ist es jetzt – für viele Beobachter überraschend – die US-Israel-Allianz, die sich strategisch in der Defensive befindet.
Unterdessen berichten auch gut informierte Medien wie die Washington Post oder die New York Times, dass die meisten amerikanischen Basen am Persischen Golf erhebliche Schäden erfahren haben und kaum mehr einen militärischen Wert besitzen.
Der Iran hat bisher einen sehr konventionellen Krieg geführt. Und in diesem Rahmen gezielt die Überwachungs-Assets der USA am Golf zerstört und die Logistikketten beschädigt.
Die ganze Kriegsführung des Irans hat – bei näherer Betrachtung – wenig gemein mit einer asymmetrischen Kriegsführung.
Die Luftschläge der Allianz gegen der Iran blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Unabhängige Beobachter messen eine abnehmende Intensität der Angriffe, während die Quantität und Qualität der iranischen Gegenattacken zunimmt.
Die USA agieren in der Kommunikation und der Strategie zunehmend reaktiv. Es geht beispielsweise um die Wiedereröffnung der Strasse von Hormus, die erst mit dem Kriegsbeginn geschlossen wurde.
Dies ist keine Situation, in der man sich in einer militärischen Kampagne befinden will.
Die Herausforderung der Allianz ist heute: Wie kann die strategische Situation verändert werden? Wie kann die Handlungsfähigkeit wiedergewonnen werden?
Hingegen steht der Iran vor der Herausforderung, wie er den Gegner entscheidend schwächen und damit ein Ende des Kriegs erzwingen kann.
Entscheidend für die Kriegsführung der Allianz sind – soweit dies von aussen beurteilbar ist – drei zentrale Schwerpunkte.
Erstens die Militärbasen in Israel. Hier sind die Flieger Israels stationiert. Dies bietet viele Vorteile. Auf geringem Raum befinden sich alle für eine Kriegsführung notwendigen Assets und sowohl Piloten als auch Bodenpersonal kann bequem rotiert werden.
Zweitens die Militärbasen der USA in Saudi-Arabien und eine Basis in Jordanien. Diese dienen ebenfalls als Luftwaffenbasen, sind aber vor allem für die entscheidende Luftbetankung zentral, die Angriffe auf den Iran überhaupt erst ermöglicht.
Diese Infrastrukturen unterstützen sowohl die israelische Luftwaffe als auch den Flugzeugträgerverband Abraham Lincoln (CVN-72), der sich im Arabischen Meer vor der Küste von Oman befindet.
Bedeutungsvoll sind hier insbesondere die Vorräte an Kerosin, Reparaturwerkstätten und Ersatzteillager.
Der dritte Schwerpunkt waren die Militärbasen am Golf. Sie haben die Rolle von „Forward Operating Bases“ (FOB) und stellen Überwachungs-Daten zur Verfügung, die für die Fliegerabwehr zentral sind.
Eine Vorwarnzeit ist für die Abwehr von Drohnen und Lenkwaffen entscheidend. Die meisten dieser Basen und ihre Radarstationen sind heute nach zahlreichen Berichten nicht oder nur noch eingeschränkt aktiv.
Damit entfällt ein wichtiger Schutzschild für die Militärbasen in Saudi-Arabien – und auch für die militärischen Einrichtungen in Israel. Die USA versuchen dies zu kompensieren mit mobilen Systemen und spezialisierten Flugzeugen (AWACS).
Diese Flugzeuge verfügen über leistungsstarke Radaranlagen, sind aber technisch gesehen kein Ersatz für die neutralisierten terrestrischen AN/FPS-132 oder AN/TPY-2-Radaranlagen.
Die optimale weitere Strategie des Irans gegenüber den beiden verbliebenen Schwerpunkten (Israel und US-Basen in Saudi-Arabien) liegt auf der Hand und zeichnet sich seit etwa einer Woche ab.
Gegen Israel führen die Iraner kontinuierliche Angriffe mit Lenkwaffen durch. Sie bestehen meistens aus lediglich einer bis zwei Raketen gleichzeitig, fliegen aber über den gesamten Tag verteilt.
Dabei geht es vermutlich weniger um die tatsächliche Zerstörung; wegen strikten Zensur ist dazu noch wenig bekannt.
Die Angriffe sollen hauptsächlich die israelische Ökonomie lähmen und Menschen zermürben. Ein Fliegerangriff beispielweise in Tel Aviv löst enorme Folgekosten aus.
Tel Aviv, das wirtschafliche Herz Israel, erlebt heute gemäss OSINT-Quellen täglich bis zu 10 Fliegeralarme. Es häufen sich Berichte – auch in israelischen Medien -, wonach grosse Teile der israelischen Gesellschaft physisch und psychisch erschöpft sind und kaum mehr einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen können.
Parallel dazu ringt Iran schrittweise die Fliegerabwehr der zentralen US-Basen in Saudi-Arabien nieder. In den letzten Wochen verloren die USA eine Reihe von Tankflugzeugen und mindestens ein wertvolles AWACS-Flugzeug (E-3G Sentry) auf der Prince Sultan Airbase.
Diese liegt 300 Kilometer entfernt vom Persischen Golf. Die USA werden somit vermutlich ihre Assets schrittweise auf andere Basen verlegen müssen.
Aufgrund der enormen Distanzen in der Region führt dies zu deutlich anspruchsvolleren Logistikketten und Herausforderungen in der Luftbetankung.
Eine Verlagerung entlastet nur temporär. Auch die neuen Basen stehen unter Druck. Aufgrund der heutigen Trends müssen die Amerikaner auch diese früher oder später aufgeben.
Sollten die USA die King Saud Airbase verlieren, dann müssten sie auf die Basen am Roten Meer (King Khalid, King Fahd, King Abdullah) und die Muwaffaq Salti Airbase in Jordanien ausweichen.
Ob von dort aus überhaupt noch ein effektiver Luftkrieg möglich ist, ist aufgrund der enormen Distanzen zweifelhaft.
Alle diese Basen befinden sich über 1’000 Kilometer entfernt vom Iran.
Der Iran-Angriff ist ein Abnützungskrieg, den die Allianz nach den heutigen Trends nicht gewinnen kann und der mit zunehmender Dauer immer ungünstiger für das US-Israel-Gespann wird.
Die Frage ist, wie die Allianz die Lage militärisch wenden kann. Hier gibt es im Prinzip konventionell vier realistische Optionen.
Erstens die erfolgreiche Eröffnung einer neuen Front und die Integration eines weiteren starken Partners in die Allianz.
Dafür bietet sich entweder die Türkei oder Pakistan an. Beide Länder verfügen über schlagkräftige Armeen, und vor allem Pakistan wäre geografisch optimal positioniert, um militärischen Druck auf den Iran auszuüben.
Politisch ist dies aber kaum realistisch, vor allem nicht in der aktuell schwierigen Lage. Kleinere Partner (Golfstaaten, Aserbeidschan oder die irakischen Kurden) sind – selbst wenn sie allenfalls politisch dazu bereit wären – militärisch kaum in der Lage, nennenswerten Druck auszuüben.
Die zweite Option wäre eine technische Lösung. Politiker und Laien träumen in schwierigen Situationen stets von vermeintlichen „Wunderwaffen“, welche die Lage retten.
Sie verkennen, wie lange es dauert, bis ein neues Waffensystem erfolgreich eingeführt werden kann. Training, Doktrin und Logistik brauchen Jahre, um ein neues System wirklich zu integrieren – und niemand weiss, ob nicht der Gegner bereits an einem Gegenmittel zu dieser „Wunderwaffe“ arbeitet.
Das einzige Instrument, das wirklich die Situation verändern könnte, wäre eine System, welches dem Iran den Zugang zu den chinesischen und russischen Positionierungs-Systemen (Beidou, GLONASS) nimmt.
Der dritte Ansatz wäre der Versuch, die zivile Ökonomie des Irans möglichst stark zu schädigen in der Hoffnung, dass daraus ein Umsturz entsteht. Typische Ziele dabei sind Bahnlinien, Kraftwerke und Verteilsysteme.
In der Praxis sind solche Strategien selten erfolgreich. Zudem binden sie militärische Ressourcen – vor allem Standoff-Waffen -, die bereits jetzt sehr knapp sind. Gegeben die schiere Grösse des Irans ist die Absorptionsfähigkeit gerade im Vergleich zu Israel oder den kleinen Golfstaaten enorm.
Die vierte und letzte Option wäre eine Bodenoffensive. Dies bedeutet eine weitgehende Mobilisierung der US-Streitkräfte inklusive der Nationalgarde.
Möglich sind zwei Taktiken: Eine Bodenoffensive über den Irak in die Westprovinzen des Irans oder die Besetzung der Strasse von Hormus.
Beides in meiner Sicht realitätsfremde Ansätze. Der Zusammenzug einer solchen Streitmacht inklusive des dafür notwendigen Schweren Geräts und der Logistikketten würde nach den Erfahrungen im Golfkrieg 1991 mindestens sechs Monate benötigen.
Im Fall eines Angriffs über den Irak würden die Logistikketten 1’500 Kilometer über Land führen; Distanzen, die schlicht nicht realisierbar sind.
Angesichts dieser militärischen Gesamtlage drängt sich eine politische Einigung auf. Dabei empfiehlt es sich aus heutiger Sicht für die Allianz, so rasch wie möglich eine Waffenruhe zu erzielen.
Die heutigen Forderungen des Irans sind zwar schmerzhaft für Israel und Amerika, aber doch erfüllbar. Es ist absehbar, dass der Iran mit zunehmendem militärischen Erfolg mehr will.
Zudem steigen die Kosten für die Weltwirtschaft mit zunehmender Dauer des Kriegs exponentiell. Das stärkt Irans Verhandlungsposition weiter.
Mit zunehmender Dauer von Friedensgesprächen verschiebt sich das Endergebnis eines Deals immer stärker zugunsten des Irans. Das kann nicht im Interesse der Allianz liegen.

Wird Israel die grosse Bombe gegen den Iran einsetzen ? 🤷♂️
haben ein Weltweites Problem geschaffen und mit denen -> BlackRock -> WEF->
WHO -> auch die Schweiz hineingezogen -> Kriegstreiber -> Selbstzerstörung ist aktiv!
Kauft Gold und Silber!!
Jetzt schlägt die grosse Stunde der europäischen Besserwisser. Nicht wenige werden gar an der Seitenlinie applaudieren. Dies, obwohl die Vorstellung einer A-Bombe in der Hand der Mullahs mehr die Europäer als die Amerikaner beunruhigen müsste.
Die Iraner wirken aktuell deutlich rationaler und vernünftiger als die Israelis.
Der dortigen Führung scheint das Leben im Bunker gar nicht gut zu tun.
Die sind unberechenbar.
Deine Analyse wirkt ungefähr so differenziert wie ein Stammtisch nach dem dritten Bier.
Wer in die Geschichte schaut, der sieht immer wieder erstaunlich verrückte Militäraktionen, die von Beginn weg zum Scheitern verurteilt waren.
Dieser ganze Iran-Krieg wird man in ein paar Jahren genau gleich beurteilen.
Das war und ist doch der völlige Irrsinn.
Das Ergebnis wird sein, hier wage ich eine Prophezeiung: In 24 Monaten wird es keine einzige US-Basis auf der arabischen Halbinsel mehr geben. Und Israel kann froh sein, wenn es diese Niederlage als Staat irgendwie überlebt.
Ach, der Blick in die Geschichte… ja, den bemühen immer die, die glauben, sie hätten gerade den geheimen Masterplan entschlüsselt. Nur blöd, dass historische Vergleiche meistens dann kommen, wenn die Argumente ausgegangen sind.
Aber gut wer schon heute weiß, was in 24 Monaten passiert, sollte vielleicht weniger Kommentare schreiben und mehr Lotto spielen. Die Trefferquote wäre vermutlich ähnlich.
Beeindruckend, wie du mit so wenig Ahnung so viel Meinung unterbringst.
Hervorragende Analyse, wie immer ein Genuss für den Leser.
Wie in der Ukraine. Der Deal wird immer schlechter, je länger der Krieg dauert.
Den Deal, den es vor dem Überfall auf den Iran gegeben hätte, würde Trump heute doch jederzeit nehmen. Aber den gibts nicht mehr.
Ich habe viele Bekannte in Israel. Die Beschreibung in dem Artikel ist korrekt. Es gibt wirklich pro Tag teilweise 10 oder mehr Luftangriffe.
Rein in den Bunker, raus aus dem Bunker. Tag und Nacht. Seit Wochen jetzt. Und die Leute verlieren den Verstand.
Ein Bekannter ist jetzt nach Europa ausgereist. Seine Frau wurde im Luftschutzbunker von ihrer besten Freundin angegriffen, die durchgedreht ist.
So kann doch niemand leben (geschweige denn arbeiten).
Und der Krieg im Norden läuft gar nicht gut. Es gibt viel mehr Gefallene als berichtet wird.
@Fred Feuerstein
Gesetz von Ursache und Wirkung.
Nun, was hat die USA in den letzten Jahrzehnten erreicht?
Vietnam, Libyen, Irak, Afganistan und jetzt Iran?
NIX HABEN SIE ERREICHT!
Donald Trump hat ja kürzlich angeblich gesagt dass wir Europäer unser Öl selber holen sollen. 😮
Aber wie ? 🤷♂️
Mit den SVP-Hellebarden ? 🤷♂️
Kommt noch dazu: die Stadtzürcher wollen ja gar kein Oel. 🤷♂️
Und: Bleiben die dann ohne Energie auch wirklich Tsüri drin ? 🤷♂️
Ich hoffe es jedenfalls sehr. 😉🤭😂
Was hat das mit der SVP zu tun? Oder mit der SP oder der GLP?
Halte dagegen, denn die Amis verhandeln clever mit den Golfstaaten.
@HD Laeppli
Witzbold
Die Werbung von Koreadates stört den Lesefluss.
Bei all dem Trubel um den Iran:
Vergesst bitte nicht die Ep$stein Files!
Denn darum geht es ja eigentlich.
Wer hoch versichert, kann im Schadensfall tief in die heisse Suppe langen.
Alte thailändische Weisheit.
Deinen unterirdischen IQ kann man leider nicht versichern..
Israel und Amerika sind mindestens 3 Schachzüge vorne, haben für jede Option einen guten Zug bereit. Strategen vom Feinsten.
Wer zuletzt lacht, lacht am lustigsten. Alte thailändische Weisheit
Ja und dass der orange Einzeller ein ganz ausgebuffter Stratege ist haben wir ja in den letzten Monaten gesehen.
Eine sehr interessante Analyse. Der Iran fährt eine Zermürbungstaktik und zumindest das israelische Volk ist vom vorhergehenden Krieg wirklich schon zermürbt und mag nicht mehr.
Eine Einmischung der Türkei wäre für Europa eine Katastrophe und eine US-Bodenoffensive eine Katastrophe für die ganze Welt. Die Situation erscheint trist und auswegslos.
Wenn Trump Europa bittet bitte macht im Krieg mit und helft mir dann weiss man das er tief in der „Scheisse“ sitzt. Ich hoffe Europa bleibt standhaft und kauft dann vom Iran Oel ab. Sicher nicht von USA Energie kaufen der Donald kann toben wie er will. Er braucht dringend eine Lektion und soll endlich die ganzen Epstein Akten ungeschwärzt frei geben.
Ist das jetzt der WW3 oder sollen wir besser mal das Tv Programm wechseln ? 🤷♂️
Jede Schlacht ist schon gewonnen bevor sie angefangen hat.
Die Kurden haben auf Iranischem Gebiet ein für sie sehr wertvolles Rückzugsgebiet, wenn die Kurden gegen den Iran Stellung beziehen würden, dann würden die Kurden dieses Rückzugsgebiet langfristig verlieren.
Ich geh jetzt mal langsam meinen HD-Filz-Mutz suchen im Estrich – dann ist wenigstens der schon mal parat. 🤭😂
Vielleicht müsste Donnyboy seinen Friedensrat mal ankicken.
Die USA haben ihre ziele erreicht und den Energiemarkt neu geordnet. Sie werden im Bereich LNG die nächsten Jahre unangefochten marktleader sein. Es klingt definitiv komisch, aber aus dieser Sicht hat die USA gewonnen..
Die USA haben gar nichts gewonnen.
Russland kann China beliefern – Problem gelöst.
1000 Milliarden einsetzen um 500 Milliarden zu verdienen ist ein schlechtes Geschäft.
Das Bild des gemäss Hegseith angeblich nur ganz leicht beschädigten AWAC-Flugzeugs kann man als Symbolbild für diesen dummen, dummen Krieg verwenden.
„HD Clausewitz ist das Pseudonym eines Schweizer Militär-Fachmanns, der aus beruflichen Gründen nicht unter seinem Namen publizieren kann.“
Feigling
Hat eigentlich die Viola die F-35 schon bezahlt oder werden zum Schluss nur Heissluftballone aus den USA geliefert ?🤷♂️🤭😂
„..gut informierte Medien wie die Washington Post oder die New York Times.“